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15 neue Fragen an ...

... Nina Horvath

1. April 2010


Die gebürtige Linzerin Nina Horvath studiert in Wien Paläobiologie. Aus ihrer Leselust, die sie selbst als Sucht bezeichnet, entwickelte sich ihr Interesse für das Schreiben, wobei die vielfältigen Möglichkeiten der Science-Fiction den größten Reiz auf sie ausüben. Nina Horvath veröffentlichte Kurzgeschichten und ist Herausgeberin mehrerer Anthologien.
Ihre Geschichte »Hell dunkel, dunkel hell« wurde für den Deutschen Phantastikpreis nominiert.

Mehr über die Autorin erfahrt ihr auf ihrer Homepage www.ninahorvath.at und auf ihrem Blog http://www.scifinet.org/scifinetboard/blog/nina

. Frage . Antwort
Was bedeutet das Schreiben für dich?
 
Für mich ist Schreiben eine Möglichkeit, auszudrücken, was mich bewegt. Im Alltag kann ich das nicht, da das theatralisch oder gar lächerlich rüberkommen würde – gerade wenn es einem nicht einfach nur »gut« geht, sondern man sehr glücklich oder ohne konkreten Anlass traurig ist, ist es unmöglich, das jemandem einfach so zu erzählen. Außerdem ist einem oft selbst nicht bewusst, was einen bewegt. Durch die Geschichten kann und darf jedoch alles raus!
Welche drei Bücher, die du gelesen hast, haben dir bisher am besten gefallen?
 
»Sternträumer« von Cordwainer Smith, »Lord Gamma« von Michael Marrak und »Wir« von Jewgenij Samjatin.
Welches war deine erste, professionell veröffentlichte Arbeit?
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Mit dieser Frage habe ich ein echtes Problem. Was ist professionell? Macht man das an der Größe des Verlags, in dem das Werk erschienen ist, fest? Oder an der Summe, die der Autor damit verdient? Oder reicht es heutzutage, dass man als Autor nichts zahlen muss, damit eine Veröffentlichung als professionell eingestuft wird?
Ich kann dieses Rätsel ehrlich gesagt nicht lösen, daher erwähne ich einfach meine erste gedruckte Genreveröffentlichung und somit die erste Veröffentlichung: Das war meine Science-Fiction Kurzgeschichte »Der Wert des Augenblicks« im Fanzine »Thunderyear«. Nach einer weiteren Fanzineveröffentlichung in einer Publikation zum Thema »künstliche Intelligenz« war ich dann mit »Hell dunkel, dunkel hell« zum ersten Mal in einem Buch vertreten. Damit konnte ich erst so richtig auf mich aufmerksam machen, denn die Geschichte wurde schließlich zum Deutschen Phantastik Preis nominiert. Das war für mich eine absolute Überraschung, zumal die Anthologie ja auch nicht gerade eine hohe Auflage hatte – ich denke jedoch, dass die Veröffentlichung der Geschichte in voller Länge im abonnentenstarken Newsletter-Magazin »Corona« als Leseprobe zu dem Buch viel dazu beigetragen hat.
Letztendlich kam ich damit zwar »nur« auf Platz 2, aber für mich war das dennoch ein unerwarteter Erfolg. Ich denke sogar im Nachhinein, dass es mein großes Glück war, gegen Andreas Eschbach »zu verlieren«. Damals war ich natürlich enttäuscht, dass ich keinen Preis mit nach Hause nehmen konnte, aber im Laufe der Jahre habe ich erkannt, dass mir im Grunde nichts Besseres hätte passieren können. Denn eine unerfahrene, junge Autorin, die sich eben doch gerade nicht gegen den Bestsellerautor durchsetzen kann, bekommt wohl durchaus mehr »Sympathiepunkte« als jemand, der mühelos auf Platz 1 kommt. Ich habe zu dem Thema auch sehr viele Zuschriften bekommen, gerade von Leuten, die mich trösten wollten. Zu dem Zeitpunkt hat sich auch herauskristallisiert, dass ich das Schreiben tatsächlich mit meiner ganzen Kraft weiterverfolgen will, was nicht zuletzt darauf zurückzuführen war, dass ich gemerkt habe, dass es durchaus jemanden kümmert, ob ich nun schreibe oder nicht.
Welches Buch oder welche Geschichte von dir würdest du mir zum Lesen empfehlen und warum?
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Die meiner Ansicht nach beste meiner Geschichten ist »Die Spirale«. Man kann diesen Text in der Anthologie »Überschuss« aus dem Wurdack Verlag lesen, ich präsentiere sie jedoch als Beispiel für meine Arbeit auch auf meiner Homepage. Außerdem gibt es eine gelungene Vertonung von Sprecher Sven Matthias, die auf der Beilagen-CD des österreichischen Phantastikmagazins Earth Rocks (Ausgabe 11) erschienen ist.
»Die Spirale« erzählt die Geschichte einer einsamen Weltraumfahrerin, die jedoch vor allem von ihrer persönlichen Mission getrieben wird. Sie hat nämlich den Verdacht eines vorbestimmten Daseins, das daraus resultiert, dass sie glaubt, dass das Leben nach dem Tod wieder von Neuem beginnt. Durch eine für sich untypische Handlung, nämlich eine selbstmörderische Weltraummission anzunehmen, möchte sie den Kreislauf durchbrechen.
Ich empfehle die Geschichte zum einen, weil sie durchaus repräsentativ ist. Ich schreibe Science-Fiction, aber keine unterhaltsamen Space Operas, sondern düstere Zukunftsvisionen. Es würde ja wenig Sinn machen, jemandem, der mich kennenlernen möchte, einen »Ausreißer« zu präsentieren – das würde ich nur machen, wenn ich die persönlichen Vorlieben einer Person kenne und ich etwas Passendes geschrieben habe.
Zudem ist es ein Thema, das mich bewegt: Wie frei sind wir tatsächlich in unseren Entscheidungen? Haben wir denn, selbst wenn niemand mit dem Knüppel hinter uns steht, tatsächlich die Wahl, uns für etwas zu entscheiden oder sind unsere Entscheidungen nicht ohnehin zwangsläufig? – Schließlich verfügen wir ja auch über gewisse Charaktereigenschaften und Talente und können weder alles tun, noch alles sein, was wir wollen.
Unter welchen Umständen würdest du das Schreiben mit einem anderen Beruf oder Hobby tauschen?
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Schreiben ist nicht mein Beruf, aber schon mehr als ein bloßes Hobby. Ich könnte es mir also nicht vorstellen, es durch etwas, das man gemeinhin unter Hobby versteht, zu ersetzen – bestenfalls zu ergänzen.
Ich fürchte aber, dass ich irgendwann mal durch den Beruf, vor allem aber auch aufgrund einer veränderten Familiensituation einfach nicht mehr die Kraft zum Schreiben finden könnte.
Welcher Autor hat dich am meisten beeinflusst?
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H.P. Lovecraft. Bevor ich ihn kannte, kannte ich im Grunde genommen nur »hohe Literatur« und »Unterhaltungsfantasy« und habe beides gerne gelesen. Ich habe aber dann gesehen, dass man sich auch in stilistisch kunstvoller Sprache phantastischen Themen widmen kann.
Letztendlich habe ich mich auch ziemlich in diese Richtung entwickelt, die auch dieser Autor eingeschlagen hat: Ich schreibe ebenfalls Kurzgeschichten, veröffentliche in Fanzines und Anthologien und letztes Jahr war ich Mitherausgeberin des Buches »Metamorphosen«, das sich mit eben dem von Lovecraft geschaffenen Horror-Mythos beschäftigt.
In welchem anderen Genre würdest du dich gern aus-probieren?
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Man sollte vielleicht vorausschicken, dass »mein« Genre grundsätzlich das der Science-Fiction ist. Allerdings fallen viele meiner Geschichten so düster aus, sodass manche davon letztendlich in Horrorpublikationen erscheinen. Unter den Umständen war natürlich der Sprung nicht weit, auch reine Horrorgeschichten zu schreiben. Gelegentliche Ausflüge in die Fantasy mache ich ebenfalls.
Allerdings sind diese drei Genres einander doch ähnlich und die Übergänge fließend. Da können die Unterschiede zwischen Werken innerhalb eines Genres weitaus größer sein.
Das Bedürfnis, etwas Nicht-Phantastisches zu schreiben, habe ich hingegen überhaupt nicht.
Hörst du beim Schreiben Musik und wenn ja, welche?
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Ich höre seit etwa zwei Jahren freiwillig gar keine Musik mehr und auch davor war es nie viel. Das heißt nicht, dass es mich sonderlich stören würde, wenn man wo Instrumente oder Gesang hört, aber ich gehe nun mal nicht aus eigenem Antrieb zum CD-Player, um mir Musik einzulegen. Der wird ausschließlich für Hörbücher benutzt, die konsumiere ich dafür aber in rauen Mengen. Aber natürlich nicht während des Schreibens.
Welche Story von dir könntest du dir auch als Film am besten vorstellen und wer sollte die Hauptrolle darin spielen?
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Nun, Filme folgen natürlich eigenen Gesetzen. Als Underground-Kurzfilm könnte ich mir jede meiner Geschichten vorstellen, jedoch als Spielfilm, der vor allem vom Unterhaltungswert lebt, am besten »Gestohlene Erinnerungen«, die dieses Jahr in der Anthologie »Hunger« erscheinen wird. Es handelt sich um ein Zombie-Endzeitszenario, das gleich mit einer expliziten Szene beginnt – übrigens das erste Mal bei mir, Sexualität spielt in meinen Geschichten im Normalfall keine Rolle – und das ist natürlich ein Einstieg, wo der gelangweilte Hauptabendprogramm-Durchzapper hängenbleibt. Dann gibt es natürlich diese dreckige Zukunftswelt mit jeder Menge Zombies und so manchem wird von der Hauptperson der Schädel eingeschlagen. Mit Auskosten dieser Splattereffekte lässt sich die Filmzeit für diese relativ kurze Geschichte ordentlich strecken und am Ende gibt es auch eine Auflösung zum Entstehen der Zombies, die es meines Wissens nach noch nicht gab – denn Viren, Chemikalien oder Strahlung sind hier nicht im Spiel.
Ich fände es besonders passend, die Hauptrolle mit jemandem zu besetzen, den im Grunde genommen kaum jemand kennt – einer Jungschauspielerin mit ersten kleinen Erfolgen in Underground-Filmen und in Nebenrollen, die sich beharrlich nach oben gearbeitet hat, aber immer unkonventionell geblieben ist und lieber ihren eigenen Weg geht, als allzu viel auf das Gerede der Leute zu achten. – Ja, ich glaube, das würde mir sogar besser gefallen, als die Rolle mit einem Hollywoodsternchen zu besetzen, dessen Namen ich jetzt gedankenlos in den Raum werfen könnte. Lieber weniger Erfolg und mehr Sinn in allem, das wäre mir auch hier wichtig.
Was inspiriert dich?
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Es gibt viel, das mich inspirieren kann: Neue Erfahrungen, interessante Menschen, Alpträume, persönliche Krisen, interessante Theorien – und manchmal auch relativ banale Kleinigkeiten. Ich habe beispielsweise meine Kurzgeschichte »Hell dunkel, dunkel hell« geschrieben, als ich in einem gläsernen Lift mit flackernder Leuchtstoffröhre an der Decke gefahren bin. Diese Leuchtstoffröhre kommt auch am Anfang und Ende der Geschichte direkt vor.

Schreibblockaden gehören oft zum Alltag eines Autors. Wie gehst du damit um?
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Nun, Schreibblockaden rühren daher, dass man seinen Kopf nicht frei hat. Zunächst ist einmal wichtig, dass man ungestört ist – und damit ist auch gemeint, dass nicht andauernd jemand den Kopf zur Tür hereinsteckt und etwas fragt oder gar will.
Dann sind es natürlich auch die eigenen Gedanken, die einen festnageln können. Ich empfehle, wenn man weiß, dass man in einer Stunde wieder aufhören muss, sich gar nicht erst ranzusetzen. Man kann zwar theoretisch in einer Stunde viel schaffen, aber wenn man andauernd nebenbei auf die Uhr sieht, bringt das fast immer gar nichts. Am Ende ist man nur frustriert, hat nichts geschrieben, aber die Zeit auch nicht anderweitig verbringen können.
Ansonsten resultieren Schreibblockaden oft aus zu vielen Gedanken. Gefühlsverwirrungen, Ärgernissen des Alltags, Gedanken an Dinge, die man erledigen sollte. Davon muss man sich freimachen, was aber natürlich leichter gesagt als getan ist. Mitunter kann ein Spaziergang oder ein guter Film helfen, dass die Gedanken wieder in andere Bahnen gelenkt werden. Mitunter mag aber die einzige Lösung für das Problem sein, sein Leben tatsächlich zu ändern. Aber das ist etwas, das ein normaler Mensch so gut wie nie des Scheibens wegen tut – das merkt man zumeist erst, wenn es sich von alleine ändert und man sich plötzlich wie befreit fühlt.
Welchen guten Rat hast du für junge Autoren/ Hobby-autoren?
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Für einen Autor ist ganz wichtig, nicht alle Märchen vom plötzlich entdeckten Bestsellerautor zu glauben – und sich umgekehrt auch nicht durch Gerüchte anderer Art, nämlich dass alle Verlagslektoren »so gemein« sind, einem Jungautor ohnehin keine Chance zu geben, abschrecken zu lassen!
Beides ist meiner Ansicht nach gleich fern der Realität. Man kann auf jeden Fall nicht ernten, ohne überhaupt etwas angebaut zu haben!
Lektoren wiederum suchen Manuskripte, von denen sie annehmen, dass sie gerne gelesen werden – und damit ist nicht gemeint, dass jemand das Werk des besten Freundes überfliegt und dabei nicht angeödet ist, sondern dass tatsächlich jemand gutes Geld für ein Produkt eines Fremden ausgibt, auch noch ein paar Stunden dafür erübrigt und nachher rundum zufrieden ist, die Zeit nicht vor dem Fernseher, dem Computer oder in einer Bar verbracht zu haben.
Zu veröffentlichen, kann auf jeden Fall funktionieren! Es haben andere geschafft, und selbst wenn man mit Bestsellerautoren spricht, merkt man, dass sie auch keine »Götter der Schreibfeder« sind, sondern ebenfalls einfach nur Menschen. Und Menschen werden nun nicht im Himmel geboren, sie arbeiten sich nach oben.
Ich empfehle die Taktik der kleinen Schritte. Viele wollen gleich eine Trilogie verfassen und bei einem Verlag wie Heyne, Piper, Bastei oder Ueberreuter unterbringen und rechnen gar nicht damit, wie schwer es ist, auch nur eine kurze Geschichte tatsächlich fertigzuschreiben und so zu überarbeiten, dass ein beliebiger Verlag sie auf eigene Kosten drucken möchte.
Es ist grundsätzlich gar nichts leicht und es gibt immer wieder Rückschläge, aber mit der Zeit funktioniert manches mit weniger Schwierigkeiten.
Lesungen gehören zur Tätigkeit des Autors. Wie bereitest du dich darauf vor und was bedeuten sie dir persönlich?
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Die meiste Zeit fressen Dinge wie Absprachen, speziell, wenn man noch zwischen Veranstalter und lesenden Mitautoren vermitteln muss, wird es schwer und das Bewerben der Lesung ist auch immer ein harter Brocken.
Das, was man gemeinhin unter »Vorbereitung« versteht, ist damit verglichen nur ein Bruchteil der Arbeit. Ich stelle natürlich das Programm zusammen, lese alles, was ich vortragen möchte, laut und stoppe mit, um etwaige Kürzungen vorzunehmen. Da Texte laut vorgetragen ein Vielfaches an Zeit gegenüber dem stillen Lesen beanspruchen, ist tatsächlich die größte Gefahr, dass die Lesung zu lang wird. Ab einer gewissen Länge kann man aber selbst nicht mehr, denn Vortragen ist anstrengend und zudem ist auch selbst das hochinteressierte Publikum nur bedingt aufnahmefähig. Es gilt auf jeden Fall: Weniger ist mehr.
Am Tag der Lesung bade ich und richte mich ansprechend her – frische, gerne auch etwas verrückte Kleidung, schminken, frisieren, Zähne putzen. Leider muss ich in den meisten Fällen auch den Büchertisch selbst bestücken (mir wäre es lieber, wenn das der Verlag machen würde, da die Betreuung »nebenbei« schwierig ist – man wird nach einer Lesung einfach zu sehr von seinen Gästen in Beschlag genommen, um sich auch noch darum optimal zu kümmern), also gilt es noch, die Bücher und anderes Werbematerial wie Flyer und Lesezeichen zusammenzupacken. Und zwar so, dass ich diese gegebenenfalls auch allein in der U-Bahn transportieren und zu Fuß tragen kann (was mit nicht gerade kräftiger Statur durchaus eine Herausfoderung ist) und ich dabei auch keine Bücher beschädige, wie das fast zwangsläufig passiert, wenn man sie einfach in einen Rucksack quetscht. Sollte auch nur eine Knickecke in einem Buch sein, ist es nämlich zum Vollpreis unverkäuflich – bei dem knappen Rabatt, den ich meistens bekomme, wäre das dann auch als ein echter Verlust zu verbuchen.
Ich bin dann immer eine halbe Stunde vor Beginn da, meist noch wesentlich früher, baue auf, schaue in die Luft oder gerade, wenn ich sehe, dass es noch etwas dauert, bis die Gäste eintrudeln, trinke ich auch noch schnell mal ein Bier. Das wäre mir bei meiner ersten Lesung nicht in den Sinn gekommen, aber man lernt schließlich auch dazu: Lieber kein Stress, sondern locker angehen, da fühlt sich nicht nur der Autor wohler, das kommt auch beim Publikum gut an. Schließlich mag es jeder Gast lieber, wenn der vortragende Autor locker rumwitzelt, als ob er nervös einen auswendig gelernten Einleitungstext herunterstottert!
Man muss sich da einfach von dem Gedanken verabschieden, vor eine blutrünstige Meute zu treten. Denn fest steht: Wer seine Zeit erübrigt, um zu einer Lesung zu gehen, ist dem Autor praktisch immer auch wohlgesonnen. Wer es ist nicht ist, bleibt für gewöhnlich einfach zu Hause. Niemand will also den Vortragenden bloßstellen.
Ideal ist somit ein bisschen lesen, ein bisschen reden, ein bisschen Fragen beantworten und nachher gemeinsam noch was trinken und plaudern. Für die Gäste ist es schließlich Unterhaltung in der Freizeit, die wollen gar keinen Autor, der das so ernst nimmt, als würde er vor einer Prüfungskommission stehen.
Wie recherchierst du für einen neuen Roman/ eine neue Story?
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Mitunter gar nicht – aber man muss bedenken, dass ich mit Paläontologie, einer Wissenschaft, die sich mit Lebewesen vergangener Erdzeitalter beschäftigt, ein recht exotisches Fach studiere und somit auch viel mit verschiedenen Ideen konfrontiert werde. Wer selbst auf Grabung geht, muss nicht nachrecherchieren, wie eine Grabung ablaufen könnte – und wer eine wissenschaftliche Theorie als Prüfungsstoff hat, liest es ohnehin nach und muss für das kreative Werk nicht noch mal extra ran.
Ansonsten recherchiere ich so, wie andere Autoren auch: im Internet oder in Bibliotheken. Ich scheue davor zurück, Leute etwas zu fragen. Es würde mir nie in den Sinn kommen, jemanden wegen eines schreiberischen Projekts anzurufen und bei der Arbeit zu stören.
Woran arbeitest du derzeit? .

Ich lasse es derzeit ruhig angehen und habe mich nicht schon wieder in ein neues Projekt gestürzt – Tätigkeiten wie beispielsweise das Lektorat zu angenommenen Geschichten einzuarbeiten, laufen ja ohnehin im Hintergrund weiter. Mein Leben hat sich in letzter Zeit ohnehin sehr geändert, das Meiste, wenn auch leider nicht alles, in eine positive Richtung, wie etwa, dass ich mit Werksvertrag an der Universität Wien arbeiten kann. All das gibt mir sehr viel, aber es kostet auch Zeit und Kraft.
Zudem werde ich in Kürze wieder eine Anthologie ausschreiben und da es nicht das erste Mal ist, werde ich sicher nicht den Fehler begehen, das zu unterschätzen. Es ist eine Herausforderung für mich, der ich mich gerne stellen möchte – aber um ihr gewachsen zu sein, muss ich mir etwas Luft dafür freilassen.

 

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