
Der Leitartikel

Februar 2008
Das Ende des Westernromans
"... .sehen wir aber auch, dass der Anteil jüngerer Lesergruppen für Western seit Jahren nicht mehr wächst." [Aussage eines Herrn M. in seiner Eigenschaft als Betreiber eines Verlages für Heftromane]
Ja guten Morgen, die Herrschaften, willkommen im wirklichen Leben.
Dass die Jugend von heute eine andere ist als die vor zwanzig Jahren, haben sogar die Verantwortlichen der öffentlich-rechtlichen Fernseh- und Rundfunkanstalten erkannt, obwohl diesen Personenkreis auch heute noch der Duft von Spießbürger- und Beamtentum umgibt. Aber auch diese Herrschaften haben die Zeichen der Zeit erkannt, wenn es ans Eingemachte, sprich die Quoten und die Werbeeinnahmen, nachfolgend damit verbundene Annehmlichkeiten geht. Da reagiert man auch dort sehr schnell, obwohl gewissen Intendanten ja die Flexibilität eines Schmiedeamboss nachgesagt wird.
Was ich damit ausdrücken will: Man hat rechtzeitig erkannt, dass Bonanza und Familie Hesselbach einfach nicht mehr zeitgemäß sind und sich mit Dallas und Co. neuen Formaten hingewandt.
Dann folgte Kabelfernsehen, neue Serien und Showkonzepte und schließlich bis in unsere Zeit Protagonisten mit Ecken und Kanten; einfach Menschen wie du und ich und ohne weich gespülte Formate. Dr. House, CSI und ähnliche Formate lassen grüßen.
Und was machen die beiden Primi der Heftromanbranche?
Sie wurschteln bis auf wenige Ausnahmen weiter vor sich hin wie seit hundert Jahren.
Wenn dann der 53. Aufguss der Westernromane eines G.F. Was-weiß-ich nach 22 Bänden wieder eingestellt wird, ist das Heulen und Klagen in der Redaktionskonferenz groß.
Der Heftromanmarkt ist tot, man erreicht keine neue Leserschicht mehr und ...
Man hat es bei einer bestimmten Reihe auch mit Romanen mit extra großer Schrift versucht, weniger Text fürs gleiche Geld. Der Schuss ging nach hinten los, logo, der mündige Leser ist schließlich nicht dumm!
Es ist eine unumstößliche Tatsache, dass Heftromane im Allgemeinen und Western im Besonderen nur noch von einer vom Aussterben bedrohten Leserschaft gekauft werden. Die Unterhaltungselektronik ist der Totengräber des Heftromans. Heute spielt man auf dem Weg zur Arbeit mit dem Handy oder ähnlichem und greift nicht mehr bei der Fahrt in der S-Bahn oder nach Feierabend wohlwollend zum Heftroman. Neue Leser zu binden, fordert also mehr als das, was bisher geschieht. Die Bildzeitung von letzter Woche ist ja auch kein Verkaufsschlager mehr. Also warum beschreitet man beim Western nicht neue Wege, nutzt das Internet zur Werbung oder Flyer und gewisse Artikel in Jugendzeitschriften?
Weg von Westernmassenware, wie schon oben beschrieben, vielleicht sogar weg von bestehenden Formaten. Warum muss der Held ein Protagonist ohne Ecken und Kanten sein, die Lebensgeschichte eines Killers, Kopfgeldjägers oder eines Indianerschlächters wäre vielleicht interessanter.
Mit Lassitter hat man es einem doch vorgemacht. Ein Protagonist, der abseits vom damals üblichen Schema lag und der sich auch heute noch relativ gut verkaufen lässt.
Aber das alles kostet Geld und Zeit.
Wenn ich mit Verlagsnachdrucken mehr Kohle verdienen kann als mit einem neuen Projekt, braucht man sich nicht zu wundern, wenn nach dem wiederholten Nachdruck vom Nachdruck eines Nachdruckes die Leserschaft davonläuft.
Und jetzt soll mir keiner kommen mit: Western ist out.
Filme wie "Erbarmungslos", "Todeszug nach Yuma" und die historischen Romane eines gewissen engagierten Autors bei einem neuen Verlag zeigen, dass es durchaus noch Interessenten für das Westerngenre gibt.
Aber die muss man halt suchen, ansprechen und dann den Leserkreis pflegen. Doch wie gesagt, so etwas kostet erst mal. Und da in unserer heutigen Gesellschaft nur noch der schnelle Reibach zählt, bin ich wahrscheinlich kein Wahrsager, wenn ich behaupte, dass der Westernroman spätestens 2020 in der Heftform endgültig gestorben ist.
Eigentlich schade drum,
meint C.C. Slaterman
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