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Der Leitartikel

Juni 2010

Kinder, wie die Zeit vergeht …

Gedanken zu 4 Jahren Geisterspiegel von Wolfgang Brandt

Wer hätte vor gut vier Jahren daran gedacht, dass unser Online-Magazin bis dato solche Ausmaße annehmen würde. Anfangs noch sehr auf den Heftroman ausgerichtet, ist der Geisterspiegel facettenreicher geworden, auf die unterschiedlichen Interessen unserer Leser ausgerichtet. Natürlich sind unsere Redakteure und Mitarbeiter keine Perfektionisten, doch haben sie bei der Auswahl der Themen, zu denen sie ihre Beiträge und Kolumnen schreiben, fast immer ein glückliches Händchen. Nicht immer sind wir up-to-date, hinken manchmal der Zeit hinterher. Es liegt nicht daran, dass uns die Themen ausgehen, Interessantes gibt es reichlich. Und fast täglich kommen ja neue Informationen hinzu. Doch nicht alles muss nach der Hau-Ruck-Methode online gebracht werden. Es sollte schon zu unseren Themen passen.
Als Herausgeber stehe ich nicht mit einer neunschwänzigen Peitsche hinter all den Mitarbeitern und poche auf Teufel komm raus auf Beiträge, Kolumnen, Rezensionen oder dergleichen. Der Geisterspiegel ist ein Hobby und soll es auch bleiben. Dabei haben Belange des Berufes, der Ausbildung und der Familie Vorrang. Und dies schätzen nicht nur unsere Mitarbeiter, sondern auch Gastautoren, die den Geisterspiegel mit ihren Werken bereichern.

Mehr als zuvor habe ich die bisher geleistete Arbeit unseres Webmasters Tommy Tohang schätzen gelernt. Bei ihm bin ich zur »Schule« gegangen, um mich mit html, php, MySQL … anzufreunden. Tommy hat sich aus privaten Gründen eine Auszeit genommen. Da musste ich sofort einspringen, weil sich keiner unserer Mitarbeiter so gut mit dem Grundaufbau des Geisterspiegels auskannte. Einmal saß ich vor dem Rechner und fluchte vor mich hin, schmiss den Dreamweaver von der Festplatte, weil kein Update auf den Server hochgeladen werden konnte. Der Fehler konnte nur bei diesem Programm liegen, so dachte ich. Doch Fehlanzeige: Webspace war voller als voll.
Manchmal frage ich mich, wie Tommy das alles so gemacht hat. Hatte er doch in der vergangenen Zeit sehr viel Energie, Eigeninitiative und Freizeit in den Geisterspiegel gesteckt, die seinesgleichen sucht. Fragen kann ich Tommy immer, wenn ich mal nicht weiter weiß. Dafür hat er stets ein offenes Ohr und ist damit eigentlich noch mittendrin im Geschehen.

Manchmal frage ich mich, warum ich dies alles mache. Die Zeit sitzt mir im Nacken und meine Zuständigkeiten für den Geisterspiegel haben seit dem letzten Jahr zugenommen. Full-Time-Job und Nebentätigkeit wollen durch mich mit unserem Magazin in Einklang gebracht werden. Da ist wirklich nicht viel Raum, um täglich Beiträge am Fließband online setzen zu können. Für mich kommt es nicht auf die Quantität, sondern auf die Qualität an, auch inpuncto Rechtschreibung. Die eingehenden Beiträge müssen korrigiert, lektoriert und formatiert werden. Manchmal fehlen Kleinigkeiten, die aber für das Gesamtbild des Beitrages nötig sind. Oder es müssen für die zahlreichen Kurzgeschichten und neuen Serien aussagekräftige Cover gestaltet werden. Was nicht immer einfach ist.
In Phasen von Resignation habe ich eine Ehefrau an meiner Seite, die in solchen Zeiten aufmunternd auf mich einwirkt. Es sind auch die kleinen Momente und Nuancen in den zahlreichen Gesprächen bei den Buchmessen und Cons. Da lassen schon mal Agenten von Bestsellerautoren verlauten, dass sie den Geisterspiegel aufmerksam verfolgen und kaum logische oder grammatikalische Fehler entdecken. Sie wissen ganz genau, dass der Geisterspiegel ein Fanzine ist und trotz dieser Tatsache professionell auf sie wirkt, sei es das Layout, die Tiefgründigkeit, die Vielfalt oder die manchmal außergewöhnlichen Fragestellungen bei Interviews.

Wer wissen möchte, wann Wochenende, Feiertag, Urlaubszeit oder schönes Wetter war, schaue sich unseren Besucherzähler an. Die Kurve gleicht einer Achterbahn, sagt aber vordergründig nichts über das Interesse oder Desinteresse am Geisterspiegel aus. Die meisten Zugriffe über die Startseite sind täglich in der Zeit zwischen 20.00 und 23.00 Uhr.
Unsere Besucherzahlen haben sich im Vergleich zum Vorjahr merklich erhöht. Per 04. Juni 2010 sind es seit der Einführung des neuen Besucherzählers am 17.02.2008 291.197 Besucher. Der Tagesdurchschnitt liegt bei 400. Bei www.rankinghit.de haben wir einen sehr harten Zähler gefunden, der nur natürliche Personen einmal pro Tag zählt - meine Aufrufe ausgeschlossen -, und keine Suchmaschinen, Robots …
In der Rankinghitliste liegt derzeit der Geisterspiegel auf Position 831 von insgesamt 80.000 gemeldeten Webseiten.
Von der Besucherstatistik, die unser Provider anbietet, halte ich nicht viel. Es werden dort die Klicks auf unsere Seite gezählt, was aus meiner Sicht die Anzahl unserer Besucher verfälscht.
Und woher kommen unsere Besucher? Dank World Wide Web besuchen den Geisterspiegel User von Helsinki bis Kapstadt, von Los Angeles bis Sibirien.
Apropos Sibirien, Russland: Im letzten Jahr war unser Online-Magazin von einer Malware betroffen, ausgerechnet in der Zeit, als die Vorrunde zum DPP 2009 lief. Ärgerlich, dass es gerade in dieser Phase geschah. Ein russischer Hacker hatte eine Scriptlücke ausgenutzt. 537 Index- und php-Dateien waren infiziert. Durch mühvolle und zeitaufwendige Handarbeit sowie tatkräftiger Unterstützung von Petra Arentzen ist es mir gelungen, die Malware aufzuspüren und unschädlich zu machen.

Großen Anklang findet unser Downloadbereich. Täglich werden aus dem facettenreichen Angebot 200-300 Downloads getätigt. Spitzenreiter ist nach wie vor die Bauanleitung für einen englischen Langbogen mit 18803 Downloads. Manchmal frage ich mich, wer denn da eine »Armee« mit englischen Langbögen ausstatten will. Es liegt sicher daran, dass auf einer holländischen Mittelalterseite ein Link auf diese Bauanleitung vorhanden ist.
Die Top Ten sind (Stand: 4. Juni 2010, 23.33 Uhr):

  • Bauanleitung: Der Langbogen - 18803
  • Nähanleitungen / Schnittmuster: Die Cotte, auch Kittel oder Cotta & Der Sucrot - 2117
  • Der mittlelalterliche Schuh (mit Nähanleitung) - 1720
  • Martin Luther - Sein Leben & Die 95 Thesen - 1183
  • Die John Sinclair Timeline von Anfang an bis zum Jahr 2000 - 1710
  • Mittelalterliche Gürteltasche (mit Nähanleitung) - 1678
  • Video-Interview mit W.K. Giesa zum Ansehen, bestehend aus zwei Teilen - 1560
  • Timetraveller Episode 1 Unternehmen Zeitsprung von C.C. Slaterman - 1594
  • Lexine This is me - 1524
  • Hexen - 1391

Erfreulich ist, dass unsere angebotenen Serien – allen voran unsere Leitstory »Timetraveller« - regen Zuspruch finden. Es zeigt, dass wir damit unser Schiff Geisterspiegel auf richtigem Kurs steuern.
Um unseren Webspace nicht mit Videoclips zu belasten, nutzen wir vorrangig den eigens dafür eingerichteten youtube-Videokanal, um in Bild und Ton über Aktivitäten des Geisterspiegels zu berichten.
Noch in den Kinderschuhen befindet sich der GS-Blog auf www.wordpress.com. Dort sollen Presse- und Kurzmitteilungen, News oder sonstige Dinge ihren Platz finden, zu denen wenig Material für einen eigenständigen Beitrag vorhanden ist. Auch in diesem Bereich soll Qualität vor Quantität stehen. Es interessiert sicherlich keinen, wenn in China ein Sack Reis umfällt.

Die Autoren unserer Serien haben Spaß am Schreiben ihrer jeweiligen Storys. Diese bieten wir im Text- und/oder pdf-Format unseren Lesern an und genießen gegenüber anderen Beiträgen und Rezensionen absoluten Vorrang. Wir halten es genauso wie die großen Verlage, die kontinuierlich und vor allem pünktlich ihre Werke der Leserschaft anbieten, und sich nicht jahrelang hinter unglaubwürdigen Entschuldigungen verstecken. Unsere Leser warten auf die Folgebände und wollen nicht enttäuscht werden. Dies sind wir ihnen schuldig.
Nicht unerwähnt sollen die vielen Kurzgeschichten bleiben, die uns zur Verfügung gestellt wurden. Es ist ein Zeichen dafür, dass die Verfasser der Kurzgeschichten unseren Hinweis, den Geisterspiegel als Plattform für Hobbyautoren zu nutzen, ernst nehmen.
Natürlich gibt es auch bei uns Fragmente von Storys, von denen wir uns demnächst verabschieden werden und diese nicht mehr anbieten. Nicht, um Platz zu schaffen, sondern weil nicht zu Ende gebrachte Storys keinen Sinn ergeben.
Ein wenig stolz können wir sein, dass durch die direkte und indirekte Mitarbeit am Geisterspiegel es Autoren geschafft haben, bei Verlagen unter Vertrag genommen zu werden, so wie Kendall Kane, Sascha Vennemann, die Apokalyptischen Schreiber oder Andreas Zwengel als Sieger unserer Romanausschreibung.
Nicht vergessen möchte ich unsere 2. Anthologie »Dark Vampire«, die heute auf dem ColoniaCon 2010 präsentiert wird. 19 spitzenmäßige Kurzgeschichten sind darin enthalten, darunter mein absoluter Favorit »Milch« von Karin Jacob. Eigentlich schade, dass bei der Anzahl der eingereichten Storys nur 19 in die Anthologie aufgrund des vorgegebenen Rahmens aufgenommen werden konnten. Vielleicht ergibt sich die Möglichkeit, einen Teil 2 von »Dark Vampire« zu veröffentlichen oder diese bei Zustimmung der jeweiligen Autoren als pdf im Downloadbereich anzubieten.

Die Arbeit als Herausgeber verlangt es auch, dass man sich von Mitarbeitern trennen muss. Man geht aus meiner Sicht wie im Arbeitsprozess im weiteren Sinne einen »Vertrag« ein, und dieses Wort leite ich aus »vertragen« ab.
Manchmal kommt es auch vor – und dies ist ärgerlich -, dass ich aufgrund von ernstzunehmenden E-Mails Dritter Beiträge löschen muss. So geschehen im Fall unseres ehemaligen Mitarbeiters Ingo Löchel, wo Urheberrechtsverletzungen vorlagen. Es war letztendlich nach langem Überlegen und Abwägen meine Entscheidung, Ingo von seinen Aufgaben als Mitarbeiter zu entbinden, da er auch von sich aus dieses wünschte. Doch da gibt es eine kleine Handvoll User im Netz, die ihre Identität hinter Pseudonymen verbergen, es besser wissen, gebetsmühlenartig ihre Negativkritik gegenüber dem Geisterspiegel herunterleiern und neue Sticheleien aufflammen lassen.
Mit dem Erscheinen von zauberspiegel-online lag es auf der Hand, dass ein ähnlich gelagertes Magazin wie der Geisterspiegel sich der Phantastik widmen und es auch in Zukunft Berührungspunkte zwischen beiden Webseiten geben würde. Es geht nicht darum, darüber zu streiten, wer besser oder schlechter sei, wer welche Kontakte hat und wer welche nicht. Letztendlich geht es darum, unsere Leser zu unterhalten. Das sollte für jeden oberste Priorität haben.
Ich persönlich gehe bei Begegnungen auf Messen, Cons … auf den Herausgeber von zauberspiegel-online zu, reiche ihm die Hand zur Begrüßung, blicke ihm dabei in die Augen und suche das Gespräch. Das ist meine Art von Vergangenheitsbewältigung, Toleranz, Akzeptanz und loyales Verhalten.

Im letzten Jahr wurde der Geisterspiegel zum ersten Mal in seiner Geschichte für den Deutschen Phantastik Preis in der Rubrik »Beste Internetseite« nominiert. In der Endrunde belegten wir den fünften Platz, ein Beweis dafür, dass sich unsere bisherige Arbeit bewährt hat. Auch darauf können wir alle stolz sein.
Auch in diesem Jahr »kämpfen« wir darum, es erneut in die Endrunde und somit unter die fünf besten Webseiten zu kommen. Deswegen ein kleiner Geburtstagswunsch meinerseits an dieser Stelle: Gebt uns eure Stimme! Jede Stimme zählt und trägt dazu bei, dass der DPP noch bekannter wird.

Damit ich mich in naher Zukunft wieder mehr inhaltlichen Belangen des Geisterspiegels widmen kann, verändern wir das Layout unserer Webseite und steigen auf Typo 3 um. Einen Wiedererkennungseffekt wird es geben. Petra Arentzen hat dazu umfangreiche Vorarbeit geleistet, und ich trainiere – wenn es die Zeit erlaubt – in der extra für Trainingszwecke eingerichteten Sandbox.

Doch bis zum Start des neuen GS fließt noch viel Wasser die Lahn hinunter. Alle Inhalte müssen 1:1 übernommen werden. Dieser Schritt war notwendig, um Zeit und Platz zu gewinnen, notwendige Schritte der Erstellung von Beiträgen auf ein Minimum zu reduzieren und die Updates, ohne am Rechner sitzen zu müssen, online setzen zu können. Wie das neue Layout aussehen wird, soll heute noch nicht verraten werden. Lasst euch überraschen.

Copyright © 2010 by Wolfgang Brandt

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