
Filmwelten - Stars des Western

Tom Mix
(1880 - 1940)

Wenn man an einen amerikanischen Cowboy denkt, hat man ein bestimmtes Bild vor Augen - einen tapferen Helden mit einem untadeligen Lebensstil, auf einem edlen Pferd sitzend und immer bereit, für Recht und Ordnung zu sorgen. Tom Mix war kein »Sohn des realen Westens«, er war der Erste von den vielen bunten, eskapistischen Filmcowboys.
Es ist schwer, seinen Erfolg nach heutigen Maßstäben zu messen. Auf dem Höhepunkt seiner Filmkarriere verdiente Tom Mix mehr als 17.000 $ pro Woche, eine Summe, die weitaus größer als jede andere Gage eines Westernstars war. Man bedenke, dass um 1920 der durchschnittliche Stundenlohn zwischen 30 bis 40 Cent betrug und eine Kinokarte 1 Nickel (=5 Cent) kostete.
Tom Mix zog Millionen aus den Studios, die ihn unter Vertrag nahmen. Er war einer der populärsten Männer im Land, geliebt von Kindern und Erwachsenen gleichermaßen. Sein jugendlicher Fan-Club umfasste zwei Millionen Mitglieder.
Seine Filmkarriere erstreckte sich über 25 Jahre von 1910 bis 1935. Während dieser Zeit hatte er in 300 bis 400 Filmen gespielt. Eine genaue Zahl ist nicht bestimmbar, weil einige seiner Filme heute nicht mehr existieren. Viele von denen haben sich im Laufe der Jahre in der Qualität verschlechtert, anderen wurden von den Studios entsorgt. Unabhängig von der genauen Anzahl waren die Tom-Mix-Filme phänomenal.
Thomas Hezekiah Mix wurde in der Nähe von Mix Run, Cameron County, Pennsylvania am 6. Januar 1880 als Sohn einer relativ armen Holzfällerfamilie geboren. Als Tom 4 Jahre alt war, zog die Familie nach Driftwood, Pennsylvania, aber sie blieb dort nur für vier Jahre. Sein Vater Ed nahm eine Stellung als Stallmeister und Chauffeur für den Holzbaron John E. DuBois an. Darauf hin zog die Familie in die Nähe von DuBois. Dort war es, dass sich Tom Mix für die Arbeit seines Vaters und vor allem für den Umgang mit Pferden interessierte. Immer häufiger hörte man Kommentare der Einheimischen, dass der kleine Tom auf alles, was laufen kann und vier Beine hat, reiten lernte. Dieses Interesse und die Fähigkeit, mit Pferden umzugehen, waren maßgebend für die Gestaltung seiner Identität im späteren Leben als Filmstar. Mix träumte davon, im Zirkus aufzutreten. Gerüchten zufolge übte Tom Mix Messerwerfertricks und band dafür seine Schwester als Assistentin an einer Holzwand fest.
Im Alter von achtzehn Jahren stellte Mix fest, dass das Leben in DuBois nichts für ihn war und beschloss im April 1898, als Thomas E. Mix in die US-Armee einzutreten. Angeblich nahm er als einer von Teddy Roosevelts sagenhaften »Rough Riders« am Spanisch-Amerikanischen Krieg teil. Obwohl seine Einheit nie an Kampfeinsätzen teilnahm, wurde Tom nach drei Jahren Dienstzeit ehrenhaft entlassen, sofort wieder angeworben und nach Fort Hancock, New Jersey, versetzt. Als Mix während eines längeren Urlaubs am 18. Juli 1902 die Lehrerin Grace I. Allin heiratete und nicht zum Dienst zurückkehrte, wurde er im Oktober des gleichen Jahres als Deserteur (AWOL: absent without leave – unerlaubt abwesend) geführt und aus der Army entlassen, kam aber nicht vor ein Kriegsgericht. Die Ehe mit Grace wurde annulliert.
Bald darauf zog es Tom Mix von der Ostküste in den Westen, wo er eine Vielzahl von Jobs als Barkeeper, Farmarbeiter und Polizeibeamter annahm. Als Tambourmajor der Oklahoma Calvary Band spielte er während der St. Louis Weltausstellung 1904. Dort lernte Tom Will Rogers kennen, beide blieben Freunde bis zu dessen Tod im Jahre 1935.
Um als Cowboy akzeptiert zu werden, arbeitete Tom Mix als Farmarbeiter sehr hart. Für ihn war es eine echte Herausforderung, an Rodeowettkämpfen teilzunehmen. Er ritt bockige Pferde und Ochsen, sprang mit einem Pferd über einen Eisenbahnwaggon. Einen der spektakulärsten Sprünge, die Mix je gemacht hatte, war der Sprung über den alten Fahrweg am Newhall Pass, Californien.
Seinen ersten großen Durchbruch erzielte Tom Mix, als er der Miller Brothers 101 Wild West Show beitrat. Colonel Joe Miller heuerte ihn als Vollzeitcowboy für 15 Dollar pro Monat inklusive Unterkunft und Verpflegung an. In dieser Zeit heiratete er Kitty Jewell Perrine. Die Ehe wurde aber bereits nach einem Jahr geschieden. Tom begann, dem schönen Champion Rodeo Girl Lucile Mulhall nachzusteigen. Die Romanze wurde jedoch durch den Vater des Mädchens mithilfe einer Pistole abrupt gestoppt. Mix gab Fersengeld, um nicht als Resultat eines am Abzugsbügel unruhig liegenden Zeigefingers zu enden.
Von 1909 bis 1917 war Tom mit Olive Stokes verheiratet. Aus dieser Ehe ging die am 13. Juli 1912 geborene Tochter Ruth Mix hervor.
Mix's Ehe mit Olive Stokes führte ihn schließlich ins Filmgeschäft. Beide hatten für mehrere Wild West Shows gearbeitet. Im Frühjahr 1910 unterzeichnete die in Chicago ansässige Firma Selig Polyscope Company einen Vertrag mit Will A. Dickey und seiner Circle D Ranch Wild West Show. Dickey war zufällig ein alter Freund von Olive's Familie und wurde auf Mix aufmerksam. Mix wurde zunächst als Berater und Stuntman eingestellt, allerdings nicht lange. Nachdem er angestellt wurde, bekam Tom eine kleine Rolle in dem Film »The Range Riders« (1909). In »Ranch Life in the Great Southwest« (1910), der einige Rodeoliveszenen enthält, ist Tom in der Hauptrolle als Bronco Buster zu sehen. Er sprach mit dem Regisseur darüber, ob er ihm gestatte, einige Bronc busting-Szenen selbst ausüben zu können. Die Filmemacher wollten Action, und Tom zeigte es ihnen, erntete für seine waghalsigen Stunts und akrobatischen Darbietungen zu Pferde großes Staunen. Der bisher an erster Stelle gesetzte William S. Hart konnte dagegen nur mit einer realistischen, nüchternen Darstellung des Frontier-Lebens aufwarten. Toms aufregender Eskapismus gefiel dem Publikum und setzte neue Akzente. Beide Filme halfen Mix, seine Identität als natürlicher Cowboy zu prägen. William Selig war so von Mix's On-Screen-Performances beeindruckt, sodass er ihn nach Florida schickte, um in einer Reihe von Dschungelfilmen aufzutreten. Mix bekam Nebenrollen in »Back to the Primitive« (1911) und »Hearts of the Jungle« (1915).
Während seiner Zeit bei Selig Polyscope Company arbeitete Tom Mix in mehreren Filmen mit Victoria Forde zusammen. Mix und Forde heirateten im Jahr 1918 und bekamen 1922 eine Tochter, Thomasina Mix.
Tom Mix hatte sich als Schauspieler würdig erwiesen. Infolgedessen bot Selig ihm eine eigene Filmserie an. Der erste Film der Tom Mix-Serie war »The Real Thing in Cowboys« (1914). Doch nach kurzer Zeit gab es Konflikte über die Produktionskosten zwischen Selig und Mix. 1917 entschlossen sich Tom und Victoria, einen lukrativen Vertrag bei der Fox Film Corporation zu unterzeichnen. Mix war inzwischen ein erfahrener Schauspieler und zeigte es in seinen Filmen. Im Jahr 1922 war sein Gehalt auf rund 17.000 $ pro Woche gestiegen.
Nach 11 Jahren verließen Tom und sein Lieblings-Co-Star Tony »The Wonder Horse« die Fox-Studios. Aus seine Zeit bei Fox resultieren 78 schnelle Action-Adventures und eine Westernmystik, über die noch heute geredet wird. Tom wurde zur Nummer eins unter den Cowboystars, nicht nur in Amerika, sondern auf der ganzen Welt.
1928 unterzeichnete Tom mit Film Booking Office (FBO) einen Vertrag für eine kurze Reihe von mittelmäßigen Western. Als die Tonfilm-Ära aufkam, war sich Tom, wie viele andere Schauspieler auch, nicht sicher, eine Zukunft in Tonfilmen zu sehen. Man munkelte, dass Toms Stimme hoch war und nicht für den Tonfilm geeignet sei. Doch das ist unwahr: Der Cowboystar hatte eine tiefe, heisere Stimme. Tom zog sich aus dem Geschäft mit FBO zurück, da er von diesem keinen finanziellen Reichtum erwarten konnte. Ein Angebot von Sells Floto Circus mit einer wöchentlichen Gage von 10.000 Dollar kam ihm da gerade recht. Von 1929 bis 1931 war Tom Mix dort die Attraktion Nr.1.
1929 kam Universal Pictures mit einem Skript für »Destry Rides Again« auf den Star zu. Tom und Tony Jr. machten 8 weitere Filme für Universal, aber aufgrund des Alters von 52 Jahren und der Angst vor weiteren Verletzungen während seiner eigenen Stunts konnte Tom nicht wie früher agieren.
Seinen letzten Film machte Tom Mix 1935 bei Maskot Studios, die 15 Episoden umfassende Serie »The Miracle Rider«.
Tom Mix war der erste Westernstar, der sein Pferd optimal in Szene setzen konnte. Mit Old Blue, sein erstes Showpferd, vollzog er verschiedene Tricks vor der Kamera, und dem Pferd wurden eigene Rechte eingeräumt. Zwischen 1911 und 1917 unterstützte Old Blue Mix in 87 Filmen, unter anderem in »The Scapegoat« (1912), »The Law and the Outlaw« (1913), »When the West Was Young« (1914), »The Man From Texas« (1915), »The Raiders« (1916) und »Six Cylinder Love« (1917). Die meisten der Filme wurden auf dMix's Movie Ranch in Mixville, Los Angeles produziert, wo Old Blue für sich einen geräumigen Stall in Anspruch nehmen konnte. Am 29. Januar 1919 brach sich das Pferd bei einem Unfall ein Bein und musste erschossen werden. Über dem Grab von Old Blue ließ Tom eine große 4x4 hölzerne Säule mit einem herausragenden Balken errichten, sodass er in der Lage war, einen Blumenkranz in Form eines Hufeisens über der letzten Ruhestätte seines treuen Freundes hängen zu können, wenn er sich in der Nähe aufhielt.
Toms zweites Pferd Tony Sr. war der wahre Superstar. Tony war das beliebteste, am meisten fotografierte Pferd der Welt und half während ihrer gemeinsamen Filmkarriere seinem Herrn, Millionen zu verdienen. Während der Dreharbeiten zu »Hidden Gold« im Jahre 1932 verletzte sich das Pferd an der Hüfte und musste ausgetauscht werden. Es wurde von Tony Jr., der Tom durch den Rest seiner Karriere trug, ersetzt.
Tom hat alle seine Stunts selbst gemacht, er und Tony wurden zum Action-Duo auf der Leinwand.
Während seiner beruflichen Laufbahn zog sich Tom Mix insgesamt 80 Verletzungen zu. Er überlebte unter anderem viele Shootings, 22 Messerstiche, einen Schädelbruch sowie eine Dynamitexplosion.
Die Mix-Filme warteten mit fantastischen Stunts, furiosen Kämpfen, Romantik, brillanten Orten und Elementen der Komödie auf. Tom wurde zum Idol vieler Jungen und Mädchen, galt auf der Leinwand als Champion des Fair Play, der nicht trinkt, raucht und flucht.
Im Privatleben war Tom Mix ganz anders aus. Seine Filme machten ihn reich, das wahre Leben hatte ihn voll im Griff. Auf der eigenen Hollywood-Villa prangte sein Name im Neonlicht. Er mochte schnelle Sportwagen, Partys und Kostüme. Eine weitere große Liebe seines Lebens war der Zirkus. Als großer Showman liebte Tom die Live-Auftritte in der Manege.
Es besteht kein Zweifel daran, dass Tom Mix weitere Filme trotz seines Alters und Verletzungen gemacht hätte. Jedes Studio wäre froh gewesen, ihn unter Vertrag zu nehmen. Seine Popularität war einfach riesig. Stattdessen entschied sich Tom, wieder zum Zirkus zu gehen und den Nervenkitzel des Publikums zu erleben. Bereits im Jahr 1934 kaufte er den Samuel B. Gill Circus und änderte den Namen in Tom Mix Circus um. Mit seinem eigenen Zirkus tourte Tom durch Amerika, Kanada und Mexiko bis zu seiner Schließung im September 1938.
Mit einer kleinen eigenen Show trat er in Europa auf, später unterzeichnete Mix mit dem Circus Belli einen Vertrag, um weitere Auftritte in Europa zu bekommen. Im Spätsommer 1939 kam Tom in die Staaten zurück und trat in kleinen Varietés auf.
Am Samstag, den 12. Oktober 1940 fuhr Tom Mix nach einer Aufführung in Tucson, Arizona, auf dem Highway Nr. 80 in Richtung Florence. Er hatte noch vor, seinen alten Rodeofreund Harry Knight in Florence zu besuchen. Auf dem Weg dorthin fuhr Mix mit mehr als 50 Meilen pro Stunde in eine Baustelle. Um die dort befindlichen Straßenbauarbeiter nicht zu gefährden, wich er diesen aus. Dabei verlor er die Kontrolle über seinen 1937 Cord Phaeton. Dieser rutschte über eine Böschung und überschlug sich. Dabei wurde Tom Mix getötet. Es war ein Metallkoffer im hinteren Teil des Wagens, der nach vorne geschleudert wurde und dem Westernstar das Genick brach.
Laut Zeugen soll dabei sein cremfarbener Westernanzug nahezu faltenfrei geblieben sein. Tom Mix trug zum Zeitpunkt des tragischen Unfalls seine Stiefel, die mit Diamanten besetzte Gürtelschnalle sowie seinen weißen 10-Gallonen-Stetson. Mix ging als »echter Cowboy mit seinen Stiefeln« in den Tod, wie manche Westler sagen würden. Tausende von Fans und Hollywood-Persönlichkeiten nahmen an am16. Oktober 1940 an der Bestattung teil, Tom Mix wurde auf dem Forest Lawn Memorial Park in Glendale, Kalifornien begraben. Sein treues Ross Tony Sr. starb zwei Jahre später am gleichen Tag - am 12. Oktober 1942. Welch Ironie des Schicksals.
Die phänomenale Popularität von Tom Mix lebt jedoch weiter. Das Radio-Programm wurde bis 1950 fortgesetzt ... 10 Jahre über seinen Tod hinaus. Die Comic-Bücher erschienen von 1947 bis 1953. Der Verlag beendete seine Comicline. AC COMICS hat eine Kopie der Tom Mix Western herausgebracht, um diesen großen Westernhelden einer neuen Generation von Fans vorzustellen.
In Blake Edwards Film »Sunset« (1987) wird eine fiktive Sory erzählt:
Hollywood in den späten 20er Jahren. Die Traumfabrik ist gerade dabei, vom Stumm- auf Tonfilm umzusteigen, als Wyatt Earp (James Garner) in die Stadt kommt. Der legendäre Revolverheld wurde auf seine alten Tage als technischer Berater für einen Western engagiert, in dem Publikumsliebling Tom Mix (Bruce Willis) den Wyatt Earp spielen soll. Earp und Mix freunden sich schnell an. Doch bevor ihr gemeinsames Filmprojekt so richtig in Schwung kommt, haben sie bereits jede Menge echter Ganoven am Hals. Bei der Suche nach dem verschollenen Sohn einer Jugendfreundin sticht Earp in ein Wespennest aus Mord, Erpressung und Korruption.
Tom Mix lebte den Traum vom Leben vieler Menschen. Er war ein nationaler Held, wurde von vielen geliebt. Seine Reitkünste sind nie dupliziert worden. Seine Filme bestechen durch Ehrlichkeit, Integrität, Loyalität und Hoffnung. Reale Cowboys akzeptierten Tom Mix Heldentaten, weil sie wussten, dass Mix einer von ihnen war. Tom Mix will ride on forever!
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