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Bilderwelten

Ein Ausflug in die Welt der Manga

Geschichtliches, Besonderheiten, Faszinationen

von Wolfgang Brandt

Nun hat auch mich das Phänomen Manga erreicht. Bei jeder Buchmesse in Frankfurt und Leipzig habe ich oft einen Bogen um diese Stände gemacht; viel Trubel, Hektik und Enge.

Mit diesem Artikel möchte ich einen kleinen Einblick in die Welt der Manga geben.

Was sind Manga? Wo kommen sie her? Seit wann gibt es sie? Was unterscheidet Manga von Comics? Welche Spielarten gibt es? Fragen über Fragen, die ich kurz beantworten möchte.

Begriffsbestimmung

Manga setzt sich aus den Kanji Man = komisch, witzig, spontan und GA = gezeichnetes und gedrucktes Bild zusammen. Es ist in seiner Bedeutung mit dem Begriff Comic verwandt. In Japan sind alle Comics, egal aus welchem Land sie stammen, Manga. Sehr praktisch. Mit Manga meinen wir in unseren Breiten ausschließlich Comics japanischer Herkunft.

Der Begriff Manga wurde 1814 von Katsushika Hokusai, ein Holzschnittkünstler, erstmals erwähnt, geriet in Vergessenheit und wurde durch den Zeichner Kitazawa Rakuten 1899 wieder verwandt, als er unter dem Titel „Manga“ eine Sammlung seiner Karikaturen herausgab. Seitdem ist der Begriff Manga Bestandteil der Alltagssprache in Japan.

Geschichtliches

Tempel in Nara
Tempel in Nara
7. Jahrhundert

Bauarbeiter und Schreiber ritzen aus Langeweile Karikaturen in die Decken und Wände von Tempeln in Nara, einstige Hauptstadt von Japan. Die Karikaturen haben Ähnlichkeiten mit der typischen Linientechnik der japanischen Mangas.
Chojugiga
Chojugiga

12. Jahrhundert

Erste Papierrollen des Bischofs Toba, Chojugiga genannt, tauchen auf. Sie stellen ganze Landschaften dar und sind bis zu 30 Meter lang. Meist sind es Unikate und dienen ausschließlich der Unterhaltung des Klerus.

Ukiyo-e von Utamaro
Ukiyo-e von Utamaro

Edo-Periode (1603 – 1869)

„ukiyo-e“ (Bilder der schwimmenden Welt) und „shunga“ (Frühlingsbilder) werden in Massenproduktion hergestellt. Viele Farben und kräftige Linien bestimmen die Zeichnungen. Meist beinhalten sie Alltagsszenen, Sehenswürdigkeiten, historische Geschichten und Anekdoten. In Europa entdeckt man sie in Teelieferungen.

19. Jahrhundert

Amerikanischer und europäischer Zeichenstil brechen in die bis dahin weitgehend abgeschirmte japanische Kultur ein. Hervorzuheben sind dabei der Brite Charles Wigman und der Franzose George Bigot. Von ihnen übernehmen die Japaner die Sprechblasen und den Comic-Strip. Gezeichnet wird zum größten Teil mit dem Bleistift. Kupferplatten- und Setzdruck werden von den Europäern übernommen.

20. Jahrhundert

Kitazawa Rakuten und Okamoto Ippei zeichnen als erste im amerikanischen Stil. Sie nennen sich beide mangashi (Meister, Lehrer).
Schnell erkennen die Zeitungsverleger, wie erfolgreich die Comicstrips sind und stellen zunehmend Zeichner ein. Es entwickelt sich eine eigenständige japanische Comicstrip-Kultur.
1947 erschien das erste rein japanische Comic-Magazin, „Manga Shonen“, welches noch heute als Urvater der facettenreichen Comickultur in Japan ist.

Eine kleine Einteilung der Manga

Shojo: bedeutet in der japanischen Sprache „Mädchen“
Shojo-Manga richten sich an das jünge weibliche Publikum
Hauptsächliche Themen sind Magical Girls, Boys Love, Humor, Romantik, Liebe
Beispiele: Sailor Moon, Love Hina, Oh! My Goddess, Time Stranger Kyoko

Shonen: hat im Japanischen die Bedeutung “Junge”
Shonen-Manga mit ihren aktionsreichen Abenteuergeschichten, Kampf- und Sportszenen werden speziell von hernwachsenden jungen Männern gelesen.
Beispiele: Dragon Ball, Conan, 3x3 Augen, Zeroin

Seinen: bedeutet „junger Mann“. Das Sei-nen-Genre wendet sich an den erwachsenen männlicher Leser.
Beispiele: Say Hello to Black Jack, Monster, Eagle

Josei: japanisch “Frau”. Josei-Manga sind speziell auf erwachsene Frauen zugeschnitten.
Beispiele: Gokusen, Babysitter Gin, You are a Father

Hentai: bedeutet “pervers, abnorm”. Hentai-Manga spetialisieren sich auf erotische bis pornographische Darstellungen.
Beispiele: Chrirality, Golden Boy, Vampire Master

Typische Abgrenzung vom Comic

  • Mangas sind „rückwärts“ von rechts nach links zu lesen
  • Mangas sind meistens in Schwarzweiß gezeichnet.
  • Sie können bis zu mehreren tausend Seiten lang sein.
  • Mangaka (Zeichner) nutzen eine sehr einfache Bildsprache.
  • Manga kann der Leser sehr dynamisch lesen.
  • Manga sind sehr preiswert und besitzen ein breites Themenspektrum.
  • Manga sind für alle Altersgruppen geeignet.
  • Manga gehören in Japan zur Alltagslektüre.

 

 

Und am Ende des Ausfluges in die Welt der Manga eine kleine Episode:

Jährlich wird in Japan mehr Papier für Manga verbraucht als für Toilettenpapier!

Quellen:
www.manga-geschichte.de
www.comicradioshow.com
www.wikipedia.org

 

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