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Der Leitartikel

April 2008

23. April – Welttag des Buches und des Urheberrechts

»Wir verdanken dem Bücherdruck und der Freiheit desselben
undenkbares Gute und einen unübersehbaren Nutzen.«

Johann Wolfgang Goethe in »Dichtung und Wahrheit«, 1812

Das Buch als Informationsträger ist in der heutigen Zeit des elektronischen Datenverkehrs noch immer ein unschätzbar wertvolles Medium. Es funktioniert ohne Software, ohne Strom und ist in seiner Haltbarkeit kaum zu übertreffen.
Der Sinn der Welttages des Buches liegt darin begründet, beizutragen, mehr Menschen zum Lesen zu animieren. Denn gerade das Lesen ist ein unverzichtbarer und nicht wegzudenkender Bestandteil unserer Kultur und eine elementare Grundvoraussetzung für das Beherrschen der eigenen Sprache. Der Welttag soll uns aber auch daran zu erinnern, dass Meinungsvielfalt und der freie Zugang zu Informationen keineswegs selbstverständlich sind.
Zur Wertschätzung des Buches gehört auch, dass die geistigen Urheber, die Autoren, angemessen am wirtschaftlichen Erfolg ihrer Arbeit beteiligt werden. Die Bundesregierung Deutschlands arbeitet - auch mit Blick auf die technischen Entwicklungen der jüngsten Zeit - daran, das Urheberrecht weiter zu vervollkommnen und an die sich ständig wandelnden Bedingungen der Informationsgesellschaft anzupassen. Die ideelle und auch materielle Würdigung schöpferischer und künstlerischer Leistung muss zentraler Bestandteil des Selbstverständnisses unseres Kulturstaates sein und bleiben.

Im November 1995 erklärte die in Paris stattgefundene 28. Generalkonferenz der UNESCO auf Antrag des spanischen Staates, den 23. April zum »Welttag des Buches und des Urheberrechts«, zum weltweiten Feiertag für das Lesen, die Literatur und die Rechte der Autorinnen und Autoren. In einem Statement erläuterte der zuständige Direktor der UNESCO Milagros des Corral ganz unmissverständlich den Kern dieses Festtages: »Es gibt Bücher zu allen Themen, für jedes Publikum und zu allen Zeiten. Aber wir müssen sicherstellen, dass Bücher für jeden und überall frei zugänglich sind.«

Wo liegt der Ursprung dieses Tages?

Seinen Ursprung hat der Feiertag für das Buch in einer katalanischen Tradition, wonach sich die Menschen zum Namenstag des Volksheiligen Sant Jordi (Sankt Georg) Rosen schenken.
Seit den zwanziger Jahren werden auf Initiative der Büchergilde von Barcelona auch Bücher verschenkt sowie Lese- und Bücherfeste mit Volksfestcharakter organisiert. Der 23. April ist darüber hinaus auch dem Gedenken an den gemeinsamen Todestag von Miguel de Cervantes und William Shakespeare im Jahre 1616 gewidmet.
In Deutschland wurde von 1947 bis 1995 der »Tag des Buches« am 10. Mai begangen und war dem mahnenden Gedenken an die Bücherverbrennungen der Nationalsozialisten gewidmet. Diese nahmen am 10. Mai 1933 auf dem damaligen Opernplatz in Berlin ihren Anfang. Rund 20.000 Werke wurden damals von Anhängern der »Deutschen Studentenschaft« und SA-Männern auf den Scheiterhaufen geworfen und vernichtet. Etwa 12.400 Buchtitel galten als geächtet und durften nicht mehr vertrieben werden, darunter waren Werke jüdischer Autoren ebenso wie Literatur, die als marxistisch oder pazifistisch galten. Zu den 149 Schriftstellern, deren Werke als »undeutsches Gedankengut« verunglimpft wurden, zählten Albert Einstein, Ricarda Huch, Thomas und Heinrich Mann, Anna Seghers, Stefan Zweig, Karl Marx, Erich Kästner, Erich Maria Remarque, Kurt Tucholsky, Carl von Ossietzky, Egon Erwin Kisch, Lion Feuchtwanger und Sigmund Freud.

»Ich schenk dir eine Geschichte« – das Welttags-Buch für Kinder

Auch in diesem Jahr begeistert das Welttags-Buch »Ich schenk dir eine Geschichte«
Isabel Abedi, Marliese Arold, Nina Blazon, Peter Freund, Wolfgang Holbein/Dieter Winkler, Ralf Isau, Antonie Michaelis und ThiLO nehmen in diesem Jahr die jungen Leser auf eine spannende und vergnügliche Reise in fantastische Welten. Eingebunden ist das Welttags-Buch in eine bundesweite Schulkampagne mit Aktionsmaterialien der Stiftung Lesen für Lehrer und Schüler.

Mit einem prominent besetzten Vorleseabend in der Alten Oper begann in Frankfurt am 17. April 2008 die diesjährige bundesweite Kampagne zum »Welttag des Buches«.
Anna Thalbach, bekannt aus Tatort, rezitierte aus »Der Schaum der Tage« von Boris Vian. Der Comedian Michael Kessler stellt »Holzfällen. Eine Erregung« von Thomas Bernhard vor. Schauspieler Heio von Stetten, Darsteller unter anderem in »Deadline - Jede Sekunde zählt« präsentierte Passagen aus »Das Evangelium nach Pilatus« von Eric-Emmanuel Schmitt.

In ganz Deutschland begehen Buchhandlungen, Verlage, Bibliotheken und Schulen am UNESCO-Welttag ein großes Lesefest. In über 1.500 Buchhandlungen finden Lesungen, Bücherparties, literarische Schnitzeljagden oder Märchenstunden statt.
Die bundesweite Kampagne zum Weltbuchtag wird vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels und der Stiftung Lesen organisiert sowie von den Bildungs- und Kultusministerien der Länder und der Deutschen UNESCO-Kommission unterstützt.

Veranstaltungstipps findet man unter: http://www.welttag-des-buches.de/de/135926

W. Brandt

 

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