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Filmwelten - Stars des Western

»Broncho Billy« Anderson
(1880 - 1971)

»Broncho Billy« Anderson war der Künstlername von Gilbert Maxwell Aronson, Amerikas erster Cowboy-Filmstar. Anderson leistete Pionierarbeit für dieses Genre, die Stars wie John Wayne, Gary Cooper, Roy Rogers, Buck Jones, Tom Mix … zugutekam. Anderson arbeitete auch als Regisseur und Produzent hinter der Kamera und entwickelte Produktionstechniken, die noch heute eingesetzt werden.

Max Aronson wurde am 21. März 1880 in Little Rock (Pulaski County), Arkasas geboren. Seine Eltern waren Henry, ein Handelsreisender, und Esther Aronson. Die Aronsons hatte sieben Kinder, die meisten dieser erblickten in Texas das Licht der Welt.
In den 1890er Jahren zog Aronson nach Pine Bluff (Jefferson County) und arbeitete dort als Baumwollhändler für seinen Schwager Louis Roth, welcher seine Schwester Gertrude geheiratet hatte. Er verließ Arkansas um die Jahrhundertwende und ging nach New York, wo er sich der alten Vitagraph Company, eine Theatergruppe, anschloss.

Von 1900 bis 1926 war Anderson hauptsächlich als Produzent und Regisseur tätig. Es erschienen mehr als 600 Filme - von Filmen mit 400 Meter Länge bis hin zu abendfüllenden Spielfilmen mit rund 2000 Meter Länge.
Bis 1902 arbeitete Max Aronson in New York, bekam 1903 drei Rollen in Edwin S. Porters Film »The Great Train Robbery«, ein Stummfilmwesternklassiker. In seinen frühen Filmen spielte er verschiedene Rollen unter dem Namen G.M. Anderson. »Raffles, the Amateur Cracksman« aus dem Jahr 1905 war der erste Film, bei welchem Anderson Regie führte.
1907 zog er nach Chicago, um dort Filme zu produzieren. Max setzte die Idee, dass die Öffentlichkeit zahlen würde, um gute Westernfilme zu sehen, in seinen Filmen um. Die Ära der Cowboy-Filme begann, der Begriff des Cowboy wurde in diesen Filmen vermarktet.
Für eine kurze Zeit produzierte Anderson Filme in Colorado. Doch William Selig, für welchen er arbeitete, konnte für sich keinen Vorteil bei der Darstellung der Westernlandschaften sowie Action erkennen. Daraufhin entwickelte Anderson Techniken wie »long shot«, »medium shot«, »close up« und »reestablishment scene«, die zu Standardtechniken des modernen Western wurden.

Zurück in Chicago arbeitete Max Anderson mit George K. Spoor, ein Theater-Vermittlungsagent, zusammen. Die beiden etablierten im Jahre 1907 die Essanay Studios, deren Name aus einer phonetischen Schreibweise ihrer Initialen S und A abgeleitet ist.
1908 verheiratete Anderson Molly Louise Schabbleman, in deren Ehe Maxine geboren wurde.

Von 1908 bis 1915 machte Anderson 375 Westerns. Der Berühmteste von ihnen war die Broncho Billy-Serie. Anderson schrieb eine Geschichte in der Saturday Evening Post über einen Charakter namens Broncho Billy. Ihm gefiel die Idee und entwickelte die Broncho Billy-Charaktere weiter, die sehr beliebt in der amerikanischen Öffentlichkeit wurden.
Anderson gründete im Jahr 1912 ein eigenes Studio in Niles, Kalifornien, und produzierte eine Zwei-Rollen-Broncho-Billy-Geschichte etwa alle zwei Wochen. Die Produktionskosten beliefen sich auf rund 800 Dollar pro Film zu produzieren, und jeder spielte hochgerechnet rund 50.000 Dollar ein. Die Essanay Studios kamen in ihre Blütezeit.
Viele legendäre Hollywood-Stars wie Francis X. Bushman, einer der führenden Stars seiner Zeit, Gloria Swanson und Charlie Chaplin wurden für die Essanay Studios verpflichtet. Anderson unterzeichnete einen Vertrag mit Chaplin mit einem Gehalt von 1250 Dollar pro Woche zuzüglich eines Bonusses von 10000 Dollar, aber weder Spoor noch Chaplin wurden mit dem Arrangement glücklich. Spoor war durch das hohe Gehalt schockiert, und Chaplin war weder mit dem Chicagoer oder Niles Studios noch mit der reglementierten Art der Massenproduktion von Filmen glücklich. Bei Niles spielten Anderson und Chaplin in Chaplins achtunddreißigsten Film »The Champion« zusammen, der im März 1915 veröffentlicht wurde. Es ist der einzigste Film, in welchem die beiden Stars zusammen zu sehen sind.
Die Filme mit Bushman, Chaplin und Anderson Filme brachten zwar erhebliche Gewinne, aber für die Essanay Studios begannen ernsthafte Probleme. Zunächst wurde Chaplins Vertrag, der sich mittlerweile auf eine Gage von 10.000 Dollar pro Woche und einem Bonus von 150.000 Dollar belief, im gegenseitigen Einvernehmen gekündigt. Anderson begann zu erkennen, dass das anspruchsvolle Publikum mehr als nur Zwei-Rollen-Filme wollte.
Er entschloss sich, nicht mehr mit Spoor zusammenzuarbeiten und verkaufte seine Anteile an Essanay Studios 1916. Der Broncho Billy-Charakter blieb Eigentum der Essanay.
Ohne Anderson brach die Filmproduktion bei Essanay Studios zusammen.
Im Jahr 1918 versuchte Anderson erneut, Westernfilme zu produzieren, doch das Publikum hatte neue Helden auf der Leinwand.

Im Jahr 1958 wurde Anderson mit dem Ehren-Oscar der Academy of Motion Picture Arts and Sciences für seine Verdienste um die Entwicklung von Filmen als Unterhaltung ausgezeichnet.
Den Rest seines Lebens verbrachte Max Anderson in stiller Zurückgezogenheit. Er starb entweder in South Pasadena oder Woodland Hills am 20. Januar 1971 an einem Herzinfarkt.

Text- und Bildquellen:

Copyright © 2010 by Wolfgang Brandt

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