Aufbau und Organisation eines Hilfsprojektes
für die Lakota im Pine Ridge Reservat
Auf dieser Seite berichte ich in unregelmäßigen Abständen über die Entwicklung des Projektes. Ich erzähle über die heutige Situation im Reservat und über die Wünsche der Indianer für die Zukunft.
Viele von uns spenden Geld für soziale Zwecke. Denn egal, wie sehr wir auch jammern, es geht uns besser als vielen anderen Menschen auf der Welt. Es macht ein gutes Gefühl zu spenden, es gibt uns die Sicherheit, etwas Gutes zu tun. Es fühlt sich gut an, zu wissen: Irgendwo auf der Erde gibt es einen Menschen, dem durch meine Spende geholfen wird.
Als ich als Kind den ersten Winnetoufilm sah und das erste Silberpfeil-Comic las, war es um mich geschehen. Die Faszination für die Indianer hatte mich gefangen. Winnetou, der taffe Häuptling war das Nonplusultra, Silberpfeil und seine Schwester Mondkind waren meine Helden. Mit den Jahren lernte ich, was Klischee, Lüge und traurige Wirklichkeit waren. Sachbücher mehrten sich in meinem Bücherregal, doch in Zeiten, wo es kein Internet gab, konnte ich mich mit niemand austauschen. Lange Zeit schlummerte das Interesse am indigenen Volk tief in mir, bis es wieder an die Oberfläche trat.
Zufällig, falls ich das Wort so nennen darf, denn es gibt keine Zufälle im Leben, fand ich im Netz die Seite einer Organisation, die Patenschaften für Indianerkinder vermittelte. DAS war es. Leider konnte mir die Organisation nicht weiterhelfen, da ich mich für bestimmte Stämme interessiere, diese jedoch von der Gesellschaft nicht betreut werden. Ich servte durchs World Wide Web, wurde jedoch nicht fündig. Das konnte nicht wahr sein. Doch wenn man wirklich etwas möchte, findet sich eine Möglichkeit, wenn man nur lang genug danach sucht. Diese Möglichkeit war in meinem Fall eine Privatperson. Da ich mit der betreffenden Person keine Rücksprache gehalten habe, nenne ich keinen Namen.
Mein Patenkind Davis, sieben Jahre alt, lebt mit seiner Familie im Pine Ridge Reservat in South Dakota, eines der ärmsten Reservate der USA. Eine Patenschaft bedeutet für eine Familie ein kleines monatliches Zusatzeinkommen, für das Kind zwei- bis dreimal jährlich ein Paket, das seine Augen strahlen lässt. Es gibt den Eltern die Sicherheit, ihrem Kind in Zukunft ein bisschen mehr bieten zu können – dass es auch am Monatsende genug zu essen bekommt. (Mehr zur Situation im Reservat zu einem späteren Zeitpunkt) Wenn die Mutter schreibt, dass es für ihren Sohn ein Festtag war, als er mit glänzenden Augen vorm Regal im Supermarkt stand und sich von seinem Geld nicht nur eine Packung Kekse, sondern auch noch Eiscreme, Chips und ein Spielzeug aussuchen durfte, ist man fast zu Tränen gerührt.
Dezember 2010 - Eine Idee nimmt Gestalt an
Auf Dauer war mir diese Art von Hilfe zu wenig. Meine finanziellen Mittel sind beschränkt und warum nur einem Kind helfen, wenn es Möglichkeiten gibt, mehreren Menschen zu helfen. Dank Internet lernt man viele Menschen kennen. Andrea Cox aus Deutschland investiert einen Großteil ihrer Freizeit in Hilfsprojekte für die Menschen im Pine Ridge Reservat. Ich bot ihr an, ihre Projekte in Österreich publik zu machen. Sie fragte ganz nebenbei, ob ich nicht auch in Österreich so etwas machen möchte. Manchmal braucht es einen Stups, damit wir das Unmittelbare vor Augen sehen.
Fairerweise machte sie mich darauf aufmerksam, dass bei solchen Projekten sehr viel Aufwand dahintersteckt.
Wollte ich mir das neben den Artikeln für den Westernkurier, Colorado Sunrise und einem begonnen Roman, der einmal fertiggestellt werden möchte, antun? Ja!
Was musste ich als Erstes tun?
Bei der Bank teilte man mir mit, dass es einer Privatperson in Österreich gestattet ist, ein Spendenkonto zu eröffnen, doch geschickter sei es, dies über eine Gesellschaft, Verein etc. zu machen. Um später eventuelle Schwierigkeiten auszuschließen, überlegte ich mir neue Schritte. Einen Verein gründen? Dazu braucht es fünf Mitglieder.
Ich schrieb an eine Menschenrechtsorganisation. Wegen der Feiertage musste ich mich in Geduld üben. Inzwischen durchforstete ich das Internet, welche Organisationen humanitäre Hilfe leisten. Mitte Jänner schrieb ich nochmals. Möglicherweise war meine erste Mail nicht angekommen oder wurde nicht ernst genommen.
Kontaktaufnahme mit Pine Ridge.

Die Organisation, die ich anschrieb, verwies mich an einen Arbeitskreis, der für Belange indigener Völker zuständig ist. Dieser prüfte mein Anliegen und kam zu dem Entschluss, dass sie nicht die personellen Mittel hätten, um ein Spendenkonto zu verwalten und sie hauptsächlich in politischen Belangen tätig seien. Sie würden es begrüßen, wenn die Organisation ein Konto einrichten könnte. Grund der Absage der Organisation war, dass sie ebenfalls in politischen Belangen tätig seien.
Reger Mailkontakt fand statt. Ich stand noch immer am Beginn.
Sie waren jedoch so nett, eine Mail mit meinem Anliegen an eine deutsche Organisation zu schicken. Die Antwort aus Germany kam prompt. Ich könnte einen offiziellen Antrag stellen. Darin muss enthalten sein: warum in Europa Spenden gesammelt werden, warum die USA nicht selbst aufkommt, in welcher Höhe das Geld benötigt wird, für welches Projekt gesammelt wird und Ansprechperson drüben. Der Antrag wird dann geprüft.
Ich verstehe, dass das alles seinen geregelten Ablauf nehmen muss. Gerade bei Spendengeldern ist schon viel Schindluder betrieben worden.
Kontaktaufnahme mit Wendell Yellow Bull aus Pine Ridge. Er schickt mir Unterlagen zu Projekten, die für die Menschen im Reservat wichtig sind. Solange ich die Unterlagen nicht habe, kann ich keinen Antrag für das Konto stellen.
Wendell Yellow Bull und Bem Brewer sind die Vorsitzenden der Lakota Horsemenship. Mit diesem Projekt versuchen sie seit Jahren die Kinder und Jugendlichen aus dem Teufelskreis von Alkohol und Drogen zu befreien und ihnen die Traditionen ihres Volkes näherzubringen.
Im Juni findet der fünftägige Crazy Horse Memorail Ride statt. Von Fort Robinson, wo Crazy Horse 1877 ermordet wurde, bis Pine Ridge.
Der fast 300 Meilen Big Foot Memorial Ride im Dezember erinnert an das Massaker am Woundet Knee vom 29. Dezember 1890. Die Teilnehmer sind Schneestürmen und eisiger Kälte ausgesetzt. Manchmal passieren Unfälle, bei denen Reiter und Pferde verletzt werden. Mein Patenjunge Davis ritt 2010 zum ersten Mal bei diesem Ritt mit. Ich bin sehr stolz auf ihn. Eine außergewöhnliche Leistung für einen Siebenjährigen.
Meine Homepage muss dementsprechend geändert werden. Das Treffen mit einem Bekannten fand statt. Er machte Vorschläge, wie wir das Layout gestalten könnten. Ich warte auf den ersten Entwurf. Wenn’s passt, kommt mein Teil der Arbeit. Was muss rein, was kann ich weglassen?
Die Warterei nervt und noch immer kein Spendenkonto in Sicht. Vielleicht ergibt sich etwas mit dem Countryclub der Nachbarstadt. Mal sehen.
Inzwischen schreibe ich den Artikel für die nächste Ausgabe des Westernkuriers. Wenn ich mich nicht bald an die nächste Folge von Colorado Sunrise mache, komme ich in Zeitverzug.

Trotz mehrerer Mails und Telefongespräche bin ich noch keinen Schritt weitergekommen bezüglich der Eröffnung eines Spendenkontos. Größere Organisationen kochen ihr eigenes Süppchen, Vereine scheinen diese Art von Publicity nicht zu mögen. Es mag auch daran liegen, niemanden von den Verantwortlichen persönlich zu kennen. Auch wenn es noch so sozial klingt, wer möchte schon für einen Fremden ein Spendenkonto errichten? Es ist ein heikles Thema, vor allem dann, wenn die Bevorzugten sich im Ausland befinden. Vielleicht sind wir aber schon abgestumpft, weil uns permanent Spendenaufrufe via Medien erreichen. Für mich heißt es abwarten, bis ich die richtige Ansprechperson persönlich kennenlerne.
Ich wurde gefragt, warum ich unbedingt für Menschen im Ausland spenden will, da es auch bei uns sehr viel Armut gibt. Eine berechtigte Frage. In Ländern wie Österreich und Deutschland gibt es Sozialeinrichtungen und Organisationen für Notleidende. In anderen Ländern sieht die Situation anders aus.
Bei meinen Anfragen prallten verschiedene Einwände auf mich. Von gleichgültigem Aha, bis zu desinteressiertem Lächeln. Aber ich bekam auch viele positive Reaktionen, die mich darin bestärkten, geduldig zu sein.
Sozial benachteiligte Menschen befinden sich in einem Kreislauf, aus dem sie sehr schwer herausfinden. Die Lakota wissen, dass sie sich der Gegenwart anpassen müssen, dass sie ihre alten Traditionen nur leben können, wenn sie mit der Zeit gehen. Um dies Schritt für Schritt zu verwirklichen, brauchen sie Hilfe von außen.
Bis es in Österreich ein eigenes Spendenkonto gibt, bewerbe ich die Hilfsaktionen von Andrea Cox. Auf ihrer Website gibt es alle Informationen über die Lakota in Pine Ridge. www.andreac.de
Weitere Infos folgen in Kürze.
Fragen beantworte ich gerne auf dieser Seite oder per Mail, wenn gewünscht.
Ich bin erreichbar unter: montana@geisterspiegel.de
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