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Filmwelten

Unbeugsam -
Defiance (2008)

Kaum eine historische Epoche hat bisher so viel Interesse geweckt, wie die Zeit des Zweiten Weltkrieges. Die Faszination die von diesem Krieg ausgeht ist ebenso beispiellos, wie der Krieg selbst, der nicht nur von den Zeitgenossen, die ihn hautnah haben erleben müssen, zu Recht als der schlimmste Weltkrieg der Menschheitsgeschichte bezeichnet worden ist.
Die Grausamkeiten, die im Zuge dessen begangen worden sind, sind derart unvorstellbar, dass sie wiederum magnetisierend auf all diejenigen wirken, die ihr besonderes Augenmerk auf die dunklen Seiten des Menschseins gerichtet haben und der Frage nachzugehen versuchen, wie Menschen einerseits so großartige Bauwerke, wie die Pyramiden, kunstvoll gestaltete Bilder wie die Deckenausmalung der Sixtinischen Kapelle oder so opulente Musik wie die 9. Symphonie von Ludwig van Beethoven hervorbringen können und andererseits in ebensolcher kreativer Vernichtungskraft neue Methoden der gegenseitigen Vernichtung ersinnen können.
Auch jener Film, der seit dem 23. April nun auch in den deutschen Kinos zu sehen ist, beschäftigt sich mit einer Episode aus jener Zeit, die uns auch heute noch, da schon lange die Kanonen von damals verstummt, die Trümmer weggeräumt und die Wunden vieler, weitgehend oberflächlich, verheilt sind, in ihren Bann schlägt. Doch diesmal richtet sich die Kamera nicht auf die großen Helden auf alliierter Seite, die dank ihrer Aufopferungsbereitschaft ihr Leben für die Freiheit zu geben in den Krieg gegen Hitler-Deutschland gezogen sind, auch ist nicht der innerdeutsche Widerstand, den es, so sehr es manchen Kritiker auch verwundern mag, durchaus gegeben hat, Thema dieses Films, sondern diesmal hat man sich einer Gruppe Menschen zugewandt, die sich aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit von jeher, so weit man zurückdenken kann, in der Opfer- und Sünderrolle befanden.
Es ist die Geschichte von jüdischen Frauen, Männern und Kindern, die nicht das Schicksal Millionen von Glaubensbrüdern haben teilen wollen und sich wie Vieh zur Schlachtbank haben führen lassen, sondern die aufbegehrt haben gegen fanatische Rassenwahnsinnige, deren übersteigertes Selbstwertgefühl vor allem durch die Herabwürdigung sogenannter „rassisch Minderwertiger oder auch Parasiten am deutschen Volkskörper“ gespeist worden ist.
Es ist die Geschichte dreier Brüder, Tuvia, Zus und Asael Bielski, die im Kriegsjahr 1941, im von deutschen Truppen besetzten Weißrussland, gegen den Völkermord aufbegehren, indem sie, zusammen mit unzähligen Menschen aus der Umgebung ihres Heimatortes in die benachbarten Wälder fliehen und sich dort verstecken. Durch ihren Wagemut, ihren ungebrochenen Durchhaltewillen und ihren Mut zum Leben, ist es diesen drei Männern gelungen 1200 Juden vor dem sicheren Tod zu bewahren und somit unzähligen Menschen nachfolgender Generationen, erst ein Leben zu ermöglichen.
Bisher war der Öffentlichkeit nur die Rolle von Menschen bekannt, die aufgrund ihrer hervorgehobenen Position ihrerseits Menschenleben haben retten können, so z.B. der deutsche Industrielle Oskar Schindler, dem im Jahre 1993, Steven Spielberg mit seinem Film, „Schindlers Liste“, ein Denkmal gesetzt hat. Selbst die Rolle des deutschen John Rabe, der in China unzähligen Chinesen das Leben gerettet hat, indem er sie vor den japanischen Besatzern, die gleichzeitig Verbündete des Deutschen Reiches waren, beschützt hat, war bereits vorher bekannt, auch wenn ihm ebenfalls erst in diesem Jahr ein Film gewidmet wurde. Doch kaum Beachtung wurde bisher der Tatsache geschenkt, dass es auch Menschen unter der Gruppe der Opfer gab, die ihrerseits, aus eigener Kraft aufbegehrt haben, beseelt von dem Willen, zu überleben.
Nun endlich hat man sich in Form der Verfilmung UNBEUGSAM, genau jener Opfergruppe zugewandt, die nicht nur ihr Heil im Verstecken gesucht, sondern den Kampf gegen ihre Peiniger als Ausweg gewählt hat.
Der Produzent Edward Zwick, der auch die Regie bei UNBEUGSAM geführt hat, hat zusammen mit Pieter Jan Brugge einen Film gemacht, der eine Hommage nicht nur an diese Menschen geworden ist, sondern der auch ein Plädoyer für den ausgeprägten Lebenswillen in einer scheinbar auswegs- und hoffnungslosen Lage ist.

KURZINHALT
Sommer 1941:
Die deutschen Truppen haben längst ganz Europa mit Krieg und Schrecken überzogen und sind nun auch in die Sowjetunion eingefallen, den bisherigen Zweckverbündeten, der jedoch von Anfang an auf Hitlers Weltmachtagenda gestanden hatte. „Der Lebensraum im Osten“ wird nach und nach erobert und während die vorrückenden Truppen, den sich zurückziehenden Feind bekämpfen, wird bereits im Hinterland mit den brutalen und durch nichts zu rechtfertigenden „Säuberungsaktionen“ begonnen, die das neueroberte Reichsgebiet „arisieren“ sollte. Besonders die jüdische Bevölkerung der besetzten Gebiete ist hiervon betroffen. Es kommt zu Deportationen in Vernichtungslager und zu Massenexekutionen, in derem Zuge, bei der Räumung des jüdischen Ghettos der Stadt Novogrudok, nächste Familienangehörige der drei Brüder Bielski ermordet werden. Die drei Brüder, Tuvia, Zus und Asael fliehen in die nahegelegenen Wälder von Naliboki und schwören Rache.
Nachdem der älteste Bruder Tuvia den örtlichen Polizeichef erschossen hat, ist sein Rachefeldzug nicht mehr zu stoppen und allein der Wille Widerstand zu leisten, so viele Deutsche wie möglich zu töten und dabei zu überleben steht für ihn im Vordergrund seines Daseins.
Er wird zum Anführer jener Gruppe von Männern, Frauen und Kindern, die sich in den Wäldern von Naliboki verstecken und dort im Laufe der Jahre, bis zum Kriegsende, eine Enklave bilden und sich ein Walddorf mit Schule, „Krankenhaus“ etc. aufbauen.
Anfangs noch ein Heißsporn, getrieben von seinem Wunsch nach Rache, beweist er doch recht bald die nötige Besonnenheit sich seiner Verantwortung für die Menschen, die sich in seine Obhut begeben haben, zu stellen und sie sicher durch die Unbilden des Lebens in ständiger Angst zu führen, zieht sich dabei jedoch immer mehr in sich selbst zurück, wird zum Einzelgänger. Sein Bruder Zus hingegen kann seine heißblütige Ader nicht zügeln und je mehr sich sein älterer Bruder auf die Besonnenheit und seine Rolle als Anführer zurückzieht, wächst in Zus der Wille zur Rebellion, der letztlich darin mündet, dass er seine Leute verlässt und sich einer Gruppe Partisanen anschließt, die brutal und ohne Rücksicht auf eigene Verluste die deutschen Besatzer bekämpft und Kollaborateure gnadenlos verfolgt und richtet.
Zunächst scheint man sicher vor den Deutschen zu sein, doch allmählich geraten die Menschen der Waldsiedlung unter Druck und müssen sich immer weiter in die Wälder zurückziehen und immer ausgeklügeltere Methoden der Tarnung entwickeln, um nicht entdeckt zu werden. Doch nachdem man sich in der zweiten Siedlung scheinbar sicher eingerichtet hat, wird diese erneut entdeckt und diesmal gezielt von der Wehrmacht bedroht. Um das Leben seiner „Schutzbefohlenen“ zu retten, begibt sich Tuvia auf eine Rettungsprozession biblischen Ausmaßes, die letztlich in dem Auszug der Israeliten aus Ägypten ihr biblisches Vorbild findet.

ÜBER DIE PRODUKTION (Idee, Buch, Umsetzung)

Das erklärte Ziel des Produzenten und Regisseurs Edward Zwick war es, ein „bewegendes Action-Drama über das komplizierte Wesen von Rache und Erlösung, über die Stärke der Gemeinschaft und den Willen zum Überleben, selbst dann, wenn alle Hoffnung verloren scheint“ zu drehen. Ergebnis seiner Bemühungen ist UNBEUGSAM. Als Vorlage diente ihm das preisgekrönte Sachbuch, „Defiance: The Bielski Partisans“, der polnischstämmigen amerikanischen Soziologie Professorin, Nechama Tec, die sich seit dem Tode des ältesten Bielski Bruders, Tuvia, im Jahre 1987 mit der bemerkenswerten Geschichte der „Bielski-Brüder“ beschäftigt hat. Zwick betraute den Drehbuchautor Clayton Frohman mit der Aufgabe, aus dem unglaublichen Material, welches Tec durch Zeitzeugeninterviews und Gesprächen mit den direkten Nachkommen der Bielski Brüder zusammengetragen hatte, derart aufzubereiten, dass hieraus eine historisch fundierte und dennoch mitreißende Geschichte entstehen sollte, deren Actioncharakter nicht die tragende Bedeutung des Inhaltes überlagern sollte.
Die Authentizität des Films stand für Zwick von Anfang an im Vordergrund. So wurde zwar nicht an Originalschauplätzen gedreht; da dies aus politischen Gründen in Weißrussland nicht infrage kam; doch fand man in den Wäldern nahe der litauischen Stadt Vilnius adäquaten Ersatz, um hier in mühevoller Kleinarbeit das Bielski-Dorf originalgetreu nachzubauen, auf dass hierdurch eine nachfühlbare Atmosphäre entstehen konnte. Um den beteiligten Schauspielern das Einfühlen in die Charaktere und die Besonderheit ihres damaligen Lebens noch mehr zu erleichtern, wurde peinlich darauf geachtet, dass auch die eingesetzte Kleidung keinerlei moderne Protektion gegen die Unbilden der Witterung bot, sondern jeder so frieren konnte, wie es sein historisches Vorbild mehr als sechzig Jahre zuvor wohl getan haben musste.
Doch allein die Wahl des Ortes, der Nachbau des Dorfes und die Auswahl der sich original anfühlenden Kleidung sollte nicht zum Garant einer nachfühlbaren Authenzität und Intensität für den Zuschauer werden, so war Zwick darauf bedacht die Rollen möglichst hochkarätig zu besetzten.

Heraus kam hierbei ein Stab erstklassiger etablierter Schauspieler, zusammen mit vielversprechenden Newcomern.
Daniel Craig, besser bekannt in seiner Rolle als britischer Vorzeigespion, James Bond, übernahm die Rolle des „Übervaters“ Tuvia und bewies nicht nur in seiner Rolle, sondern auch als Schauspielerkollege jene brüderliche Besonnenheit, die sein historisches Vorbild zu dem „Helden“ gemacht hat, die er für die Menschen, denen er das Leben gerettet hat, gewesen sein muss.
Die Rolle des heißblütigen Zus, wird von Liev Schreiber bekleidet, der bereits 1999 eine seiner großen Rollen in dem Film „Jakob der Lügner“ als jüdischer Rebell Mischa hat spielen können und derzeit an der Seite von Hugh Jackman in der Verfilmung X-Mens Origins: Wolverine zu sehen ist.
Der dritte im Bunde ist Jamie Bell, der die Rolle des „Benjamin-Bruders“ Asael Bielski mit jugendlich-unschuldigem Esprit verkörpert.
Alle drei Schauspieler haben im Zuge diverser Interviews unisono betont, dass die Brüderlichkeit der Protagonisten im Laufe der Dreharbeiten zu der eigenen geworden sei. So habe Daniel Craig, ebenso wie sein historischer Gegenpart, Tuvia, sehr stark die dominante Rolle in ihrer Trias übernommen und damit die Zusammenarbeit am Set bereichert, so dass, wie Edward Zwick betont, die Authentizität des Inhalts aufs intensivste an den Zuschauer weitergegeben werden konnte.
Was der Film UNBEUGSAM für sich in Anspruch nimmt zu sein, wirkt jedoch nicht nur durch die Macht seiner Bilder und die Kraft seiner Figuren, sondern auch durch die Allgegenwart seiner Musik.
Zwick betraute den Komponisten James Newton Howard mit der Vertonung seines Filmes und vertraute hierbei vollends auf Howards „schlichte, minimalistische und doch berührende Musikalität“.
Howard versucht sich dem Inhalt und den Kernaussagen des Films mit leisen Tönen zu nähern und legte besonderen Wert darauf, dass die Musik zum Film auch eine Hommage an jene europäischen Künstler werden sollte, die dem Wahnsinn dieses Krieges zum Opfer gefallen sind. Die jüdische Kultur Osteuropas und das Leiden der Menschen dieses Teils der Welt sollten sich in den Violinklängen, die das Herzstück seiner Komposition geworden sind, widerspiegeln. Howards persönliche Bindung an die jüdische Kultur und musische Tradition; sein Vater war Jude; flossen bei seiner Arbeit hier vollständig ein und sollten unverkennbar durchscheinen.
Das Zusammenwirken dieser künstlerischen Gestaltungsmittel soll nach dem Bekunden des Produzenten und Regisseurs dazu dienen, die Menschen für die Thematik des Films zu sensibilisieren, aber vor allem liegt Zwick sehr daran den Bielski-Brüdern und jenen Menschen, die sie gerettet haben, ein beständiges Denkmal zu setzen und somit die zeitlose moralische Wertigkeit ihres Handelns zu würdigen.

Bleibt abzuwarten, ob den Machern von UNBEUGSAM gelungen ist, was sie sich als Maxime vorgenommen haben.

Genre: Action, Drama, Thriller
Spielzeit: 137 Minuten
Land: USA
Drehort: Litauen
Produktionsfirma: Bedford Falls Company

BESETZUNG

Tuvia Bielski

Daniel Craig

Zus Bielski

Liev Schreiber

Asael Bielski

Jamie Bell

Lilka Ticktin

Alex Davalos

Shimon Harertz

Allan Corduner

Isaac Malbin

Mark Feuerstein

Ben Zion Gulkowitz

Tomas Arana

Tamara Skidelksy

Jodih May

Riva Reich

Kate Fahy

Yitzhak Shulman

Iddo Goldberg

uvm.

STAB

Regie: Edward Zwick
Drehbuch: Clayton Frohman und Edward Zwick
nach dem Buch „Defiance: The Bielski Partisans“ von Nechama Tec
Produzenten: Edward Zwick und Pieter Jan Brugge
Ausführender Produzent: Marshall Herskovitz
Kamera: Edouardo Serra
Szenenbild: Dan Weil
Ton: Lon Bender
Schnitt: Steven Rosenblum
Kostüme: Jenny Beavan
Musik: James Newton Howard
Co-Produzenten: Clayton Frohman und Roland Tec

QUELLE:
Als Textgrundlage für vorstehenden Artikel diente das Pressheft von Constantin Film, auch die eingefügten Grafiken sind dem Pressematerial von Constantin Film entnommen, mit freundlicher Genehmigung von Constantin Film.

von Florian Kayser

 

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