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In wenigen Tagen öffnen sich zum 25. Mal die Türen zum BuCon 2010. Da gibt es alle Jahre wieder das Stelldichein von Phantasten im Schatten der großen Frankfurter Buchmesse. Doch der BuCon muss sich nicht verstecken. In all den 25 Jahren hat er sich weiterentwickelt, Neues, Innovatives kam hinzu. Sicherlich auch in diesem Jahr, denn das diesjährige Programm ist facettenreich und bietet für jeden Geschmack etwas. Auch wenn der eine oder andere ob der Fülle an Panels der Auffassung ist, dass nicht genügend Zeit für Plaudereien sei und man ja zwischen Transporterraum, Maschinenraum, Hangardeck, Holodeck, Hauptsaal und Foyer hetzen muss, um ja auch alles mitzubekommen, denen sei gesagt: Man sollte sich Prioritäten setzen, an welchen Panels man teilnehmen möchte. Oder man kommt mit mehreren Leuten und teilt sich auf. Und glaubt mir: Es gibt genügend Zeit, um sich mit Bekannten und neuen Besuchern des BuCon auszutauschen. Auch wenn es vor dem Bürgerhaus sein sollte bei einem Kippchen.

25 Jahre BuCon sind schon beachtlicht, wenn man bedenkt, dass in all den Jahren jede Menge geboten wurde, auch wenn des Öfteren die Lokalitäten - vom St.-Raphaels-Gemeindehaus über den Henninger-Turm, Goldstein, den Bürgersaal in Dreieich-Buchschlag bis hin zum Bürgerhaus in Dreieich-Sprendlingen - gewechselt werden mussten. Die Älteren unter uns erinnern sich bestimmt noch daran, wie Walter Appel in dem Sketch »Die Rückkehr aus dem Reich der Torten« auf einen Stuhl steigen musste, um den im Leopardenlook auftauchenden großgewachsenen Thomas(ine) Oelschläger hypnotisieren zu können. Oder an das Stück »Der Pferdeknecht«, welches in 5 Versionen - normal, als Western, Grusel, Science Fiction und als Oper - aufgeführt wurde.

25 Jahre BuCon sind unmittelbare Begegnungen mit Autoren wie Walter Appel, Harry G. Watkins, Dave C. Hill, Kurt Brand, Werner Kurt Giesa, Manfred Weinland, Jürgen Grasmück, Horst Hübner ... Wolfgang Hohlbein, Frank Rehfeld, Markus Heitz, Christoph Hardebusch, Markus K. Korb, Christel Scheja, Oliver Plaschka, Jörg Olbrich ..., um nur einige zu nennen. Lesungen und Präsentationen aktuelle Werke, Podiumsdiskussionen, Smalltalk und Kleinverlagsstände gehören zum BuCon wie das Salz in der Suppe.

25 Jahre BuCon sind ein Grund mehr, um mit diesem Interview allen Organisatoren und Helfern zum bevorstehenden Jubiläum zu gratulieren und ihnen ein großes Danke für die bisherige hervorragende Organisation und Durchführung auszusprechen.

: Seit einem Vierteljahrhundert treffen sich alljährlich die Phantasten des Rhein-Main-Gebietes und darüber hinaus zum Erfahrung-saustausch, zur Präsentation und Kontaktpflege. Woraus entstand die Idee, neben der Frankfurter Buchmesse diesen Con durchzuführen? Wer war der Vater des Gedanken?

Roger Murmann: Die Väter des Gedankens dürften der breiten Masse der heutigen BuCon-Besucher weitestgehend unbekannt sein: Uwe Schnabel, Walter Appel, Thomas Oelschläger, allesamt aus der Heft- und Horrorszene. Warum es einen BuCon gibt, können dir eigentlich nur diese Leute beantworten. Sorry. Ich halte es bei der Frage, warum es einen BuCon gibt, mit Sir Edmund Hillary: »Weil er da ist ...«

: Blickt man auf 25 Jahre BuCon zurück, gibt es sicherlich sehr viel zu berichten. An welche positiven Erlebnisse könnt ihr euch erinnern. Eine kleine Auswahl wäre es wert, an dieser Stelle erwähnt zu werden.

Roger Murmann: Nennen wirs eher mal »lustig-skurrile Erlebnisse«. Da wäre zum Beispiel Andreas Bull-Hansen aus Norwegen, der einzige ausländische Autor, der unseres Wissens nach jemals den BuCon besucht hat. Unser Helfer wollte ihn auf dem Rhein-Main-Flughafen abholen, Andreas ist allerdings in Frankfurt-Hahn gelandet, hat sich überhaupt nicht zurechtgefunden und ist dann mit dem letzten Geld in einem sündhaft teuren Taxi noch zum Vortreffen nach Dreieich gekommen. Übernachtet hat er dann bei Birgit »BiFi« Fischer und sich dann vielmals für die herzliche Aufnahme bedankt. Ich glaube, ihm hats trotz allem doch sehr gut gefallen.
Irgendwann kam mal jemand vorbei und meinte, er sei Wolfgang Holbein und wolle sich den Deutschen Phantastik Preis abholen. Unsere Kasse kennt aber grundsätzlich niemanden und erwiederte keck: »Das kann ja jeder sagen«. Erst jemand von der Orga hat dann bestätigt, dass es wirklich Wolfgang Holbein war ...
Äusserst Positiv ist auch die Kooperation mit dem SFCD e. V. zu bewerten, hier ganz besonders mit Michael Haitel, der nun seit drei Jahren dafür sorgt, dass der BuCon mit der Sonderausgabe der ANDROMEDA NACHRICHTEN ein äußerst attraktives Begleitheft bekommt. Das Cover des Flyers stammt übrigens schon seit vielen Jahren aus den Grafikarchiven des SFCD.

: Und an welche negativen? Auch hier wäre eine kleine Auswahl nett.

Roger Murmann: Von einem negativen Vorfall erzählt man sich bis heute: Für einen Sketch sollte eine Pistole mit Platzpatrone abgefeuert werden. Im Magazin war allerdings eine Gaspatrone. Der Con war schneller vorbei, als er begonnen hatte ... allerdings war das weit vor meiner Zeit ... lol.
Dann gabs natürlich diverse Locations, u. a. kirchliche Einrichtungen und auch eine Schule, die uns jeweils im Jahr darauf nicht mehr haben wollten. Da muss wohl jemand durch die Reihen gelaufen sein und gar gruselige Heftcover erspäht haben. Mindestens einmal hätte das beinahe sogar das komplette Aus für den Con bedeutet, weil einfach keine bezahlbaren Alternativen gefunden werden konnten.

: Nicht immer stoßen eure Bemühungen, den BuCon mit interessanten Panels zu bereichern, auf positive Resonanz. Mal sei sie zu fantasylastig, ein anderes Mal zu viel prominente Autoren. Wie geht ihr mit solcher Kritik um?

Roger Murmann: Ich verrate dir was: Eigentlich sind die Organisatoren beinharte SciFi-Fans und würden liebend gerne mehr SF im Programm haben. Allerdings kann man SF-Autoren auch nicht herbeizaubern. Der Trend ist seit Jahren nun mal Fantasy. Und da sich der BuCon schon immer am Trend orientiert hat, gibt’s eben viel Fantasy und Grusel. Wobei die Vampire aber wohl langsam wieder in ihren Grüften verschwinden, habe ich den Eindruck. Ich hoffe ja, dass mit Markus Heitz‘ »Collector« und dem, was da noch folgen soll, wieder mehr SF auf den Markt kommt.
Prominente Autoren müssen schon allein als Zugpferde fürs Publikum sein. Im Verhältnis zu den Semiprofis und Amateuren sind es aber relativ wenige. Andererseits: Viel Publikum auf dem Con bedeutet, dass der eine oder andere dann auch mal auf den Geschmack kommt und bei weniger bekannten Autoren reinschaut.

: Es ist sicherlich nicht leicht, aufgrund der Platz- und Zeitkapazität alle Anfragen auf Belegung der Panels und Ausstellungstische positiv zu beantworten und es jedem recht zu machen. Worauf legt ihr den Schwerpunkt der Programmgestaltung und der Vergabe von Präsen-tationsflächen?

Roger Murmann: Das Problem ist: Wir können nie alles lesen, was unsere Bewerber anbieten. Deshalb müssen wir teilweise danach gehen, wie präsentiert sich der Autor im Internet, bei welchem Verlag publiziert er oder passt das Buch überhaupt zum Con? Es bringt ja wenig, bei einem Con mit erwachsenem Publikum jetzt Fantasy für 12 oder 13jährige vorzustellen. Oder den 150. Roman mit Zwergen oder Vampiren in den Hauptrollen.
Mit dem neu eingeführten Bewerbungssystem geben wir allerdings mehr Leuten die Chance auf eine Teilnahme. Früher war der Con schon relativ frühzeitig ausgebucht und so ist mancher interessante Neu-Autor nur aus Unwissenheit darüber, dass man sich bei uns frühzeitig um ein Panel zu kümmern hat, nicht zum Zuge gekommen. Heute haben auch wir als Veranstalter die Möglichkeit, jemanden mehr nach Inhalten, nicht nach dem Zeitpunkt der Programmanmeldung auszuwählen.

: Was können wir Phantasten beisteuern, um den BuCon noch attraktiver und bekannter zu machen?

Roger Murmann: Jeder Autor sollte 10 seiner Leser mitbringen. Macht nach dem aktuellen Stand der Anwesenheitsliste etwa 600 Besucher. Aber im Ernst: Vielleicht schafft es die geballte Meinungsmacht des Fandoms ja doch einmal, dass gewisse Großverlage den BuCon auch hochoffiziell unterstützen und nicht nur ihre Mitarbeiter als »Spione« schicken. Deshalb - berichten, was das Zeug hält.

: Last but not least: Wo seht ihr den BuCon in 25 Jahren?

Roger Murmann: Eschbach, Schätzing, Holbein und Co als Stammautoren, die auch noch freiwillig kommen. Autoren-Sponsoring durch Großverlage und die Einsicht, dass es vielleicht auch mal ganz gut ist, nicht immer an der Frankfurter Buchmesse zu kleben. Aber hey, da bin ich 68. Sollte da nicht längst die nächste Generation der BuCon-Orga am Werk sein?
Das Problem ist, dass die aktive, den BuCon tragende SF-Szene des Rhein-Main-Gebietes langsam aber sicher gemeinsam älter wird. Wir machen nun auch schon wieder seit 15 Jahren den BuCon und andere Events. Nachwuchshelfer? Fehlanzeige. Es sind eigentlich immer wieder die üblichen Verdächtigen. Ich fürchte, irgendwann könnte die Motivation zurückgehen. Aber vielleicht treffen wir uns dann ja alle in diversen Chatrooms, schicken unsere Avatare zu Online-Lesungen und die Orga braucht gar nicht mehr aus dem Haus zu gehen. Schauen wir mal ...

Ein Hauptschwerpunkt des Bucon ist seit 1999 die Verleihung des Deutschen Phantastik Preises. In den verschiedensten Kategorien wird den Siegern der Preis überreicht. Dirk van den Boom erklärte sich bereit, auf einige Fragen zu antworten.

: Ein Blick hinter die Kulissen des DPP sei mir gestattet. In der Vorrunde gibt es einerseits Vorschläge der Jury, andererseits bekommt jeder, der am Voting teilnehmen möchte, die Möglichkeit, seinen Favoriten ins Rennen zu schicken. Wovon lasst ihr euch bei der Erstellung der Vorschlagsliste leiten?

Dirk van den Boom: Wir bitten unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter darum, uns eine Liste derer zusammenzustellen, die sie für nominierungswürdig halten. Wovon sie sich leiten lassen, dürfte von Person zu Person unterschiedlich sein. Es handelt sich durchweg um Leute, die viel lesen und viel rezensieren, d. h. die etwa Neuerscheinungen eines Jahres ganz gut kennen und ein Gefühl dafür haben, was nominierungswürdig sein könnte und was nicht. Die Listen werden dann gesammelt und ausgewertet. Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass das immer nur Vorschläge sind. Jeder kann auf dem Formular etwas ganz anderes eintragen.

: In der Kategorie »Beste Internetseite« wurden in den vergangenen Jahren kommerzielle Webseiten vorgeschlagen. Ich bin der Auffassung, dass diese aufgrund professioneller und finanzieller Möglichkeiten bei der Gestaltung ihrer Internetpräsenz eine gewisse Dominanz gegenüber nichtkommerziellen und Fan-Seiten haben und nicht für den DPP vorgeschlagen werden sollten. Wie steht ihr zu diesem Sachverhalt?

Dirk van den Boom: Zumindest in diesem Jahr ist keine kommerzielle Seite in die Endrunde gekommen. Und wenn es mal z. B. eine Verlags-Homepage schaffen sollte, dann wäre dem so und es spricht aus unserer Sicht nichts dagegen. Wir machen keine engen Vorgaben. Ob kommerziell oder nicht, das sagt im Zeitalter kostenfreier CMS-Systeme und engagierter Hobbyredakteure nur noch wenig aus, wie wir finden. Der DPP ist außerdem kein »Fandom-Gratifikationspreis« – hier geht es schlicht darum, was das Publikum am besten findet.

: Seit seiner 4½jährigen Internetpräsenz befindet sich auf dem Geisterspiegel eine Vielzahl an guten und sehr guten Storys sowie Kurzgeschichten. Inwieweit besteht die Möglichkeit, Onlinewerke von Autoren in die Nominierung zum DPP einzubeziehen?

Dirk van den Boom: Diese Frage beantwortet unsere FAQ: »Möglich sind hier auch erstmals im Vorjahr publizierte Online-Texte.« Wenn also eine Story von dort nominiert wird, ist das möglich. Es müssen halt nur genug Leute da sein, die ihre Stimme abgeben.

Das Geisterspiegelteam bedankt sich bei den Interviewpartnern und wünscht dem 25. Bucon gutes Gelingen und zahlreiche Besucher.

Copyright © 2010 by Wolfgang Brandt

 

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