Es ist für mich eine Zeit angekommen ...
Erst neulich habe ich mir darüber Gedanken gemacht, dass ich einerseits Zeit bräuchte, um all die Ideen und Vorhaben umsetzen zu können, die in meinem Kopf umherschwirren. Immer besser, schneller, höher ... Doch STOP! Andererseits soll ich nach glimpflich überstandener Krankheit kürzertreten, gesünder und relativ stressfrei leben, damit ich noch einiges umsetzen kann, was ich mir vorgenommen habe. Ergo - ich brauche Zeit und nehme mir Zeit dafür.
Just in diesem Moment tauchen vier zu einem Wort zusammengefasste Buchstaben vor meinem geistigen Augen auf: MOMO. Jeder, der Märchen mag, kennt die Geschichte von Michael Ende, in welcher eine gespenstische Gesellschaft grauer Herren am Werk ist und immer mehr Menschen veranlasst, Zeit zu sparen. Aber in Wirklichkeit betrügen sie die Menschen um diese ersparte Zeit. Als die Not am größten ist und die Welt ihnen schon endgültig zu gehören scheint, entschließt sich Meister Hora, der geheimnisvolle Verwalter der Zeit, zum Eingreifen. Doch dazu braucht er die Hilfe eines Menschenkindes. Die Welt steht still und Momo, die struppige kleine Heldin der Geschichte, kämpft ganz allein, mit nichts als einer Blume in der Hand und einer Schildkröte unter dem Arm, gegen das riesige Heer der grauen Herren - und siegt auf wunderbare Weise.
Auch der aus Russland stammende Film DAS MÄRCHEN VON DER VERLORENEN ZEIT tritt plötzlich aus meinem Unterbewusstsein hervor.
Petja, Schüler der dritten Klasse, kommt morgens nur schwer aus dem Bett und trödelt auch sonst den ganzen Tag herum. So fällt er einem bösen Zauberer in die Hände, der den Schulkindern alle verbummelte Zeit wegschnappt, um sich Verjüngungskuchen daraus zu backen. Während Petja sich in einen Großvater mit weißem Bart verwandelt, den niemand erkennt, wird der Zauberer jung. Und weil er nichts gelernt hat, besitzt er nicht einmal Geld, um sich ein Stück Gebäck kaufen zu können. Im Zauberwald erfährt er von drei weiteren verwandelten Kindern. Wenn er sie findet, müssen sie gemeinsam die Zeiger einer Uhr um drei Runden zurückdrehen, um dem Spuk ein Ende zu setzen. Eine abenteuerliche Suche beginnt ...
Jeder Mensch hat seine eigene Vorstellung vom Begriff Zeit und interpretiert diesen für sich persönlich. Einige verbinden die Zeit mit der Uhr an der Wand, für andere ist er ein stetiger Lebensfluss mit all seinen Veränderungen. Die einen besitzen so viel Zeit, dass sie gar nicht mehr wissen, was sie damit anfangen sollen. Für andere wiederum scheint Zeit purer Luxus zu sein und hätten gern mehr davon.
Mit seinem Roman The Time Machine markierte Autor H. G. Wells den Anfangspunkt moderner Zeitreisegeschichten und greift im Kapitel 1 die weit vor Einsteins Relativitätstheorie vertretene Auffassung, Zeit als 4. Dimension zu betrachten, auf:
»... Now, it is very remarkable that this is so extensively overlooked,« continued the Time Traveller, with a slight accession of cheerfulness. »Really this is what is meant by the Fourth Dimension, though some people who talk about the Fourth Dimension do not know they mean it. It is only another way of looking at Time. There is no difference between time and any of the three dimensions of space except that our consciousness moves along it. But some foolish people have got hold of the wrong side of that idea. You have all heard what they have to say about this Fourth Dimension?«
»I have not,« said the Provincial Mayor.
»It is simply this. That Space, as our mathematicians have it, is spoken of as having three dimensions, which one may call Length, Breadth, and Thickness, and is always definable by reference to three planes, each at right angles to the others. But some philosophical people have been asking why three dimensions particularly - why not another direction at right angles to the other three? - and have even tried to construct a Four-Dimension geometry. Professor Simon Newcomb was expounding this to the New York Mathematical Society only a month or so ago. You know how on a flat surface, which has only two dimensions, we can represent a figure of a three-dimensional solid, and similarly they think that by models of thee dimensions they could represent one of four - if they could master the perspective of the thing. See? ...«
Doch kann man mit Zeitreisen den Verlauf der Geschichte und somit auch den Verlauf seines eigenen Handelns verändern? Ich bin nicht der Auffassung. Fehler und Versäumnisse sind gemacht worden, sind etwas Vollendetes. Sicherlich wäre eine Zeitreise eine willkommene Gelegenheit, um eine Korrektur herbeizuführen. Betrügt man sich damit nicht selbst? Besser erscheint mir, seine zur Verfügung stehende Zeit für die Veränderung bestehender Um- und Zustände zu nutzen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und Qualität an den Tag zu legen - denn weniger ist manchmal mehr, und ein tägliches Update im Geisterspiegel nur des Updates wegen zu machen und sich damit zu den biggest people zählen zu können, ist nicht mein Ding. Da gibt es schon andere Möglichkeiten, um auf sich aufmerksam zu machen - wie zum Beispiel Präsenz bei Cons und Messen (zusammen mit der Romantruhe auf der Leipziger Buchmesse 2012) zeigen. Dazu nutze ich gern meine zur Verfügung stehende Zeit.
Einen weiteren Nutzen zur Steigerung des Bekanntheitsgrades sehe ich in den Community-Plattformen Facebook, Twitter und Co. Dabei kommt es gar nicht darauf an, wie oft der Gefällt mir-Button angeklickt wird. Es geht doch vielmehr darum, zwischenmenschliche Kontakte zu pflegen und auszubauen, auch mit der Gefahr dahingehend, ein Pro oder Kontra zu ernten. Wer sich dagegen wehrt und seine Augen verschließt, weil er nicht mit Kritik umgehen kann, verschenkt Potenzial oder geht mit seinem Account halbherzig um. Man muss sich auch dafür Zeit nehmen. Ich nehme sie mir, wenn Zeit dafür vorhanden ist.
Einen Wunsch habe ich, der jedoch sehr zeitaufwendig ist. Der Geisterspiegel soll moderner, attraktiver, inhaltsreicher und anschaulicher werden. Auch eine Art von Veränderung und Bewegung, ohne dabei auf Bewährtes verzichten zu müssen. Ein erstelltes Script in Typo 3 ist bereits vorhanden und wartet auf Inhalte, die 1:1 eingepflegt werden müssen. Und dafür brauche ich Zeit, die ich momentan nicht aufbringen kann, um mich noch intensiver mit dem Content Management System auseinanderzusetzen. Vielleicht findet sich unter unseren Lesern jemand, der mich dabei unterstützen könnte.
Die Zeit vergeht nicht schneller als früher, aber wir laufen eiliger an ihr vorbei.
(George Orwell)
In diesem Sinne wünsche ich allen eine schöne Zeit.
Copyright © 2011 by Wolfgang Brandt