Wolfgang Hohlbein - Der Inquisitor
PC-Suchbildspiel

Entwickler & Produzenten: Prime Games / Daedalic Entertainment
Erscheinungsdatum: 09. Dezember 2009
Preis: ca. 20 Euro
Systemanforderungen (laut Verpackung):
- Windows 7 / XP / Vista
- 1 GHz Prozessor
- 512 MB RAM
- 250 MB Festplattenspeicher
- GeForce 3 mit 64 MB oder besser
- Maus, CD-ROM-Laufwerk, Soundkarte
- Altersfreigabe: Ab 0 Jahre
Wer abends nur einmal kurz ein paar Minuten unbeschwerten Zockens vor dem PC verbringen möchte, der greift gerne zu schnellen und unkomplizierten Spielen, die in den letzten Jahren das Label »Casual Games« aufgedrückt bekommen haben. Zu diesen gehören auch die sogenannten »Suchbild-« oder »Wimmelbild-Spiele«. Dabei handelt es sich um nichts anderes, als um eine wie auch immer thematisch geartete Abfolge von Suchbildern, wie man sie auch von Kinderbüchern (z.B. »Wo ist Walter?«) kennt. Das Spielprinzip ist denkbar einfach: Am unteren Bildschirmrand wird eine Liste der Gegenstände angezeigt, die der Spieler auf dem Screen entdecken muss. Hat er sie gefunden, klickt er sie an, der Gegenstand wird von der Liste gestrichen, und wenn man alles gefunden hat, kommt man zum nächsten Bild.
Die süddeutschen Games-Produzenten von »Prime Games« haben sich für eines ihrer neuesten Projekte in diesem Genre erfreulicherweise einen Fantasy-Roman des Autors Wolfgang Hohlbein als Hintergrund ausgesucht. Dessen Roman »Der Inquisitor«, erstmals erschienen 1990, hat zwar schon gut zwei Jahrzehnte auf dem Buckel, eignet sich mit seinem düsteren mittelalterlichen Setting aber sehr gut für eine Umsetzung als Suchbild-Abenteuer.
Pater Tobias ist Inquisitor des Dominikanerordens in Lübeck. In dem Dorf Buchenfeld, das einige Tagesreisen entfernt liegt, soll eine Hexe ihr Unwesen treiben. Die Frau des Apothekers soll schuld daran sein, dass das Korn verfault, das Wasser giftig und die Kinder krank werden. Vor Ort muss Tobias recherchieren, was dazu geführt haben kann, dass diese unseligen Phänomene aufgetreten sind. Waren hier wirklich übernatürliche - teuflische! - Mächte am Werk? Oder sind es doch allzu menschliche Machenschaften, die hinter all dem stecken? Tobias stößt auf ein Geheimnis – und muss gleichzeitig erkennen, dass die angebliche Hexe eine Verflossene von ihm ist ...
Soweit die Story in Grundzügen. Das Spiel beginnt mit der Ankunft des Paters in Buchenfeld. Von da ab klickt man sich, wie bereits beschrieben, durch verschiedenste Suchbilder und muss mal mehr und mal weniger der Story entsprechend Gegenstände finden, die man teils auch in ein Inventar aufnehmen kann. Manchmal werden die Dinge nämlich an anderer Stelle im Spiel wieder wichtig, und man muss sie entsprechend einsetzen. Dazu kommt es immer wieder zu Puzzle- und Verschieberätseln, die den Spielverlauf ein wenig auflockern. Kommt man beim Suchen einmal nicht weiter, hat man die Möglichkeit auf eine Hilfsoption zuzugreifen. In zeitlich limitierten Abständen kann man sich einen Gegenstand, den man noch nicht gefunden hat, vom Computer zeigen lassen. So wird Frustration vorgebeugt, und von dieser Möglichkeit wird man aufgrund der teils sehr fies platzierten Gegenstände im Laufe des Spiels auch des Öfteren Gebrauch machen. Die Dinge sind nämlich nicht so offensichtlich zu erkennen, wie man meinen möchte. Meistens schmiegen sie sich in architektonische Gebilde ein oder sind farblich so wenig abgesetzt oder winzig, dass man sich gerne auch mal seine Nase am Bildschirm plattdrückt und trotzdem nichts findet.
Zwischen den liebevoll gezeichneten Screens werden immer wieder Teile von Dialog oder Handlung als Zwischensequenz gebracht. Diese beschränken sich aber auf reine Schrift (ohne Sprachausgabe) und ein paar Figuren- oder Ortsskizzen. Die immer gleiche Musik im Hintergrund nervt sehr schnell, so atmosphärisch sie auch ist. Trotzdem sind diese Sequenzen wichtig, um der Story folgen zu können und einen inhaltlichen Zusammenhalt zu schaffen.


Abgerundet werden die Funktionen des Spiels durch eine sehr simple Bedienung. Man steuert ausschließlich mit der Maus, und alles erklärt sich wie von selbst. Das gilt meist auch für die kleineren Rätseleinlagen. Mittels Tagebuchfunktion kann man vorherige Handlungsabschnitte noch einmal nachlesen. Es gibt keine Zeitbegrenzung bei den Suchbildern und nur einen Schwierigkeitsgrad.
»Der Inquisitor« ist ein Wimmelbildspiel, das wegen der gelungenen Vorlage eines Romans aus der Feder des erfolgreichsten deutschen Fantasy-Autors punkten kann. Erfreulicherweise läuft es sogar fehlerfrei auf Rechnern mit älteren Grafikkarten. Ansonsten krankt das Spiel wie viele Vertreter des Genres an der Beliebigkeit der Inhalte. Die Spielidee kann für alle möglichen Themenbereiche angewandt werden. Darüber hinaus sind diese Spiele innerhalb von wenigen Stunden durchgespielt (»Der Inquisitor« ist ohne Probleme innerhalb von zwei Stunden zu bewältigen). Da deutlich günstigere und umfangreichere Spiele dieser Art auf dem Markt erhältlich sind, ist ein Verkaufserfolg bei 20 Euro Anschaffungspreis - trotz des publikumswirksamen Namens Hohlbein - fraglich. Wer das Geld aber trotzdem ausgeben möchte, kann sich über spannende, toll gezeichnete Suchbilder und die Dreingabe einer langen Leseprobe des Vorlagenromans im Handbuch freuen.
© Sascha Vennemann