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| George Pérez |
Nebst John Byrne und John Buscema war es George Pérez, der mich mit seinem überwältigenden Zeichenstil überzeugte, und ich - damals noch des Englischen unfähig – der Geschichte nur anhand den Zeichnungen folgen konnte. Ich begann sogar diverse Serien aus der USA-Szene zu sammeln, noch bevor ich der englischen Sprache wirklich mächtig war, nur aus dem Grund heraus, sie dann mal lesen zu können, ohne auf die wirklich schlechten Übersetzungen aus dem Condor-Verlag zurückgreifen zu müssen.
Und das habe ich dann später auch getan. Heute gehören Englisch und Comics bereits zu meinem täglichen Brot.
Wonder Woman im Comic:
Wonder Woman war es auch, der ich während meinem ersten US-Aufenthalt 1990 in diversen Comic-Shops begegnete. Damals gab es noch kein Internet als Informationsquelle, dass ich von meinem Lieblingszeichner gewusst hätte, dass er nicht nur eine ganze Serie gezeichnet, sondern die auch gleich noch selber geschrieben hatte, von der ich nichts wusste. Bei seinem detaillierten Zeichenstil war es nur logisch, dass er mit diesem Arbeitsaufwand einen monatlichen Comic auf die Dauer nicht aushalten konnte, und nach 2/3 Jahren verlegte sich George Pérez auf die Geschichten und die Covers. Das Zeichnen überließ er anderen.
Seine Geschichten waren vielfältiger Natur. Sie reichten von der reinen Action-Story zu der Mythischen, um dann und wann in einer Charakter-Studie auszuarten, oder in eine hervorragende Detektiv-Geschichte rüber zu wechseln.
Es war im Grossen und Ganzen die jahrelange Mitarbeit mit Marv Wolfman gewesen, mit dem er gemeinsam die Serie „The new teen Titans“ 1980 mit neuen und alten Charakteren aus der Taufe hob, und bald einmal mitverantwortlich für den Handlungsverlauf war. Die positive Unterstützung seines Freundes ließ ihn diese Herausforderung annehmen, der er dann auch über fünf Jahre nachging.
Bis zu diesem Zeitpunkt war ich eigentlich kein Fan der Wonder Woman gewesen. Ich wusste zwar von ihr als eine Ikone DC’s, wie dies Superman und auch Batman waren, aber gelegentliche Abstecher in die deutsche Übersetzungen der Hefte aus der ersten Staffel (vor Crisis of Infinite Earth), machten mich keineswegs zu einem vergifteten Fan, der alle Hefte lesen musste. Im Gegenteil!
Und als ich in den Staaten zum ersten Mal mitbekam, dass ausgerechnet mein Lieblingszeichner diese Serie ausgesucht hatte, sowohl zu schreiben, wie auch zu zeichnen, war mein erster Eindruck eine stille Enttäuschung. Wie konnte Mr. Pérez mir das antun? Ausgerechnet mein Held. Und dann noch eine Heldin...! - Ich war etwas vor den Kopf gestoßen.
Zum Glück war mein Aufenthalt von längerer Dauer und meine Besuche in diversen Comic-Shops übers Land verteilt von häufiger Frequenz, so kam es immer wieder vor, dass mir die Serie über den Weg lief. Und schließlich griff ich mir die ersten 10 Hefte, um mal rein zu lesen. Falls sie nix waren, konnte ich mich wenigstens an den Zeichnungen ergötzen, so wie ich dies auch schon früher getan hatte.
Doch zu meinem Erstaunen wurden sowohl mein florierendes Englisch, wie auch mein Intellekt herausgefordert. So kam es, dass ich während den langen Reisen in den Fahrpausen mal zu einem Heft griff – so zur Entspannung - aber dann meine Reise nicht wieder aufnahm, bis ich zwei bis drei Hefte durch hatte. Es war etwas, was ich zu der damaligen Zeit von DC Charakteren kaum kannte. Eine Tiefe der Figuren, wie sie nur die früheren Helden von Marvel vorweisen konnten. Aber hier war eine Heldin, von ihrer Mutter Hippolyta aus Lehm geschaffen und mit dem Hauch der Götter zum leben erweckt, die so reich an Geschichte und Mythologie war, dass ich in die Story reingesogen wurde.
Der einzige Nachteil war zu der Zeit das Klopapier, auf das die Serie gedruckt wurde. Da ging ein großer Teil von Pérez bis in kleinste Detail gezeichneten Einzelheiten verloren. Zum Glück gab es im Jahr 2005 ein Trade (= Sammelband), das den Zeichnungen gerechter wurde. Doch noch heute vermisse ich ein Hardcover, das der Geschichte von Wonder Woman mit und von George Pérez gerecht wird, wie das mit den „The new teen Titans“ als Vergleich, veröffentlicht wurde.. Es soll wohl nicht sein.
Zu der Zeit, in der ich die Serie entdeckte, war George Pérez’ Zeit als Autor auch schon fast wieder vorbei, und er wandte sich ab der Nummer 62 wieder anderen Dingen zu. Ich nahm es zur Kenntnis, beschloss jedoch bei der Serie zu bleiben. Was ich auch bis zu deren Einstellung mit der Nummer 226 diesen Jahres tat.
Neue Autoren und Zeichner kamen und gingen. Sogar ein weiterer Zeichner, den ich früher gerne sah und dessen Werk ich fast schon akribisch mitverfolgte, versuchte sich an Wonder Women: John Byrne. Wobei ich gestehen muss, leider nur mit mäßigem Erfolg. Wie eben auch die anderen Nachfolger. Erst in den letzten paar Jahren kam mit dem Novellisten Greg Rucka wieder etwas vom alten Charme rüber, der die Figur in Mythologie setzte. Aber wirklich zünden wollte es bei mir nicht. Ob es an mir lag oder an den Geschichten, vermag ich momentan nicht zu sagen. Erst, wenn ich mich erneut den Wonder Woman-Heften von 1 bis 62 widme, und die Serie aus der Sicht von heute neu lese, kann ich mir dann ein verbindliches Urteil erlauben.
Das hält mich jedoch nicht davon ab, zum nächsten Abschnitt zu gelangen.
Wonder Woman im Film:
Letztes Jahr (2005) gab es endlich die TV-Serie aus den sechziger Jahren auf DVD (Code 1). Und Fan der ich bin, beschaffte ich mir die doch. Wohl wissend, dass sie im Verhältnis zur heutigen Sicht kaum bestehen konnte. Aber sie stecke voller Charme, bekam ich immer wieder zu lesen. So gab es für mich kein zögern.
Zuerst wollte ich nur die erste Staffel kaufen. Mir die genehmigen und mich dann entscheiden, ob sich der Kauf von Staffel Nr. 2 rentiere. Aber es gab so viel zu machen und zu schauen, dass ich mir 2 und 3 kaufte, als sie Preiswerter wurden, noch bevor ich die erste Staffel überhaupt angefangen hatte zu konsumieren.
Nun widmete ich mich letzter Woche dem Pilotfilm „The new Original Wonder Woman“ und Episode 1 „Wonder Woman meets Baroness von Gunther“. Heute folgte dann Episode 2 „Fausta: The Nazi Wonder Woman“. Und das Ganze bewog mich dazu, mich hinzusetzen und in die Tastatur zu hauen. Es stimmt also schon, dass ich mich nach nur gerade drei Episoden bereits dazu berufen fühle, eine Kritik abzugeben.
Kommen wir doch zu den Facts:
Lynda Carter 1. Die Serie hat wirklich Charme. Zudem ist sie in einem wirklich ausgezeichneten Transfer auf DVD übertragen worden. Die Bilder sind scharf und die Farben sehr klar. Und Wonder Woman’s Kostüm ein wunderbarer Farbfleck in der tristen Farbe des Alltages. Es wurde also mit Mühe gearbeitet.2. Lynda Carter macht als Wonder Woman/Diana Prince (ihr Alter Ego, für diejenigen, die es nicht wissen), eine ausgezeichnete Figur und dürfte wohl vielen pubertierenden Amis zu feuchtfröhlichen Träumen verholfen haben.
Für mich als Fan ist es ein Schmaus, eine meiner Lieblingsfiguren endlich mal in Bewegung zu erleben. Für mich käme Lynda Carter noch heute für die Verkörperung der Wonder Woman in Frage. Wobei sie im wirklichen Leben wohl jetzt dafür zu alt sein dürfte. Aber man hatte damals eine ausgezeichnete Wahl getroffen, die sich dann hoffentlich beim geplanten Kinofilm wiederholen dürfte, der momentan in Arbeit sein soll (in welchem Stadium auch immer. Man hört so einiges. Aber ich denke mir, dass, wenn er dann wirklich Realität wird, für mich zu einem Muss wird).
Dem Fanboy (da stehe ich doch in den vorderen Reihen) würde es auf jeden Fall gefallen. Joss Wheadon, der uns nach „Buffy“, „Angel“, „Firefly“ und auch „Serenity“ damit beglücken darf, hat auf jeden Fall mein vollstes Vertrauen.3. Die Drehbücher sind wirklich rattenschlecht! Und das sage ich mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Denn – sind wir mal ehrlich – habe ich etwas anderes erwartet? Eben nicht, oder auch leider nein. Aber sie hat Charme... das hatten wir doch schon.
Mal abgesehen davon, kommen Szenen darin vor, die einem zu einem Glucksen bringen, das tief in der Kehle beginnt, und gelegentlich auch zu einem lauten Lacher führt. Sicher ist es nicht so beabsichtigt worden, aber ich nehme was ich kann. Schließlich ist es etwas, was mich selber dann wieder zum schreiben anspornt. Dieses Gefühl kommt manchmal wirklich nur hervor, wenn ich etwas schlechtes gelesen oder gesehen habe. Und es kann also gut sein, dass ich in nächster Zeit viel zum Schreiben komme, da ich doch plane, die Staffel 1 mit ihren 13 Episoden fertig zu sehen.4. Ein paar Schmankerl aus der Handlung:
Ah, Blaufilter vor der Kamera, um damit die Nacht zu simulieren... Wie einem das an die alten Winnetou-Filme erinnern kann... Tja, die gute alte Zeit.
Ihr Deutschen schneidet ja schon schlecht ab in den bisher gesehenen Episoden, da alles in der 1. Staffel zur Zeit vom 2. Weltkrieg spielt. Zuerst bekommt ihr jedes Mal euer Fett ab, und dann werdet ihr immer so trottelig dargestellt, dass man sich echt fragen muss.
Und erst der Slang, den sie da dem deutschen Volk antun: wirklich grauselig! Beispiel gefällig? Bitte schön:
Da hat es deutsche Soldaten, die untereinander Englisch reden, wie heute in den US-Kinofilmen Franzosen dargestellt werden, die die englische Sprache sprechen oder sie eben nur gebrauchen. – Gut, Franzosen sprechen dann wirklich ein grauseliges Englisch, aber für Deutsche ist es recht unpassend. Und sobald sie dann mit wirklichen Amis sprechen oder sich auch in den Staaten aufhalten und etwas zu sagen haben (außer natürlich zu einem Natzisympatisanten!), gibt es plötzlich keine Schwierigkeiten mehr, und es ertönt das breite Amyenglisch.
Und dann sieht man gelegentlich noch die Drähte, wenn Wonder Woman jemanden über ihren Kopf an die Wand wirft oder sonst wohin. Echt zum schmunzeln. In einem aktuellen Film würde man das nie und nimmer akzeptieren, aber hier dient es der Unterhaltung, auch wenn es eher ungewollt ist.
Um sich von einer Person in die andere zu Verwandeln, steht Diana Prince auf und beginnt sich im Kreis zu drehen. Natürlich nicht, bevor sie die Tür abgeschlossen hat, damit sie auch ja niemand bei der Verwandlung entdeckt.- Wie ich dies so schreibe fällt mir auf, dass sie dann aber durch eine andere Tür raus geht, der sie keine solche Aufmerksamkeit schenkte. Aber weiter im Text:
Es gibt eine Überblende, wo langsam die Wonder Woman erscheint, das Kleid in der Hand, das sie zuvor getragen hat. Dann steht sie plötzlich still und ein Griff an den Kopf – nicht etwa weil ihr schlecht ist, nein - versichert ihr, dass das Kopfstück (Tiara) auch dieses Mal wieder da ist (Grins!). Ein weiterer Sicherheitscheck an die Hüfte bestätigt das selbe mit dem Lasso. Muss man also gesehen haben... Anschließend wirft sie das Kleidungsstück in den Schrank, in dem sich mittlerweile hunderte von solchen stapeln müssten.
Diese Szene erinnert mich etwas an Star Trek, die Serien, wo die Leute immer wieder Getränke und Esswaren aus dem Replikator nehmen. Und jedes Mal kommt eine Tasse, ein Glas oder auch ein Teller mit. Was machen die dann mit denen? Hat sich schon mal jemand Gedanken darüber gemacht?
Eben Charme und Herzblut, was viele Produktionen von heue vermissen lassen. Die Zukunft wird es zeigen, wie unser heutiger Geschmack mal abschneidet und bewertet wird. Wie man auf Serien wie „The X-Files“, „The Pretender“, „The Profiler“, „Millenium“, „Babylon 5“, „Farscape“ und noch vieles mehr, mal reagieren wird. Ob man dann auch sagt: „Sie haben zwar eine niedliche Seite, aber sonst...“ Wir werden es vielleicht noch mitbekommen. Sollte ich jedoch mit Wonder Woman auf erneutes TV-Gold stoßen und es mich zu einer Fortsetzung dieses Artikels drängt, dann bist du der erste, der es erfahren wird.

© Michel Wuethrich