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Klangwelten

Fancy - Hör den Bolero

Er arbeitete schon mit den ganz Großen aus dem Musik/Filmbusiness zusammen. Michael Jackson, Siegfried & Roy, die Pet Shop Boys, Hildegard Knef und Grant Miller. Große Stars hinter denen sich Manfred Alois Segieth nicht zu verstecken braucht. Denn er ist selbst ein Star. Er ist Musiker aus Leidenschaft. Von den einen verpönt, von den anderen geliebt, gelang es Segieth alias Fancy mit seinen Discoklängen die Welt zu verzaubern.
Wer kennt nicht die Evergreens »Flames of Love« oder »Slice me Nice«? Unvergessen und vor allem zeitlos kommt Fancys Musik daher. Erfolgreich nicht nur hierzulande, sondern auch in Amerika, Spanien und im Fernen Osten.
Wenn Fancy auftritt, dann bebt die Halle. Dann wird bei »Lady of Ice« das Tanzbein geschwungen, oder man kuschelt sich zu den Klängen von »China Blue« dicht an seinen Partner.
Fancy hat es drauf. Er trifft den Puls der Zeit. Ob man ihn nun mag oder nicht. Und selbst der hartgesottene Headbanger gesteht sich dann und wann ein, bei Fancys Musik genüsslich zuzuhören.
Dabei fing alles ganz anders an.
Manfred Alois Segieth wurde 1946 in München geboren. Den Großteil seiner Kindheit verbrachte er in einem streng katholischen Internat. Da es dort nicht erlaubt war, weltliche Musik zu hören, blieb Fancy nichts anderes übrig, als seinem Hobby heimlich nachzugehen.
Musik hatte ihn schon immer fasziniert. Daher war es kein Wunder, dass er im Alter von 13 Jahren damit begann, Gitarre zu spielen.
Sehr zum Missfallen seiner Eltern entschied sich Segieth später gegen ein Klosterleben und widmete sich vollkommen seinem Hobby.
Bei Frank Farian übte er sich zunächst als Produzent. Dies hinterließ Spuren, denn so mancher Song, an welchen er mitarbeitete, wurden zu Hits. Nur kannte man Fancy damals noch nicht. Seine Karriere sollte erst viel später beginnen. Unter dem Namen Tess Teiges sang er ab und zu deutsche Schlager. Nebenbei beschäftigte er sich noch mit Einrichtungen und Dekorationen für Lokale oder Diskotheken. Segieth bewies auch sein Talent als Künster und Parodist und er war immer auf der Suche nach neuen Talenten. Letztere produzierte er dann unter dem Label Tess Productions.
In Augsburg betrieb Fancy in den frühen 80ern noch eine Diskothek. Er war ein Allrounder, jemand der ein Gespür für gute Musik besaß, einer der wusste, was die große Masse da draußen wollte.
Und er ahnte, dass seine Zeit gekommen war.
1984 brachte er seine erste Single »Slice me Nice« unter dem Namen Fancy auf den Markt.
Es war nicht verwunderlich, dass sich der Song binnen kürzester Zeit in den Top 10 der hiesigen Charts wiederfand.
Die Single feierte ihren Siegeszug beinahe durch alle europäischen Hitparaden und stieg sogar in die US-Billboardcharts ein. Für deutsche Künstler schon immer ein schwieriges Terrain.
Doch Fancy gelang der Durchbruch.
Er schaffte es, die Massen zu erreichen. Zum einen durch seine Musik, zum anderen durch die Tatsache, dass er stets stark geschminkt auftrat. Segieth provozierte die Kritiker, welche ihm teilweise sogar einen homosexuellen Stempel aufdrücken wollten. Es waren Anspielungen auf Fancys Travestiedarbietungen, mit welchen der Musiker seine Fans begeistern konnte.
Doch irgendwann verstummten auch die Kritiker.
Fancy war erfolgreich. Er hatte sich einen Namen gemacht, war in aller Munde, wurde ein begehrter Dauergast in allen möglichen Fernseh- und Radiosendungen.

Auf »Slice me Nice« folgten weitere Hits. Songs wie Chinese Eyes, Get lost tonight und L.A.D.Y.O. erreichten ebenfalls hohe Chartplatzierungen.
Der Maschinenbeat wurde zu seinem Markenzeichen. Jeder hatte die ein oder andere Schallplatte von ihm im Regal stehen. Sogar Hardcore-Rocker schoben die Vinylscheiben, die Augen hinter großen Sonnenbrillen verborgen, verschämt über die Ladentheken. Fancy erreichte alle. Auch wenn viele es nicht zugeben wollten.
Eine der grandiosesten Alben lieferte er mit »Flames of Love« ab. Eine Perle deutscher Popmusik. Angefüllt mit peppigen Diskobeats und steinerweichender Balladen. Wieder gelang ihm der Einstieg in die Top 10. In Spanien war der Song »Bolero« 6 Monate an der Spitze der Charts. Bis heute hat dies kein anderer Künstler geschafft.
Fancy hielt sich wacker im Musikbusiness.
Auch in den 90ern liefen seine Hits im Radio rauf und runter. Nach kürzeren und längeren Pausen kehrte er immer wieder zurück, feierte großartige Comebacks in Deutschland und im Fernen Osten.
Seine Live-Auftritte waren jedes Mal ausverkauft. Schaute man sich jedoch bei den Veranstaltungen etwas um, dann merkte man, dass der männliche Anteil der Besucher immer etwas überwog. Aber – nein. Männer hören Fancy nicht. Nie und nimmer. Wie erwähnte ich etwas weiter oben – Hardcore-Rocker kaufen sich Fancys Schallplatten. Ich habe es selbst gesehen und gebe zu, auch ein kleiner Fancy Fan zu sein. Das ist ja auch nichts Schlimmes, denn die Musik geht ins Ohr. Sie erreicht ganz entlegene Gegenden in unseren Herzen.
Mitte der 90er verschwand Fancy leider für einige Zeit von der Bildfläche. Im Jahre 2000 sorgte er dann wieder für Schlagzeilen, als er bei der deutschen Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest in Bremen mit dem Titel We can move a mountain auftrat. Hier belegte er Rang 5 an der Seite von Gloria Gray.
Auch heute hat Fancys Musik nichts von seiner Genialität eingebüßt. Zwar ist er nicht mehr so oft in den Hitparaden vertreten wie früher, doch seine alten Stücke hört man immer wieder gerne auf CD oder im Radio.
2010 ist die 25th Anniversary Box erschienen, ein Rückblick auf sein musikalisches Schaffen.
In diesem Sinne »Hört den Bolero«.

Fancys Singles
Fancys Alben
  • 1984: Slice Me Nice
  • 1984: Slice Me Nice(Remix)
  • 1984: Chinese Eyes
  • 1984: Get Lost Tonight
  • 1985: L.A.D.Y O.
  • 1985: Check It Out
  • 1985: Bolero (Hold Me In Your Arms Again)
  • 1986: Lady Of Ice
  • 1987: Latin Fire
  • 1987: China Blue
  • 1988: Flames Of Love
  • 1988: Fools Cry
  • 1988: Fools Cry (Remix)
  • 1989: No Tears
  • 1989: All My Loving/Running Man
  • 1989: Angel Eyes
  • 1990: When Guardian Angels Cry
  • 1990: When Guardian Angels...Rap
  • 1991: Fools Cry Rap
  • 1993: No Way Out
  • 1993: Love Has Called Me Home
  • 1994: Long Way To Paradise
  • 1994: Beam Me Up
  • 1995: Again & Again
  • 1995: I Can Give You Love
  • 1996: The Big Dust (Remix)
  • 1996: Deep Blue Sky
  • 1996: Colours of Life
  • 1998: Flames Of Love
  • 1998: Flames of Love '98
  • 1998: Maxi Mix
  • 1998: Slice Me Nice '98
  • 1998: Come Back And Break My Heart
  • 1998: Long Way To Paradise (Remix '99)
  • 1999: D.I.S.C.O.
  • 1999: How Do You Feel Right Now
  • 2000: Megamix 2000
  • 2000: We Can Move A Mountain
  • 2000: Gimme A Sign
  • 2001: Na Na Na Hey Hey Hey (Kiss him
  • Goodbye)
  • 2002: Pretty Woman
  • 2003: Hör Den Bolero
  • 2008: A Voice In The Dark 2008
  • 1985: Get Your Kicks
  • 1986: Contact
  • 1988: Flames of Love
  • 1988: Gold
  • 1988: Gold Remix
  • 1989: All My loving
  • 1990: Five
  • 1991: Six: Deep In My Heart
  • 1994: It's Me(The Hits 1984-1994)
  • 1995: Blue Planet Zikastar
  • 1996: Colours Of Life
  • 1996: Christmas In Vegas
  • 1998: Fancy Hit Party
  • 1998: Best of
  • 1998: Blue Planet ('99er Version)
  • 1999: D.I.S.C.O.
  • 2000: Strip Down
  • 2001: Deep In My Heart (Neuauflage von »Six«)
  • 2001: Fancy For Fans
  • 2001: Locomotion
  • 2003: Best Of...Die Hits auf Deutsch
  • 2004: Greatest Hits
  • 2004: Voices From Heaven
  • 2007: Fancy Presents Retro 80's
  • 2008: Forever Magic
  • 2010: 25th Anniversary Box

Text- und Bildquellen: www.fancy-online.net

Copyright © 2010 by Frank Braun

 

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