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Bilderwelten

Comic – Legenden

Teil 5

Die glorreichen Sieben

Anfang der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts begann für den Comicleser hierzulande eine düstere Zeit. Es kam das große Heftsterben, das selbst vor den damaligen Größen des Westerngenres nicht haltmachte.
Sogar ehemalige Institutionen bei Bastei wie Bessy, Lasso oder Silberpfeil mit Auflagen, die einst im Bereich von 150 000 bis 200 000 Heften pro Woche angesiedelt waren, zählten zu den Opfern. Neue Projekte in dieser Richtung wie Schwarzer Wolf oder Flammender Speer wurden rasch wieder eingestellt und nicht nur dem Westernfan drohten gar magere Jahre.
Aber was war geschehen?
Die Erklärung ist ziemlich einfach.
In den späten Fünfziger bis Ende der Sechziger waren amerikanische Fernsehwesternserien die Zugnummer im deutschen TV. Das führte dazu, dass die Verlage nach und nach unzählige Publikationen in Schrift und Bild auf dem Markt warfen. Die Geschichten waren alle einfach, besaßen ein klares Gut-Böse-Schema und waren, was Text und Bilder betraf, komplett auf die damalige Jugend und ihre Idole aus dem Fernsehen zugeschnitten. Lone Ranger und Bonanza lassen grüßen. Aber die Zeiten ändern sich bekanntlich und damit auch der Geschmack des Publikums.
Der Markt begann zu bröckeln.
Es war der Beginn des Privatfernsehens und das Aufkommen der ersten Videorecorder. Dadurch änderte sich innerhalb kürzester Zeit das Konsumverhalten der relevanten Zielgruppe drastisch.
Plötzlich gab es die bunten Bilder in Massen, ob gezeichnet oder real, die bewegten Bilder waren jetzt immer allseits präsent.
Genau das war der Knackpunkt.
Die Verantwortlichen dieser bunten Heftchen hatten, um es auf den Punkt zu bringen, einfach die Zeichen der Zeit verschlafen.
Statt auf neue Ideen und Qualität zu setzen, brachte man weiterhin dünne Storys mit noch dünneren Zeichnungen auf den Markt.
Logische Schlussfolgerung war ein Desinteresse der angestrebten Käuferschicht und die darauf folgende Einstellung fast aller Serien. Das es auch anders ging, bewiesen Produkte wie Zack aus dem Koralle -Verlag, Primo aus dem Kaukakosmos oder Magazine wie Schwermetall und die Sprechblase.
Dort erschienen Storys, die auch den erwachsenen Leser ansprachen.
Auch wenn dieses oder jenes Heft heute nicht mehr erscheint, so war man mit anspruchsvollen Storys, bewegenden Bildern und genialen Zeichnern auf dem richtigen Weg. Serien entstanden, die auch heute noch Legenden sind. Dennoch war es zu spät. Erst heutzutage entwickelt sich die Comicszene wieder zum Positiven hin. Das Genre ist sozusagen den Kinderschuhen entwachsen und präsentiert sich einer ständig wachsenden Leserschaft mit anspruchsvollen Geschichten. Dabei werden auch wieder Serien neu aufgelegt, die inzwischen Legenden sind. An einige von ihnen möchten wir in diesem Beitrag erinnern, eben jene besagte glorreichen Sieben.
Leider werden wir dabei wie immer - Ausnahme ist die Serie Hombre - nur fündig, wenn wir die Grenzen unseres Landes verlassen. Belgien und Frankreich sind uns in dieser Richtung um Lichtjahre voraus.
Wer genau nun die Bezeichnung Bester Westerncomic aller Zeiten verdient, sei dahingestellt. Jedenfalls gehören die nun im Folgenden vorgestellten Serien eindeutig zum absoluten Favoritenkreis.

Beginnen wir mit dem von Giraud und Charlier entwickelten Werk um Lieutenant Blueberry, das hierzulande zum ersten Mal 1973 mit dem Album »Der Mann mit dem Silberstern« erschienen ist. Diese bereits von verschiedenen Verlagen produzierte Serie ist nicht nur ein geradezu enzyklopädisches Gesamtwerk über die Geschichte des Wilden Westens im Besondern und einem Protagonisten mit Ecken und Kanten im Einzelnen, sondern schildert auch einen allumfassenden Serienkosmos, der im Westerngenre seines gleichen sucht.
Angefangen von der Jugend jenes besagten Offiziers über den Bürgerkrieg hinweg, den Eisenbahnbau bis hin zu den Schilderungen über die letzten Tage der Indianerkriege bekommt der Leser hier so ziemlich alles geboten, was eine gute Westernserie ausmacht. Das Ganze ist übrigens auch noch historisch belegt und daher logisch nachvollziehbar.
Ein Ende ist selbst nach beinahe vier Jahrzehnten Blueberry immer noch nicht absehbar und das ist auch gut so.

Der nächste Kandidat für die absolute Westernserie im Allgemeinen ist Comanche. Diese 1969 von Gregg (Text) und Hermann (Zeichnung) konzipierte und für das Comicmagazin Tintin entwickelte Serie ist heute noch Kult. Erst dieser Tage erscheint im Splitter Verlag eine hochwertige Neuauflage mit noch nie veröffentlichtem Bildmaterial und Infos zu der Serie.
Die weiteren Plätze im Ranking um die beste Westernserie aller Zeiten teilen sich zwei spanisch sprechende Künstler, die hierzulande leider beinahe in Vergessenheit geraten sind. Die Rede ist hier von Antonio Hernandez Palacios und Arturo Del Castillo. Der Erstgenannte, ein stolzer Spanier, hat nicht nur 1974 den Yellow Kid Award, sprich den Comicoscar erhalten, sondern sich auch mit Serien wie El Cid, Manos Kelly und Alexis Mac Coy einen Namen gemacht. Wobei die beiden Letztgenannten, bei Primo oder Ehapas Reihe der großen Edelwestern heute gesuchte Sammlerobjekte sind. Kein Wunder, denn wer einmal eines dieser Hefte in den Händen gehalten hat, ist auch heute noch von der Bildgewalt seiner Zeichnungen beeindruckt.
Ganz anders hingegen Castillo. Seine in dieser Hinsicht geradezu spartanische Zeichenweise ist trotz der wenigen, nur angedeuteten Konturen geradezu genial. Mit sparsamen Tuschestrichen und ausgefeilter Storyline zählen seine Abenteuer um Sheriff John Kendall noch heute zu den Klassikern im Bereich des Westerncomics. Er gewann übrigens im Jahre 1980 den Comicoscar.
Wiederum eine ganz andere Richtung ging man bei Jonathan Cartland. Diese von L. Harle und M. Blanc-Dumont entwickelte Serie zählt heute noch zu den am schönsten gezeichneten Western aller Zeiten. Das Besondere dabei ist die Verarbeitung der indianischen Mythologie in den Geschichten. Nirgendwo sonst wird so intensiv auf den Glauben der Ureinwohner Amerikas eingegangen.

Was noch im Kreis der glorreichen Sieben übrig bleibt, sind zwei Serien aus der Neuzeit, sprich den letzten beiden Jahrzehnten. Unangefochten die interessanteste ist dabei eine Reihe aus der Feder des Zeichners Yves Swolfs. Dessen Werk Durango bietet dem Leser knallharten Italowestern, mit Anleihen von Spiel mir das Lied vom Tod und Django und Protagonisten, die aussehen wie Klaus Kinski und Clint Eastwood.
Schließlich wäre da noch Jonah Hex. Diesem in den USA überaus erfolgreichen Westerncomic ist es im Gegensatz zu all den anderen bisher erwähnten Serien sogar gelungen, ins Kino zu kommen. Filmstart ist Spätsommer 2010 mit Stars wie Megan Fox und James Brolin. Wobei noch offen ist, ob an dieser Stelle nicht der schon erwähnte Comic Hombre stehen sollte. Ohne Zweifel ist J. Hex kommerziell wesentlich erfolgreicher, aber was Handlung, Zeichenstil und Atmosphäre angeht ist dieses von P. Wiechmann und Rafael Mendez erschaffene Werk Hex mindestens ebenbürtig.
Ein Urteil darüber möge sich der Leser selbst bilden.

Soviel hierzu für heute, zum Schluss noch ein Hinweis in eigener Sache. Wir von den Comiclegenden würden uns freuen, wenn ihr auch bei Teil 6 unserer Berichte weiterhin hier so interessiert vorbeischauen würdet wie bisher. Wer weiß, vielleicht veranlaßt dieser kleine Ausflug ins Genre des Westerncomics doch den einen oder anderen dazu, uns weitere interessante Kommentare und Berichte zukommen zu lassen.

Quellenangaben:

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