The Elder Scrolls IV: Oblivion (PC)
Riesige Spielwelt für Helden mit gutem Sitzfleisch
Das Spiel beginnt in einem Kerker. Als in Lumpen gekleideter Gefangener mache ich zuerst Bekanntschaft mit einem weiteren Insassen in der Nachbarzelle, der einige spöttische Worte von sich gibt. Kurz darauf erscheinen auch schon gepanzerte Soldaten, in deren Mitte der Kaiser höchstpersönlich. Drohend richten sie die Waffen auf mich und ich muss zur Rückwand ausweichen. Sie machen deutlich, dass ich mich keinesfalls einmischen soll. Der Kaiser sieht mich an, scheint etwas zu spüren und redet mit mir. So erfahre ich einige interessante Dinge über meine Person und natürlich auch über den Kaiser selbst. Er ist auf der Flucht, man will ihm ans Leder. Danach öffnet die Leibgarde eine Geheimtür und verschwindet mit dem Monarchen in ein unterirdisches Höhlensystem. Aber nicht, ohne mir zuvor noch einmal deutlich zu machen, dass ich auf gar keinen Fall folgen soll.
Als gestandener Abenteurer sind Löcher in Wänden natürlich gleich einer Einladung zum Wiener Opernball und schon schlüpfe ich durch die Mauer. Hier werde ich Zeuge, wie Kaiser und Leibwächtern von mysteriösen Angreifern überfallen werden. Sofortiges Einmischen wäre möglich, muss aber nicht sein. Aufgrund der fehlenden Bewaffnung ist es wohl auch besser, ein wenig zu warten. Und tatsächlich, die Angreifer werden besiegt. Da liegen sie nun, bereit zur Plünderung durch Heldenhände. So komme ich zu meiner ersten Waffe und entschließe mich, die Sache weiter zu verfolgen. Nach einigen weiteren Begebenheiten, die hier aber nicht alle aufgelistet werden sollen, wird die Stadt schließlich durch das Kanalsystem verlassen. Hinter mir die mächtigen Stadtmauern, vor mir ein weites, wundervoll gestaltetes Land.
Damit beginnt eine Reise durch die weitläufige Welt von Oblivion. Fließende Bäche, üppige Wiesen, in der Ferne die prachtvollen Berge, gesäumt von Wäldern. Und inmitten der Idylle Städte, Dörfer, Dungeons und verlassene Ruinen. Das schreit geradezu nach freier Erkundung.
Alles erscheint einem hier lebendig. Wild hüpft durch die Gegend, Fische schwimmen im Wasser und begibt man sich in die Stadt, gehen die Bewohner ihrem Tagwerk nach, halten auf offener Straße hin und wieder ein Schwätzchen. So wird das eine oder andere Gerücht bereits im Vorbeischlendern aufgeschnappt. Läden haben Öffnungszeiten und die Leute treffen sich am Abend im Wirtshaus. Nach einem Abendessen begeben sie sich in ihre Häuser zur Nachtruhe. Diese Häuser können übrigens alle betreten werden. Ist die Tür einmal verschlossen, stehen Dietriche bereit, da Helden ja von nichts die Finger lassen können. Aber Vorsicht: Die Stadtwache marschiert durch die Straßen und sieht es gar nicht gerne, wenn sich ungebetene Gäste Zutritt zu fremden Wohnungen verschaffen wollen.
Macht nichts, dann wird eben geschlichen, beobachtet, der richtige Zeitpunkt abgewartet. Dieb, Krieger, Attentäter, Magier. Mit Klinge und Schild, mit Pfeil und Bogen oder durch mächtige Zaubersprüche werden Gegner in ihre Schranken verwiesen. Die Möglichkeiten, die Oblivion bietet, wirken endlos. Das Geschlecht ist frei wählbar und wer es exotisch mag, hat die Auswahl zwischen acht Rassen. Gesicht, Hautfarbe und Haar werden mit Schiebereglern dem individuellen Geschmack angepasst. Wahlweise in der Ego-Ansicht oder der 3rd Person Perspektive begibt sich der frisch gebackene Held auf die Suche nach seiner Bestimmung. Der Spielfigur »über die Schulter zu blicken« lohnt, da sämtliche Ausrüstung am Körper sichtbar ist. Auch bei der Kleidung stehen neben den üblichen Rüstungen vielfältige Gewänder zur Wahl. Vom Bauernoutfit bis hin zum adelig anmutenden Samt-und-Seide-Überwurf. Die bringen zwar im Kampf keine Vorteile, für die Atmosphäre sind solche Spielereien jedoch Gold wert – zuweilen im wahrsten Sinne des Wortes.
Schon die Hauptquest, die von Königsmord, Toren zu einer Dämonenwelt, Intrigen, einem verlorenen Thronfolger und einer geheimnisvolle Sekte handelt, fesselt für Wochen. Da ein waschechter Held auch gerne mal abseits der eigentlichen Handlung wildert, gibt es zahlreiche Nebenquestes zu erledigen. Das betrifft nicht allein die Gilden der Krieger, Diebe, Magier und Attentäter, denen man allen jederzeit beitreten kann, ohne sich auf eine festlegen zu müssen, sondern auch andere Bewohner der Welt. Langeweile kommt da nicht so schnell auf und wer Oblivion ausgedehnt spielt, wird so rasch nicht davon loskommen. Mit der Erweiterung Shivering Isles kommt sogar noch eine ganz neue Welt hinzu, die nicht minder vollgepackt ist an Sehenswürdigkeiten und Erlebnissen. Knights of the Nine, ein weiterer Zusatz, bereichert das Universum des Spiels zusätzlich mit Quests, Gegenständen und Eigenheimen. Im Gegensatz zu den Shivering Isles handelt es sich dabei aber nicht um eine echte Erweiterung, sondern mehr um eine Sammlung etlicher Downloads aus Quests, Gebäuden und Ausrüstungsgegenständen. Kein Muss, aber für Fans und Komplettierer nicht völlig sinnlos.
Ja, richtig gelesen, in fast jeder Stadt kann sich der Held ein eigenes Haus zulegen und einrichten. Die Einrichtung ist nicht frei wählbar, sondern wird einfach im Laden per Brief gekauft. Sie steht dann sofort im Haus zur Verfügung. Der gewonnene Platz ist auch nötig, denn das Inventar des Helden ist knapp bemessen und die Anzahl der Gegenstände, die es zu sammeln, ernten und finden gilt dagegen immens. Leider findet sich auch allerlei Tand, der zu nichts zu gebrauchen ist. Kräuter und Lebensmittel hingegen werden für die Herstellung von Tränken benötigt.
Wem das dann immer noch zu wenig ist und wer sich gar nicht mehr von der Welt trennen mag, der findet von Fans gestaltete Inhalte zuhauf im Internet.
Der Witz bei Oblivion besteht nicht zuletzt darin, dass nach Beendigung der Hauptquest das Spiel keineswegs endet. Es geht einfach weiter. Noch nicht abgeschlossene Aufgaben können angegangen, die Welt in Ruhe durchreist werden.
Wer seine Athletik hoch genug züchtet, sollte einmal die hohen Berge erklimmen und die Aussicht genießen. Es lohnt sich.
Und doch gibt es auch hier einige Wermutstropfen. Das Hauptspiel ist durchsetzt von diversen Bugs, für die es aber längst genügend Patches gibt. Auch ist die Größe der Spielwelt mit verschiedenen Klimazonen einerseits herrlich, da man sich hier austoben kann. Andererseits verfliegt das Oh- und Ah-Gefühl natürlich irgendwann, wenn man die 100ste Höhle und den 100sten verfallenen Elfenpalast erkundet hat. Die unterscheiden sich nämlich nicht sonderlich voneinander. Es stellt sich ein ganz anderes Gefühl ein: Kennt man einen, kennt man alle. Bei mir persönlich hat das immerhin ein ganzes Jahr intensiven Spiels erfordert, bis es mir öde wurde – und da hatte ich noch nicht einmal die Erweiterungen.
Ein gewisses Problem gibt es auch mit dem frei wählbaren Schwierigkeitsgrad. Der kann zwar auch während des laufenden Spiels jederzeit angepasst werden, aber die Feinde steigen im Level mit. Wer da den Regler nicht betätigt und auf höchster Stufe stehen hat, wird vielleicht als gestandener Streiter einem Wildschwein über den Weg laufen, das einen zur Schnecke macht. Auf der anderen Seite kann die Spielfigur derart mächtig werden, dass schon in Unterwäsche und waffenlos kein Gegner mehr auch nur einen Hauch Land sieht. Hier versagt das Balancing, was das Spiel in seiner Gesamtheit aber nicht abwertet.
Zwar richtet sich The Elder Scrolls IV: Oblivion nicht explizit an Rollenspielprofis, doch könnten Anfänger durch die Vielzahl der Möglichkeiten etwas überfordert werden. Große Spielfreiheit hat immer den Nachteil, dass Neueinsteiger dieser Freiheit ein wenig ratlos gegenüberstehen. Wer sich auf ein freies Erkunden einlässt, wird dann aber mit einem intensiven Spielerlebnis belohnt. Für Gelegenheitsspieler, die auf rasche Ergebnisse und das schnelle Spielvergnügen zwischendurch aus sind, ist das Game nicht zu empfehlen. Man braucht Zeit dafür.
Heute steht Oblivion natürlich in Konkurrenz mit Dragon Age, Drakensang und weiteren Rollenspielen und ist technisch längst nicht mehr wegweisend. Wer es noch nicht kennt und epische Spiele mag, sollte einen Blick riskieren, zumal das Spiel bereits als Budgetversion für den kleinen Geldbeutel zu haben ist.
Ein Tipp: Wer sich für The Elder Scrolls IV: Oblivion entscheidet, darf auch gleich Shivering Isles und Knights of the Nine einplanen. Insgesamt hält man so einen Rollenspielgiganten in Händen.
Produktinformationen (Die Angaben beziehen sich auf das Hauptspiel)
- Produkt: The Elder Scrolls IV: Oblivion
- Genre: Rollenspiel
- Plattform: PC DVD-ROM
- Publisher: 2 K Games
- Entwickler: Bethesda Softworks
- Release: bereits erschienen
- USK: ab 12 Jahren
- Budgetpreis: ca. 10 €
Systemvoraussetzungen für das Hauptspiel laut Hersteller:
Empfohlen:
- 3 Ghz Intel Pentium 4 oder vergleichbarer Prozessor
- 1 GB RAM
- ATI X800 series, NVIDIA GeForce 6800 series oder höher
Minimale Anforderungen:
- Windows XP, Windows 2000, Windows XP 64-bit
- 512MB System RAM
- 2 Ghz Intel Pentium 4 oder vergleichbar
- 128MB Direct3D Grafikkarte
- DirectX 9.0
- 8x DVD-ROM
- 4.6 GB freier Festplattenplatz
- DirectX 8.1 kompatible Soundkarte
- Keyboard, Mouse
Quelle: www.elderscrolls.com
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