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ANIME – Teil 1

“Anime” ist eine Abkürzung der englischen Begriffe animation und Animated Motion Picture und bezeichnet ausserhalb von Japan, speziell in den westlichen Ländern, in Japan produzierte Zeichentrickfilme charakteristischer Machart. Im Land der aufgehenden Sonne selbst steht Anime für alle Arten von Zeichentrickfilmen, für die im eigenen Land produzierten genauso wie für importierte.

Geschichtliche Entwicklung der Anime

1910er und 1920er Jahre

Es war im Jahre 1913, als japanische Hobbyfilmer mit der Produktion von Animationsfilmen experimentierten. Dabei orientierten sie sich an den ersten amerikanischen Trickfilmen.
1917 entstanden die ersten japanischen Trickfilme mit einer zwei- bis fünfminütigen Laufzeit. Sie waren schwarz-weiß und ohne Ton. Es gab keine bewegten Hintergründe; lediglich die Figuren waren animiert. Beispiele dafür sind:

- Imokawa Mukuzo Genkanban no Maki (Mukuzo Imokawa der
Portier) Kreidezeichnungen auf Tafeln von Oten Shimokawa

- Hanahekonai’s (New Sword) von Jun’ichi Kouchi

- Saru Kani Kassen (Die Krabbe rächt sich am Affen),
Tintenzeichnungen auf Papier von Seitaro Kitayama
Erstaufführung am 20. Mai 1917

- Momotaro (Pfirsichjunge) von Seitaro Kitayama aus dem Jahre 1918
erster außerhalb von Japan aufgeführter japanischer Trickfilm


Die meisten Trickfilme der 1920er Jahre schilderten klassische asiatische Märchen und waren in traditioneller japanischer Art gezeichnet. Vereinzelt traten Adaptationen westlicher Cartoons (Fritz the Cat, US-Serie) auf. Der vermutlich älteste heute noch existierende Trickfilm japanischer Herkunft dürfte Obasuteyama (Der Berg, an dem alte Frauen zurückgelassen werden) von Sanae Yamamoto aus dem Jahre 1924 sein.


Obasuteyama

30er bis 50er Jahre


Momotaro no Umiwashi

Während der faschistischen Diktatur in Japan durften wie in Deutschland die Animationskünstler ihrer Kreativität keinen freien Lauf lassen. Zensur und der Zwang, das Genre für Propagandazwecke zu nutzen, standen auf der Tagesordnung. So wurde Mitsuyo Seo 1943 vom japanischen Militär beauftragt, einen Film zu schaffen, in welchem die japanische Kriegsflotte glorifiziert werden sollte. Es entstand der 74-minütige schwarz-weiße Animationsfilm Momotaro no Umiwashi (Momotaro’s göttlicher Seekrieger). Dieser Film handelt von einer Schiffsflotte, deren Besatzung aus unterschiedlichen Tiercharakteren besteht und die ständig in Seeschlachten mit den Amerikanern verwickelt wird.

Ständiger Zeitdruck machte es den japanischen Animatoren schier unmöglich, ihre Techniken zu vervollkommnen. Auch nach dem Krieg gab es keinen Aufschwung für die Animationsindustrie. Alle Kinos waren durch die Kriegswirren zerstört. Erst in den 50er Jahren gelang es, die Animations- und Filmindustrie anzukurbeln. Die ersten Kinos wurden neu errichtet und eröffnet.
Der erste abendfüllende farbige Anime-Kinofilm aus dem Jahre 1958 von Studio Toei war Hakujaden. 1961 lief dieser Film unter dem Titel Panda and the Magic Serpent in den US-Kinos.

 

60er Jahre

Anfang der 60er Jahre machte der Cartoon- und Mangazeichner Osamu Tezuka auf sich aufmerksam. Noch heute ist er als Revolutionär der japanischen Anime- und Comicwelt jedem Fan dieser Genres bekannt.
1962 gründete Tezuka das Studio Mushi, 1963 schaffte er mit seiner ersten TV-Serie Tetsuwan Atom (Astro Boy), dessen Story auf seinem gleichnamigen Manga beruhte, den entscheidenden Durchbruch. 1965 veröffentlichte Osamu Tezuka die erste farbige TV-Serie Jungle Taitei (Kimba, der weiße Löwe). Für Furore sorgte aber 1967 die Serie Speed Racer außerhalb von Tezukas Schaffen. Es schien, dass der Anime damit seine Eigenständigkeit gefunden zu haben, vermochte aber sich noch nicht zu festigen.

70er und 80er Jahre

Wegen negativer okzidentsalischer Resonanz zu Spees Rarer entschieden sich die Anima-Macher zunächst für “nicht japanische” Szenarien. Produktionen des World Masterpiece Theatre wie Heidi, Anne mit den roten Haaren und Lucy in Australien sind die bekanntesten Anime in dieser Entwicklungsphase. Dazu gehören auch die Koproduktionen mit ARD und ZDF Biene Maja, Alfred J. Kwak sowie Wickie und die starken Männer. Als Vorlage dazu dienten meist westeuropäische Kinderbücher. Die Anime waren “actionarm”, frei von Special Effekts und brutalen Szenen. Vor Allem fügten sie sich in den abendländischen Kulturkreis problemlos ein.

Gleichzeitig entwickelte sich entgegen aller abendländischen Gepflogenheiten eine ganz neue Richtung, die SF-Anime. Beispiele dafür sind:

- Battleship Yamato (Raumschlachtschiff Yamato), 1974

- Uchu Kaizoku Captain Harlock (Die Abenteuer des fantastischen Weltraumpiraten Captain Harlock), 1978

- Shin Taketori Monogatari Sen-nen Joo (Die Königin der Tausend Jahre), 1982

Für diese Generation von Anime ist wohl die Schaffung des Gundam-Universums der bedeutenste Anime. Seit 1979 wurden dazu zehn verschiedene SF-Animeserien, zwei Filme und eine Parodie entwickelt. Nach Perry Rhodan und noch vor Star Trek gilt das Gundam-Universum unter den Freaks als der umfangreichste SF-Kosmos.

Ebenfalls zum Genre SF-Anime gehören

- Captain Future, 1978

- Sei Jushi Bismarck (Sternenmusketier Bismarck), 1984

1989 war das Todesjahr von Osamu Tezuka. Er starb einige Wochen nach dem japanischen Kaiser Hirohito. Erstaunlicherweise löste der Tod Tezukas eine genauso große Trauer aus wie beim japanischen Kaiser.

90er Jahre

Der Anime löste sich entgültig von den abendländischen Normen.
Die Veröffentlichung Naoko Takeuchis Magical Girl-Anime Sailor Moon schreckte den Okzident Anfang der 90er Jahre nachhaltig auf. Große Schlachten und Comedy gehen in Sailor Moon wie selbstverständlich einher mit Shintoismus und Mythologie.
Weitere Vertreter dieser Generation von Anime sind

- Wedding Peach, DoReMi, Ranma ½

- Dr. Slump, Golden Boy, One Piece, G Gundam

- Pokemon, Digimon, Dragonball

Rein kommerziell betrachtet ist bis heute die Anime-Generation der 90er Jahre die erfolgreichste. Ausdruck dafür ist die Tatsache, dass in diesem Jahrzehnt ein Großteil der bisher erschienenen Animes produziert wurde und die Fangemeinde auf der ganzen Welt sich explosionsartig vermehrte. Um der gestiegenen Nachfrage an Anime nachzukommen, wurde immer öfter bei der Produktion von Anime auf die Hilfe von Computern zurückgegriffen. Dabei gab es aber auch oft Probleme. Ein Beispiel dafür ist Blue Submarine No. 6. Durch übermäßigen Einsatz von Computeranimationen wurde ein Anime geschafffen, der technisch nicht überzeugen konnte. Doch durch seine Story konnte der Anime einen gewissen Erfolg verbuchen.

2000er Jahre

Pünktlich zur Jahrtausendwende hat der Anime seine Reife erlangt. Komplexe Themen werden in konfliktreiche Handlungsstränge verflochten. Die Tragik der Charaktere spiegelt die Tragik des menschlichen Seins zum Teil erbarmungslos wider. Mit Special Effects wird nicht gegeizt, es gibt keine Scheu vor Brutalität bis hin zur Perversion. Vertreter dieser Art von Anime sind

- Hellsing, Cowboy Bepop, Noir, X, Detektiv Conan

- Neon Genisis Evangelion

Abendfüllende Kinofilme, durchdrungen von japanischer Kultur, laufen Disney und den Hanna-Barbera-Studios den Rang ab. Chihiros Reise ins Zauberland von Studio Ghibli wurde der meistausgezeichnete Animationsfilm aller Zeiten noch vor Disneys König der Löwen.
Der japanische Anime hat sich mittlerweile auch im Abendland durchgesetzt.

ER IST ERWACHSEN GEWORDEN!

Bildquellen:
http://www.animeish.com/
www.animelands.com

Textquellen:
Das große Comic-Lexikon, Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf
www.aniki.info

 

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