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Der Leitartikel

April 2011

Onlineserien – Wen interessiert’s?

Seit der Existenz des Geisterspiegels hat sich die Leitstory zu einem wichtigen Bestandteil unseres Onlinemagazins etabliert. Aus bekannten Gründen trennten wir uns von der ursprünglichen Serie, obwohl aus meiner Sicht gesehen in ihr großes Potential lag und sicherlich noch liegt. Ersatz musste her – jedoch nicht auf Biegen und Brechen, nur um eine neue Leitstory ins Leben zu rufen, die auf Dauer gesehen keinen interessieren würde. Sie sollte sich von bereits veröffentlichten Onlineserien etwas abheben, etwas Innovatives, Glaubwürdiges und Genreübergreifendes in sich vereinen. Köpfe rauchten, Telefone liefen heiß, E-Mails gingen hin und her. Und dann – urplötzlich – der Lichtblick am Schreiberling-Horizont! Timetraveller wurde geboren, ohne zu diesem Zeitpunkt zu wissen, wohin die Reise der Protagonisten Claire, Ken, Markus und Dan gehen sollte. Es stellte sich für uns die Frage, wer eigentlich an dieser Serie mitschreiben sollte. Ein Aufruf wurde gestartet, bekannte Autoren aus der Phantastik-Szene gefragt, ob sie etwas zum Timetraveller beisteuern könnten. Monate vergingen, bis eines Tages ein Manuskript eines Westernfreaks aus dem Schwabenländle eintrudelte. Nichts von einem Western war in diesem zu lesen, sondern eine stimmige Storyline, die den Grundstein für weitere Folgen legte. Im wahrsten Sinne des Wortes die Mutter aller Folgen.

 

In einer dunklen Seitengasse der amerikanischen Millionenmetropole Kansas-City wird der Physiker und Nobelpreisträger Matthew Evans tot aufgefunden, er wurde scheinbar grundlos erstochen.
Zwölf Jahre später entdecken Claire Bancroft und Ken Okumoto, zwei Studenten der hiesigen Universität, bei Archivarbeiten in der Bibliothek, durch Zufall geheime Aufzeichnungen von Evans. Mithilfe des deutschen Gaststudenten Markus Becker, der auf dem Gebiet der Physik eine wahre Koryphäe ist, und dem Sportstudenten Dan Simon, einem Freund von Ken, wird schnell klar, dass es sich dabei um die Betriebsanleitung sowie um den Plan für das Versteck einer funktionstüchtigen Zeitmaschine handelt.
Von Neugier betrieben suchen die Vier diese Zeitmaschine und nehmen sie in Betrieb. Aber nach und nach stellt sich heraus, dass Zeitreisen nicht so einfach sind, wie die Betriebsanleitung Glauben macht, denn den Studenten gelingt zwar der Zeitsprung, jedoch gelangen sie bei ihrer Reise in Parallelwelten, die mit der ihnen bekannten Welt nicht immer viel gemeinsam haben. So, wie es die Viele-Welten-Theorie nahe legt.
Doch es kommt für die Helden noch schlimmer. Nach dem ersten Zeitsprung lässt sich die Maschine aufgrund des veränderten Raum-Zeit-Gefüges gar nicht mehr zeitlich programmieren, sodass unsere Helden gezwungen sind, in der jeweils gestrandeten Welt Hilfe zu finden.
Folgen wir also diesen vier Temponauten auf ihrer Reise durch Raum und Zeit.
Fantasie ist alles, was wir dazu brauchen, und wer weiß, vielleicht treffen unsere Enkel oder Urenkel eines Tages tatsächlich einmal auf Claire, Ken, Markus oder Dan.

Auf der Grundlage der ersten Folge »Unternehmen Zeitsprung«, welche seit 01. Mai 2007 für alle User im World Wide Web zu lesen ist, erarbeitete Gunter Arentzen für die erste Staffel ein Rahmenexposè sowie einen Autorenleitfaden. Seit dieser Zeit bilden Anke und Gunter das Headquarters, halten die Fäden des Timetraveller fest in ihren Händen, organisieren die Abstimmung zwischen den Autoren, üben Kritik, wenn etwas aus ihrer Sicht nicht stimmig erscheint. Hinzu gesellten sich Nino Coviello als Lektor und meine Wenigkeit für das Endkorrektorat, Covergestaltung und Innenlayout.
Mittlerweile liegen weitere 6 Folgen der 3. und finalen Staffel in der Pipeline; nach ihr ist erst einmal Schluss und wir beginnen eine neue Serie mit dem Titel Paraforce, deren erste Folge am 01. Februar 2012 an den Start geht.

Neben der Leitstory bieten wir jede Menge an kurzweiligen Geschichten wie zum Beispiel Sukkubus, Goliath, Prähuman, Jimmy Spider, Jack Lloyd – Im Auftrag ihrer Majestät und und und unseren Besuchern und Stammlesern. Sieht man sich das Spektrum der Stories an, so bin ich der Auffassung, dass wir für fast jeden Geschmack etwas haben. Alles aus Spaß an der Freude und ohne Eigennutz.
Warum machen wir dies? Warum setzen sich unsere Autoren in ihrer Freizeit hin und schreiben ihre Stories? Es gibt dafür verschiedene Gründe:

  • Zum Ersten ist es die Tatsache, dass wir von Anbeginn den Geisterspiegel als Plattform für Jung- und Hobbyautoren ansehen. Hier können sie sich austoben, sich die ersten Sporen verdienen, sich der Kritik stellen, von erfahrenen Autoren Tipps bekommen. Es kann auch vorkommen – und es kam schon in zwei Fällen vor -, dass Verleger aufmerksam werden, um eine zu ihrem Verlagsprogramm passende Story als Buch zu veröffentlichen. Als Beispiel dafür sei der Autor Kendall Kane genannt, der seit Mai 2009 vier Hardcover im Storykeeper publizieren konnte.
  • Zum Zweiten schlagen wir natürlich Onlinestories professioneller Autoren nicht aus, wenn sie uns angeboten werden. Ist es ein Beweis mehr dafür, dass unsere jahrelange Arbeit am Magazin reife Früchte trägt. Danke Mara!
  • Zum Dritten gibt es einen sozalen Aspekt. Angesicht so mancher finanzieller Situation in Zeiten von Einsparmaßnahmen, Preissteigerungen, Lohn- und Gehaltskürzungen und Hartz IV ist es nicht jedem möglich, sich regelmäßig Bücher zu kaufen. Einige Leser fragen sich an dieser Stelle, ob da noch Geld vorhanden sei, sich einen Internetanschluss leisten zu können. Ist es sicherlich, denn die Kosten für einen Internetanschluss wurden mit der Verabschiedung des Gesetzes zur Ermittlung von Regelbedarfen und zur Änderung des Zweiten und Zwölften Buches Sozialgesetzbuch in die Grundsicherung aufgenommen. Wer einen PC hat, der geht auch ins Internet. Waren 1998 3,1 Mill. Zugänge vorhanden, erhöhte sich zehn Jahre später die Anzahl auf 27,0 Mill. (Quelle: www.destatis.de).
    Um auch denjenigen Usern den Zugang zur Phantastik nicht zu verwehren, bieten wir unsere Stories, Kurzgeschichten und ausgewählte Beiträge kostenlos als Download an.
    Gerade mit diesem dritten Punkt entziehe ich solchen Meinungen, dass sich der ganze Aufwand nicht lohnen würde, jegliche Existenzgrundlage. Schaut man sich unsere Downloadseite an, so sprechen die Zahlen für sich.

Ja, es macht Arbeit, die aber Spaß macht. Ein jeder von uns Geisterspieglern geht einem geregelten Arbeitsleben nach, studiert, befindet sich in der Ausbildung oder geht noch zur Schule. Da bleibt manchmal nicht viel Zeit, um einen qualitativ ansprechenden Beitrag zu schreiben. Doch durch Kontinuität und Konsequenz, mit Herzblut zur Sache selbst und manchmal auch mit notwendigem Druck sind anfallende Arbeiten zu stemmen. Man muss eben den gesamten Aufwand richtig koordinieren. Gute Programme für Layout- und Covergestaltung, Korrektur ... sind wahre Helfer, um den ganzen Umfang bewerkstelligen zu können. Manchmal sind sie relativ gesehen teuer, doch die Investitionen, die ich im Interesse des Geisterspiegels bisher getätigt habe, sind nicht in den Sand gesetzt und amortisieren sich nach gewisser Zeit.

Wer einen kleinen Einblick in einen der demnächst erscheinenen Timetraveller bekommen möchte, kann dies am 09. April 2011 auf dem DortCon 2011 gern tun. Dort belegt der Geisterspiegel ein Panel. Auf zahlreiche Besucher würden wir uns freuen.

Copyright © 2011 by Wolfgang Brandt

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