Sperling-Verlag
Heute möchte ich mit dem Sperling-Verlag einen recht jungen Verlag vorstellen – seine Gründung erfolgte im September 2009 – der im Bereich Fantasy/Märchen bereits diverse Anthologien herausgegeben und momentan weitere ausgeschrieben hat. Zudem ist der Verlag nach einigem Erfolg mit den bereits erschienenen Anthologien künftig an Einzelveröffentlichungen von Autorinnen und Autoren interessiert und bittet auf seinen Internetseiten um die Zusendung von programmgerechten, fertigen Texten per CD. Noch im Jahr 2011 soll das erste Komplettwerk einer Einzelautorin erscheinen.
Wichtig ist an dieser Stelle, dass der Sperling-Verlag ausdrücklich auf seine Fahnen geschrieben hat, keine Druckkostenzuschüsse von AutorInnen zu verlangen. Diese erhalten hingegen vom Verlag einen handelsüblichen Vertrag und bei Beteiligung an einer Anthologie ein kostenloses Belegexemplar.
Der Verlag wird von Irina Piechulek geleitet. Sie wurde 1958 in Moskau geboren und studierte dort Wirtschaftswissenschaften. 1990 heiratete sie und zog nach Deutschland. Heute lebt sie mit Mann und zwei Kindern in Nürnberg, dem Sitz ihres Verlages. Sie schreibt selber schon längere Zeit Kurzgeschichten, die sie, bevor sie selbst Verlegerin wurde, in diversen deutschen Verlagen veröffentlicht hat. Außerdem zeichnet sie selber für die Cover der Bücher ihres Verlages und fertigt auch Illustrationen zu den Texten an.


Als Lektorin konnte die Verlegerin Perdita Klimeck gewinnen. Frau Klimeck ist 1961 geboren, lebt in Euskirchen und hat eine erwachsene Tochter. Die gelernte Bankangestellte schreibt selber Kurzgeschichten und jede Art von Lyrik (z.B. auch Songtexte). Sie hat schon diverse Texte veröffentlicht, u.a. in der Anthologie Wasserzauber, einer kürzlich in der Reihe Fantasy aus dem Sperling-Verlag erschienenen Anthologie.
Ich möchte an dieser Stelle die zuletzt erwähnte Anthologie vorstellen. Der Verlag erhielt bei dieser Ausschreibung 267 Zusendungen, was die Auswahl der letztlich 41 Geschichten nicht leicht machte. Die Verlegerin schreibt im Klappentext:
»... Wir entführen Sie mit den Geschichten in die Welt der Nixen und Wassergeister, die, fragt man jemanden, der ihnen begegnet ist, so real sind, wie du und ich.
Alles nur Märchen, eine Sinnestäuschung?
Wer weiß das schon!«
Dieser Text lässt spannende Geschichten rund um das Thema Wasserwesen erwarten, eine Erwartung, der das Buch meiner Meinung nach gerecht wird.

In den nun folgenden Abschnitten sollen drei Autorinnen der Anthologie und ihre Geschichten vorgestellt werden:
1. Barbara Siwik
Barbara Siwik wurde 1939 geboren und lebt heute in Braunsbedra in Sachsen-Anhalt. Nach einem sozialpädagogischen Fachschulstudium und einer Tätigkeit als Erzieherin absolvierte sie ein bibliothekarisches FH-Studium und arbeitete dann als Bibliothekarin. Ihre schriftstellerischen Arbeiten sind vielfältig. Sie ist u.a. in zahlreichen Anthologien vertreten.
Der Fremde
Aodh von Braonain wird auf seiner Burg von einem alten Feind namens Braxton belagert und zum Kampf gefordert. Seine Leute sind hoffnungslos unterlegen. Als er ganz in Gedanken über seine Niederlage und den unweigerlich folgenden Tod ist, kündigt eine Wache einen fast nackten Mann an. Aodh lässt Bairre, den Weisen, holen und den Fremden zu sich führen. Dieser ist ein muskulöser junger Mann. Aodh, der ihn für einen Spion Braxtons hält, fragt ihn, wer er ist. Der Fremde heißt Caomh. Bairre weiß, dass er ein Selkie ist, also eine Robbe, die ihren Pelz abgelegt hat und Mensch geworden ist. Wenn einer den Pelz eines Selkies versteckt, muss dieser Mensch bleiben, bis er ihn zurückbekommt.
Caomh bietet Aodh die Hilfe der Selkies im Krieg gegen Braxton an, weil dieser in der Vergangenheit Selkies gejagt und oft auch getötet hat. Er fordert von Aodh für diese Hilfe Schutz und Zuflucht für sein Volk in dessen Gebiet. Aodh verspricht ihm dies.
Da betritt Aodhs Tochter Brianna den Raum. Sie erkennt in Caomh den Selkie und verliebt sich in ihn, weil er so schöne Augen hat.
Als Braxton die Burg angreift, drängen die Verteidiger und die Selkies ihn und seine Männer über die Klippen in den Abgrund.
Obwohl Aodh denkt, Caomh würde die Burg nun nicht mehr aufsuchen, weil er die Liebe Caomhs und seiner Tochter nicht bemerkt hat, trifft Brianna auf wundersame Weise Caomh als Mensch wieder. Sie wird schwanger und nennt ihrem Vater den Namen des Kindsvaters nicht. Dieser aber entdeckt, dass Caomh der Vater ist.
Aodhs Enkel erbt seine Güter und in stürmischen Nächten gesellt sich sein Vater in Menschengestalt zu ihm und seiner Mutter.
2. Stephanie Schmid
Stephanie Schmid wurde im September 1988 in Bayern geboren. Nach dem Abitur absolvierte sie ein Praktikum beim Sender Sat 1 und war als Aushilfe bei einer IT-Firma tätig. Seit September 2009 wird sie zur Medienkauffrau im digitalen und im Printbereich ausgebildet. Sie schreibt Kurzgeschichten und Märchen und ist an diversen Anthologien des Sperling-Verlags beteiligt.
Muschelflöte
Tony ist ein normaler Junge, mittelgroß und leicht übergewichtig. Er ist ein Tagträumer und hat nur wenige Freunde.
Auch während eines Klassenausflugs in den Wald träumt er vor sich hin und verliert dabei die anderen. Da er nicht einmal sein Handy dabei hat, wird er panisch. Dann aber hört er das Rauschen eines Flusses. Er denkt, wenn er dessen Verlauf folgt, kommt er in die Zivilisation zurück. So folgt er dem Flusslauf und findet zu einer alten, verlassenen Mühle. Von dort muss ein Weg zur nächsten Stadt führen! –
Da hört Tony plötzlich jemanden singen. Als er nachschaut, findet er im Fluss bei der Mühle eine wunderschöne Nixe, die auf einem Stein sitzt. Er glaubt zunächst, sie sei nur ein Produkt seiner Fantasie. Dann aber bemerkt die Nixe ihn und gleitet ins Wasser. Sie freunden sich an. Tony macht der Nixe das Kompliment, sie könne schön singen. Sie aber sagt, sie spiele viel lieber Muschelflöte, aber ihre Flöte liege für sie unerreichbar oben auf dem Mühlrad.
Tony holt sie vom Mühlrad. Die Nixe bittet ihn, hineinzublasen. Er tut es. Da aber sieht er, wie die Nixe plötzlich ein gemeines und gehässiges Gesicht bekommt und höhnisch grinst. Ihm fällt ein, dass die Leute den Fluss »Teufelsfluss« nennen, weil dort schon viele Menschen verschwunden sind.
Als er weiter in die Flöte bläst, kann ihn die Nixe ins Wasser locken. Er hat keinen eigenen Willen mehr, tut, was sie will und ertrinkt. Der Fischschwanz der Nixe verwandelt sich anschließend in zwei menschliche Beine, sie steigt aus dem Wasser, legt die Flöte wieder auf das Mühlrad und lacht gehässig.
3. Melanie Vogltanz
Die Autorin ist 1992 in Wien geboren. Sie schreibt seit ihrer Kindheit. Im Moment studiert sie Germanistik und Anglistik an der Universität von Wien. Sie hat bereits mehrere Bücher veröffentlicht und ist in diversen Anthologien vertreten.
Die Nixe von Amboina
Die Autorin lässt Kapitän Valentijn, einen alten, weitgereisten Seemann, in der Ich-Form die Geschichte erzählen.
1713 reist er mit seinem Schiff von Holland nach Amboina auf Borneo. Er möchte die außergewöhnliche Flora und Fauna der Insel studieren, Bilder malen und Berichte schreiben und hat die Hoffnung, biologisches Neuland zu entdecken.
Kurz vor der Küste taucht Nebel auf. Inmitten des Nebels hört er wunderschönen Gesang. Er steuert in diese Richtung, bis sein erster Maat, der den Gesang nicht gehört hat, den Kurs korrigiert.
Valentijn leiht sich am nächsten Morgen auf Borneo ein Fischerboot und segelt damit erneut in den Nebel hinein. Da erblickt er die Quelle des wunderbaren Gesangs, eine Nixe. Sie fasst ihn am Handgelenk, als er seine Hand ins Wasser hält. Er schreit und reißt sich los. Da taucht sie wieder unter.
Sturm kommt auf und Valentijn kentert. Die Nixe rettet ihn und bringt ihn zur Küste. Der Kapitän erzählt seiner Mannschaft von der Nixe. Er glaubt, eine Entdeckung von historischem Ausmaß gemacht zu haben. Die Männer aber sagen, ohne Beweis werde man ihm nicht glauben. Also fahren sie erneut hinaus und fangen die Nixe, was Valentijn unendlich leidtut.
Die Nixe überlebt nur vier Tage in einem Wassertank. Dann stirbt sie und ihr Körper zerfällt in Windeseile. –
Zehn Jahre später geht Valentijn ins Wasser, um in der Welt der Nixe zu vergehen, wie diese in seiner vergangen ist.
Copyright © 2011 by Wolfgang Wiekert