Sie sind hier: Startseite - Audiovisuelles - Filmwelten - Paul Verhoeven


Filmwelten - Paul Verhoeven

Paul Verhoeven: Seine niederländischen Filme

Dass der Film »Robocop« in Amerika ein Erfolg werden würde, konnte ich erahnen: Verhoeven ist ein Genie, einer der ganz großen Regisseure dieser Welt. Er hatte schon eine großartige Karriere in den Niederlanden gemacht. Nicht ohne Kontroversen - das Publikum liebte ihn, aber einige Presseleute hassten ihn.

Verhoeven hat wie die meisten Regisseure klein angefangen. Nach seinem Studium an der Universität von Leiden war es Zeit für die Wehrpflicht. Er ging zur Marine, wo er einen Dokumentarfilm über die Niederländische Royal Marines (»Korps Mariniers«) drehte.

Am Beginn seiner eigentlichen Karriere als Regisseur schuf Paul Verhoeven die Serie »Floris« (1969) - eine Art Ivanhoe für den Niederlanden. Die Hauptrolle übernahm Rutger Hauer, mit dem Verhoeven später noch sehr viel zusammenarbeitete. Das Drehbuch zu »Floris« schrieb Gerard Soeteman, und auch mit ihm arbeitete Verhoeven noch mehrmals zusammen. Die Serie war für die damaligen Zeit und mit dem Budget, was man zur Verfügung hatte eine Augenweide. Sie wurde mehrfach ausgestrahlt und Verhoeven machte sich mit dieser einen Namen. Für Paul Verhoeven kam die Zeit, um endlich einen großen Kinofilm drehen zu können.

Basierend auf einem Buch wurde »Wat Zien ik« (1971) der erste Kinofilm von Verhoeven. Zusammen mit Gerard Soeteman hat er das Script geschrieben, und der Film war einigermaßen erfolgreich in den Kinos.
Es sollte ein zweiter Film folgen, der in den höllandischen Kinos wie eine Bombe einschlug.

»Turks Fruit« (1973) basiert auf einem Buch von Jan Wolkers, einer der erfolgreichsten Autoren der Niederlanden. Das Script wurde wieder geschrieben von Gerard Soeteman. Für die Hauptrollen wählte Verhoeven Monique van der Ven als Olga und Rutger Hauer als Eric. Als der Film in die Kinos kam, regnete es Proteste. Es gab einige Szenen, die ziemlich hart und grob waren. Verhoeven, der auch in seinen späteren Filmen gerne provoziert, sowie Soeteman hatten immer Lust, etwas Abartiges zu machen. Der Film ließ die Kinokassen klingeln, aber als die Niederlande den Film für die Oscar-Nomminierung ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten geschickt hatte, kam er postwendend zurück. »Zu schmutzig«, meinte die Academy.

1975 folgte der Streifen »Keetje Tippel« auf der Grundlage einer Story von Neeltje Dorf. Wiederum zusammen mit Gerard Soetman geschrieben war der Film nicht zo erfolgreich wie »Türkisch Früchte«. Die Hauptrolle von Keetje Tippel übernahm erneut Monique van der Ven, und auch Rutger Hauer spielte eine kleine, aber bedeutende Rolle. Die Kamera wurde - wie bei »Türkische Früchte« von Jan de Bont geführt. Wenig später wanderte Jan de Bont nach Amerikaaus, um dort unter anderem »Speed« zu drehen. Obwohl der Erfolg von »Keetje Tippel« nicht so groß war wie »Türkische Früchte«, hat der Film jedoch einige sehr gut gelungene Szenen. Ich möchte ein Beispiel nennen und das ist das Zeitbild von Amsterdam am Anfang des 20. Jahrhunderts.

Paul Verhoeven war während des Krieges in Den Haag aufgewachsen und wollte schon immer einen großen Kriegsfilm drehen. Mit »Soldaat van Oranje« (1977) ist ihm dies gelungen. In den Hauptrollen mit Ruther Hauer und Jeroen Krabbé erzählt der Film die Geschichte von zwei Freunde, die während des Krieges zusammen im Widerstand kämpfen. Der Film ist hart, und Verhoeven hat einige sehr starke Szenen gedreht: Die Strandlandung, die Initationszene an der Universitat von Leiden und die Szenen mit dem Wasserflugzeug sind eine Klasse für sich.

»Spetters« (1980) ist ein Film, der auf einem Originalszenario von Soeteman und Verhoeven basiert. Produziert wurde der Film von Joop van den Ende, der mit seiner Musicalproduktionen bekannt geworden ist. Der Sturm, der losbrach, als der Film in den Kinos anlief, war unerwartet. Die Presse, die schon immer kein Freund von Verhoeven war, hat den Film verrissen. Und das Publikum hat den Film geliebt. Weil er so kontrovers war, wollte jeder der Film sehen. Und obwohl der Film ziemlich gewalttätig ist, ist es Verhoeven gelungen, einen guten Film zu drehen. Eine guter Leistung, wenn man berücksichtigt, dass die meisten der Darsteller damals noch ziemlich unbekannt waren.
Zu »Spetters« gibt es noch eine Geschichte: Als das Script fertig war, haben Verhoeven, Soeteman und van den Ende versucht, hierfür Geld zu bekommen, um den Film drehen zu können. Aber die Herren und Damen der höllandichen Behörden fanden das Script nun wirklich zu hart, zu grob. Van den Ende hat die Seiten die denen nicht gefallen haben, herausgerissen, nochmal ein Antrag für Geld losgeschickt und es dieses Mal bekomme. Danach haben die drei die Seiten wieder eingefügt und den Film gedreht. Noch heute gibt es Leute, die ziemlich sauer auf die Macher des Films sind. Eine der Behörden war aber ganz ehrlich: »Die drei haben uns an der Nase herumgeführt wie noch keiner vor ihnen.«

Nach den Krach über »Spetters« drehte Verhoeven »De Vierde Man« (1983). Und wenn man Basic Instinct liebt, kan man diesen Film als Probierstück Verhoevens bezeichnen. »Der Vierte Mann« wurde in den Niederlanden gefeiert als ob er von Hitchock käme. Die Darsteller Jeroen Krabbé und Renee Soutendijk spielten ihre Rollen hervorragend, und für beide kam die Chance, in Amerika zu arbeiten. Die Geschichte - basierend auf einem Buch von Gerard Revé - war düster, erotisch geladen, und den Vergleich mit Hitchcock stimmt schon. »Der Vierte Mann« etablierte den Namen von Verhoeven in Amerika. »Soldaat van Oranje« kam in Hollywwod schon gut an, und jetzt war es auch für Paul Verhoeven an der Zeit, um auszuwandern.

In die Niederlanden sollte er noch einmal zurückkommen, um »Zwartboek« (2006) zu drehen. Die Geschichte spielt wie »Soldaat van Oranje« im Zweiten Weltkrieg. Die Besetzung der Hauptrollen übernahmen Carice van Houte und Sebastian Koch. Und das Verhoeven eine guten Namen im Ausland innehatte, bemerkte man schon, bevor der Film in die Kinos kam. Verschiedenen Länder haben den Film gekauft, weil Verhoeven Regie geführt hat.

Quelle: www.imdb.com

© Wim Aalderink

 

© by 2010
nach oben Zurück Optimiert für 1024x768 Pixel
im IE & Mozilla Firefox