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Filmwelten - Stars des Western

Joel McCrea

(1905 – 1990)

Als groß und wortkarg, gut aussehend und gut gelaunt kann Joel McCrea charakterisiert werden, der an der Seite von John Wayne als einer der glaubwürdigsten Westernhelden galt. Während seiner 3 Jahrzehnte langen Karriere sah man ihn in über 93 Spielfilmen, viele von ihnen mit Wayne.
Obwohl für seine Cowboyrollen bekannt war McCrea ein vielseitiger Schauspieler, der in frivolen leichten Komödien und abenteuerlichen Melodramen mit dem gleichen Geschick spielte wie in den Western. Einige seiner bekanntesten Filme waren Western wie »The Virginian« (1946), »Union Pacific« (1939) und »Wells Fargo« (1937), Thriller wie Alfred Hitchcocks »Foreign Correspondent« (1940) und Komödien wie Preston Sturges’ »Sullivan's Travels« (1941).

Joel McCrea wurde am 5. November 1905 in South Pasadena als Sohn eines erfolgreichen Angestellten geboren. Sein Erbe war stark westerngeprägt: Der Großvater mütterlicherseits, Major Albert Whipple, kam während des Goldrausches in einem Planwagen nach Kalifornien, und sein Großvater väterlicherseits, Major John McCrea, war ein Indianerkämpfer und Postkutschenfahrer.
Kurioserweise wurde McCreas zukünftige Frau nur fünf Blocks von seinem Elternhaus entfernt geboren, welche aber im frühen Alter nach Chicago zog. Es sollte jedoch nicht lange dauern, bis beide ihre Filmkarriere begannen.
Die McCreas Familie zog nach Hollywood, als Joel 8 oder 9 Jahre alt war. Dort kam er in Kontakt mit Filmpersönlichkeiten - er stellte die Los Angeles Times solchen Filmmogulen wie Sam Goldwyn und Jesse Lasky und Stars wie William S. Hart und Wallace Reid zu.
»Ich lernte damals viel über das Leben und Hollywood«, erinnerte sich McCrea. »Es gab einige Stars, die Millionäre waren und nicht die 60 Cent für die Times am Ende des Monats aufbringen konnten.«
Vielleicht waren es solche Erfahrungen, dass der schlaksige Youngster weniger Starbegeisterung als sein Interesse an Pferden zeigte.
Er liebte und verstand Pferde - und begann freiwillig für Cowboystar Tom Mix und einen seiner Zeitungskunden, William S.Hart, während der Dreharbeiten die Pferde zu halten.
Mit 12 Jahren stand Joel McCrea das erste Mal vor den Kameras. Mit Ruth Roland, ein Star der Stummfilmzeit, drehte man in den Hügeln über dem Sunset Boulevard, und der junge Joel war erneut ein »Pferdehalter«. Ein New Yorker Theaterschauspieler hatte einige Probleme, um als Co-Star mit Roland zu spielen. »Der Kerl konnte über den ganzen Platz agieren«, erinnerte sich McCrea in einem Interview viele Jahre später. »Aber wenn sie die Pferde holten, hatte er eine Heidenangst. Aus diesem Grund durfte ich in einigen Szenen sein Pferd reiten. Sie zogen mir Lederkleidung an und für zwei Tage hatte ich eine Arbeit, für die 5 Dollar gezahlt wurden. Das reizte mein schottisches Blut. Eigentlich wollte ich als Cowboy arbeiten, verwarf dieses Vorhaben und beschloss, Schauspieler zu werden.«

Nicht lange danach begann er jedoch seine Laufbahn im Sommer als Cowboy auf der King Ranch Cattle Co. in den Tehachapi Mountains.
Er graduierte an der Hollywood Highschool und schrieb sich am Pomona College ein. Dort begann Joel, in Amateurrollen zu spielen.
McCrea fand an der Schauspielerei Gefallen und suchte nach dem Collegeabschluss im Jahr 1928 Studios auf und nahm gelegentliche Arbeiten an.
Seine erste Spielfilmrolle bekam Joel McCrea als Todd Sayles im Jahre 1929 in »The Jazz Age«, und im selben Jahr spielte er den Bruce Nolan in »So This Is College«, den Marco, der Scheich in »Dynamite« sowie den Boyd Emerson in »The Silver Horde« (1930). Aufgrund seiner schauspielerischen Leistungen winkten Joel Hauptrollen für die kommenden Jahre.
Filmkritiker sind der Ansicht, dass in den 1940er Jahren seine Karriere mit »Foreign Correspondent«, »Sullivan's Travels« und »Palm Springs Story« den Höchststand erreichte.
Das Publikum erinnert sich zweifellos an ihn anhand der Big-Budget-Western-Epen, weil sein offenes und ehrliches Gesicht, seine lässige und entspannte Art und Weise, wie er auf dem Pferd saß, markant für ihn war. Produzent Harry Sherman unterstrich dies: »Joel ist der größte geborene Westernstar seit den alten Tagen von Tom Mix und William S. Hart. Er hat einen authentischen Hintergrund, und er ist einer der hervorragensten Reiter, die ich je gesehen habe ... ein Kerl, der mit Anmut und Autorität auf einem Pferd sitzt.«
Real existierende Cowboys bestätigten diese Meinung durch die Aufnahme McCrea’s in die Cowboy Hall of Fame in Oklahoma City im Jahr 1958.
McCrea's poetische Weise, mit einem Pferd umzugehen, und sein staubiger Westernlook sind vielleicht am deutlichsten in Sam Peckinpah Film »Ride the High Country« (1962) zu sehen, in dem er als Steve Judd und Randolph Scott als Gil Westrum Gold zu einer Bank transportieren.

McCrea galt als einer der klügsten Investoren und reichsten Schauspieler seiner Zeit, scherzte manchmal über seine Geschäftstüchtigkeit.
»Mein erstes Geschäft war mit meiner Mutter«, erzählte er einmal. »Ich investierte in Hühner. Ich verkaufte die Eier an meine Mutter. Nachdem sie diese gekocht hatte, aß ich die Eier. Das ist ein idealer Handel.«
Auf Anraten von Rogers investierte McCrea seine Erspartes in eine 405 Hektar große Ranch in der Nähe von Camarillo in Ventura County. Im Laufe der Jahre kaufte Joel McCrea weitere Flächen, bis er über 1.214 Hektar Ranchland verfügte, zu welchem später ein Wohngrundstück gehörte. In dieser Zeit wurden auf der Ranch 90.720 kg Rindfleisch jährlich produziert. McCrea arrangierte sich im Management und widmete sich dem Riding, Roping und Branding.
Nachrichten zufolge verkaufte Joel im Jahr 1959 218,5 Hektar für 1.200.000 Dollar und vier Jahre später weitere 405 Hektar für 3.000.000 Dollar. Er lebte auf einem Teil seines ursprünglichen erworbenen Landes in der Nähe von Camarillo, besaß eine große Ranch in der Nähe von Palos Verdes und zwei weitere in New Mexico.
McCrea letzter öffentlicher Auftritt war am 1. Oktober 1990, als er in Beverly Hills an einem Dinner als Werbekampagne für den republikanischen Senator Pete Wilson teilnahm. Paramount Pictures Executive Producer A. C. Lyles, seit vielen Jahren ein Freund von McCrea, war Zeuge, als die First Lady Barbara Bush nach ihrer Rede auf Joel McCrea zuging, ihre Hand in seine Hand legte und sagte: »My hero.«
»Er strahlte über das ganze Gesicht«, kommentierte Lyles diese Begebenheit. »Das unterstreicht jedermanns Ansicht über Joel.«

McCrea arbeitete in mindestens drei Filmen mit seiner Frau zusammen, eine der gefragtesten Damen der 1930er Jahre. Klatschkolumnisten berichteten oft über ihre Ehe als »eine ideale Hollywood-Ehe«. Es war eine der wenigen, die bewiesen, dass sie es auch war. Frances und Joel heirateten im Jahre 1933 und waren bis zu seinem Tod zusammen. Einer ihrer drei Söhne, Joel Dee, der als Jody bekannt ist, spielte in McCreas TV-Serie »Wichita Town« (1959-1960) den Ben Masters.
Auf der Leinwand wirkte Joel McCrea nicht übertrieben, blieb bodenständig, wenn er vor den Kameras agierte – ob als Rancher, gewiefter Geschäftsmann, temperamentvoller Bürger oder als Kurator der Schulbehörde.
McCrea bekleidete die Stelle des Präsidenten der örtlichen Schulbehörde, hatte den Vorsitz des Benefiz-Kommitees des Camarillo Boys Club und spendete 35.000 Dollar für ein neues Clubhaus. Er machte auch beträchtliche Geschenke an örtliche Schulen.
Joel McCrea, ein echter Cowboy und einer der besten imaginären Sattelhelden Hollywoods, starb am 20. Oktober 1990 um 04:50 Uhr im Motion Picture and Television Fund Hospital in Woodland Hills. Er war 84 Jahre alt. Joels Ehefrau, die Schauspielerin Frances Dee, saß bis zum bitteren Ende an seinem Bett. Neben seiner Frau und seinem Sohn Jody, mittlerweile ein Viehzüchter in New Mexico, hinterließ Joel McCrea zwei weitere Söhne: David, ein Rancher in New Mexico, und Peter, ein Immobilienentwickler in Los Angeles.

Text- und Bildquellen:

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