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Filmwelten

»Der Seelenspiegel« im neuen Gewand

Was haben Seelenspiegel und Geisterspiegel gemeinsam? Zum einen ist es die Wortsilbe spiegel. Zum anderen beschäftigen sich beide Projekte mehr oder weniger mit der Thematik Stummfilm.
Seit der Premiere des Films »Der Seelenspiegel« am 12. September 1998 im Göttinger Sterntheater, an der 260 Zuschauer teilnahmen, ist viel Zeit vergangen. Viel Zeit, in der sich Produzent Sven Schreivogel nicht zurückzog, sondern sich anderen Projekten widmete. Nun wurde der Film, welcher als Hommage an den Stummfilm zu verstehen ist, aus dem Archiv hervorgeholt, wird digitalisiert und aufgearbeitet. Als neuen Sprecher konnte Sven Schreivogel Wolf Frass, welcher unter anderem bei »Dr. Mabuse« und »Gordon Black« zu hören ist, verpflichten. Die Neufassung von »Der Seelenspiegel« wird im 4. Quartal 2011 als DVD inklusive Bonusmaterial erscheinen sowie eine Release-Party im Capitol Witzenhausen mit Mitwirkenden organisiert, teilte uns Sven Schreivogel mit. An diesem Abend, dessen genauer Termin noch nicht feststeht, wird die Neufassung auf der Kinoleinwand zu sehen sein.

Eine kleine Rückblende zur Produktion

Für das Jahr 1996 stand das Projekt »Der Seelenspiegel« in der Agenda des damals 23-jährigen Sven Schreivogel. Fasziniert von »Natürlich die Autofahrer« mit Heinz Erhardt reifte in ihm der Entschluss, ein Hauch von Hollywood und die große weite Welt vor die Haustür seiner Heimat zu holen. Mit der Arbeit vor und hinter der Kamera will ich meine Brötchen verdienen, aber auch meine Geschichten erzählen, so Sven Schreivogel im Jahr 1995.
Mit einem Eigenkapital von rund 20.00 DM machte sich der Produzent an die Arbeit, mit dem Gedanken im Kopf, dass diese Summe bei Weitem nicht ausreichen würde. Hilfe und Unterstützung fand er unter anderem bei Freunden und Verwandten, bei der Filmwerkstatt Göttingen, einer privaten Filmschule in Berlin und einer Kasseler Filminitiative. Auch die Akteure vor der Kamera stellten ihre Gagenforderungen zurück, indem sie so lange warteten, bis der Film Gewinn abwarf. Vom Kulturamt bis zur Bäckerei sponsorten Institutionen und Firmen die Low-Budget-Produktion. Das Studio Babelsberg übernahm die komplette Ausstattung für die Schauspieler und stellte 85 Biedermeier-Kostüme zur Verfügung.

Einige Orte, an denen gedreht wurde

Produzent Sven Schreivogel suchte für seinen Film passende Drehorte in Nordhessen, Südniedersachsen und Westthüringen.

  • Divi Blasii Kirche in Mühlhausen/Thüringen
    Die Hauptkirche der Unterstadt wurde im 13. / 14. Jahrhundert vom Deutschen Orden als erste große gotische Kirche Mitteldeutschlands erbaut. Stilelemente französischer Kathedralen verweisen auf ihren Charakter als Bischofskirche Kristans von Samland, ihres Bauherrn. Hier wirkte Johann Sebastian Bach 1707/1708 als Organist. Dem Orgelneubau von 1959 wurde Bachs Orgeldisposition zugrunde gelegt.
  • Schloss Berlepsch
    Die Schlossanlage Berlepsch geht auf eine Gründung Arnolds von Berlepsch in den Jahren 1368/69 zurück. Die mittelalterliche Burganlage wurde im Verlauf des 16. Jahrhunderts mehrfach erweitert und nach Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg wiederaufgebaut. Heute prägt besonders der Umbau der 1880er/90er Jahre durch den bedeutenden historistischen Architekten Gustav Schönermark das Erscheinungsbild. Dem Besucher präsentiert sich schon aus der Ferne die markante Silhouette, der malerisch auf einem Bergsporn am Rande des Werratals gelegenen Schlossanlage. Bei der Umgestaltung im ausgehenden 19. Jahrhundert wurden große Teile des Renaissanceschlosses integriert und mit Treppengiebeln, Zinnen und Fachwerkaufbauten geschickt kombiniert. Damit wurde im Gegensatz zu den zeitgenössischen Schlossneubauten an die Tradition von Familie und Standort angeknüpft. Diese Besonderheiten machen Schloss Berlepsch zu einem hochrangigen Kultur-, Geschichts- und Kunstdenkmal.
  • Burgruine Rusteberg
    Die Burgruine Rusteberg liegt in der Nähe von Rustenfelde und Arenshausen. Im Mittelalter war die Rusteburg die bedeutendste der mainzischen Burgen im Eichsfeld. Bereits im 5 - 1. Jahrhundert v. Chr. wurde die Bergkuppe als befestigte Anlage genutzt. Im 9. Jahrhundert kam sie schon vermutlich in Besitz der Mainzer Erzbischöfe. Erwähnung findet die Burg im Jahr 1123, als Sitz des mainzischen Viztums. 1164 läßt Kaiser Barbarossa die Rusteberg durch den Landgrafen Ludwig von Thüringen zerstören, um sich an seinen Gegner dem Erzbischof Konrad von Mainz zu rächen. Sie wurde jedoch gleich wieder aufgebaut und blieb weiter auch die Residenz der kurfürstlichen Vicedomini. Die Funktion, des weltlichen Vertreters des Erzbischofs hatte die Familie von Hanstein von Mitte des 12. Jahrhunderts bis 1327 inne. Danach wurde die Anlage zu einer bedeutenden hochmittelalterlichen Vasallenburg ausgebaut, die das Eichsfeld vom Leinetal her überwachen und schützen sollte.
    »Für die Szenen mit dem Mönch mussten wir eine ganze Nacht auf dem Rusteberg verbringen«, berichtete Sven. »Dort gibt’s nämlich eine Kapellenruine, die ich bereits während des Drehbuch-Schreibens im Kopf hatte. Die Region hat einfach tolle Schauplätze zu bieten ...«
  • Rittergut Besenhausen
    Das Rittergut Besenhausen in der Gemeinde Friedland besteht aus einer um 1690 erbauten Wohnanlage und weiteren Wohn- und Wirtschaftsgebäuden sowie einem ca. 180 ha großen land- und forstwirtschaftlichen Betrieb. Es ist seit 700 Jahren in Familienbesitz.
  • Forsthaus Berge
    Der Ortsteil Berge der Gemeinde Neu-Eichnberg wird im 12. Jahrhundert erstmals schriftlich erwähnt. Von 1246 bis 1623 benennt sich eine adelige, im zu bearbeitenden Gebiet begüterte Familie nach dem Ort. Lehnsträger sind während des 15. Jahrhunderts die erwähnten Herren von Berge und die Familie von Bischoffshausen. Lehnsherren sind die Herren von Plesse und die Herzöge von Braunschweig. Die Familie von Bischoffshausen bestimmte von dieser Zeit an die Geschicke des Dorfes bis in das 19. Jahrhundert hinein.

Für den Harz diente das Bremker Tal als Filmlandschaft.

Kurzinhalt

Der junge Zimmermannsgeselle Edwin ist auf der Suche nach Arbeit. In einer alten Klosterruine trifft den Teufel in Gestalt eines Mönchs, der ihm Glück und Wohlstand verspricht. Der Leibhaftige schenkt Edwin einen Spiegel, der jeweils dessen sehnlichsten Wunsch zeigt und in Erfüllung gehen lässt. Der Haken daran ist, dass für jeden Wunsch Edwins ein anderer Mensch stirbt, was diesen allerdings nicht daran hindert, das Geschenk anzunehmen.
Die Laufbahn des zunächst armen Gesellen geht steil nach oben: Er findet Arbeit beim Zimmermann der Stadt, steigt vom Ehemann der Meistertochter zum Geliebten einer Adligen empor, erwirbt Reichtum und genießt in höheren Kreisen einen tadellosen Ruf. Durch den Spiegel wird jedwedes Begehr des inzwischen Unersättlichen Wahrheit. Und immer bezahlt ein Unschuldiger mit dem Leben. Doch schon bald wendet sich das Blatt.

Besetzung

Edwin: Christian Kemmling
Johanna: Susanne Blatt
Komtessa Amalie: Caroline Rapp
Mönch: Mario Grete
Johannas Vater: Klaus Berg
Johannas Mutter: Isolde Polzin
Gustav: Selim Dursun
Erster Geselle: Peter Badge
Zweiter Geselle: Saro Pepe
Luc-Pascal de Jeneaux: Gilles Tschudi
Bauernmädchen: Miriam Gerth
Bruder des Bauernmädchens: Maik Stephan Behrendt
Vater des Bauernmädchens: Dieter Dost
Edwins Vater: Winfried Kratz
Edwins Mutter: Brigitte Harting
Johannas Vormund: Agnes Giese
Standesbeamter: Henning Schimke
Pfarrer: Eugen Fink

 

Produktionsdaten

Buch, Regie und Produzent: Sven Schreivogel
Produktionsleiter: Robert Gücker
Bild- und Lichtberatung: Kurt Bobeck
Off-Text: Heinz Hans
Musik: Kai Roland Burgsmüller
Schnitt: Abbes Yousefpour
Deutschlandpremiere: 12. September 1998, Sterntheater Göttingen
Länge: ca. 70 Minuten

Eine kleine Auswahl von Bildern aus dem Film

 

Quellen:

Copyright © 2010 by Wolfgang Brandt

 

© by 2010
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