Januar 2010
Those were the Days … Ein Jahresrückblick
von Gunter Arentzen
Das Jahr 2009 kam und ging und es hinterließ seine Spuren. Nicht nur in den Regalen der Buchhandlungen und Videotheken, sondern auch im Gedächtnis der Menschen. Die Wirtschaftskrise, die mit Abwrackprämie und Bankenpleiten einher ging, mit großen Konkursen und kleinen Erfolgen, wird sich ebenso in die Köpfe der Menschen gebrannt haben wie die Sau, die man in Form einer Grippe durch das Dorf trieb – inklusive eines kleinen Konjunkturprogramms für die Pharmaindustrie. Die Wahl im September, die uns die Wespen in den Bundestag holten – schwarz-gelbe Biester, die noch früh genug ihren Stachel zeigen werden – darf natürlich ebenso wenig vergessen werden wie der plötzliche Tod von Michael Jackson. Vor allem Letzterer lehrt uns das eine – die Gier der Menschen ist unermesslich und mit dem Tod lassen sich noch viel bessere Geschäfte machen als mit dem Leben.
Aber die Schweinegrippe war nicht die einzige Sau, die man 2009 durch die Dörfer trieb. Gehypt von einigen Online-Portalen war es vor allem der eBook-Reader, der ständig neuen Gesprächsstoff lieferte. Ob der wenig kompatible Kindle von Amazon oder der noch immer nicht erschienene Textr – kaum ein Gerät war sicher vor dem teils kritischen, meist aber völlig unkritischen Gejuble mancher Redakteure. Da wurde jedes noch so kleine Detail hervorgehoben, als käme es vom Messias persönlich. Schade nur, dass die Verlage zwar eBooks verstärkt in ihr Programm aufnehmen, dies aber zu Preisen, die denen der gedruckten Ausgaben in Nichts nachstehen. Der geneigte Kunde soll also nicht nur mit Geräten für knapp 300 Euro gemolken werden, sondern auch mit eBooks. Warum ein Käufer bei dieser Preispolitik in Deutschland zu einem eBook-Reader greifen soll, konnte mir im Jahr 2009 noch keiner erklären. Zumal man viele eBooks auch mit modernen Handhelds lesen kann; allen voran sei da natürlich – auch so ein Hype – das iPhone von Apple genannt. Aber zu diesem wuschigen Geplärre passt dann auch die Meldung von Amazon, am 25. Dezember in den USA mehr eBooks als gedruckte Bücher verkauft zu haben. Eine Meldung, die bei unkritischer Betrachtung einer Sensation ähnelt, in Wahrheit jedoch nur heiße Luft darstellt. Laut Amazon war der Kindle in den USA das beliebteste Weihnachtsgeschenk. Das mag sein, auch wenn diese Aussage mit Vorsicht zu genießen ist, denn Amazon weigert sich, genaue Verkaufszahlen zu nennen. Tatsache ist aber, dass in den USA das Christkind nicht am 24. Dezember kommt, sondern am 25.12. die Geschenke bringt. Logisch also, dass all die mit einem Kindle Beschenkten Futter für ihre Maschine brauchten. Da es dieses aufgrund mangelnder Kompatibilität aber nur bei Amazon gibt, kauften sie alle ihre eBooks dort. Taschenbücher oder Hardcover können sofort gelesen werden, ein Kindle braucht erst einmal ein passendes Buch. Ergo … Viel Geschrei um Nichts also.
Aber der eBook-Reader war nicht der einzige Hype. Auch das Kino hatte hier ein paar große Nummern zu bieten.
Zuerst muss an dieser Stelle natürlich der Reboot einer Serie genannt werden, die ohne Zweifel zu den größten SF-Serien überhaupt zählt: Star Trek. Neue Geschichten in einem Universum, das jeder Fan zu kennen glaubte. Ein gelungener Versuch, der auch junge Zuschauer an die alte, wundervolle Thematik des Wagentrecks zu den Sternen heranführen wird.
Dann war da 2012, der Weltuntergangsfilm aus Hollywood. Emmerich zieht in ihm alle Register und schafft es, einen spannenden, unterhaltsamen Film zu präsentieren, der auch ohne 3D die Zuschauer bannt.
Anders – zumindest aus meiner Sicht – der letzte große Hype des Jahres: Avatar – Aufbruch nach Pandora. Gewiss, es sind beeindruckende Bilder, eine tolle Musik und die FX ist vom Feinsten. Leider endet mein Jubel dort, wo er eigentlich sein müsste, denn die Story ist so vorhersehbar wie das Vater Unser und schon nach knapp 30 Minuten weiß jeder, wie der Film endet. Die Mehrheit der Zuschauer ist begeistert, ich weinte meinem Geld nach, wie ich ehrlich zugeben muss.
Daneben gab es noch andere Filme, die für manche zum Muss, für andere zum Muss Nicht zählten, etwa New Moon oder Harry Potter und der Halbblutprinz. Während ich liebestollen Vampiren gar nichts abgewinnen kann, verlor die Harry-Potter-Reihe ihren Reiz, nachdem Band 7 erschienen war. Der Hype ist weg, auch wenn die Medien noch immer hoffen, mit dem Zauberschüler Auflage zu machen. Den siebten Teil in zwei Teilen zu bringen, nur um die Zuschauer noch einmal kräftig zu melken, macht es auch nicht besser. Es sei denn, es gäbe einen achten Band …
Auf dem Buchmarkt war All Age-Fantasy ein Thema, also weichgespülte Romane, die man Jung und Alt vorsetzen kann. Zur Buchmesse kam Das verlorene Symbol in die deutschen Buchläden, der neue Roman von Dan Brown. Auch ein Hype, der manche mehrere LKWs vor den Hallen der Frankfurter Buchmesse sehen ließ, wo nur einer war.
Es war ein turbulentes Jahr mit Höhen und Tiefen, mit Trauer und Freude. Der große Horror spielte sich im wahren Leben ab, doch strategisch über das Jahr verteilt gab es Fluchtpunkte, die uns Wirtschaftskrise und Vogelgrippe Schweinegrippe kurzfristig vergessen ließen.
Nun steht uns 2010 ins Haus. Neue Hypes, neue Filme, neue Bücher, Hörspiele, Spiele, neue Enttäuschungen und uralte Politiker in Berlin. Da sag einer, das Leben würde langweilig werden ...
© Gunter Arentzen
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