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Der Leitartikel

April 2009

Schunder auf DVD

von Gunter Arentzen

Als geneigter Fan des gepflegten Horrors ist man stets auf der Suche nach neuem Material, nach spannenden Filmen, bei denen es ruhig auch mal härter zugehen darf.
Fand man diesen Stoff in den achtziger Jahren noch reichlich, so nahm das Angebot während den Neunzigern etwas ab. Teeny-Splatter wurde populär, echter Horror wurde etwas in die Ecke gedrängt.
Das neue Jahrtausend hingegen wartet mit einer ganzen Welle günstig produzierter und weniger günstig angebotener Film auf, die meist aus den USA oder Japan zu uns rüber schwappen.
Doch während die japanischen Filme meist von recht guter Qualität sind, kann man die amerikanischen Machwerke mit nur einem Wort bezeichnen – Schunder.
Es ist, als würden Filmstudenten im zweiten Semester einen Topf mit Goldmünzen finden, sich davon eine Ausrüstung und ein paar B-Stars kaufen und dann ihre Version von Dantes Inferno umsetzen. Und hier, in Deutschland, findet sich zu allem Übel auch noch ein williger Vertrieb, der diese Machwerke als Perlen des Horrors anpreist und für über zehn Euro über Amazon vertreibt. Dabei liegt der Materialwert bei ein paar Cent und der Vertrieb müsste eigentlich Schmerzensgeld an die Käufer zahlen, denn wer sich diesen Schrott bis zum bitteren Ende anschaut, würde auch eine Lobotomie ohne Narkose oder lokale Betäubung überstehen; das Schmerzempfinden ging in den ersten drei Minuten, kurz nach dem Vorspann, flöten.
Wobei, und dies muss man den Machern zugute halten – auf einer Dämlichkeitsskala von eins bis zehn erreichen die erzählten Geschichten meist maximal eine Vier. Den Rest besorgen hölzern agierende Schauspieler, uninspiriert umgesetzte Special Effects sowie die irrige Annahme, reichlich vergossenes Filmblut könne Handlungslöcher stopfen. Von raschen Schnitten, die dem Zuschauer den Mageninhalt die Kehle hinauf treiben, ganz zu schweigen.
Kunden, die für solch einen Mist Geld ausgeben, sehen sich rasch enttäuscht den Aus-Knopf des DVD-Players drücken.
Darf man in solchen Fällen eigentlich sein Geld zurückverlangen? Schließlich kauft man in gutem Glauben und wird dann auf das Mieseste enttäuscht.
Die Frage, die sich mir bei Titel wie „Shadow: Dead Riot“ oder „I Am Omega“ (ja, es ist genau das, was es zu sein scheint) stellt, ist, ob es dafür wirklich einen Markt gibt. Man kann ja als Film- und Horror-Fan mal in die Scheiße greifen, aber spätestens beim zweiten Hirn zerstörenden Machwerk müsste man es ja begriffen haben. If you fool me once – shame on you. If you fool me twice – shame on me!
Und doch, und dies sage ich nicht leichtfertig, sondern mit Schmerzen in der Brust, gibt es Menschen, die diese Filme auch noch bejubeln.
So musste ich in einer Rezension lesen, der Film sei […]ein tolles Filmvergnügen, mit sehr viel Abwechslung verbunden und immer gut und sehr kurzweilig unterhaltend, das ist "Shadow Dead Riot".[...]
Oh bitte! Entweder, dem Kollegen lag eine gänzlich andere Fassung zur Rezension vor, oder aber sein Geschmack ist durch den erhöhten Konsum solcher Filme bereits nachhaltig beschädigt. Anders kann ich mir eine solche Bewertung eines Films, der bei Rotten Tomatoes mal gerade auf 20% kommt, nicht erklären.
Damit mich niemand falsch versteht – bei einem Splatter-Horror erwarte ich keine ausgefeilte Story, keine Charakterstudien oder perfekte Bilder. Aber ich erwarte doch, dass die Handlung zumindest einigermaßen gut erzählt wird, die Schauspieler nicht an zwei Zeilen Text scheitern, vielleicht sogar mehr als nur einen Gesichtsausdruck vorweisen können und die Effekte nicht aussehen, als seien sie an einem Samstag auf einer kleinen Linuxmaschine in der Garage der Tante des Regisseurs entstanden.
Ein Mindestmaß an Filmkunst, zumindest so viel, dass es die zehn oder mehr Euro rechtfertigt, sollte doch drin sein. Aber eben das vermisst man bei diesen Billig-Produktionen, die nicht einmal mehr als B-Movie durchgehen, schmerzlich.
Noch schlimmer sind wohl nur die No-Budget-Filme, die zurzeit entstehen und die aus unschuldigen Menschen plötzlich Helden der Leinwand machen sollen. Aber vor denen kann man sich wenigstens in Acht nehmen, sie tun nicht so, als seien sie die Erfüllung aller Horror-Träume.

ga

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