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Filmwelten


Gedanken zum neuen Bond-Film »Ein Quantum Trost«

Jeder kennt mittlerweile den Slogan oder die kurze Vorstellung des Super-Agenten: Mein Name ist Bond, James Bond.
Viel Neues gibt es im neuen Streifen. Wer auf vergangene »Rituale« wie das Ausstaffieren mit neuester Technik und manch anderem Schnickschnack oder auf sonstige Dinge der letzten Jahre wartet, wartet wirklich vergebens: keine Visitenkarte und technische Raffinessen, die in irgendwelchen Dingen des täglichen Bedarfs versteckt sind. Regisseur Mark Foster verzichtet darauf. Dass es noch den Titelsong, dargeboten von Jack White und Alicia Keys, als Vorspann gibt, ist wahrlich nur ein »Quäntchen Trost« für den geneigten Kinobesucher.

Schaut man sich den neuen James Band genau an, gibt der Schauspieler Daniel Craig ein gute Figur als Geheimagent ab. Erinnert er mich doch ein wenig an das frühere KGB-Mitglied W. Putin.
In »Ein Quantum Trost« ist der Superagent nicht im Dienste Ihrer Majestät unterwegs. Sein Gegenpart ist diesmal ist ein falscher Öko-Unternehmer, der sich elementare Ressourcen aneignet, gespielt von Mathieu Amalric.
Seine alte Identität hat James sicherlich im Büro von Miss Moneypenny an den Garderobenhaken gehängt. Miss Moneypenny wird garantiert gut darauf aufpassen. Vielleicht wird diese alte »Bond-Identity« ja noch mal für andere Streifen benötigt.
Ganz selten geschieht etwas in alt bekannter Manier, kaum etwas Lässiges oder Bravouröses. Doch etwas ist geblieben, seien es Stunt-Szenen am Gardasee, auf der Marmorbrücke von Carara oder während der Bregenzer Opernfestspiele. Aber da gibt es nicht von einem leichten Handschlag gegen einen Motorradfahrer zu sehen. Auch ist Sex mit dem neuen Bondgirl, gespielt von Olga Kurylenko, kein Thema mehr im neuen Bond-Streifen. Camille konzentriert sich viel mehr auf ihren Rachefeldzug. Da fehlt die Zeit und auch die Lust, um mit Bond rumzumachen.

In »Ein Quantum Trost« geht es um einen Helden, dem das ganze Drumherum, das er selbst entfacht, nichts bedeutet und am Rücken vorbei geht. Mit dem Verlust seiner Geliebten verlor er auch eine seiner Eigenarten: seinen Narzissmus. Und wenn das Thema Liebe fehlt, ist es nicht der Bond, den wir alle kennen. Vesper Lynd spürte man in der Vergangenheit in jeder Szene, in »Ein Quantum Trost« geht etwas den Bach runter: Abenteuerlust, Sinnlichkeit, Charme. Dem trauere ich schon ein wenig nach und denke sofort an Bill Whiters »Ain’t no Sunshine when you’re gone«.
Doch ist es nicht legitim, dass auch ein James Bond mit Trauer um seine Geliebte behaftet sein kann. Ist er nicht derjenige, der über allen Dingen steht? Auch in einem knallharten Typen steckt ein »Quäntchen« eines weichen Kerns. So spielt halt das Leben.
Und gerade diesem Aspekt hat sich Regisseur Mark Forster angenommen: die Darstellung von unverarbeiteter Trauer. Ein gewagtes Unterfangen. Nichts Ruhmhaftes mehr. Und die britische Regierung weigert sich aus ökonomischen Interessen, einen skrupellosen Monopolisten zu bekämpfen. Kein Wunder, dass James Bond seinem Job im Dienste Ihrer Majestät erst einmal nicht mehr nachgeht.

Doch ein wenig Trost findet man in den vielen Action-Szenen. In der relativen kurzen Laufzeit von nur 105 Minuten wird der Zuschauer von Szene zu Szene gehetzt. Dialoge zwischen den Protagonisten finden kaum statt. Daher ist »Ein Quantum Trost« auch nur ein Action-Film wie jeder andere. Es fehlt eben die wahre »BOND IDENTITY«. Auf die passt Miss Moneypenny auf.

© Wolfgang Brandt

Ein weiterer Beitrag zu dem Thema: SIEHE HIER

 

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