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Der Leitartikel

November 2008

Das eBook und ich - Ein Selbstversuch

von Cornelia Sibilitz

Das eBook, also das elektronische Buch, ist in aller Munde und auch auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse ist das eBook einer der Stars. Auf der IFA 2008 stellte der Elektronik-Konzern Sony seinen neuen eBook Reader vor. Der PRS-505 soll im ersten Halbjahr 2009 auch in Deutschland eingeführt werden, gemeinsam mit dem Buchgroßhändler Libri und der Buchhandelskette Thalia ein Lesegerät rauszubringen. Aber auch Amazon wird, laut Fokus-online, in absehbarer Zeit ein eigenes Lesegerät auf den deutschen Markt bringen, den »Kindle«.
Schön und gut, denk ich mir - solange diese Dinger zum einen bezahlbar und zum anderen auch leicht bedienbar sind, warum nicht?

Ein guter Bekannter von mir ist begeisterter eBooker und wollte mich auch, die ich ja eine große Leseratte bin, ebenfalls für diese Form des Buches begeistern. Also lieh er mir für sieben Tage sein altes Lesegerät, denn er hatte sich gerade ein Neues gekauft für schlappe 799,00 Euro. Also brachte er mir vor einigen Wochen das eBook-Lesegerät samt Bedienungsanleitung und einem Gutschein für ein eBook meiner Wahl. »Glaub mir«, sagte er, »nach der Testphase willst du nie wieder ein richtiges Buch haben!«

Sach-eBook mit Benutzerwerkzeug

Es ist ja nicht so, dass ich noch nie zuvor ein eBook gesehen habe. Abgesehen davon, dass ich einmal eines geschrieben hatte, besitze ich durchaus welche: Sachbücher oder wie ich sie nenne: Sach-eBook.
Die Digitale Bibliothek hat viele Bücher in elektronischer Form rausgebracht und von eben diesen besitze ich nun ganze elf Bände, hauptsächlich mit historischen Sachbüchern, aber auch zwei Bände, in denen deutsche und englische Literatur in Gesamtausgaben vorhanden sind. Ich muss allerdings zugeben, dass die Wahl diese Bücher als elektronische Bücher zu besitzen eher von finanzieller Natur als von wirklicher Überzeugung geprägt ist.
Zudem wirbt die Digitale Bibliothek damit, dass man die Sachbücher nicht nur lesen, sondern auch mit ihnen arbeiten kann! Also ein weiterer Vorteil, wenn man denn weiß, wie man die Werkzeuge auch benutzen kann! Ja, es gibt eine mehrseitige Bedienungsanleitung, allerdings zeigt diese eher, wie man die Bücher auf die Computer diverser Hersteller mit diverser Software installieren kann, als wie ordentlich und für jeden verständlich beschrieben wird, wie man mit den Werkzeugen arbeiten kann. Ähnlich wie viele Hersteller von Computerspielen sind wohl auch die Macher der Digitalen Bibliothek der Meinung, dass jeder Benutzer eines PCs auch sämtliche Fachbegriffe drauf hat. Sorry meine Lieben, aber es gibt auch Leute wie mich: Absolute Computer-Technik-Neandertaler!

Ich vs. eBook-Lesegerät

Und genau an diesem fehlenden Technik-Verständnis mangelte es. Trotz des intensiven Studierens der Bedienungsanleitung benötigte ich Hilfe. Nach erfolglosen und entnervenden drei Tagen kam zum Glück eine Freundin vorbei, mit der ich mich eigentlich über den großen Judenaufstand von 132-135 nach Christus austauschen wollte. Wir verbrachten den Hauptteil des Nachmittags allerdings darin, das Lesegerät so einzustellen, dass ich nicht nur endlich ein Buch drauf bekam, sondern, dass ich es auch bedienen konnte. Aber auch das ging nicht ohne Probleme vonstatten, sodass ich am Ende nicht nur keine Lust mehr aufs Lesen hatte, sondern das Teil auch um ein Haar gegen die Wand geklatscht hätte. Sehnsüchtig schielte ich zu meinen Büchern hin. Eines aus dem Regal nehmen, aufschlagen, lesen, genießen … aber das hier? Arghs!

Das eBook und ich - Das Ende vom Versuch

Bereits nach fünf Tagen brachte ich meinem Bekannten sein Lesegerät zurück. Ich glaube allein an meinem Gesichtsausdruck hatte er erkannt, dass er mich damit nicht überzeugen konnte.
Ich habe es versucht - wirklich! Nachdem endlich das Buch drauf war, wollte ich das Buch so genießen als wäre es ein richtiges Buch. Ich nahm das Lesegerät dort mithin, wohin ich meine Bücher mitnehme, ich lümmelte mich so auf mein Sofa, in meinem Bett, auf der Parkbank, wie ich es auch mit meinen anderen Büchern mache.
Die wirkliche Leselust wollte nicht aufkommen!
Nicht nur, weil die Technik mich weiterhin nervte, nein, weil das eBook mir einfach zu steril ist.
Wieder zu Hause angekommen stellte ich mich vor meinen Bücherschrank und ließ meinen Blick über die Buchrücken gleiten. Ich griff zu und hatte ein Buch in der Hand, das mich seit über zwanzig Jahre begleitet: Da ist das Cover, dem man die viele Stunden Leselust ansieht, da sind die leicht gelblichen Seiten, die vom Alter des Buches zeugen, da ist der Geruch, den nur ein Buch haben kann.
Bücher erzählen nicht nur die Geschichte, die zwischen ihren Buchdeckeln versteckt ist, sondern sie erzählen auch Geschichten aus dem eigenen Leben, wie ein eBook das niemals kann.
Als ich mich - auf dem Bett lümmelnd - in die Buchseiten vertieft hatte, dachte ich noch einmal kurz zu dem eBook und dem Lesegerät zurück. Es mag seine Berechtigung und es mag viele Fans haben und es werden durchaus noch viele hinzukommen.

Aber wo ist denn da der Spaß?

eBooks bekommt ihr unter anderem hier:

www.vph-ebooks.de
www.beam-ebooks.de
www.libri.de
www.amazon.de

© Cornelia Sibilitz

 

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