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Kleinverlage – Infantiles aus der deutschen Literaturszene

von
G. Arentzen

März 2007

Der Bildschirm wird bunt, die Stimme des Sprechers sanft. Sie nimmt jenen Tonfall an, den man Kindern gegenüber anschlägt. Sie erzählt:

Das ist der Hans. Der Hans ist ein Kleinverleger. Der Hans bringt Bücher auf den Markt. Romane und Anthologien, Kurzgeschichten-Sammlungen ... solche Dinge eben. Und das dort, das ist der Dieter. Der Dieter ist auch ein Kleinverleger. Und er hasst den Hans von ganzem Herzen, denn er bringt selbst Romane und Anthologien, Kurzgeschichten-Sammlungen ... solche Dinge eben auf den Markt. Und dort drüben, da steht der Heiner. Und der Heiner, der hasst den Dieter und er hasst den Hans. Denn er ist auch ein Kleinverleger und bringt Romane und Anthologien, Kurzgeschichten-Sammlungen ... solche Dinge eben auf den Markt. Und Hans und Dieter, die hassen den Heiner. Denn alle bemühen sich um die gleichen Leute; sie bemühen sich um Käufer, die bei Kleinverlagen kaufen. Und wenn ihr, liebe Kinder nicht gehasst werden wollt, dann werdet ihr nie Kleinverleger oder Autor bei einem solchen.

So ungefähr würde es klingen, wenn die „Sendung mit der Maus“ über Kleinverlage in Deutschland berichten würde. Denn obwohl all diese Verleger das gleiche Ziel haben, ziehen sie in diesem harten Geschäft um Prozente und Auflagen doch nicht an einem Strang.
Bisher ist mir noch nicht klar, woher dieser Hass, diese Ablehnung und die Wut, all diese negativen Gefühle aufeinander kommen, die teils versteckt, teils aber auch ganz offen zur Schau getragen werden. Das Schlachtfeld ist dabei das Internet, und hier wird in den entsprechenden Foren und Gästebüchern gelästert, gelogen und intrigiert. Es ist schick, über den anderen herzuziehen. Gemeinsam mit getreuen Verbündeten wird dort das eigene Produkt in den Himmel gehoben, das der Mitbewerber hingegen verlacht. Gedisst, wie man es heute ausdrückt.
Ob es der Neid ist auf jene, die ein paar Bücher mehr pro Monat verkaufen, einen besonderen Autor unter Vertrag haben oder deren Serien schlicht besser laufen? Oder sind es die Angst und der Futterneid, die ohne konkreten Anlass bereits zu solchem Verhalten verleiten? Vielleicht ein übersteigertes Ego, weil man selbst die Weisheit mit Löffel gefressen hat, anderen nichts zutraut und über die allein selig machende Wahrheit verfügt?

Viele dieser Kleinverleger betreiben ihr Geschäft als Hobby. Wie auch die Autoren, die für sie schreiben. Sie gehen regulären Berufen nach und verdienen auf diese Art ihre Brötchen. Dies scheint gleichzeitig ein gewisses Selbstverständnis der Szene zu sein, denn ein Kardinalfehler ist es, mehr zu wollen. Zu sagen, dass man aus seinem Hobby einen Beruf machen will. Denn damit erhebt man sich ihrer Meinung nach über sie, will mehr Umsatz, mehr Honorar und mehr Ansehen. Dies kann das idealistische, enthusiastische Hobby-Herz weder zulassen noch tolerieren. Und so kommt es zu Auswüchsen, wie man sie spätestens seit dem Verlassen der Grundschule nicht mehr erlebt hat. Wenn du mit Heiner spielst, dann spiele ich nicht mehr mit dir. Und wehe, du sprichst mit Dieter. Dann kann ich dich nicht mehr leide! Ein infantiles Verhalten, bei dem eifersüchtig die eigenen Reviere abgesteckt und mit Zähnen und Klauen verteidigt werden.
Dies ist umso trauriger, als dass die Kleinverlagsszene in Deutschland sehr rührig ist. Sowohl was Anthologien betrifft als auch Serien und Romane noch unbekannter Autoren aus dem In- und Ausland. Gemeinsam könnten sie es schaffen, jene Lücke zu schließen, die große Publikumsverlage mit ihrer Politik geschaffen haben. Doch man ergeht sich lieber in sinnlosen Auseinandersetzungen, bleibt bei seinen vermeintlichen Leisten und ist viel zu sehr damit beschäftigt, andere klein zu halten statt mit vereinten Kräften nach oben zu kommen. Zu Lasten der Leser, zu Lasten der eigenen Produkte und zu Lasten jener, die zwischen diese Räder geraten.
Das es auch anders geht, beweisen vereinzelte Kleinverlage. Sie halten sich aus diesen Auseinandersetzungen heraus und betrachten die Szene mit viel Skepsis. Es sind – niemanden wird es überraschen – jene Verlage, die gleichzeitig auch die besten Bücher publizieren. Denn sie können sich auf das Wesentliche konzentrieren; sie konzentrieren sich auf das, was der Leser will – nämlich gute Bücher. Denn Kriege gibt es schon genug. Die braucht wahrlich keiner mehr.

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ga

 

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