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Filmwelten - Stars des Western

Kenneth Maynard
(1895 - 1973)

Ken Maynard wurde nicht in Mission, Texas, noch in einer anderen westlichen Örtlichkeit geboren. Er erblickte am 21. Juli 1895 in Vevay, Indiana, das Licht der Welt, sein Bruder Kermit am 20. September 1897. Neben den Söhnen Kenneth und Kermit hatte das Ehepaar William H. Maynard und Emma May Maynard, geborene Stewart, drei Töchter - Trixie, Willa und Bessie. Einen Großteil ihrer Jugendzeit verbrachten Ken und Kerm in Columbus, Indiana. Während Kerm sich dafür entschied, in Indiana zu bleiben, die Schule besuchte und an der Indiana University studierte, zog es den älteren Bruder in Richtung Westen.
Die Biografie des älteren Maynard ist verwirrend und konfliktreich. Einige sagen, dass er von zu Hause weggelaufen war, um sich einem Zirkus anzuschließen. Andere wiederum sagen, dass er nach Indiana zurückkehrte und sich die Erlaubnis der Eltern einholte, um doch noch mit einem Zirkus von Stadt zu Stadt ziehen zu können.
Während des Ersten Weltkrieges verbrachte er seine Dienstzeit in der US-Armee im Camp Knox (Fort Knox). In den frühen 1920er Jahren tourte er mit einer Vielzahl von Wild West Shows und bendete seine Arbeit als Star Performer im Zirkus der Ringling Brothers. Buck Jones, Tom Mix und andere ermutigten ihn, nach Hollywood zu kommen.

Seine eigentliche Filmkarriere begann 1924, als er bei der unabhängigen Filmproduktionsfirma Davis einen Vertrag unterzeichnete. Bei Davis bekam Ken Rollen in mehreren Low-Budget-Stummfilmen wie zum Beispiel als Tex Sherwood in »$50,000 Reward« (1924) und als Bart Miller in »The Grey Vulture« (1926).
Um 1925 ging Kenneth Maynard mit der in South Bend, Indiana, ansässigen Mary Leeper den Bund der Ehe ein. Diese Heirat war Kens zweite, da er zuvor etwa ein Jahr mit Jeanne Knudsen liiert war.

Weiter auf der Erfolgsleiter nach oben kletternd unterzeichnete Maynard einen Deal mit den renommierten First National Pictures. Von 1926 - 1929 war er der Resident Range Rider bei First National und trat in über 20 Stummfilmen auf, in »The Red Raiders« (1927) als Lieutenant John Scott. Er selbst erwarb eine Mountie-Uniform, welche er in dem Film in »The Code of the Scarlet« (1928) trug.
In diesen frühen Tagen war Maynard geschmeidig, gut aussehend und sah im Sattel sitzend großartig aus. Als er das Palomino-Pferd Tarzan erwarb, schienen sich Reiter und Ross zu einer einzigartigen Leinwandpräsenz zu verbinden.

Maynard entwickelte sich zu einen erprobten und bewährten Hollywood-Helden, und Universal Pictures unterbreitete ihm ein lukratives Angebot: Falls er zu Universal Pictures wechselt, würde er seine eigene »Ken Maynard Productions«-Sektion, freie kreative und finanzielle Kontrolle über seine Filme, eine nicht zu verachtenen Gage sowie ein Prozent der Filmeinnahmen erhalten.
Zwischen 1929 und 1930 produzierte er bei Universal Pictures 8 Stummfilme sowie eine Talkshow, die nach den jeweiligen Möglichkeiten von Universal gezeigt wurden. Neben Ken gab es ja unter anderem Edmund Richard Hoot Gibson als Star und Liebling der Filmemacher bei Universal Pictures.
Das Aufkommen des Tonfilms und die Umrüstung der Filmtheater auf die neue Technik verursachte bei vielen Produktionsgesellschaften das reinste Chaos. Universal Pictures geriet in einige finanzielle Schwierigkeiten und wusste nicht so recht, was sie mit den neumodischen Tonwestern anfangen sollten. Die Verantwortlichen der Firma beschlossen, die Produktion von Cowboyfilmen einzustellen, die Verträge von Gibson und Maynard wurden nicht erneuert. Ein oder zwei Jahre später änderte Universal ihre Meinung, wodurch Tom Mix in den Jahren 1932 -1933 zurück auf die Leinwand kehrte.

Ken hingegen wurde durch die Produzenten Phil Goldstone und William Saal der Poverty Row companies, welche ihre Produktionen bei Tiffany veröffentlichten, unter Vetrag genommen.
Maynard spielte in elf Westernserien, die während 1930-1932 gezeigt wurden. Die meisten dieser Serien produzierte Goldstone. Alle Filmaufnahmen von Ken zeigten ihn reitend auf Tarzan, die Kameras schwenkten hin und her und nahmen Filmsequenzen von der Rettung der Heldin, Verfolgungsjagden nach den Bösewichten … auf. Groben Schätzungen zufolge lag das Produktionsbudget für jede dieser Westernserien im Bereich zwischen 10.000 und 15.000 Dollar. Es war spannende und solide Kost für die Samstagmatinee. Ein Beispiel dafür ist »Whistlin' Dan« aus dem Jahr 1932. Ken hatte sogar eine doppelte Rolle als The Pocatello Kid und Sheriff Jim Bledsoe in »The Pocatello Kid« (1931).
Einer der wohl hervorragensten Filme mit Kenneth Maynard während seiner Zeit bei Goldstone und Saal ist »Hell Fire Austin«, ein Film, in welchem Ken Hell Fire Austin und sein Kumpel Bouncer O'Brien (gespielt von Nat Pendleton) nach ihrem Armeedienst in Texas nach Hause kommen und im Gefängnis landen. Am Ende gibt es ein spektakuläres und actiongeladenes Pferderennen, der letzte Film mit Ken, den Tiffany zeigte. Grund dafür war der Beginn einer depessiven Phase, die sich auch bei Tiffany finanziell bemerkbar machte und das Aus für die Firma bedeutete.
Maynard dagegen hatte es für seinen nächsten Job nicht weit. Seine Serien wurden in der neu gegründeten Produktionsfirma KBS fortgesetzt. KBS steht für Burt Kelly, Samuel Bischoff und Wilhelm Saal. Das Unternehmen existierte nur kurz und verschwand schon 1933 von der Bildfläche.
Maynards KBS-Filme waren ein Tick besser als die vorangegangenen Filme bei Tiffany. Vermutlich lag es an einem etwas höheren Budget und einer besseren Betreuung und Qualität bei der Herstellung. Ken und die Crew hatten einfach die Formel parat. Entstanden sind in dieser Zeit bei KBS »Come On, Tarzan«, »Fargo Express«, »Tombstone Canyon« (alle 1932) und »The Lone Avenger« (1933).

Die insgesamt 19 Tiffany- und KBS-Filme trugen dazu bei, dass die Popularität von Kenneth auf dem Vormarsch war. Die Highlights waren eindeutig Ken und Tarzan.
Sich in einem schockähnlichen Zustand befindend besann sich Maynard darauf, dass er keine Schuld am finanziellen Ruin von KBS trug. Verantwortlich für Finanzen, Skripte und Produktion waren andere. Es kam zu Differenzen zwischen den Bossen und Maynard. Doch für den Schauspieler wartete bereits ein neues, besseres Angebot gleich um die Ecke.

Wie bereits erwähnt, produzierte Universal Pictures in den Jahren 1932 - 1933 Filme mit Tom Mix. Doch aufgrund von Verletzungen, seines fortgeschrittenen Alters und Komplexität seines Zirkuses entschied sich Mix, für neun noch ausstehende Filme nicht mehr zur Verfügung zu stehen.
Für die Saison 1933/34 bekam Ken Maynard die Möglichkeit, zu Universal zurückzukehren. Als Teil des Deals bekam er die volle Kontrolle über seine Filme. Das Produktionsbudget lag in dieser Zeit bei etwa 100.000 Dollar pro Film. Acht Produktionen wurden gemacht. Und Filme wie »The Trail Drive«, »Strawberry Roan« (beide 1933) und »Wheels of Destiny« (1934) galten lange Zeit als hervorragende Filme. Dagegen waren »The Fiddlin' Buckaroo«, »Gun Justice« und »King of the Arena« (alle 1933) mehr Flop als Top.
Lange hielt es Kenneth bei Universal Pictures nicht aus. Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und seinen Chefs Carl Laemmle sr. und Carl Laemmle jr. über Budgetüberschreitungen, vielleicht auch sein Ego und Temperament veranlassten Ken, Universal den Rücken zu kehren.

Das »Schauspielerkarussell« drehte sich für Kenneth Maynard weiter. Beim Produzenten Nathaniel Nat Levine und Mascot Pictures fand er eine Anstellung. Im Film »Old Santa Fe« (1934) war er als Ken alias Kentucky zusammen mit seinem Pferd Tarzan zu sehen. Und in »Mystery Mountain« (1934), eine zwölfteilige Westernserie, spielte er in einigen Folgen zusammen mit Gene Autry und Lester Alvin Smiley Burnette. Zu diesem Zeitpunkt waren letztgenannte Neulinge im Filmgeschäft.
Levine wusste, dass Ken Maynard ein Zugpferd für die Samstagmatinee und Filme mit ihm Menschenmassen in die Lichtspieltheater lockte. Für die Serie »Mystery Mountain« bekam Kenneth 10.000 Dollar pro Woche.
Als Maynard begann, sich in Details der Filmproduktionen einzumischen, Wutanfälle und Respektlosigkeiten gegenüber Levine zunahmen und diese sogar am Rande von Sets gedreht wurden, flog Ken im hohen Bogen aus Mascot.

Nächste Station, neues Glück?
Tim McCoy stand bei Columbia Pictures seit mehreren Jahren unter Vertrag. Ob McCoy auf eigenen Wunsch die Firma verließ oder Columbia entschied, seinen Vertrag nicht zu erneuern, ist nicht mehr nachvollziehbar. Als Ersatz für ihn wurde Maynard für Produktionen von Larry Darmour verpflichtet. Dort wurden acht Filme mit ihm während der Zeit von 1935 bis 1936 veröffentlicht. Maynards erste Darmour/Columbia-Produktion wurde »Western Frontier« (1935) und die beste aller dort gedrehten Filme.

Als die Darmour/Columbia-Gruppe im Jahr 1936 ihre Produktionen einstellte, war Ken Maynard bereits über vierzig Jahre alt und seine Zeit als einer der populärsten Westernfilmhelden vorbei. Es wurde still um Maynard, obwohl er in acht weiteren zweitklassigen Western versuchte, sein Image aufzupolieren. Auch sein Anklopfen und der Vertrag bei Colony Pictures brachten in den Folgejahren keinen Erfolg.
Für weitere drei Jahre verschwand Kenneth Maynard von der Leinwand. Seinen Fokus richtete er auf den Diamond K Wild West Circus and Indian Congress sowie auf den Cole Bros. Circus.

Sein letzter Versuch, zum Film zurückzukehren zu können, kam, als Produzent Robert Emmett Bob Tansey für Monogram Pictures Maynard und Hoot Gibson zusammenbrachte. Die Serie »The Range Busters« (1940-1943) war beendet und Mongram brauchte etwas Schnelles und Billiges, um die Kinobesitzer bei Laune zu halten. Tansey schmeichelte Maynard und Gibson, die im wirklichen Leben persönliche Freunde waren, und lockte mit der neuen Serie »The Trail Blazers«.
Ken wurde störrischer und streitsüchtiger, äußerte Einwände gegen den Einsatz von Bob Steele in dieser Serie – und wurde gefeuert. Was ja zu erwarten war.
Kenneth suchte Trost für sich selbst in seinen 15minütigen Radioshows »Tales from the Diamond K«, nahm bei Columbia Records Songs auf.

Maynards Leben glich einer Achterbahnfahrt. Sein Alkoholproblem trug dazu bei, dass seine Reitkünste nachließen und sein Geldbeutel immer leerer wurde. Lange Zeit lebte er in einem Wohnwagen, war auf Sozialhilfe und Almosen angewiesen. Gerüchten zufolge sollte ihm Gene Autry gelegtlich geholfen haben. Am 23. März 1973 starb Kenneth Maynard in einem Heim für alternde Schauspieler in Woodland Hill, LA.

Text- und Bildquellen:

Copyright © 2010 by Wolfgang Brandt

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