Ghost Master
Die Geister, die ich rief … will ich gar nicht loswerden
Unheimliche Windböen heulen vor dem Haus und in der Ferne scheint es zu donnern. Oder ist das etwa ein kleines Erdbeben? Direkt vor der Tür? Mir ist nicht ganz wohl in dem Haus, seit die elektrischen Geräte ein Funken sprühendes Eigenleben geführt hatten. Außerdem sind meine anderen Freunde der Studentenverbindung aufgewühlt und wandern ängstlich durch die Räume. Eine meiner Freundinnen hat sogar schon schreiend das Weite gesucht. Mit pochendem Herzen und schwerem Atem schleiche ich die Treppe nach oben. Wieder rennt jemand an mir vorbei. Aber wieso? Dann sehe ich es. Eine wahre Armee widerlicher Spinnen rennt auf mich zu. Sie scheinen überall zu sein. Ich kreische, das Herz hämmert dumpf und rasend schnell in meinen Ohren und der Atem kommt nur noch stoßweise. Gehetzt renne ich die Treppe hinunter, durch die Küche und vor mir erscheint ein grauenvoller Geist mit Hakenhand. Das ist zu viel. Ich nehme die Beine in die Hand und lasse diesen Horror hinter mir.
Tja, was ich da aus der Ego-Perspektive geschildert habe, mag ja ganz spannend klingen, aber ist das nicht ein wenig zu kurz für ein Strategiespiel? Wäre es, aber die Person, die da Reißaus nimmt, ist nicht unsere Spielfigur. Man kann sie nicht einmal lenken, nur durch ihre Augen sehen. Und wieso kann ich das? Weil ich als Ghost Master in einen menschlichen Körper gefahren bin. Und warum mache ich das? Weil ich es eben kann. Einen spielerischen Nutzen bringt das zwar nicht, aber es macht einen Heidenspaß, sich einmal das anzusehen, was man da so angerichtet hat. Aber der Reihe nach.
Ghost Master ist ein Strategiespiel. Aber wir rekrutieren keine Armeen, sondern Geister. Wir bekriegen auch keine Feinde, sondern erschrecken lästige Menschen und vertreiben sie. So genial und neu das Spielprinzip damals auch war, so genial fiel das Spiel bei den Käufern durch. Vielleicht war es zu gewagt? Vielleicht war die Zeit noch nicht reif dafür? Vielleicht mochte man keine Innovationen? Ich weiß es nicht. Wie dem auch sei, wer sich auf Ghost Master einlässt, kann durchaus blendend unterhalten werden. Ein Grafikwunder ist es natürlich nicht, aber die leichte Comicatmosphäre passt und lockert die Sache auf. Es ist stimmig. Die Sounds hinterlassen zuweilen einen angenehmen Schauer, vor allem solche Sachen wie heulender Wind, prasselnder Regen und kreischende Menschen.
Was macht man eigentlich in Ghost Master? Ganz einfach: Als Obergeist und Chef (den man nie zu Gesicht bekommt, weil das ja wir sind) sammelt man Geister, die alle anders aussehen und spezielle Fähigkeiten haben, und hetzt sie dann auf Menschen. Neben dem freien Markt gibt es noch Bonus-Gespenster in den jeweiligen Levels, die durch das Lösen bestimmter Rätsel freigespielt werden. So steht uns z. B. die Vogelscheuche erst dann zur Verfügung, wenn wir mit einem toten Indianer Regen gemacht haben, der das Feld flutet und danach einen anderen Geist einsetzen, der Wasser in Blut verwandelt. Schon weckt es den alten Strohkopf und er steht uns fortan zur Verfügung. Vor jeder Mission können wir entweder Geister auswählen oder wir nehmen die, die uns das Spiel für die Mission empfiehlt. Das macht oft auch Sinn, da viele der individuellen Spezialfähigkeiten eingesetzt werden müssen, um alles erfüllen zu können.
Ist die Wahl dann getroffen, geht es zur Mission. Dabei gibt es unterschiedliche Schauplätze, wie etwa das Haus einer Studentenverbindung (inklusive den Verbindungsstudenten), ein Luxusschiff mit nervigen Passagieren, eine alte Blockhütte mitten in einem unheimlichen Wald ... Als Geisterchef machen wir nicht einmal vor einem ganzen Polizeirevier halt. Oft bestehen die Missionen darin, alle Menschen mit Geistertricks zu vertreiben. Aber es kann auch vorkommen, dass wir eine Gruppe von Personen so manipulieren müssen, dass sie einen bestimmten Ort aufsuchen. Das ist meist besonders heikel, da wir ja erschrecken, ein Mensch in Panik aber komplett abhaut und wir somit die Mission verloren haben. Hier sind Ideenreichtum und Geschick gefragt.
Planung und Management werden bei dem Verwalten und Einsetzen der Geister verlangt. Wir verdienen kein Geld, sondern eine Art Geisterenergie, die sich durch das Erschrecken von Menschen auffüllt. Nur mit der können die Fähigkeiten unserer Geister zum Einsatz gebracht werden. Jede Fähigkeit verbraucht aber wiederum Energie und so können wir nicht immer alle gewählten Geister gleichzeitig einsetzen. Ständig muss einer irgendwo abgezogen werden, um einen anderen dort oder an anderer Stelle zu platzieren. Auch die Werte der Menschen müssen beachtet werden. Nicht alle fürchten sich vor Spinnen. Andere lässt ein auftauchendes Monster kalt. Übrigens sind für die Menschen nicht alle Geister sichtbar. Eigentlich sind sie alle nur für uns zu sehen, doch einige können sich manifestieren und den Menschen als Schreckgestalt erscheinen.
Die verschiedenen Schauplätze sind übrigens Horror- und Gruselfilmen nachempfunden. Wenn in einem Wald eine Blockhütte steht, in deren Keller ein Buch liegt, durch das ein grauenhaftes Wesen beschworen wird, dann erinnert man sich wehmütig an den 80er Klassiker »Evil Dead«. Oder eine Windmühle, in der jemand sitzt und mit einem Schädel herumspielt, damit ein kopfloser Reiter ein Dorf heimsucht, ist die überdeutliche Hommage an »Sleepy Hollow«. Solchen Späßen begegnet der Spieler am laufenden Band. Apropos Spaß: Ghost Master ist nicht wirklich gruselig. Hier steht Witz im Vordergrund. Das zeigt schon die Comic-Grafik. Dennoch hat man immer dieses ganz leichte, ungute Gefühl, sobald man richtig im Spiel versunken ist.
Als Negativpunkt möchte ich erwähnen, dass es manche Missionen gibt, die verteufelt schwer sind. An der Sleepy Hollow Szene bin ich selbst beinahe verzweifelt, bis ich dann im Internet die Lösung durchlas und endlich die nachfolgenden Missionen genießen konnte. Ansonsten ist das Programm schon beinahe erschreckend frei von Bugs. Ein deutscher Patch sorgt für die komplette Abrundung.
Fazit:
Ghost Master mag vielleicht ein Ladenhüter gewesen sein, aber wer auf abgedrehte Spiele steht und ein Faible für Geister hat, ist damit bestens bedient. Ghost Master ist eines dieser Games, von denen man sich eine Fortsetzung gewünscht hätte. Auch wenn man es durchgespielt hat, kommt irgendwann die Lust, es nochmal zu probieren. Einfach nur, weil es Laune macht, die Menschen in Panik zu versetzen. Also, ich selbst war und bin beGEISTERT. Da es zum Budgetpreis erhältlich ist, lohnt es sich gerade zur kälter und dunkler werdenden Jahreszeit.
Produktinformationen
- Produkt: Ghost Master
- Genre: Strategiespiel
- Plattform: PC DVD-ROM oder auch CD-ROM
- Publisher: Empire Interactive
- Entwickler: Sick Puppies
- Release: bereits erschienen
- USK: ab 6 Jahren
- Budgetpreis: ca. 5 - 10 €, gebraucht noch günstiger
Systemvoraussetzungen
Minimale Anforderungen:
- Pentium® III 450
- Windows® 98, ME, XP, 2000
- NVIDIA® TNT2 3D Grafikkarte
- 128MB RAM
- 750MB freier Festplattenspeicher
- DirectX® 8.1. Maus, Tastatur
Empfohlen:
- Pentium® IV 1.5GHz
- ATI® Radeon™7500/NVIDIA® GeForce2 3D Grafikkarte
- 256MB RAM
Quelle: supportwiki.steampowered.com
Links: www.ghostmaster.net
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