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15 neue Fragen an ...

... Christian Humberg

22. Juli 2010


Christian Humberg ist der Autor diverser Romane aus dem phantastischen Genre, darunter »Das schleichende Grauen«, ein Buch zu Wolfgang Hohlbeins Bestsellerserie »Der Hexer von Salem« (verfasst mit Bernd Perplies), und »Hundeleben«, ein Roman zu Deutschlands berühmtestem Fantasy-Universum »Das schwarze Auge«. Zu seinen Sachbuchtiteln zählen u.a. »Alles über Doktor House« (mit Christian Lukas), die erste deutschsprachige Publikation zur TV-Hitserie aus den USA, und das offizielle Geburtstagsbuch »50 Jahre LEGO Stein«.
Als Redakteur, Lektor und Übersetzer arbeitet der gelernte Journalist an diversen Zeitschriften und Online-Magazinen mit, insbesondere in der Phantastik-Szene. So erscheinen seit Jahren Artikel aus seiner Feder u.a. in »SpaceView«, einem der ältesten SF/F-Periodika Deutschlands, für das er auch regelmäßig die Kolumne »Im Westen was Neues« verfasst. Darüber hinaus übersetzt er Romane zu »Star Trek« und lektorierte für »Perry Rhodan« und »Elfenzeit«. Christian Humberg lebt vor einem PC-Monitor, der ihm die Sicht auf den Mainzer Dom versperrt. (www.christian-humberg.de)

. Frage . Antwort
Was bedeutet das Schreiben für dich?
 
Es ist mein Beruf, und ich hatte schon deutlich schlechtere … Ob ich besonders gut in ihm bin, müssen andere beurteilen. Ich wäre kein Autor, wenn ich nicht an mir zweifelte. Aber ich schreibe gerne, und bisher verlegt, kauft und liest man meine Texte. Obwohl ich also das große Glück habe, zur kleinen Gruppe derer zu zählen, die vom Schreiben leben können, weiß ich doch, dass ich auch schriebe, wenn dem nicht so wäre. Das ganze Zeug in meinem Kopf muss einfach raus, verstehst du? Klingt vermutlich furchtbar pathetisch, aber soll ich lügen?
Welche drei Bücher, die du gelesen hast, haben dir bisher am besten gefallen?
 
Eine gemeine Frage, weil ich sie unmöglich neutral beantworten kann – schlicht aufgrund der Menge an gelesenen Titeln. Bleiben wir mal bei den Romanen. Aus dem Stehgreif kommen mir in den Sinn:
Donna Tartt, The Secret History. Eine unfassbar gut gelungene Tragödie über Schuld, Sühne und elitäres Denken, die ich mittlerweile acht Mal hinter mir habe und teilweise auswendig zitieren kann.
Paul Auster, The New York Trilogy. Zweifelsfrei das bisher beste Buch dieses Schriftstellers, wenngleich es rein rechnerisch eigentlich drei sind. Mehrfaches Sehen im gleichen Bild, existenzielle Fragen, Interaktivität fernab aller Spielereien und mit New York ein ohnehin faszinierendes Setting mit ganz eigener Atmosphäre.
Sue Townsend, The Secret Diary of Adrian Mole, Aged 13 ¾. Aus sentimentalen Gründen – und weil es gerade hier im Regal neben mir steht.
Stellst du mir morgen dieselbe Frage, könnte die Antwort aber schon anders ausfallen. Mal sehen, welche Lektüre der Abend bringt …
Welches war deine erste, professionell veröffentlichte Arbeit?
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Wenn wir die journalistischen Texte in Tageszeitungen und diversen Magazinen außen vor lassen, muss das mein »1, 2 oder 3 – Quizbuch« gewesen sein, ein offizielles Begleitbuch zur Kinder-Ratesendung im ZDF. Erschienen ist es 2007 im Heel Verlag, und wer mehr darüber wissen möchte, kann ja mal hier nachschauen: http://tinyurl.com/2uvvn2d
Mein erster veröffentlichter Roman war »Die Kralle des Jaguars« (http://tinyurl.com/3xg5qp9), ein wildes Pulp-Abenteuer voller Grusel und Exotik.
Welches Buch oder welche Geschichte von dir würdest du mir zum Lesen empfehlen und warum?
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Kommt darauf an, was du gerne liest. Ich bin in diversen Genres und Publikationsformen unterwegs und schreibe Belletristik – Taschenbücher, Hardcover, Heftromane (unter Pseudonym) – ebenso wie Sachbücher und Magazinbeiträge. Als Einstiegsdroge empfehle ich dir einfach mal »Das schleichende Grauen«, einen interaktiven Gruselroman, den ich gemeinsam mit Bernd Perplies verfasste (http://tinyurl.com/35xcfyx). Er ist als Taschenbuch erschienen und gehört zu Wolfgang Hohlbeins erfolgreicher »Hexer von Salem«-Serie. Was meine Sachbücher angeht, lege ich dir kurzerhand »50 Jahre LEGO Stein« (http://tinyurl.com/36nozk6) ans Herz – nicht, weil ich die anderen nicht mag, sondern weil es als erste meiner Arbeiten in andere Sprachen übersetzt wurde und mir auch deswegen einiges bedeutet.
In Punkto Heftroman … Da ich an mehreren Serien mitschreibe, deren »Episoden« inhaltlich oft aufeinander aufbauen, ist es schwierig, da eine halbwegs kontextlos verständliche Geschichte auszusuchen. Wenn du Spaß an Spannung und atmosphärischem Grusel hast, bist du aber mit »Ice Road Shockers« (http://tinyurl.com/35b6ta4) sicher nicht schlecht bedient, und wer Lust auf ein spaßig-spannendes SF-Abenteuer hat, kann gerne an Bord von »Das Wrack« (http://tinyurl.com/3yuxb9u) gehen und mit Max Brooks einem schockierenden Geheimnis auf die Spur kommen.
Unter welchen Umständen würdest du das Schreiben mit einem anderen Beruf oder Hobby tauschen?
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Tauschen ist ausgeschlossen. Klar könnte ich mir auch andere Berufe vorstellen – nicht zuletzt aus Erfahrung –, doch das Angebot müsste schon sehr verlockend sein, um mich von dort wegzulocken, wo ich momentan beruflich bin. Nebenbei würde ich immer schreiben. Das steht außer Frage.
Welcher Autor hat dich am meisten beeinflusst?
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Was für eine Frage! Ich lese eigentlich alles, was ich in die Finger bekomme, und verfahre schon seit Jahrzehnten so, von daher …
Ich kann dir aber sagen, wessen Büchern ich immer und vorbehaltlos einen Blick gönne. In unsortierter, unreflektierter und rein belletristisch ausgerichteter Reihenfolge wären das John Irving, Stephen King, Frank Goosen, John Grisham, Sven Regener, Terry Pratchett, Heinz Strunk … Bunte Mischung, oder?
In welchem anderen Genre würdest du dich gern aus-probieren?
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Warum »würde«? Wenn ich irgendwo Inspiration finde – und die findet sich –, der Terminplan es erlaubt – was schon schwieriger ist – und ein Markt für meine Interpretation dieses Genres existiert, probiere ich mich aus.
Hörst du beim Schreiben Musik und wenn ja, welche?
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Nein. Wenn ich schreibe, arbeite ich konzentriert an meinen Szenen, Kapiteln oder Artikeln. Musik lenkt mich nur ab, weil sie mich zum Zuhören animiert – zumindest, wenn sie gut ist. Und warum sollte man schlechte Musik hören?
Beim Übersetzen mag ich es wiederum sehr gerne, wenn dabei etwas läuft. Im besten Fall instrumentale Sachen. Immer wieder gern genommen: Klassik, This Will Destroy You, Sigur Rós, manche Filmsoundtracks und und und.
Welche Story von dir könntest du dir auch als Film am besten vorstellen und wer sollte die Hauptrolle darin spielen?
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Das ist eher eine Frage für Film- und TV-Produzenten, nicht für Romanautoren. Mir gefallen die meisten meiner Geschichten, aber ich habe weder in Hollywood, noch in Babelsberg oder Köln-Mülheim etwas zu melden …
Andererseits: »Ice Road Shockers« gäbe sicherlich einen coolen Actiongrusler ab. Daniel Craig könnte Professor Zamorra geben, und Georgia Moffat stand ohnehin Modell für meine Journalistin Jenny. Bei »Crestfallen Point« bringe ich jetzt mal Alec Baldwin für Jack McPhee, Rachel McAdams für Samantha Beckett und John Malkovich für den abgehalfterten Theaterstar Flynn Morris ins Gespräch, die Details muss Hollywood dann unter sich ausmachen.
Was inspiriert dich?
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Vieles, zu belletristischen Werken aber hauptsächlich Sachtexte und Dokumentationen. Die Idee zu meinem aktuellen Romanprojekt (erscheint im September 2010 bei Lübbe) kam mir beispielsweise, als ich auf 3sat einen Bericht aus Paris sah und erfuhr, dass die dortigen Verkehrsbetriebe von den Musikern, die in ihren U-Bahn-Stationen für ein paar Groschen aufspielen wollen, verlangen, sich bei einem Casting einer Jury aus (u.a.) Fahrkartenkontrolleuren und Verwaltungsangestellten zu stellen. Der Plot war dann einfach da.
Ein andermal las ich im Halbschlaf von den Truckern auf der kanadischen Ice Road und hatte einen Geistesblitz. In einem Kulturmagazin auf ARTE sah ich einst einen knapp fünfminütigen Beitrag über skandinavische »Bücherdörfer« – Kleinstgemeinden, die sich durch die Eröffnung unzähliger antiquarischer Buchhandlungen mediale und touristische Aufmerksamkeit zu erarbeiten hoffen – und wurde zu meinem Anfang 2010 im Zaubermond Verlag erschienenen Hardcover »Crestfallen Point« inspiriert. »Bücher des Grauens« entstand nach einem Besuch im Mainzer Gutenberg-Museum – und aus der fachlichen Erfahrung meines Magisterstudiums in Buchwissenschaft. Für »Herren aus der Tiefe«, der diesen Sommer erscheint, muss ich mich bei der US-Medienjournaille bedanken, die lang und breit über den Late-Night-Krieg zwischen Jay Leno und Conan O’Brien um die Moderatorenrolle bei der renommierten Tonight Show berichteten. Und so weiter.
Ideen sind günstig. Man findet sie an jeder Ecke. Wirklich.

Schreibblockaden gehören oft zum Alltag eines Autors. Wie gehst du damit um?
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Indem ich dir widerspreche, sorry. Schreibblockaden darf es nicht geben, wenn man von diesem Job leben möchte und nicht regelmäßig einen Bestseller fabriziert. Klar kenne ich das Gefühl, vor dem PC zu sitzen und nur Mist zu produzieren – wenn überhaupt. Aber da muss man durch. Das wird nur besser, indem man weiterschreibt. Das Schöne an einer Erstfassung ist ja, dass man sie niemandem zeigen muss und während der Überarbeitungsphasen all das wegstreichen bzw. umschreiben kann (und muss!), was nicht funktioniert hat.
Welchen guten Rat hast du für junge Autoren/ Hobby-autoren?
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Hört auf, Interviews mit anderen Autoren zu lesen. Zumindest, wenn ihr in ihnen nach Antworten auf eure »Wie«- und »Was«-Fragen sucht. Wer schreiben will, muss schreiben. Punkt. Klar braucht es einen Funken Talent, um sich langfristig in der Branche durchschlagen zu können, aber der Löwenanteil unserer Tätigkeit besteht aus Handwerk. Es geht darum, Worte zu Datei bzw. Papier zu bringen, eines nach dem anderen und Tag für Tag. Disziplin und ein langer Atem schaden übrigens auch nicht. Und wie überall gilt: Wer bütze will, muss fründlich sin.
Lesungen gehören zur Tätigkeit des Autors. Wie bereitest du dich darauf vor und was bedeuten sie dir persönlich?
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Ob sie unbedingt dazu gehören, lasse ich mal unkommentiert. Ich persönlich mag es aber sehr, auf Buch- und Spielemessen, Conventions (mit männlichem oder weiblichem Artikel) oder bei anderen Anlässen meine Arbeiten vorstellen zu können und mit Lesern, Rezensenten und Kollegen ins Gespräch zu kommen. Während man schreibt, ist man mitunter der einsamste Mensch der Welt – subjektiv empfunden. Umso schöner ist es, in Gesellschaft präsentieren zu dürfen, was durch die ganze Mühe entstand.
Bei der Vorbereitung gibt’s für mich keine Routinen. Das hängt ganz vom Stoff und dem Veranstaltungsrahmen ab: Lese ich vor jungem oder älterem Publikum, zu einem frühen oder späten Termin, aus Sachbuch oder Roman? Auf der Leipziger Buchmesse 2010 stellte ich beispielsweise mit meinen Kollegen Carolina Möbis und Henning Mützlitz unsere fünfbändige Fantasy-Romanreihe »Hundstage« vor, zu der ich den Roman »Hundeleben« beisteuern durfte. Den Programmpunkt legten Carolina, Henning und ich als Lesung mit verteilten Rollen an, schlüpften in unsere Figuren und bemühten uns so, dem reizüberfluteten Messepublikum einmal etwas anderes zu bieten als »Ein Mensch, ein Buch, ein Mikrofon«. Hat geklappt – und nicht zuletzt auch uns großen Spaß gemacht. (Wer mehr über Buch und Lesung wissen möchte: http://tinyurl.com/ykt3qdf)
Wie recherchierst du für einen neuen Roman/ eine neue Story?
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Das kommt ganz auf die Geschichte an. Eine gut sortierte Bibliothek in der Nähe zu haben, ist ein klarer Vorteil. Telefon und Internet gehören zum Handwerkszeug eines jeden recherchierenden Autors, haben während des eigentlichen Schreibprozesses aber nichts in seiner Nähe verloren. Wenn es die Zeit und die geographische Lage ermöglicht, suche ich real existierende Schauplätze bzw. andere Informationsquellen auch gern persönlich auf – etwa Mendig und den Laacher See für meinen Eifel-Roman »Monster-Maar« oder die Firmenzentrale von LEGO und die Nachfahren des Firmengründers Ole Kirk Christiansen im dänischen Billund für mein Sachbuch »50 Jahre LEGO Stein«.
Woran arbeitest du derzeit? .
Aktuell schreibe ich einen Gruselthriller für Lübbe, der in Paris spielt und tief in die Geschichte dieser Stadt greift. Darüber hinaus arbeite ich an der Übersetzung von »Zwielicht«, einem Roman von US-Bestsellerautor David R. George III. zur Serie »Star Trek: Deep Space 9«, der im November 2010 bei CrossCult erscheinen wird – meine fünfte Trek-Übersetzung (http://tinyurl.com/39kzc9d). Die jüngste Ausgabe meiner SpaceView-Kolumne »Im Westen was Neues« ging an den Verlag, in der ich regelmäßig phantastische TV-Serien vorstellen darf. Und nebenbei müssen einige Projekte für 2011 recherchiert und mit einem Informationsunterbau versehen werden. Langweilig wird mir so schnell nicht – herrlich, oder?

 

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