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Der Leitartikel

Januar 2008

Druckkostenzuschuss – Teuer bezahlte Eitelkeit

Autoren schreiben, Verleger verlegen und Leser lesen. Das ist vereinfacht gesagt das Prinzip, nach dem der Literaturbetrieb funktioniert. Die Aufgaben sind klar verteilt, ebenso die Risiken.
Der Autor hat das Risikos dass das, was er da schreibt, keinen Verleger findet oder dem Lektor missfällt.
Der Verlag hat das Risiko dass das, was er da verlegt, von keinem gelesen wird. Er zahlt also Honorar, Druckkosten und Werbung, ohne die Unkosten wieder decken zu können.
Der Leser wiederum hat das Risiko, ein Buch zu erstehen, dass ihm am Ende nicht gefällt. Geschieht dies, wird er im schlimmsten Fall das Werk nach kurzer Zeit zur Seite legen oder es bei eBay, Amazon oder Booklooker einstellen, um es wieder loszuwerden.
Doch seit einiger Zeit gibt es findige Verleger, die eine Umkehr des Risikos anstreben – so genannte Druckkosten-Zuschussverlage (DKZ-Verlage). Diese Unternehmen arbeiten nicht wie richtige Verlage, sondern sie fordern von dem Autor Geld für das Verlegen des Buches. Das, was als »Zuschuss« bezeichnet wird, sind dabei häufig die gesamten Kosten inklusive Gewinn für den Verlag. Preise von 5000 Euro und mehr sind keine Seltenheit. Im englischsprachigen Raum werden diese Verlage als Vanity Press bezeichnet – vanity bedeutet Eitelkeit. Der Sinn dieser Bezeichnung ist klar – die Verlage machen Geld mit der Eitelkeit der Autoren, die unbedingt verlegt werden wollen.
Das Vorgehen der DKZ-Verlage ist meist ähnlich. Sie schmücken sich mit großen Namen, z.B. Goethe. Mittels Kleinanzeigen wie »Verlag sucht Autoren« wenden sie sich an Schreiber, die händeringend verlegt werden wollen, schmeicheln ihnen in Schreiben und bieten ihnen an, sie zu verlegen. Die Autoren, zu diesem Zeitpunkt im Freudentaumel, erfahren erst am Ende des Briefs, dass sie sich an den Druckkosten zu beteiligen haben. Dabei wird ihnen suggeriert, dass dies normal sei, auch große Autoren (wieder Goethe) hätten manche Werke selbst verlegt. Ist das Hirn der Schreiberlinge zu diesem Zeitpunkt von Glückshormonen überschwemmt, so dass sie nicht mehr klar denken können, nicken sie bekräftigend und zahlen einen großen Batzen, damit ihr Buch in hoher Auflage erscheint. Denn an der Qualität ihres Werkes zweifeln sie keine Sekunde, hat doch die Lektoratskonferenz des DKZ-Verlages beschlossen, das Buch zu verlegen. Und einmal auf dem Markt verkauft sich das Buch ohnehin, so dass die Ausgaben rasch wieder eingenommen sind. Schließlich steht ihnen laut DKZ-Vertrag eine Beteiligung zu.
Haben sie das Geld gezahlt und erscheint das Buch, werden sie mit der harten Wirklichkeit konfrontiert. Keine Verkäufe, das Buch steht nicht im Laden und Werbung sucht man mit der Lupe. Denn ein echtes Interesse des DKZ-Verlages, das Buch an den Mann zu bringen, besteht nicht. Der Verlag verdient am Autoren, nicht am Leser. Obwohl das Werk in der Regel eine ISBN trägt und über den Buchhandel bezogen werden kann.
Dem Autor bleibt, will er auch gelesen werden, nichts anderes übrig als selbst aktiv zu werden. Er muss sein Buch vermarkten, muss Rezensionsexemplare versenden und alles daran setzen, um sein Werk an den Mann zu bringen. Hin und wieder muss er die von ihm ohnehin bezahlten Bücher vom Verlag erwerben, um sie auf eigene Kappe verkaufen zu können. Somit verdient der Verlag doppelt – der Plan geht auf.
Nun werden Sie sich fragen, was das mit Ihnen zu tun hat. Schließlich geht all das nur den Verlag und den geprellten Autor etwas an, als Leser kann es Ihnen egal sein, wie ein Buch auf den Markt kommen.
Aber hier kommt nun das zum Tragen, was ich eingangs erwähnt habe – das Risiko des Lesers. Denn dem DKZ-Verlag ist egal, wie gut oder schlecht das Werk ist, dass er druckt. Da er ohnehin nicht auf den Verkauf des Buchs spekuliert, druckt er auch den größten Mist. Schlechtes Deutsch, undurchdachte Story, blasse Charaktere. Den Verlag kümmert all das nicht. Schließlich trägt er kein Risiko, also bringt er zwischen zwei Buchdeckel, was der Autor eben zahlt. Sicherlich mag es auch gute Bücher aus DKZ-Verlagen geben. Doch das Risiko des Lesers, den größten Schund zu erwischen, ist ungleich höher. Daher sollten Leser solche Verlage meiden.
Die Frage, die sich nun stellt ist natürlich, wie man solche Verlage erkennen kann. Nun, die Antwort ist nicht schwer – ein Blick auf die Homepage des Verlages genügt. Kein großer Aufwand also, zumal viele Leser ohnehin bei Amazon etc. bestellen.

In diesem Sinne auf ein spannendes Lesejahr 2008

ga

 

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