
Der Leitartikel

September 2011
Druckkostenzuschuss - Ein ewig aktuelles Thema
Es ist nicht lange her, da erreichte mich ein offener Brief. Absender ein Verlag, der auch im Bereich Druckkostenzuschuss tätig ist. Inhaltlich ging es um die Kampagnen gegen diese Geschäftsidee.
Besonders ärgerte ihn, dass offenbar zwei schwarze Listen existieren, die solche DKZ-Verlage aufführen. In dem Brief heißt es:
[…] »Zum Verständnis der ›Schwarzen Liste‹: Listen dieser Natur richten sich gegen Toleranz, Freiheit, Demokratie und auch den marktwirtschaftlichen Wettbewerb. Solche ›Schwarze Listen‹ werden fast ausschließlich von Diktaturen erstellt. Der Sinn der ›Schwarzen Liste‹ wendet sich ausnahmslos und vernichtend gegen die körperliche, soziale oder auch wirtschaftliche Existenz von Personen oder Einrichtungen.« […] Starke Worte also, die eine ganze Branche zu Verfolgten und Gedemütigten machen soll. Hier wird mit Gefühlen gearbeitet, die aber unangebracht sind.
Was genau tun DKZ-Verlage?
Im Grunde ist diese Frage einfach zu beantworten – sie nehmen von einem Autor Geld dafür, dass sie sein Buch auf den Markt bringen. Meist handelt es sich um eine drei- bis vierstellige Summe als Basis-Vergütung, in der nicht mehr als der Druck, eine ISBN, die Meldung des Titels an das Verzeichnis lieferbarer Bücher und die Bereitstellung des Werks über Versender und – vielleicht – Buchhandlungen enthalten ist.
Lektorat, Korrektorat und Covergestaltung sind in der Regel Sonderleistungen, die gesondert zu berechnen sind.
Für einen Betrag X wird eine fixe Anzahl von Büchern gedruckt, die dann im Lager des Verlags liegen.
Werbung ist im großen Umfang ebenfalls kaum enthalten, hier muss der Autor aktiv werden.
Was ist verwerflich an solch einem Vorgehen?
Diese Frage ist schon etwas schwerer zu beantworten.
Grundsätzlich könnte man sagen, dass jeder Autor im Vorfeld informiert ist, was er bekommt, was er erwarten kann und was es kostet.
Oft wird dem hoffnungsvollen Autor, der vielleicht unzählige Absagen großer Verlage bekommen hat, suggeriert, er könne auf diese Weise ein angesehener Autor werden, das ausgegebene Geld wieder verdienen und sich einen Namen machen.
Und dem ist nicht so!
Ein Verlag, der sich die Druckkosten und meist auch einen kleinen Gewinn vom Autor bezahlen lässt, hat zum einen kein gesteigertes Interesse daran, das Werk anschließend zu verkaufen. Zum anderen ist er nicht wählerisch, sodass er wirklich jedes Werk annimmt, welches ihm angeboten wird – er trägt kein Risiko.
Es kam sogar schon vor, dass Autoren die Druckkosten trugen, sich das Buch nicht verkaufte und der Verlag mit Einstampfung drohte – es sei denn, der Autor kauft die gedruckten Exemplare. Auf diese Weise wurde der Autor gleich zweimal zur Kasse gebeten.
Die angebotenen Leistungen sind im Grunde recht billig zu haben.
Die Meldung eines Titels ans VLB kostet im Jahr weniger als vier Euro, eine ISBN kaufen Verlage in hunderter oder tausender Stückzahl; pro ISBN sprechen wir also von einem Mini-Betrag.
Der Druck ist dank Digitaldruck ebenfalls nicht sonderlich teuer. Vor allem dann, wenn man sich eine größere Stückzahl ins Lager legt.
Würde der Autor das Buch im Selbstverlag herausbringen, käme er auf einen sehr viel niedrigeren Betrag. Etwas an die 500 Euro, inklusive 50 Exemplare zum freien Verkauf.
Selbst Book on Demand ist preiswerter. Zumal keine hohen Stückzahlen gedruckt werden. Der bekannteste Anbieter heißt schlicht Book on Demand und bietet seine Dienste im Web an; vor Messen meist mit der Möglichkeit, das Buch auf der Buchmesse zu präsentieren.
Nun möchte ich natürlich nicht behaupten, dass wirklich alle DKZ-Verlage allein auf das Geld des Autors schielen. Es mag auch Verlage geben, die sich tatsächlich um das Buch und den Autor bemühen. Sinnvoller wird das Angebot dadurch aber nicht. Zudem tummeln sich einfach zu viele schwarze Schafe auf dem Markt. Vor allem die in Frankfurt ansässige Frankfurter Verlagsgruppe tat sich in der Vergangenheit mit eher fragwürdigen Praktiken und unzähligen Klagen gegen Kritiker hervor. Als besonders interessanter Artikel gilt hier eine Seite des Autoren-Magazins, zu finden unter www.autoren-magazin.de.
Was kann man also Autoren raten, die bei großen Verlagen mit ihren Werken scheitern? Ist ein DKZ-Verlag eine Alternative?
Nein!
Nicht nur, dass man sehr viel Geld für sehr wenig sinnvolle Leistung zahlt. Man wird auch von anderen Autoren und Verlagen sehr misstrauisch und abwertend beäugt. Denn wie das LG Stuttgart in seinem Urteil vom 21.7.2006 zu Az 17 O 338/06 ausführt:
[…] »Denn nicht nur in Fachkreisen gilt es als unseriös, einen Zuschussverlag zu betreiben, in welchem die Autoren für die Erstellung ihrer eigenen Bücher bezahlen müssen.« […]
Entsprechend dem sollten Autoren nicht versuchen, seriöse und unseriöse DKZ-Verlage zu unterscheiden, um dann bei einem seriösen DKZ-Verlag zu unterschreiben. Es wäre auf jeden Fall falsch, der Autor gebrandmarkt. Selbst die Wikipedia führt keine Autoren auf, die bei einem DKZ-Verlag unterschrieben haben.
Was kann ein Autor tun, wenn er veröffentlicht werden will und große Verlage ablehnen?
- Sich in einem Autorenforum anmelden und ernsthafte, ehrliche Kritik zu seinem Werk einsammeln. Oftmals wird man von Freunden und Verwandten über den grünen Klee gelobt, tatsächlich weist das Manuskript aber große Schwächen auf.
- Sich an Kleinverlage wenden. Hier wird oft der Autor tatsächlich gefördert, finanzielle Interessen sind nicht das Wichtigste.
- Wenn all das nicht hilft, bleibt der Weg über BoD. Dies ist eine anerkannte und faire Art des Verlegens.
Oder …
- … einen Selbstverlag gründen; Tipps und Hinweise dazu gibt es unter anderem im Autorenhaus-Verlag, zu empfehlen ist das Buch Mini-Verlag – So verkaufen Sie Ihr Buch (www.autorenhaus-verlag.de)
Auch wenn die DKZ-Branche weint, sich ungerecht behandelt fühlt und nun das Bild von sich in der Öffentlichkeit und in Fachkreisen ändern möchte, bleibt eines bestehen: Druckkostenzuschussverlage sollten für alle Autoren ein absolutes No-Go sein!
Copyright © 2011 by Gunter Arentzen
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