
Werkstattberichte - Verlagswelten

Der Waldgut Verlag
Über eine beim Geisterspiegel eingegangene Anfrage per E-Mail und durch das Horror-Forum bin ich auf den Waldgut Verlag aufmerksam geworden. Eines unserer Anliegen ist es, Klein- und Kleinstverlage sowie ihr Verlagsprogramm etwas näher vorzustellen.
Die Geschichte des Verlages
Angefangen hat die Geschichte des Waldgut Verlages 1980 im 400 Jahre alten Bauernhaus »Waldgut« in Wald, Zürcher Oberland.
Zu diesem Zeitpunkt kam beim Verlagsgründer Beat Brechbühl die Idee auf, populäre Ethnologie, Belletristik, Sachbücher sowie Fachbücher zum Musik-Üben zu publizieren.
Beat Brechbühl wurde 1939 in Oppligen, Kanton Bern, geboren. Er lernte Schriftsetzer, war Redakteur, Herstellungsleiter bei Diogenes in Zürich und Verlagsleiter bei Zytglogge in Oberhofen am Thunersee. Als Schriftsteller veröffentlichte der Waldgut-Verleger eine Vielzahl an Werken von Lyrik und Prosa. Für sein schriftstellerisches Werk wurde er vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Preis der Schweizerischen Schillerstiftung, dem Bodensee-Literaturpreis und dem Buchpreis der Stadt Bern.
Seine Erfahrungen als Schriftsetzer nutzte Beat Brechbühl und gründete 1985 das Atelier Bodoni - in den Gründerjahren als Herstellungsabteilung des Waldgut Verlages, später als eigenständige Bleisetzerei und Handpressendruckerei.
Namensgeber ist der Schriftschneider und Buchdrucker Giambattista Bodoni (1740–1813) aus Parma. Von Anfang an hat das Atelier Bodoni Bleisatz- und Abziehpressen gesammelt. Heute ist es eine veritable Handsetzerei und -druckerei mit ca. 70 Blei- und Holzschriften, vier Abziehpressen sowie einem A-3-Tiegel.
Irgendwann ist auch das schöne alte Bauernhaus zu klein, um all die Ideen des Verlegers und seiner Mitarbeiter umsetzen zu können. Aus diesem Grund zogen Verlag und Atelier 1987 in das Eisenwerk in Frauenfeld um, 2008 nochmals innerhalb des Gebäudes.
Die Verlagsmitarbeiter

| Verlags- und Herstellungsleitung |
Beat Brechbühl |
| Sekretariat und Informationen aller Art |
Jutta Hübl |
| Lektorat |
Dr. Monika Oertner |
| Vertrieb und Presse |
Berrit Fuhrmann-Stiehler |
| Herstellung/Atelier Bodoni |
Beat Brechbühl, Hans Ryf, Esther Menzi, Karl Baumann, Nicole Bühler |
| sowie die Verlagskatze Michá und freie Mitarbeiter |
Zwielicht - die Buchreihe für Krimi & Phantastik
Edel sehen die bisher im Waldgut Verlag erschienenen Bände der Reihe Zwielicht aus. Das Team um Dr. Monika Oertner und der freien Journalistin Judith Supper gibt sich sehr viel Mühe, um die Textauswahl zu treffen, die Reihe zu konzipieren und zu präsentieren und somit den Interessenten Lesespaß pur bieten zu können. Dr. Franz Rottensteiner , ehemals Phantastische Bibliothek Suhrkamp, sowie Frank Rainer Scheck, ehemals DuMonts Bibliothek des Phantastischen, stehen ihnen dabei beratend zur Seite.
Zwielicht - dies ist wissenschaftliche Fiction, Grusel und Spannung, vollgepackt mit Rätseln und Überraschungen.
Für jedes literarisches Genre wurden 3 Farben ausgewählt:
- blutrot für Krimi
- fahlgrün für Dunkle Phantastik und Horror
- stahlblau für Science-Fiction, Utopie und Dystopie
Zwielicht - dies ist auch Sammleredition. Denn 77 Exemplare der Erstauflage sind mit signiertem Zertifikat erhältlich. Die eingehängten Bütten-Zertifikate werden in Blei gesetzt und auf der Handpresse im Atelier Bodoni gedruckt. Eben echte Handarbeit, dass den Aufpreis von 10 Euro mehr als gerecht wird. Wo findet man schon Originalsignaturen von AutorInnen, ÜbersetzerInnen und Herausgeberinnen auf einem Zertifikat? Eben beim Waldgut Verlag im schweizerischen Frauenfeld.
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Erkki Ahonen
Blackboxbaby
Aus dem Finnischen übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Miikka Müller
Papierband geb. mit schwarzer Fadenheftung, Lesebändchen und Schutzumschlag. 128 Seiten
ISBN: 9783037403792
Deutsche Erstübersetzung
Die Originalausgabe erschien 1972 unter dem Titel Tietokonelapsi bei Gummerus Helsinki.
Wie entsteht Bewusstsein? Kann man den Prozess beim Heranwachsen eines Fötus, eines Kindes beobachten oder gar steuern? Lässt sich ein Bewusstsein nach Gutdünken formen? Diesen Fragen geht ein Forscherteam in einem geheimen Labor der Zukunft nach. Zunächst stellt keiner der Wissenschaftler das Experiment in Frage. Doch als das heranwachsende »Hirn im Tank« eine eigene Persönlichkeit und schließlich exorbitante Fähigkeiten entwickelt, als es kurzerhand die Leitung des Projekts übernimmt und zu einer überlegenen Macht geworden ist, werden die Forscher von ihrer Verantwortung eingeholt. Indem sie das Blackboxbaby mit allen Datenkanälen vernetzten und mit dem gesamten Menschheitswissen versorgten, haben sie ein Wesen erschaffen, dass der Welt nun den Spiegel vorhält.
Erkki Ahonen gilt seit den 1960er Jahren als wichtigster Science-Fiction-Autor Finnlands. Blackboxbaby, sein philosophisch tiefgründiger Schlüsselroman von 1972, wurde trotz seines Pionierstatus im finnischen Sprachraum nie übersetzt, weder ins naheliegende Schwedische noch ins Englische oder Deutsche. Selbst auf Finnisch ist es auch antiquarisch kaum noch aufzutreiben, obwohl es in vielen Chatrooms als Geheimtipp gehandelt wird und eine eingeschworene Fangemeinde besitzt. Mit diesem Band der Reihe Zwielicht eröffnen sich also bisher hermetisch verschlossene Lesewelten!
Die philosophischen Fragen zu Menschenwürde, Persönlichkeit, Freiheit und Selbstbestimmung, zu Wahrnehmung, Bewusstsein und Gesellschaft, die innerhalb des spannenden Science-Fiction-Kammerspiels aufgeworfen werden, sind angesichts der heutigen technischen Möglichkeiten und der vielerorts noch gewachsenen sozialen Schieflage vielleicht sogar aktueller als beim ersten Erscheinen des Buches.
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Peter Schattschneider
Selbstgespräch mit Protoplasma
Erzählungen aus der Zukunft
Mit einem Nachwort von Franz Rottensteiner
Broschurband, 280 Seiten
Science-Fiction-Erzählungen an der Grenze zum Unfassbaren, zum Grotesken: Babys werden als elektronisch kontrollierbares Komplettangebot samt Gebrauchsanweisung per Post zugestellt. Ein Schläfenstecker ermöglicht es einer Vorzeigehausfrau, ihren Ehemann mit dem Mixer zu betrügen. Eine Problemlösungs-Software wird als Killer angeheuert und erteilt ihrem Auftraggeber eine Lektion in Sozialdarwinismus. Und auch das Zeitsprung-Dilemma erfährt auf Kosten eines eitlen Hackers eine ganz neue Interpretation.
In den Fußstapfen Douglas Adams’ treibt der österreichische Physiker Peter Schattschneider sein Spiel mit den Entwicklungsaussichten der menschlichen Zivilisation, ihren Abgründen und Risiken. Hier ist ein einfallsreicher, genialer Kopf am Werk, der seine Zukunftsszenarien mit profunder Kenntnis der naturgesetzlichen Gegebenheiten und technischen Möglichkeiten, mit sprachlicher Könnerschaft, wienerisch schwarzem Humor und einer guten Prise Sex genüsslich ausgestaltet. Inmitten digitaler und technischer Vervollkommnung regieren nach wie vor menschlicher Kleingeist, Entfremdung und triebgesteuerte Selbstgefälligkeit – was oftmals zu bedenklichen, prognostischen, oftmals auch zu absurd komischen Wendungen führt.
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Joseph d´Arbaud
Das Tier vom Vaccarès
Aus dem Französischen von Heinz Zehnder
Papierband geb. mit schwarzer Fadenheftung, Lesebändchen und Schutzumschlag, 112 Seiten
ISBN: 9783037403808
Vollständige Neuübersetzung
Die Originalausgabe erschien 1926 unter dem Titel La bête du Vaccarès bei J.-J. Pauvert Paris.
1417. Die mittelalterliche Camargue, ein wilder, von Seen durchsetzter Landstrich von erschreckender Schönheit. Der Viehhirte Jacques Roubaud, der dort ein karges, einsames Dasein führt, entdeckt auf einem seiner Ausritte unbekannte Hufspuren. Seine Neugier ist entfacht, und als er das »Tier« schließlich eingekreist hat, kommt es zu einer Furcht erregenden, verstörenden Begegnung, die Jacques Roubaud für sein Leben zeichnet. Eine seltsame Verbundenheit entwickelt sich zwischen den beiden, voller Barmherzigkeit und Entsetzen, Wissensdrang und Gottesfurcht.
Das mittelalterliche Christentum und der heidnisch-ländliche Mythos der Antike ringen miteinander inmitten einer ungezähmten Natur um Macht und Einfluss auf die Herzen der Menschen. Ein Märchen im Schnittpunkt zur Moderne, das in lyrischer Prosa vom Ende der Mythen erzählt.
La Bèstio dóu Vacarés gilt als die Meistererzählung des provenzalischen Dichters Joseph d’Arbaud (1874-1950), verfasst in seiner Muttersprache Provençal und für die zweisprachige Pariser Erstausgabe 1926 von ihm selbst ins Französische übertragen (La bête du Vaccarès).
In Frankreich wird die Bedeutung Joseph d’Arbauds in den letzten Jahren verstärkt wahrgenommen. Zuletzt erschien 2007 eine zweisprachige Taschenbuchausgabe von La bête du Vaccarès bei Grasset & Fasquelle, Paris.
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Michel Bernanos
Terra infernalis
Aus dem Französischen übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Erik Hauser
Broschurband, 144 Seiten
ISBN: 9783037403877
Deutsche Erstübersetzung
Die Originalausgabe erschien 1967 unter dem Titel La montagne morte de la vie bei J.-J. Pauvert Paris.
Eine endlose Flaute hält einen Frachtensegler auf dem Ozean gefangen. Die von Hunger, Sonne und Alkohol geschwächte Mannschaft verroht zusehends. Bis ein gewaltiger Sturm dem Treiben ein Ende macht, müssen der Schiffskoch und der achtzehnjährige Schiffsjunge – der Erzähler dieser Geschichte – von ihrem Versteck in der Kombüse aus unmenschliche Szenen, ja Kannibalismus beobachten. Koch und Schiffsjunge gelingt es, sich beim Untergang der Galeone auf eine Planke zu retten. Tagelang treiben sie umher, erreichen immer seltsamere Regionen voll von beängstigendem Meeresgetier und werden schließlich, halb wahnsinnig vor Durst, an einer Küste angetrieben, die noch weitaus erschreckendere Dinge beheimatet, als ihnen bis dahin begegnet sind. Die Insel scheint von ihren Bewohnern verlassen, alles wirkt fremd und bedrohlich, insbesondere die Farben und die Pflanzenwelt. Taumelnd machen sich die beiden Schiffbrüchigen daran, diesen Vorort zur Hölle, diese terra infernalis zu erkunden.
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Andrea Fazioli
Das Collier
Aus dem Italienischen von Juliane Deppe
Papierband geb. mit schwarzer Fadenheftung, Lesebändchen und Schutzumschlag, 368 Seiten
ISBN: 9783037403785
Deutsche Erstübersetzung
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel Chi muore si rivede bei Armando Dadò editore, Locarno.
Die Mailänder Studentin Francesca Besson findet auf dem Dachboden im Nachlass ihrer Mutter ein atemberaubend funkelndes Collier. Bei ihren Nachforschungen über dessen Herkunft stößt sie auf die dunklen Familiengeheimnisse der Ruggeri, einer Tessiner Juweliersdynastie.
Beinahe vor Francescas Augen wird ein Mitglied der Familie Ruggeri ermordet, bald darauf ein zweites. Der Täter scheint sich jedes Mal in Luft aufgelöst zu haben, und die Polizei ist ratlos. Die Familie engagiert den jungen Privatdetektiv Elia Contini, der sich gemeinsam mit Francesca an die Lösung der rätselhaften Fälle macht und dabei ein Gewirr von Habgier, Betrug und Verbrechen, vergifteter Liebe und jahrzehntelang gehegtem Groll durchdringen muss. Die Bedrohung der Familie findet ihren Höhepunkt in einer atemlosen Tour de Force durch die berauschte, enthemmte Menge der Tanzenden auf der Zürcher Streetparade.
Andrea Fazioli gelang mit diesem Erstlingswerk, das gerade verfilmt wird, ein großer Wurf. Sein Privatdetektiv Elia Contini – eine eigenwillige Figur mit ungewöhnlichen Vorlieben – ermittelt bereits in einem weiteren Fall und besitzt im italienischsprachigen Raum eine treue Fangemeinde. Das Tessin mit seiner malerischen wie schroffen Natur, mit seinen Dörfern, Seen und alten Städten bietet den lebendigen Schauplatz für Faziolis rasante Krimiplots. |
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Kostas Akrivos
Pandämonium (in Produktion)
Kriminalroman
Aus dem Neugriechischen von Nicola Schüle-Maniatopoulos
Broschurband, ca. 288 Seiten
ISBN: 9783037403945
Deutsche Erstübersetzung
Die griechische Originalausgabe erschien 2007 bei Metaichmio Athen unter dem (gleichlautenden) Titel Πανδαιμόνιο.
Seit über Tausend Jahren ist es den Frauen in Griechenland nicht gestattet, den Heiligen Berg Athos mit seinen zwanzig orthodoxen Mönchsklöstern zu betreten – selbst die Haltung weiblicher Tiere ist den Mönchen untersagt. Groß ist daher das Entsetzen, als im Frühling 2004 eine Leiche im Kloster entdeckt wird: Die Tote ist eine junge Frau!
Der zuständige Ermittler Nusios Elias, strafversetzt in das kleine Dorf Wowussa auf der Athos-Halbinsel und gezeichnet von einem nächtlichen Gelage mit reichlich Ouzo und Folienkartoffeln, macht sich an die Aufklärung des Falles. Mit seinen Recherchen dringt er tief in das archaische Leben der Klostergemeinschaft ein, in ein Netz von dunklen Geheimnissen und gegenseitigen Verdächtigungen. Unterhielt die Tote ein verbotenes Verhältnis zu einem der Mönche? Fiel sie Begierden und Leidenschaften zum Opfer, die sich, lange unterdrückt, gewaltsam Bahn brachen? Oder hat, wie die Brüder glauben, Luzifer selbst die Hand im Spiel?
In Kostas Akrivos´ Pandämonium vereinigen sich die Dämonen der alten Mönchsrepublik mit denen der modernen griechischen Gesellschaft. Spannend bis zur letzten Seite lässt der Roman die Grenzen des Krimis weit hinter sich. Souverän spielt der Autor mit den genretypischen Klischees und zeichnet klug und anspielungsreich ein Bild des religiösen, sozialen und politisch-ideologischen Gesichts des heutigen Griechenlands. |
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Weitere Informationen und News gibt es unter www.waldgut.ch
Bilder und Klappentexte mit freundlicher Genehmigung des Waldgut Verlages Frauenfeld, Schweiz
© Wolfgang Brandt
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