
Werkstattberichte

Es ist mittlerweile für uns zu einer guten Tradition geworden, sich mit bekannten Autorinnen und Autoren während der Buchmessen in Frankfurt am Main und Leipzig zu treffen. So vereinbarten wir im Vorfeld beim Droemer Knaur Verlag einen offiziellen Termin mit Iny und Elmar Lorentz. In einem freundschaftlichen und zwanglosen Gespräch unterhielten wir uns über ihre Romane »Die Tochter der Wanderhure« sowie »Der Feuerthron«. Dabei hatten wir die Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen.
Wie entstand die Idee zu den Romanen? Was beinhalteten die Recherchen?
»Die Tochter der Wanderhure« hat eine recht seltsame Entstehungsgeschichte. Iny und Elmar waren mit ihrer Agentin essen, so wie sie es ein Mal im Jahr machen. Sie saßen in einem Restaurant, ließen sich den bestellten Rotwein schmecken, waren lustig und fidel. Irgendwann meinte die Agentin: »Na, ihr beiden, was schreibt ihr denn als Nächstes?«
Iny hatte ein paar Ideen genannt. Für die Agentin waren aber diese zu langweilig.
Elmar hatte dazu ganz gemütlich und vollkommen nüchtern bemerkt: »Wenn du meinst, Liane, dann kann ich auch ›Die Tochter der Wanderhure‹ schreiben.«
Zwei Tage später klingelte das Telefon und Iny ging ran.
Die Agentin des Autorenehepaares fragte Iny: »Du, Iny, hat das Elmar ernst gemeint?«
»Ja, was?«, entgegnete Iny.
»Na das mit der ›Tochter der Wanderhure‹. Ich habe eben mit dem Verlag gesprochen. Die sind begeistert.«
»Die Tochter der Wanderhure« knüpft an die Zeit an, in der die Könige Sigismund und dessen Nachfolger Albrecht tot sind. Neuer Herrscher ist Friedrich III., des Reiches Erzschlafmütze.
Iny und Elmar begannen einerseits mit ihrer Recherche über Friedrich: Was hatte er gemacht? Wo war er? Wie war sein Leben? Was ist ihm passiert? Anderseits mussten sie Fakten über Würzburg sammeln, die weder in »Die Kastellanin« noch in »Das Vermächtnis der Wanderhure« vorkommen. Sie mussten sich mit diesem Fleckchen Erde im Fränkischen befassen, wo sie literarisch eine nicht existierende Burg hinsetzten. Gut, es gibt eine Burg, die als Vorbild gedient hat. Das war die Vogelsburg über Volkach am Main, aus der die Burg Kibitzstein wurde. Nur ist die auf der anderen Mainseite. In dieser Gegend gibt es einen kleinen Ort Schnepfenbach (Ortsteil von Dettelbach). Daraus haben Iny und Elmar Kibitzstein gemacht, benannt nach dem bekannten Vogel. Damit die kleine Herrschaftsgesellschaft in die Story eingebunden werden konnte, bereisten beide kleinere Ortschaften um Würzburg und die Stadt selbst, suchten in Bibliotheken, Büchereien, Buchhandlungen und in der Touristeninformation nach Material, um herauszufinden, wie die politischen Verhältnisse zur damaligen Zeit tatsächlich waren. Es war für Iny und Elmar wichtig, was sie für ihren Roman verwenden konnten und was sie absolut meiden mussten. Dabei stießen sie auf zwei Herrschaften, die im Roman eine gewichtige Rolle spielen: Markgraf Albrecht Achilles von Brandenburg-Ansbach und Gottfried Schenk zu Limburg, Fürstbischof von Würzburg.
Aus allen historischen Fakten entwickelten Iny und Elmar die Geschichte mit ihrer ganzen politischen Verzahnungen.
Für die Recherche zu Friedrich III. reiste das Autorenpaar unter anderem nach Graz. Elamr stand auf dem Schlossberg und überlegte: Auf den Resten dieser Grundmauern stand die Martinskapelle, wo der Mordanschlag auf Friedrich angesiedelt ist; das dort sind die Reste des Burgtores. Da hinten musste das Haupthaus gestanden haben. Heute ist ja alles auf dem Schlossberg eingeebnet.
Zum Glück gab es im Garnisonsmuseum ein Modell, von welchem Elmar eine Skizze als Gedankenstütze anfertigte.
Graz liegt in einem Kessel, umgeben von einigen Hügeln. Der Schlossberg selbst ist ein relativ steiler Hügel mitten in Graz, deren Hauptzugang damals in entgegengesetzter Richtung lag. »Auf meinen Weg auf den Schlossberg – Iny wollte ich diesen Aufstieg nicht zumuten – kam ich an einen wunderschönen Turm (Glocken- und Uhrturm), den wir beschreiben hätten können. Doch zum Zeitpunkt der Geschichte gab es diesen noch nicht.« So Elmar.
Aus allen Einzelteilen der umfangreichen Recherche entstand der Roman. Für Iny und Elmar nicht einfach. Er sollte ja nicht wie die anderen Romane werden. Marie bleibt diesmal stationär, während ihre Tochter die Reise unternimmt. Aber auch das durfte keine unfreiwillige Reise sein, sondern gewollt sein. Zu keiner Zeit haben Iny und Elmar es bereut, die Thematik »Die Tochter der Wanderhure« aufzugreifen. Was gesagt wurde, wird auch umgesetzt. Die Geschichte selbst entwickelt ihr Eigenleben.
Dies war beim »Feuerthron« auch so. Beide überlegten: Was machen wir, um den gesamten Hintergrund der Welt zu beleuchten? Er ist sehr komplex. Diesen Hintergrund in einem Roman zu erklären, wäre schwierig zu begreifen. Deshalb haben sich Iny und Elmar einen Fleck ausgesucht, wo sie den ganzen Kosmos im Kleinen haben, wo ein Volk der blauen, und ein Volk der grünen Welt agieren. Dabei konnten die Autoren die ganzen Gegensätze sehr gut herausarbeiten, ohne sich dabei um das Ganze Gedanken machen zu müssen. Wie war zu diesem Zeitpunkt das schwarze Land? Existierten die Blauen schon?
Die komplexe Welt umfasst über 100 Reiche, da sind die Götterländer, da sind verschiedene Ödländer …
Wenn ein kleiner Flecken ausgewählt wird, hat man eine Art Reagenzglas.
Wer den Roman »Der Feuerthron« gelesen hat, würde auch einen Roman über eine größere Welt verstehen. Es wird wahrscheinlich eine Fortsetzung geben. Die Gespräche sind dazu bereits im Gange. Im Folgeroman wird aber der Hauptschauplatz beibehalten.
Die Tochter der Wanderhure
Mehr als zwölf Jahre sind vergangen, seit Marie ihre letzten Abenteuer bestehen musste. Glücklich und zufrieden lebt sie mit ihrem Mann auf Burg Kibitzstein - bis ihr Gönner, der Würzburger Fürstbischof, stirbt: Seinem Nachfolger sind die beiden ein Dorn im Auge.
Trudi, die älteste Tochter von Marie und Michel, ist der ganze Stolz ihrer Eltern und träumt von der großen Liebe. Auf der Hochzeit von Trudis Freundin geschieht das Entsetzliche: Michel wird ermordet! Marie und Trudi verdächtigen sofort den Söldnerführer Peter von Eichenloh, mit dem Trudi heftig aneinandergeraten ist. Diesem gelingt es jedoch, sich von der Tat reinzuwaschen. Maries Lage wird nach dem Tod ihres geliebten Mannes immer schwieriger, denn niemand traut ihr zu, Kibitzstein erhalten zu können, und diejenigen, die sie bisher für Freunde hielt, erweisen sich nun als habgierige Neider. Allein König Friedrich könnte noch helfen, und so macht sich Trudi heimlich auf den Weg, um seine Unterstützung zu erbitten - ausgerechnet mithilfe des Mannes, den sie für den Mörder ihres Vaters hält ... |
Der Feuerthron
Mitten in die Idylle auf der Insel Ilyndhir bricht urplötzlich der Schrecken: Meras Großmutter verschwindet spurlos, ebenso der Magier der Königin. Schwarze Galeeren der Gurrländer greifen wehrlose Fischerboote an, bisher friedliche Palastwachen verfolgen Flüchtlinge und Fremde. Was hat das alles zu bedeuten? Mera, die die magischen Fähigkeiten ihrer Großmutter geerbt hat, ahnt etwas. Wurde ihre Großmutter entführt, weil auch sie zu viel wusste? Mera muss ihre Großmutter finden, bevor die entfesselten gurrländischen Krieger alle Völker der Inseln unterjochen. Sie scheinen von einer geistigen Kraft getrieben, die längst zerschlagen schien: der Macht des Feuerthrons. Wird es Mera und ihren Freunden gelingen, den geheimnisvollen Feuerthron zu finden und seine Macht zu brechen? Ein spannendes Fantasy-Epos! |
© Wolfgang Brandt
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