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Planescape: Torment

»Am Anfang stand das Wort - und zog sich bis zum Ende.«

Selig ist die Zeit der Textadventures. Da musste man sich das Erlebte noch selbst vorstellen und Befehle per Hand eingeben.
Ganz so altbacken kommt das im Dungeons & Dragons Universum angesiedelte Planescape: Torment zwar wirklich nicht daher, aber Text ist in diesem Rollenspiel mehr als genug vorhanden. Doch der Reihe nach:

Als namenloser Held mit Narben am ganzen Körper, mehr Löchern im Gedächtnis als ein Schweizer Käse hat und ungesunder Hautfarbe erwachen wir in einem Leichenschauhaus. Ein toller Anfang für ein Spiel, aber auch mal erfrischend anders. Bevor es richtig mit dem Erkunden der Umgebung losgeht, finden wir auch schon unseren ersten Begleiter: ein schwebender Totenschädel namens Morte, der seinen Unterkiefer kaum stillhalten kann. Und schon geht es los. Zuerst einen Weg nach draußen finden und dann hinein in eine düstere Stadt voller skurriler Typen und eigenartiger Begebenheiten.

Mehr zur Story wird an dieser Stelle nicht verraten, denn zu lesen gibt es im Spiel schon genug. Vertont ist nur wenig, Gespräche und Erklärungen finden sich in einem ausgiebig genutzten Feld am unteren Bildschirmrand. Aber keine Bange, es lohnt sich, denn die Atmosphäre lebt von dieser Textflut. Für ein Spiel seines Alters ist die Grafik schön und stimmig. Es gibt kleine Details zu sehen, die Animationen sind ordentlich. Auch Sigil, so der Name der Stadt, in die es unseren Helden verschlagen hat, kann sich in ihren Abschnitten sehen lassen. Auf dem Weg sammeln wir Mitstreiter ein, die alle eine besondere Geschichte haben und mit unserem Charakter eng verbunden sind. Wie, das erfährt man erst im Lauf der Handlung. Unter den Begleitern gibt es Typen, die man in anderen Rollenspielen vergebens sucht, wie etwa einen brennenden Zauberer oder eine lebendige Rüstung. Während der Suche nach unserem Gedächtnis und dem Sinn unseres Daseins erkunden wir eine Welt, die eigenartig wirkt, an einigen Stellen grotesk. Gekämpft wird auch, aber in Maßen. In Planescape: Torment steht die Handlung im Vordergrund. Wer seine Aufträge durch Dialoge meistert, erhält zumeist eine höhere Belohnung. Also lohnt es sich durchaus, mal nicht den Conan raushängen zu lassen.

Klar, es gibt Aufgaben zu erfüllen und unser Heldentrupp gewinnt auch jeder für sich an Erfahrung zum Hochleveln, doch rückt auch das ein wenig zurück. Das Spiel bietet Geheimnisse, die man einfach entdecken möchte. Es werden Andeutungen gemacht, denen man unbedingt auf die Spur kommen will, wenn … ja, wenn man sich darauf einlässt, dass man hier ein Computerspiel mit Lektüre vor sich hat. Wer es tut, erlebt eine fabelhaft durchdachte Geschichte, an der man wohl auch in Buchform Gefallen gefunden hätte (die es übrigens in Englisch gibt).

Fazit:
Jetzt, da ich diesen Artikel verfasse, packt mich gerade wieder die Lust, nach Sigil zu reisen, denn es ist eine Weile her, dass ich dieses Spiel genossen habe. In den kommenden Sommermonaten mag die Muse für das ausgiebige Game vielleicht etwas fehlen, aber der nächste Winter mit langen Nächten kommt bestimmt. Das Spiel ist für all jene empfehlenswert, die Geduld haben, Ruhe möchten und trotzdem Spannung suchen. Für hektische Monsterwegklicker ist Planescape: Torment gewiss ein Fehlgriff, aber zwischen all den Schnetzeleien sind Lesestunden auch eine kleine Abwechslung.

Produktinformationen:

  • Produkt: Planescape: Torment
  • Genre: Rollenspiel
  • Plattform: PC DVD-ROM (alte Version auf CDs)
  • Publisher: Interplay
  • Entwickler: Black Isle Studios
  • Release: bereits erschienen
  • USK: ab 12 Jahren
  • Budgetpreis: Das Spiel gab es schon einmal als White Label Veröffentlichung und als Heftbeilage, ist also fast nur noch gebraucht zu bekommen und die Preise können stark variieren.

Systemvoraussetzungen:

  • 200 Mhz
  • 32 MB RAM
  • keine 3D-Karte nötig
  • 650 MB auf der Festplatte

Quelle: www.wikipedia.org

Links: www.planescape-torment.de/ (offizielle Seite der deutschen Übersetzer)

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