HELLGATE LONDON
Das Spiel
Hellgate London ist ein Rollenspiel, welches von den Flagship Studios entwickelt wurde. Die ehemaligen Blizzard-Mitarbeiter lehnten sich mit dem Spiel eindeutig an Diablo II an. Ziel scheint es zu sein, ein Rollenspiel am Personal Computer anzubieten, welches viel vom üblichen Rollenspiel hat, aber trotzdem einiges an Kampf und Gewalt sowie Schnelligkeit besitzt, wie es nur wenige Spiele vereinen. Manch einer mag das Spiel als ein ewiges Hauen und Stechen empfinden, doch sind die Rollenspielelemente stark ausgeprägt. Je nach Situation wird aus der Ich-Perspektive oder aus der Sicht der dritten Person gespielt. Der Spieler muss zahlreiche Aufgaben bewältigen, neue Orte erkunden und vor allem Erfahrungen sammeln. Er verbessert damit seine Fähigkeiten, die im Kampf gegen die fürchterlichen Ausgeburten der Hölle von Nöten sind.
Hellgate London spielt im Jahr 2038. Im Jahr 2020 öffnete sich in London ein Tor der Hölle. Unterhalb Londons gibt es Arcane Kraftlinien, die sich abschwächten und so der anderen Dimension einen Übergang ermöglichten. Als Folge daraus wird die Welt von Dämonen überrannt, die Metropole wird zerstört und wer überlebt, flieht in die U-Bahntunnel. Die Hölle mit ihren Dämonen und fremdartigen Ausgeburten versuchte schon immer, in der Dimension der Menschen und auf deren Planet Fuß zu fassen. Aber der Widerstand der Menschen war zu groß. Zwar gelang es den Monstern, von Menschen Besitz zu ergreifen oder in Einzelfällen auf die Erde zu gelangen, doch nie für immer. Mit dem offenen Tor in London haben sie es jetzt geschafft. Die alten Bemühungen waren zum Scheitern verurteilt. Die neuen Angriffe wurden von Erfolg gekrönt.
In alten Berichten wurde von Invasionsversuchen aus der Hölle geschrieben. Hinweise und Spuren gab es genug, doch die Wissenschaftler waren der irrigen Meinung, alles rational erklären zu müssen. Sie schoben alle Wahrnehmungen auf umnebelte Geister, Sinnestäuschungen, Naturkatastrophen oder taten sie rein weg als Erfindungen, Märchen und Mythen ab.
Jahrhunderte lang geschah nichts, es war ruhig auf der Erde und der Glaube an Monster und finstere Mächte ging verloren. Im gleichen Maße verschwand die schützende Magie, die die Erde einhüllte. Gleichzeitig sank auch die Zahl der Eingeweihten. Egal, ob es selbsternannte Dämonenjäger oder seltsame Okkultisten sind, Templer des offiziell nicht mehr bestehenden Ordens oder Zauberer und Hexen, die uralte magische Rituale ausüben. Die Zahl der Eingeweihten sank ständig.
Und die Dämonen verhielten sich still. Bis in das Jahr 2020, als sich plötzlich überall auf dem Planeten die Tore zur Hölle öffneten. Milliarden Menschen starben innerhalb kürzester Zeit. Die Militärs, zerstritten und in territoriale Kämpfe verwickelt, konnten nicht schnell genug reagieren. Überrumpelt von der Plötzlichkeit und der Wucht der chaotisch angreifenden Horden der Finsternis standen die organisierten Armeen auf verlorenen Posten. Und was den Angriff noch verschlimmerte war die Tatsache, dass die Angreifer gegen die Waffen der Menschen immun waren. Die Ausrüstung war schlichtweg nutzlos. Die Welt wurde überrannt, die Menschen starben wie Fliegen. Die Verbindungen der Länder und Städte untereinander brachen ab. Niemand wusste, was in der übrigen Welt vor sich ging.
Nur wenige Menschen konnten den Sturm der Dämonen überleben, stehen nun in einem Kampf, der täglich aufs neue stattfindet.
Im Schauplatz London konnten sich einige Menschen gegen die Monster aus dem Jenseits behaupten. Unter Leitung der Freimaurer konnten die Templer große Teile des Londoner U-Bahn-Systems sichern und für die Menschen bewohnbar machen. Obwohl immer wieder Angriffe gestartet wurden, waren die Menschen dort sicherer als auf der freien Erdoberfläche. Viele der Eingeweihten lieferten sich gegen die Höllenmächte eine verlustreiche Schlacht. Ihrem Einsatz und Wagemut verdanken es die Nachkommen seit achtzehn Jahren, dass sie relativ sicher in den wenigen Verstecken leben können. Die Überlebenden lassen sich in drei Gruppen einteilen.
Die Templer
Die alten, lange tot geglaubten Tempelritter sagten in ihren uralten Büchern und Schriften die Dämonenherrschaft vorher. Seit Gründung des Ordens im fernen vergangenem Mittelalter bereiteten sie sich mit Waffenkraft und Riten darauf vor, die Apokalypse zu überstehen und der Menschheit hilfreich zur Seite zu stehen. Die Mitglieder des Ordens, ob weiblich oder männlich, trainieren ihre körperlichen und geistigen Kräfte, um den Ansturm der Dämonenhorden zu überstehen. Heilige Magie und heilige Waffen sind in ihrem Besitz und schlagen furchtbare Lücken in den Ansturm der Horden der Finsternis. Sie gelten mit ihrem festen Glauben als die Behüter der Menschheit, die ihr eine neue Hoffnung geben wollen. Als Kampforden sind sie die Zerstörer des Bösen. Ihr jahrhundertelanges Training machte aus den Templern das letzte Bollwerk zur Verteidigung der Menschheit. Sie sind die Wächter der letzten Zufluchtstätten. Der Inhalt der Riten und Bräuche der Tempelritter hat sich über die Jahrhunderte erhalten und besagt letztlich nur eines. Die Menschheit in ihrem Fortbestehen zu unterstützen und zu beschützen.
In den technischen Schmieden der Templer entstehen die Rüstungen, die an die alten Ritterrüstungen des Mittelalters erinnern. Im Gegensatz zu diesen sind die neuen Rüstungen eine Mischung aus Rüstung, modernster Technologie und Magie. Ein sehr effektiver Schutz gegen die Dämonen. Der Schutz ist wichtig, da die Tempelritter auf der Suche nach alten Artefakten und Reliquien sind, um die Dämonen dauerhaft bannen zu können.
Die Tempelritter sind die militärische Macht. Sie sind ganz klar hierarchisch geordnet. Einheitsdenken und Disziplin stehen im Vordergrund. Aus diesem Grund können sie erfolgreich in Gruppen antreten. Gleichzeitig sind sie es, die auch die Versorgung der menschlichen Enklaven sichern. Die Logistik ist fest in ihrer Hand.
Die Kabbalisten
Die Kabbalisten sind eine sehr lockere Gemeinschaft, die sich dem Kampf gegen die Dämonen verschrieben hat. Je nach Art ihrer Herkunft als Zahlenmagier, Nekromant, Suchender arkanen Wissens oder als Forscher an den Grenzen der Wissenschaft, kämpfen sie auf ihre Art gegen das Unheil, das über die Welt hereinbrach. Dabei sind sie meist Einzelkämpfer, die nur selten in Gruppen auftreten. So vielseitig wie ihr Hintergrund, so vielseitig ist die Macht, die sie einsetzen. Immer ist es jedoch die den Dämonen eigene Kraft, die sie benutzen. Sie schlagen sie mit ihren eigenen Waffen.
Ihre innerste Überzeugung besteht darin, dass sie der Meinung sind, die Dämonen kann man nur besiegen, wenn man selbst beginnt, dämonische Züge anzunehmen. Die Art, ob körperliche Züge oder geistig-moralische, unterscheidet die Kabbalisten noch einmal voneinander. Diejenigen, die eine Begegnung mit den Dämonen überlebten, führten eine solche Veränderung durch. Sie sind jetzt in der Lage, einen Einblick in die Hölle zu nehmen.
Das Ziel der Kabbalisten ist das sogenannte 'Erwachen', jene Befreiung des menschlichen inneren Wesens und damit der Aufstieg innerhalb der Evolution. Der letzte Schritt des Erwachens ist, so die Ansicht der Kultisten, wenn der Herrscher der Kabbalisten gegen den Herrn der Hölle antritt. Erst dann wird der letzte Schritt des 'Erwachens' durchgeführt. Mit ihrem Aussehen sind die Kabbalisten oft gefürchtet und mit ihren Ansichten eher missverstanden. Trotzdem gibt es an ihrer Loyalität zu den Menschen nichts zu rütteln. Die Kultisten wandeln auf einem schmalen Grat, der sie schwanken lässt, ob sie sich eher menschlich oder dämonisch weiter entwickeln.
Die Dämonenjäger
Jede Regierung hat ihre Spezialisten, egal ob sie bei der Polizei, dem Geheimdienst, dem Militär oder anderswo angesiedelt sind. Ausgerüstet mit der jeweils modernsten und besten Technologie arbeiten sie aus dem Schatten der Namenlosigkeit heraus. So bekämpfen sie auch hier die Bedrohung aus der Hölle, indem sie auftauchen, zuschlagen und wieder verschwinden. In ihren Händen sind die Waffen immer tödlich, wenn sie auf die Jagd gehen. Die Dämonenjäger sind in ihrer Ausrichtung ganz ähnlich den Dämonen. Jäger jagt Jäger.
Als die Dämonen die Menschen fast vernichteten, blieb eine sehr große Zahl der Geheimagenten übrig, da sie eher dazu ausgebildet waren zu überleben. Das Training der Agenten, ihr instinktives Handeln und der größere Überlebenswille waren dafür die beste Voraussetzung. Die Treue und Redlichkeit gegenüber den alten Arbeitgebern wurde fallen gelassen. Das gemeinsame Ziel einte sie und sie fanden sich bald in kleineren Gruppen zusammen, um altbekannte Lager und geheime Örtlichkeiten zu nutzen. Sie teilten alles miteinander und entwickelten sich zu schlagkräftigen Kommandounternehmen. Jeder der Dämonenjäger hat gelernt, seine eigenen Fähigkeiten weiter zu entwickeln und gezielt einzusetzen. Er benutzt Technologie besonders gekonnt und ist durchaus gegen die Dämonen gewappnet. Weil die normale Waffentechnologie gegen die Dämonen jedoch meist versagt, mussten sie ihre Technologie den Gegebenheiten anpassen. Die fast unverwundbaren Dämonen sind Ziel eines geeigneten Studiums, um sie später gezielter auszuschalten. Die Jäger sind sehr technikgläubig und halten Magie oder Religion für wenig geeignet, Dämonen zu vernichten. Sie schätzen ihr Können wesentlich höher ein, als jede andere Art von Gläubigkeit. Aus diesem Grund gibt es erst gar keine Auseinandersetzung über die Begriffe Gut und Böse.
Diese drei Gruppen bewegen sich durch den Untergrund von London. Hier gibt es alte römische Hinterlassenschaften, ein viktorianisches Kanalsystem mit den entsprechenden modernen Neuerungen, Schutzbunker der Weltkriege gegen die deutschen Soldaten, ein beachtliches U-Bahn-Netz mit entsprechenden U-Bahnhöfen. Alles mit seinen Vor- und Nachteilen.
Dies ist der Austragungsort des Spieles und all seiner literarischen Begleiterscheinungen. Neben dem großen Höllentor, durch das die eigentliche Invasion stattfand, gibt es sogenannte Rifts. (Es gab mal ein wenig erfolgreiches Rollenspiel gleichen Namens). Diese Rifts sind Tore in das Reich der Höllenmonster. Es ist aber nicht ratsam, dort hinein zu gelangen, denn die andere Seite der Erde ist nicht sehr überlebensfreundlich. Mal abgesehen von den Bewohnern ist auch die Umgebung lebensfeindlich. Wer dennoch den Weg hinein wagt, mit entsprechender Ausrüstung versteht sich, muss damit rechnen, dass die instabilen Rifts sich plötzlich hinter ihm schließen und der Rückweg verloren ist.
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© Erik Schreiber
Dieser Beitrag basiert auf dem Phantastischen Bücherbrief Nr. 472 vom Januar 2008 und wurde für den Geisterspiegel bearbeitet von Anke Brandt.