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15 Fragen an...

...Jörg Kastner

1. September 2007

Jörg Kastner, 1962 in Minden an der Weser geboren, machte nach erfolgreichem Jurastudium aus seiner Liebe zum Schreiben seinen Brotberuf. Schon während des Studiums hatte er zahlreiche Artikel und Rezensionen in Zeitschriften wie „Phantastische Zeiten“, „Science Fiction Times“ und „Science Fiction Media“ veröffentlicht, gefolgt von zwei Sachbüchern zu populären Themen, „Das große Raumschiff Orion Fanbuch“ bei Goldmann (1991) und „Das große Karl May Buch“ bei Bastei Lübbe (1992). Der Kontakt zu Bastei Lübbe führte zur Mitarbeit an mehreren Heftserien, darunter „Jerry Cotton“ und „Trucker King“ sowie zu der von ihm selbst konzipierten und allein verfassten Serie „!Amerika!“. Nach der Einstellung von „!Amerika!“ veröffentlichte Jörg Kastner bei Bastei Lübbe fünf dickleibige Romane über den Freiheitskampf der Germanen gegen die Römer, beginnend mit „Thorag oder Die Rückkehr des Germanen“ (1996). Weitere historische Romane folgten, darunter bei Scherz seine Victor-Hugo-Hommage „Im Schatten von Notre-Dame“ (1999) sowie jüngst bei Knaur „Die Farbe Blau“ (2005) und „Das Wahre Kreuz“ (2007). Daneben schrieb er auch Fantasy, so die bei Ueberreuter erschienenen Romane „Die Nebelkinder“ (2000) und, zusammen mit seiner Frau Corinna, „Die Steinprinzessin“ (2002). Großen Erfolg erzielte Kastner mit seinen Vatikanthrillern, deren erster Band „Engelspapst“ im Jahr 2000 bei Scherz veröffentlich wurde. Zurzeit arbeitet der in Hannover lebende Autor an einem weiteren Vatikanthriller, „Teufelszahl“, der im Frühjahr 2008 bei Knaur erscheinen wird. Im Internet findet man Jörg Kastner unter www.kastners-welten.de.

Mit welchen drei Adjektiven würdest du deinen Beruf beschreiben?
Abwechslungsreich, fordernd, autark.
Welchen Roman eines anderen Autors hättest du gerne geschrieben?

„Zwanzigtausend Meilen unter den Meeren“ von Jules Verne.

Was war der bisher größte Fehler deiner Karriere?
Die Zusammenarbeit mit XY (nein, den Namen verrate ich jetzt nicht).
Welche drei deiner Werke sollte ich unbedingt auf eine einsame Insel mitnehmen?
1) „Das Wahre Kreuz“ (mein neuer Roman)
2) „Die Farbe Blau“
3) „Engelspapst“
Wo siehst du dich beruflich in zehn Jahren?
An meinem Schreibtisch, vor meinem PC, beim Schreiben.
Welches Buch hast du zuletzt privat gelesen? Wie hat es dir gefallen?
„Pearls from Peoria“ von Philip José Farmer. Eine deutsche Übersetzung gibt es leider nicht und wird es wohl auch in Zukunft nicht geben, da Farmer, mein Lieblings-SF-Autor, schon seit Jahren keinen Stammverlag mehr in Deutschland hat. Das ziegelsteinschwere Buch liegt auf meinem Nachttisch als derzeitige Lektüre und gefällt mir sehr gut, versammelt es doch erstmals in einem Band Geschichten, Drehbuchentwürfe usw., die Farmer in den vielen Jahrzehnten seiner Karriere in den unterschiedlichsten Publikationen veröffentlicht hat (oder die gar unveröffentlicht geblieben sind). Ein Muss für jeden Farmerologen (oder heißt es Farmerianer?).
Welche CD hast du zuletzt gekauft? Wie gefällt sie dir?
„Big Heat“ von Stan Ridgway, weil meine Frau und ich endlich mal „Camouflage“ bis zu Ende hören wollten. Bei uns im NDR wird das Stück immer nach vier bis fünf Minuten abgebrochen. „Camouflage“ (wer in den Achtzigern musikalisch sozialisiert wurde, wird es kennen) ist natürlich topp, mit den übrigen Tracks muss ich mich erst noch bekannt machen.
Du gewinnst 20 Millionen Euro im Lotto. Würdest du weiterschreiben? Warum bzw. warum nicht?
Ich würde wohl nicht weiterschreiben. 20 Millionen wollen erst einmal verwaltet und genossen werden, das nimmt schon einige Zeit in Anspruch. Warum dann noch Kollegen, die weniger Glück im Lotto hatten, den Platz in den Bücherregalen wegnehmen?
Welches sind deiner Meinung nach die drei schlimmsten Fehler, die ein Anfänger beim Schreiben macht?
1) Sich zu eng an literarische Vorbilder anzulehnen statt etwas eigenes zu schaffen.
2) Dem eigenen Geschriebenen zu unkritisch gegenüberzustehen (man selbst sieht oft erst mit großem zeitlichen Abstand, was man „verbrochen“ hat).
3) Einfach mal so draufloszuschreiben. Ein guter Roman (gehen wir mal von einem Roman aus) entsteht schon bei der Vorarbeit, bei der Recherche, bei der Entwicklung der Protagonisten und der Konzeption der Handlung
Welches sind deiner Meinung nach die drei schlimmsten Fehler, die ein Anfänger im Umgang mit Verlagen macht?

1) Zu forsches Auftreten („Hoppla, jetzt komm‘ ich!“).
2) Zu wenig forsches Auftreten. Das ist kein Widerspruch zum ersten Punkt: Man sollte sich bemühen, die goldene Mitte zu finden. Wer als Erstlingsautor bei einem Verlag wie der große Macker auftritt, macht sich lächerlich und wirkt wenig glaubwürdig. Wer aber andererseits alles schluckt und nichts hinterfragt, was der Verlag einem sagt, gibt leicht zu erkennen, dass er alles mit sich machen lässt. Man sollte seinem Geschäftspartner gegenüber stets fair auftreten, ein solches Auftreten aber auch vom anderen erwarten und es nötigenfalls höflich, aber bestimmt einfordern.
3) Zu viele Anfänger informieren sich im Vorfeld einer Veröffentlichung zu wenig über die geschäftlichen Gepflogenheiten. Es gibt Bücher zu dem Thema und mittlerweile auch zahlreiche Seiten im Internet. Wer sich vorher schlau macht, sitzt hinterher nicht ratlos seinem Lektor oder Verleger gegenüber.

Mit welcher literarischen Figur würdest du dich gerne mal unterhalten?
Mit Hadschi Halef Omar (falls ich denn dann zu Worte käme).
Welchem Autor (außer dir selbst) würdest du es wünschen, in Deutschland bekannter zu sein, als er es bisher ist?
Einer Autorin, nämlich Corinna Kastner, meiner Frau, weil sie ganz hervorragende, spannende, einfühlsame Romane schreibt.
Dir erscheint eine Fee und sagt: „Setz dich hin und schreib ein Buch. Ich verspreche dir, dass es ein Weltbestseller wird.“ Welches Genre würdest du wählen?
Aktuelles Sachbuch zum Weltgeschehen. (Wenn man schon die Gelegenheit hat, garantiert auf der ganzen Welt gelesen zu werden, sollte man allen, die willens sind, die Augen über das zu öffnen versuchen, was auf unserem geschundenen Planeten so alles vor sich geht.)
Was würdest du deinem Kind sagen, wenn es dir mitteilt, dass es beruflich in deine Fußstapfen treten will?
Hätte ich ein Kind, würde ich ihm das sagen, was auch meine Eltern immer zu mir gesagt haben: „Tu, was du für richtig hältst!“ Hinzufügen würde ich allerdings: „Lern/studier erst einmal etwas Vernünftiges!“
Welche drei Romane sollte man in seinem Leben gelesen haben?
Es gibt so viele gute Romane (und noch mehr schlechte), und von beiden kenne ich nur einen ganz geringen Bruchteil. Sorry, aber bei dieser Frage muss ich passen, sonst käme ich mir vor wie ein Scharlatan. Deshalb möchte ich an dieser Stelle einfach nur drei Lesetipps abgeben, ohne damit ein „Muss“ zu verknüpfen:
1) Friedrich Dürrenmatt, „Der Richter und sein Henker“. (Zeigt, wie man mit den scheinbar fixen Regeln eines Genres spielen und sie sogar brechen kann.)
2) Umberto Eco, „Der Name der Rose“. (Zeigt, wie man das Einfache mit dem Komplexen verbinden kann, ohne die Freunde des Einfachen oder die des Komplexen zu verprellen.)
3) Philip José Farmer, „Die Flußwelt der Zeit“. (Zeigt, was eine wirklich grandiose Romanidee ist.)

 

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