
Spielewelten
  Spielvorstellung:
Akkon - Machtkampf der Tempelritter
Brettspiele mit historischem Hintergrund haben oft ein Problem: Der Hintergrund ist beliebig. Es geht nicht so sehr darum, wie der historische Kontext in das Spiel eingearbeitet wurde. Vielmehr versuchen die Spieler bei »Akkon – Machtkampf der Tempelritter«, möglichst viel Einfluss in den Reihen der Tempel zu erlangen, damit sie neuer Großmeister werden können. Im Spiel geht es darum, Ansehen, Macht, Geld und Glaube zu erlangen.
Autor: Knut Happel, Christian Fiore
Genre: Brettspiel
Illustrator: Christian Fiore
Spielzeit: ca. 60 Minuten
Spieleranzahl: 2-5
Verlag: Goldsieber Spieler
Erschienen: 2007
ASIN: B000ORTXU2
Akkon, 1189 A.D. Seit Wochen belagern Kreuzfahrer die Hafenstadt im Heiligen Land. Da erschüttert der Tod ihres Großmeisters die Ritter des Templerordens, die sich ebenfalls unter den Belagerern befinden. Einen Nachfolger für den Großmeister zu finden, fällt in dieser Lage schwer und so entbrennt ein Machtkampf der Tempelritter.Die Spieler übernehmen die Rolle von Würdenträgern des Templerordens zur Zeit des Dritten Kreuzzuges im Heiligen Land. Sie bemühen sich, die Macht ihres Ordens auszubauen, Gold und Ansehen der Templer zu mehren und den Glauben im Heiligen Land zu verbreiten. Den Fähigsten unter ihnen wird das Wahlgremium des Templerordens zum neuen Großmeister bestimmen.
1. Geschichtlicher Hintergrund
Im Jahre 1187 fügte Sultan Saladin den Kreuzfahrern in der Schlacht bei Hattin eine schwere Niederlage zu und eroberte in der Folgezeit viele von den Kreuzfahrern besetzte Städte im Heiligen Land wieder zurück.
Geschockt vom Verlust solch bedeutender Städte wie dem als heilige Stadt verehrten Jerusalem und der bedeutenden Hafenstadt Akkon rief Papst Gregor VIII. zum Dritten Kreuzzug und zur Rückeroberung der verlorenen Städte auf. Als er kurz darauf verstarb, war es sein Nachfolger Papst Clemens III., der den Kreuzzugseifer weiter entfachte. Zahlreiche Fürsten und Könige - darunter König Philipp II. August von Frankreich, König Leopold V. von Österreich, König Richard Löwenherz von England und auch Kaiser Friedrich I. Barbarossa - machten sich mit ihren Heeren auf ins Heilige Land.
Bald begann die Belagerung der Stadt Akkon, an der auch hunderte Tempelritter beteiligt waren. Akkon war stark befestigt und wurde von einer großen Garnison verteidigt. Die Belagerung verlief für die christlichen Heere wenig erfolgreich und die Muslime, welche von Saladin über das Meer mit Nachschub versorgt wurden, unternahmen immer wieder Ausfälle. Bei einem solchen Gegenangriff der Verteidiger wurde der Großmeister der Tempelritter, Gérard de Ridefort, im Kampf getötet. Es dauerte - wohl angesichts der schwierigen Lage - ungewöhnlich lange, bis das Wahlgremium des Templerordens mit Robert de Sablé einen neuen Großmeister bestimmt hatte.
Akkon wurde schließlich im Jahre 1191 von Richard Löwenherz erobert und zur Hauptstadt des Königreichs Jerusalem gemacht.
Doch 100 Jahre später, am 12. August 1291, fiel Akkon, die letzte Stadt der Christen im Heiligen Land, zurück in die Hände der Muslimen. Das Zeitalter der Kreuzzüge neigte sich damit unwiederbringlich dem Ende entgegen. Nach Jahrzehnten, in denen sie die Geschichte mitgeprägt, neben weltlichen Fürsten um Macht und Einfluß in den eroberten Gebieten gerungen hatten, verließen auch die Tempelritter das Heilige Land.
2. Spielmaterial:
20 Wertungsmarker, je 4 in 5 Farben
35 Tempelritter, je 7 in 5 Farben
1 Startspielerfigur (Seneschall)
72 Städtekarten
4 Privilegienkarten
5 Herrlagerkarten, je 1 in 5 Farben
Spielplan
Spielanleitung
3. Spielplan:
Auf dem Spielplan sind die Werte Gold, Glaube, Macht und Ansehen. Während der Spielrunden versuchen die Spieler, die Werte möglichst gleichmäßig zu steigern. Am Schluss des Spiels werden der höchste und der niedrigste Wert summiert. Dieses Ergebnis ist dann die Endpunktzahl für jeden Spieler. Und der Spieler mit der höchsten Punktzahl ist der Sieger und damit neuer Großmeister.

4. Das Spiel
Die Spieler begeben sich in die Rolle von Würdenträgern des Templerordens zur Zeit des Dritten Kreuzzuges im Heiligen Land. In sechs Städten kämpfen sie um Vorherrschaft und Einfluss.
Am Anfang des Spieles ist der Einfluss innerhalb des Ordens bei allen Spielern gleich. Aus diesem Grund werden die jeweiligen Wertungsmarker auf das Startfeld mit dem Wert 2 plaziert. Aus den 72 Städtekarten werden bestimmte Anfangskarten zufällig an die Spieler verteilt, sodass jeder Spieler mit zwei Handkarten startet. Die restlichen Karten der jeweiligen sechs Städte werden getrennt voneinander gemischt und bilden sechs Nachziehstapel. Die jeweils oberste Karte wird aufgedeckt. Jeder Spieler erhält sieben Spielsteine mit Templerrittern in seiner Wunschfarbe. Weiterhin werden die vier Privilegien-Karten zu den vier Orden bereitgelegt. Und schon kann die Spiel beginnen.
Gespielt wird rundenweise. Der Startspieler, der von Runde zu Runde wechselt, erhält zusätzlich einen achten Spielstein (Seneschall). Die Runde selbst ist in zwei Phasen aufgeteilt, die nacheinander abgehandelt werden.
4.1. Die Bietphase
Beginnend mit dem Startspieler setzen die Spieler reihum verdeckt ihre Templersteine in die Städte. Setzt der Startspieler seinen neutralen Templerstein, werden alle in dieser Stadt gesetzten und noch zukünftig gesetzten Templersteine sofort aufgedeckt. Möchte ein Spieler keine Steine mehr setzen, steigt er aus. Jeder Spieler besitzt dabei den gleichen Satz an sieben Templern. Vier davon besitzen die Werte 5 bis 8, die drei anderen Templer haben besondere Fähigkeiten:
| • Der Söldner hat einen Eigenwert von 2 und erhält +2 pro jedem anderen Tempelritter (auch eigene) in der Stadt. |
| • Der Graumäntler hat keinen eigenen Wert, aber er verdoppelt die Werte aller anderen eigenen Tempelritter. |
| • Der Kaplan hat keinen eigenen Wert und gibt auch keinen Bonus. Er vergünstigt später nur das Ausspielen von Karten in der Stadt, in der er liegt um den Wert -1. |
| • Der Seneschall gehört dem Startspieler und hat einen Wert von 4. Er zwingt alle Spieler, in der Stadt, in der er liegt, offen zu spielen. |
Die Auswertung der Mehrheiten in den Städten erfolgt, sobald kein Spieler mehr Steine setzen möchte. Hat ein Spieler mit seinen Steinen eine eindeutige Mehrheit erzielt, darf er die offene Karte dieser Stadt auf die Hand nehmen. Gibt es mehrere Spieler mit den meisten Punkten in einer Stadt, so erhält niemand die Karte, sie bleibt liegen. Wurden alle Städte ausgewertet, folgt die Kartenphase. Alle bisher gespielten Templersteine bleiben in den Städten liegen.
4.2. Kartenphase
Mit dem Startspieler beginnend dürfen die Spieler nun Handkarten ausspielen. Die Handkarten beinflussen die eigenen oder aber auch die Werte fremder Mitspieler in den vier Orden sowohl in positiver als auch in negativer Hinsicht. Jede Karte hat einen Kostenwert und gibt an, in welcher Stadt die Karte erworben wurde. In dieser Phase benötigen die Spieler ihre Templersteine, weshalb darauf zu achten ist, in der Bietphase nicht alle Steine einzusetzen. Die Eigenschaften der Steine spielen in dieser Phase keine Rolle mehr, es geht allein um die Anzahl. Möchte ein Spieler eine Karte mit dem Kostenwert 2 spielen, muss er zwei beliebige Templersteine aus seinem Vorrat abgeben. Hat er keine zwei Steine mehr, darf er diese Karte auch nicht mehr spielen. Hat ein Spieler in der Bietphase seinen Kaplan auf eine Stadt gespielt, darf er nun, in der Kartenphase, Karten aus dieser Stadt um einen Stein vergünstigt ausspielen. Eine solche Karte mit dem Wert 1 kann damit also kostenlos ausgespielt werden. Es gilt, dass die Spieler reihum eine Karte ausspielen oder passen. Haben alle Spieler gepasst, folgt auch hier eine Auswertung.
Überpfüft wird, ob es imjeweiligen Orden einen eindeutig führenden Spieler gibt. Ist dieses der Fall, so erhält er das Privileg des jeweiligen Orden, welches er in der nächsten Runde einsetzen kann. Folgende Privilegien gibt es:
| • Orden des Ansehens: Der Spieler darf eine Handkarte abwerfen und dafür eine beliebige ausliegende Stadtkarte nehmen. |
| • Orden der Macht: Es darf ein eigener Tempelritter nach der Bietphase wieder zur eigenen Reserve gelegt werden. |
| • Orden des Goldes: Vor Aufdecken der Gebote darf der Spieler einen seiner Tempelritter verschieben. |
| • Orden des Glaubens: Sobald der Spieler zwei Stadtkarten derselben Stadt ausgespielt hat, darf er kostenlos einen der vier Werte um +1 erhöhen. |
Für die nächstfolgende Spielrunde erhalten alle Spieler ihre Templersteine zurück, der Seneschall geht an den nächsten Startspieler. Sollte ein Spieler als fünf Städtekarten besitzen, muss es diese auf fünf reduzieren. Nun werden noch gegebenenfalls die obersten Stadtkarten aufgedeckt.
Das Spiel endet nach derjenigen Runde, in der in einer Stadt keine Karten mehr liegen. Es folgt die Schlussauswertung. Jeder Spieler addiert die Werte der beiden Orden, in denen er einerseits die meisten, andererseits die wenigsten Punkte erreichtt hat. Der Spieler, der die höchste Summe aufweisen kann, gewinnt das Spiel. Bei Gleichstand entscheidet der zweithöchste Wert über die Sieg.
Für ein verkürztes Spiel ist in der Spielanleitung eine Variante angegeben. Die Spielregeln sind gut erklärt und für die Spieler leicht verständlich.
Zeit sollte man sich für »Akkon – Machtkampf der Tempelritter« aber unbedingt nehmen. Unter einer Stunde ist es einfach nicht zu schaffen.
© W. Brandt
|