Neue Suchbild-Abenteuer
Ankh - Die verlorenen Schätze / 20.000 Meilen unter dem Meer / Mord ist ihr Hobby
Vor nicht allzu langer Zeit stellten wir an dieser Stelle das Suchbild-Abenteuer »Der Inquisitor«, basierend auf einem Roman von Wolfgang Hohlbein, vor. Der Artikel dazu ist hier nachzulesen.
Eine Einführung dazu, was Wimmelbild-Spiele bzw. Suchbild-Spiele sind und wie man sie spielt, findet sich ebenfalls unter dem Link. In der Zwischenzeit waren die Entwickler- und Produzententeams, namentlich wiederum »Prime Games« mit diversen Partnern, nicht untätig und arbeiten sich langsam aber sicher an die Spitze der in Deutschland veröffentlichten, qualitativ hochwertigen Wimmelbild-Spiele vor. Werfen wir nun einen Blick auf drei der neuesten Veröffentlichungen und wie sie sich untereinander im Vergleich schlagen ...
Ankh - Die verlorenen Schätze
Systemanforderungen
- Windows 7 / XP / Vista
- 1,5 GHz Prozessor
- 512 MB RAM
- 500 MB Festplattenspeicher
- DiretX9-kompatible Grafikkarte mit 64 MB
- Altersfreigabe: Ab 0 Jahre
Die Ankh-Serie, bestehend aus drei PC-Adventures plus einer Nintendo-DS-Adaption, gilt als eine der beliebtesten und besten Reihen aus deutscher Produktion. Jüngst erlebten die Adventures die Adelung, als Beilage der »Computer Bild Spiele« erneut veröffentlicht zu werden und somit noch mehr Spieler zu begeistern. In Zusammenarbeit mit »Deck 13«, den Entwicklern der Ankh-Reihe, hat Prime Games aus der Lizenz einen weiteren Teil als Suchbild-Spiel gebastelt. Im Vordergrund steht dabei nicht – wie in den 3D-Grafik-Adentures – der junge Ägypter Assil, sondern die weibliche Hauptfigur Thara. Zeitlich gesehen handelt es sich bei »Die verlorenen Schätze« um ein sogenanntes Prequel, die Story spielt also noch vor dem 2005 erschienenen ersten Ankh-PC-Game.
Thara muss, um ihrem todkranken Vater helfen zu können, im alten Ägypten diverse Schätze finden und Aufgaben erfüllen. Dabei trifft sie auf viele Charaktere, die der Spieler aus anderen Ankh-Teilen schon kennt. U. a. muss sie in der Kamel-Waschanlage schuften, im Palast eine Feier ausrichten und trifft sogar auf einen Gott! Neben den klassischen Suchbildschirmen gilt es auch, das ein oder andere Puzzle zusammenzusetzen.



»Ankh – Die verlorenen Schätze« schneidet unter den drei neuen Suchbild-Spielen leider am Schlechtesten ab. Das liegt zum einen an dem sehr hohen Schwierigkeitsgrad der Suchbilder, der Anfänger kaum ohne Frust zurücklassen wird und auch erfahrenere Spieler des Öfteren zur integrierten Suchhilfe greifen lässt. Das gilt insbesondere für den Zeit-Modus, bei dem man die Bilder in einer vorgegebenen Zeitspanne vollständig durchsucht haben soll. Die Zwischensequenzen bestehen nur aus Standbildern der Figuren und einigem wenigen, in Sprechblasen aufbereitetem Text, der eine humoristische Atmosphäre nur bedingt schaffen kann, fehlt doch eine Sprachausgabe vollständig. Gerade die witzigen Synchronstimmen waren immer ein großes Plus der Ankh-Reihe – Schade, dass sie hier, bis auf eine winzige Szene am Schluss, die den Übergang zwischen diesem und dem ersten Ankh-Spiel darstellt und in der ein kurzer Einspieler zu hören ist, nicht verwendet wurden. Die Musik ist dem Setting gemäß schön orientalisch angehaucht, unaufdringlich, aber auch wenig abwechslungsreich und nicht sonderlich eingängig. Darüber hinaus hat dieses Spiel die höchsten Hardware-Anforderungen der drei Kandidaten, was vor allem an dem animierten Intro und Outro des Spiels liegt. Grafisch gesehen ist das eigentliche Spiel an sich aber wenig anspruchsvoll an die Hardware. Weitere Abzüge gibt es für die Spielzeit und den Preis: Knapp 20 Euro für ein Game, das selbst ungeübte Spieler in weniger als 2 Stunden durchspielen können, sind – trotz der insgesamt zufriedenstellenden Aufmachung - leider kaum zu rechtfertigen. Darüber hinaus gibt es nur ein einziges Spieler-Profil, will man also mit mehreren Personen abwechselnd in seinem eigenen Slot seinen Fortschritt speichern ist dies nicht möglich. Fazit: Für Ankh-Fans mit Einschränkungen empfehlenswert – Erwartet bitte kein Adventure! Für Wimmelbild-Spiele-Fans gibt es bessere Alternativen, wie die nachfolgenden Abschnitte zeigen!
Wertung: 




20.000 Meilen unter dem Meer
Systemanforderungen
Für PC:
- Windows 7 / XP / Vista
- 1 GHz Prozessor
- 512 MB RAM
- 250 MB Festplattenspeicher
- GeForce 3 mit 64 MB oder besser
- DirektX 9 oder höher
- Maus, CD-ROM-Laufwerk
- Altersfreigabe: Ab 0 Jahre
Für MAC:
- MacOS 10.4 oder besser
- 1 GHz Prozessor
- 512 MB RAM
- 250 MB Festplattenspeicher
- 1024 x 768 Bildschirmauflösung
- CD-ROM-Laufwerk, MausAltersfreigabe: Ab 0 Jahre
Nach »Der Inquisitor« versuchen sich Prime Games mit »20.000 Meilen unter dem Meer« erneut an der Umsetzung eines literarischen Vorbilds als Suchspiel. Der Unterwasser-Abenteuerroman von Jules Verne gilt als Klassiker der fantastischen Literatur, und der Autor selbst hat die Thematik der Science-Fiction quasi in der Literatur populär gemacht. Gemäß des Romans, der Ende des 19. Jahrhunderst im französischen Original erschien, übernimmt man im Spiel die Rolle des Wissenschaftlers Pierre Arronax. Auf der Suche nach verschwundenen Schiffen und unerklärlichen Phänomenen auf dem Meer gerät er mit seiner Mannschaft ebenfalls in Seenot, als ein riesiges Ungeheuer die Expedition angreift. Nur Arronax, sein Diener Conseil und der Harpunier Ned-Land überleben des Desaster, sie erwachen an Bord des Unterseebootes »Nautilus«, mit welchem Captain Nemo die Sieben Weltmeere bereist. Dem geheimnisvollen und etwas schrulligen Mann kommen die Schiffbrüchigen gerade recht, schart er doch gerne kluge Köpfe um sich, um mit ihnen zusammen die Rätsel des Meeres zu erforschen. Doch das Abenteuer hat seinen Preis – die Reisenden sind Gefangene, dürfen das Unterseeboot nie wieder verlassen.



»20.000 Meilen unter dem Meer« ist ähnlich gelungen wie »Der Inquisitor«, von der Aufmachung und den Spieleinhalten gleichen sich beide Titel doch sehr. Dennoch macht »20.000 Meilen« bei einigen Dingen etwas mehr richtig als sein Vorgänger. Die Qualität der handgezeichneten Figuren und Hintergründe, das alles stimmt – wie auch schon beim »Inquisitor«. Die Roman-Vorlage liefert eine spannende und durchgängige Story, der Schwierigkeitsgrad hält sich in Grenzen, und die Zwischensequenzen (leider immer noch ohne Sprachausgabe) bringen die Stimmung gut zur Geltung und die Handlung voran. Es scheint, als habe man sich meine Kritik an der eintönigen musikalischen Untermalung vom »Inquisitor« zu Herzen genommen, denn der Soundtrack ist dieses Mal hochdramatisch, abwechslungsreich und absolut filmreif, und er zählt zu den Highlights dieser Veröffentlichung.
Bei den Mini-Games gibt es das Übliche: Unterschied-Suchbilder, Verhältnisse mischen und Puzzle. Das screen-übergreifende Mitnehmen und Verwenden von Gegenständen, wie es noch beim »Inquisitor« üblich war, fehlt hier leider. Dafür hat man überflüssigerweise einige Action-Sequenzen im Stile eines Parallel-Shooters eingebaut, bei dem man als Taucher wahlweise Gegenständen ausweichen muss oder sich mit der Harpune gegen die aggressive Unterwasser-Fauna zur Wehr setzt. Diese Passagen sind grafisch wenig ansprechend und bringen völlig unnötig Unruhe ins Spiel, zumal man als Wimmelbild-Spieler möglicherweise mit den Action-Sequenzen zunächst überfordert ist.
Ansonsten läuft »20.000 Meilen« auch wieder auf älteren PCs und kann bei der Spiellänge wieder nicht überzeugen: 90 bis 120 Minuten, und man kann das Game wieder deinstallieren. Bei wiederum knapp 20 Euro Anschaffungspreis ist das kein wirkliches Argument, sich für die Umsetzung des Jules Verne-Klassikers zu entscheiden. In vielen anderen Punkten ist »20.000 Meilen« allerdings überzeugend und einen Blick wert. Ebenfalls ein Plus: Das Spiel läuft auch auf einem MAC.
Wertung: 






Mord ist ihr Hobby
Systemanforderungen
Für PC:
- Windows 7 / XP / Vista
- 1 GHz Prozessor Pentium 3 oder vergleichbar
- 512 MB RAM
- 350 MB freier Festplattenspeicher
- 3D-Grafikkarte mit 128 MB RAM
- Altersfreigabe: Ab 0 Jahre
Für MAC:
- OS X 10.4.11 / 10.5.2
- Intel Duo Prozessor
- 1024 MB RAM
- 3D-Grafikkarte mit 128 MB RAM
- 7300 GT oder Intel integrierter Grafikchip
- Altersfreigabe: Ab 0 Jahre
Wer kennt sie nicht, die beliebte Krimi-Serie »Murder, She Wrote«, zu Deutsch »Mord ist ihr Hobby«? Die sympathisch-schrullige Hauptfigur Jessica Fletcher, unsterblich in Szene gesetzt von der Schauspielerin Angela Lansbury, durfte über 250 Mal ermitteln und dabei so manchen Täter dingfest machen, den die Polizei nicht kriegen konnte. In dieser Wimmelbild-Adaption von »Legacy Interactive« ist man nun selbst die Hobby-Detektivin und darf in insgesamt fünf verschiedenen Fällen ermitteln, sei es nun ein Toter auf einem Fischerboot, Mord in einem Rosengarten oder in einem Theater. Neben ihrem Heimatdorf Cabbot Cove an der Küste Maines geht Jessica Fletscher auch in London und Vermont den Spuren nach. Dabei wird sie von ihren Freunden und Kollegen unterstützt, die ebenfalls fester Bestandteil der TV-Serie sind.
Um es gleich vorwegzunehmen: »Mord ist ihr Hobby« ist mit Abstand das beste Suchbild-Spiel, das ich bis jetzt spielen durfte. Hier stimmt beinahe alles: Die insgesamt fünf Fälle garantieren einen langen Spielspaß von an die 10 Stunden, wobei man durchaus mit 2 Stunden Spielzeit pro Fall rechnen kann (zum Vergleich: »Ankh – Die verlorenen Schätze« und »20.000 Meilen oder dem Meer« hatten gerade mal jeweils weniger als 2 Stunden Spielzeit – bei gleichem Preis!). Durch die Aufbereitung als Krimi sind die Stories der jeweiligen Fälle äußerst kurzweilig gehalten und integrieren sich gut in das Spielprinzip. Die Dialoge in den Zwischensequenzen sind pointiert und bringen die Handlung voran, dazu sind die Figuren, die je nach Dialogart verschiedene Körperhaltungen und Mimiken ausdrücken – wenn auch nur in starren gezeichneten Bildern – gut getroffen. Zusätzlich zu den normalen Suchbildern kann man in jedem Screen die Vokal-Tasten von Jessicas Schreibmaschine finden und damit die als Lückentext gehaltene Suchliste am linken Bildschirmrand ergänzen (was einem auch noch Bonus-Punkte im Ranking einbringt). Hat man dann auch noch das Farbband der Schreibmaschine entdeckt und eingelegt, stehen einem in zeitlich begrenzten Abschnitten Lösungshilfen zur Verfügung. Die wird man aber nicht oft in Anspruch nehmen müssen, da der Schwierigkeitsgrad des Spiels gut ausbalanciert ist. Genau richtig für leicht geübte Spieler und Anfänger, für Profis stellt vielleicht noch der zur Verfügung stehende Zeitmodus eine Herausforderung dar. Dazu gibt es Minispiele in Form von Puzzles, Vergleichsbildern und Zuordnungs- und Memory-Aufgaben. Setzt man in einem Fall mal mit dem Ermitteln aus und möchte später weitermachen, kann man sein eigenes Profil speichern und mit der Tagebuchfunktion im Stadt-Menü (welches variierend nach Fall, Maine, Vermont oder London darstellt) noch einmal die bisherigen Ergebnisse und Ereignisse Revue passieren lassen.



Aber nicht nur die über 80 zur Verfügung stehenden und toll gestalteten Spiel-Screens, teils mit kleinen Animations-Gimmicks, machen »Mord ist ihr Hobby« zu einem gelungenen Suchbild-Spaß. Endlich gibt es eine Sprachausgabe der Dialoge! Wenn auch nur im englischen Original, aber dafür mit professionellen Sprechern auf den Punkt gebracht und charaktergerecht. Dazu gibt es deutsche Untertitel, wobei die Übersetzung teils ein wenig unsauber ist. An zwei oder drei Stellen wurde vergessen, das englische Original des Textes mit der deutschen Übersetzung zu ersetzen. Einige Gegenstände in den Suchlisten wurden missverständlich benannt und können den Suchenden vor Probleme stellen, die er mittels der integrierten Lösungshilfe aber schnell meistern kann. Die Musikuntermalung ist wieder einmal gut gelungen, insbesondere das Erklingen der Titelmelodie im Hauptmenü lässt echtes Serien-Feeling aufkommen.
Grafisch stellt das Spiel den PC oder MAC vor keine großen Probleme. Die in den Mindestanforderungen angegebene 3D-fähige Grafikkarte ist nur für die ruckelfreie Wiedergabe der die Fälle einleitenden und abschließenden Videosequenzen vonnöten, ansonsten schaffen das auch ältere Modelle problemlos.
Mit »Mord ist ihr Hobby« treffen Prime Games im Bereich der Suchbild-Spiele erstmals voll ins Schwarze. Lange Spielzeit, gute Stories, Sprachausgabe, tolle Screens mit angemessenem Schwierigkeitsgrad, voller Bedienkomfort durch Lösungshilfen und Tagebuchfunktion – Was will man mehr? Leichte Abzüge gibt es für die etwas unsaubere Übersetzung und die fehlende Synchronisation der Sprachausgabe auf Deutsch. Dieses Mal bekommt man für angemessene 20 Euro Kaufpreis wirklich das geboten, was man von einem aktuellen Wimmelbild-Spiel erwarten kann – und darf!
Wertung: 








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