
Filmwelten - Stars des Films

Zu Ehren eines amerikanischen Vorzeigeschauspielers
100. Geburtstag
JAMES STEWART
Am gestrigen 20. Mai wäre der US-Schauspieler James Maitland Stewart 100 Jahre alt geworden. Vielerorts wurde dem Schauspieler und seinem Lebenswerk an seinem Ehrentag gedacht.
James Maitland Stewart wurde am 20. Mai 1908 in Indiana als Sohn der Eheleute Alexander und Bessie Stewart geboren.
Während seines Studiums der Architektur an der amerikanischen Eliteuniversität Princeton kam er bereits mit der Schauspielerei in Berührung und wurde Mitglied der Theatergruppe Falmouth Players. Obwohl er durch sein dortiges Engagement die Liebe zur Schauspielerei für sich entdeckt hatte, beendete er dennoch sein Architekturstudium erfolgreich, den Beruf eines Architekten übte er jedoch nie aus.
In den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts zog es den jungen Mann nach Hollywood. Besonders seine ruhige und höfliche Art, seine besondere Begabung die verschiedensten Charaktere überzeugend darzustellen und gleichzeitig den prototypischen amerikanischen Jungen von nebenan zu geben, der auszieht, um nicht nur die Welt zu retten, sondern sie mit dem amerikanischen Traum zu infizieren, machten ihn zu einem gefragten Nachwuchsschauspieler. Bereits 1940 gewann er einen Oskar als bester Darsteller im Film „The Philadelphia Story“ (Die Nacht vor der Hochzeit). Zusammen mit Cary Grant und Katharine Hepburn hatte Stewart hier eine schauspielerische Glanzleistung auf die Leinwand gezaubert, auch wenn im Jahr zuvor seine Leistung in der Verfilmung „Mr. Smith geht nach Washington“ ebenso herausragend, wenn nicht gar noch glänzender erschienen war, jedoch hatte Stewart da noch keine Auszeichnung erhalten, sondern musste diese Ehre an seinen Kollegen Robert Donat abtreten.
1941, noch ehe die japanischen Streitkräfte die US-Marine empfindlich in Pearl Harbor getroffen hatten und somit die amerikanische Beteiligung an dem bereits im Pazifik und Europa tobenden Zweiten Weltkrieg provoziert hatten, war Stewart der US-Luftwaffe beigetreten. Obwohl er nicht das Mindestgewicht erreichen konnte, er war zu leicht, konnte er den Einstellungsoffizier von seiner Qualifikation überzeugen und wurde akzeptiert. Letztendlich brachte er es immerhin bis zum Colonel und konnte sich während des Krieges im Zuge diverser Einsätze einige Ehrenauszeichnungen „erobern“ So wurde Stewart mit dem „Distinguished Flying Cross“, dem „Croix de Guerre“ und immerhin sieben „Battle Stars“ ausgezeichnet. Zu seinen berühmten Untergebenen während der Zeit des Weltkrieges zählte unter anderem ein Sergeant namens Walter Matthau. Nach dem Krieg diente er noch bis 1959 als Reservist und wurde als Brigadegeneral in den Reservistenruhestand entlassen. Während seiner diversen Einsätze über deutschem Hoheitsgebiet soll er stets einen Brief seines Vaters als Talisman bei sich getragen haben.
Die Erlebnisse des Krieges waren wohl nicht spurlos an ihm vorübergegangen, denn viele seiner engsten Freunde und Bekannten konstatierten in manchen Interviews viele Jahre später, dass Stewart nach dem Krieg viel düstere Charaktere gespielt habe als zuvor, außerdem hat er niemals über diese Zeit gesprochen, da er die Erlebnisse des Tötens und des Miterlebens, wie Kameraden jämmerlich verreckten einfach nicht hatte überwinden können. So war er auch stets ein unnachgiebiger Kritiker von Kriegsfilmen aus den Studios Hollywoods, da er der Meinung war, dass sie alles andere als realistisch seien, eher im Gegenteil, gewaltverherrlichend.
1949 heiratete er Gloria Hatrick Mc Lean, ein ehemaliges Model, die aus einer vorhergehenden Ehe; ihr Mann war gestorben; zwei Söhne mit in die Ehe brachte, Ronald und Michael. Ronald fiel während des Vietnamkrieges am 8. Juni 1969 as Marineoffizier. Das Ehepaar Stewart führte eine mustergültige Ehe und hatte zusammen zwei Töchter, Zwillinge, Kelly und Judy. Beide spielten an der Seite ihrer Eltern in dem 1961 gedrehten Film „Password“.
Seiner Ehefrau war er bis zu ihrem Tod am 16. Februar 1994 ein treuer Ehemann, was man von seinen Schauspielerkollegen und Freunden, Gary Cooper, John Wayne und Henry Fonda nicht unbedingt behaupten konnte. Gerade mit Henry Fonda verband Stewart ein Leben lang eine sehr innige Freundschaft. Bevor sie beide unter die Haube gekommen waren, hatten sie den zweifelhaften Ruf echter Playboys genossen, nach ihren jeweiligen Hochzeiten sollen sie ihre gemeinsame Freizeit, soweit sie diese überhaupt hatten, laut der Aussage ihrer Familien, damit verbracht haben gemeinsam Modellflugzeuge anzumalen.
Zum Anfang seiner Schauspielerkarriere; nebenbei bemerkt, Stewart hat niemals Schauspielunterricht genommen, vielmehr vertrat er die Ansicht, dass man sich mehr durch praktisches Lernen, als durch das Pauken von Theorien aneignen könne; wurde Stewart besonders häufig als amerikanischer Strahlemann und Vorzeigeheld eingesetzt. Nach 1949 begann Stewart damit, sein Image etwas umzudefinieren und neue Herausforderungen zu suchen. In den Jahren zwischen 1949 und 1958 spielte er in vier Hitchcock Verfilmungen („Cocktail für eine Leiche“, „Das Fenster zum Hof“, „Der Mann, der zu viel wußte“ und „Vertigo“) jeweils sehr ambivalente Charaktere, die weit von dem Edelimage der strahlenden Helden, die Stewart bis dahin verkörpert hatte, entfernt lagen.
Neben Männern wie Henry Fonda, Gregory Peck und Gary Cooper, zählt Stewart zu den wohl herausragendsten künstlerischen Repräsentanten seiner Nation. Stewart war in Bezug auf seine Arbeit ein Pedant und Perfektionist, der aber dennoch versuchte, natürlich in seiner Strahlkraft zu bleiben. Seine härtesten Kritiker waren das Publikum und er selbst. Von ersteren soll er einmal gesagt haben, dass wenn sie nicht mögen würden, was er macht, dann könne er es auch nicht wertschätzen, was er geleistet habe. Einer seiner größten Fans war der ehemalige US-Präsident Harry S. Truman, der einmal gesagt haben soll, dass er, wenn er je einen Sohn gehabt hätte, sich einen wie Jimmy Stewart gewünscht hätte, ein großes Lob für Stewart.
Zu amerikanischen Präsidenten pflegte Stewart stets ein sehr inniges Verhältnis, vor allem Präsident Nixon, wie auch Ronald Reagan wurden stets von Stewart aktiv unterstützt, was unter anderem dazu führte, dass er während der Präsidentschaft Reagans sehr regelmäßiger Gast im Weißen Haus war.
Was sein Publikum anging, so war Stewart stets auf ein sehr positives Verhältnis bedacht, allerdings versuchte er die Öffentlichkeit auch weitgehend aus seiner Privatssphäre herauszuhalten, was ihn auch nicht davor zurückschrecken ließ, lästige Reporter durch Anstellen seine Sprenklerananlage im Garten zu vertreiben.
Während der 40er und 50er Jahre deckte sich aber ein dunkler Schatten über die ansonsten so blütenreine Vorzeigeweste des amerikanischen Sunnyboy. Während der Ära des berüchtigten Kommunistenverfolgers „McCarthy“ soll sich Stewart als erzkonservativer Kommunistenhasser sehr aktiv auf die Seite der McCarthyanhänger geschlagen haben und sogar im eignen Freundeskreis gespitzelt haben. Diese Tatsache hätte beinahe zu einem Bruch zwischen ihm und seinem Freund Henry Fonda geführt, der sich wiederum zusammen mit anderen Schauspielerkollegen gegen diese moderne politische Inquisition ausgesprochen hatte.
1978 markiert einen massiven Wendepunkt in Stewarts Leben. Während der Dreharbeiten zu dem Film „The Big Sleep“ litt Stewart unter massiven körperlichen Gebrechen. So mußte er sich mit einem verschlechterten Gehör, sowie tiefgreifenden Gedächtnislücken und Aussetzern herumschlagen, was ihn im Film älter erscheinen ließ, als der Charakter, den er verkörpern sollte und auch als er tatsächlich war. Später wurde gemutmaßt, dass diese Erfahrung seinen Rückzug aus dem Filmgeschäft kurze Zeit später bedingt habe. Er selbst hat aber vor allem die Verrohung der filmischen Sitten und der gewaltverherrlichenden Tendenzen in den Hollywoodfilmen, wie sie immer mehr produziert wurden, als Grund angeführt, er sah einfach keinen Platz mehr für seine Auffassung vom Schauspielberuf.
James Stewart starb am 02. Juli 1997 im Alter von 89 Jahren in Beverly Hills Kalifornien an den Folgen eines Herzstillstandes.
Eine ausführliche Auflistung seiner Filme findet man besonders detailliert auf der Internetseite www.imdb.de
Quellen:
Abbildungen:
© Florian Kayser
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