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Der Leitartikel

März 2011

Der erste Eindruck

Man sagt, dass das Umfeld, in welchem man sich bewegt, Menschen formt. Schon von Kindes Beinen an wird man auf sein zukünftiges Leben vorbereitet – ob im Elternhaus, in der Schule, in der Ausbildung bzw. im Studium. Selbst im Berufsleben und im hohen Alter lernt man nicht aus. Immer wieder trifft man auf Neues, Unbekanntes. Immer wieder wird man mit Fragen konfrontiert: Ist mein Gegenüber mir symphatisch oder unsymphatisch? Kann ich mit ihm auf gleich hohem Niveau kommunizieren? In welche Schublade werde ich durch ihn gesteckt? Welchen ersten Eindruck hat er von mir gewonnen? Gerade dieser erste Eindruck ist beim Kennenlernen neuer Mitmenschen von besonderer Bedeutung. Es ist dabei nicht entscheidend, ob ich mich auf einer Party, in einem Vorstellungs- oder Beratungsgespräch, an der Rezeption einer Firma oder auf Buchmessen befinde. Vom ersten Eindruck hängt es ab, wie sich die weitere Kommunikation entwickelt.

Während der bevorstehenden Leipziger Buchmesse werde ich mit Sicherheit zum ersten Mal auf Personen treffen, die bisher noch nicht meinen Lebensweg kreuzten. Ich meine hier nicht die vielen Tausend Besucher, sondern potentielle Gesprächspartner. Noch während ich auf diesen zugehe, ist er mir symphatisch, noch bevor ein Wort gewechselt wurde. Entsprechend offen reagiere ich. Oder umgekehrt: Mein Gesprächspartner ist mir auf Anhieb unsymphatisch. Coolness ist angesagt.
Wie ist dies möglich? Was steckt dahinter? Alles wirkt so irrational. Doch geht es mir wie allen Mitmenschen. Nur ein Wimpernschlag entscheidet darüber, wie das weitere Gespräch verläuft.
Bei gegenseitiger Symphatie wirft man sich die Bälle in einer lockeren und unverkrampften Atmosphäre gegenseitig zu. Bei Antipathie hingegen kommt das Gespräch schnell ins Stocken. Ein mulmiges Gefühl macht sich bemerkbar, die Chemie stimmt nicht, der Gesprächspartner baut eine Barriere auf, damit ich an ihn nicht rankomme. In solch einem Fall ist die Kommunikation schnell beendet und das Gesprächsergebnis nicht das, was ich mir eigentlich vorgestellt habe.
Normalerweise ist man, wenn man einen Menschen zum ersten Mal trifft, ein unbeschriebenes Blatt. Ob es tatsächlich so ist, kann man nicht genau feststellen. Im Zeitalter moderner Kommunikationsmöglichkeiten eilt einem schnell ein guter oder schlechter Ruf voraus. Nicht immer dokumentieren Foren- oder Blogeinträge und Kommentare von Usern in Fanzines, die in das Lied, welches ihnen vorgesungen wird, einstimmen, das wahre Bild der Person; ohne sich dabei im Klaren zu sein, dass man den Menschen, über die man ohne Sinn und Verstand ablästert, noch nie persönlich begegnet ist. Für solche User reicht die Antipathie eines Einzelnen, um sich einen ersten Eindruck über den Anderen zu verschaffen. Doch damit verharren sie nur an der Oberfläche der von mir gewählten Thematik und dringen nicht bis zum Kern vor.

Schon beim Gewinnen des ersten Eindrucks wird man von seinem Gegenüber gedanklich in drei Schubladen gesteckt, die für den weiteren Verlauf bedeutend sind: 1. Blasser Typ (unsymphatisch), 2. 0815-Typ (nichtssagend), 3. Interessanter Typ (symphatisch). Ich kann die Schublade, in welche ich gesteckt werde, nur schwer wieder öffnen, um die Meinung über mich ändern zu können. Das Entscheidende dabei ist für mich, schon von Anfang an dafür zu sorgen, dass ich in die von mir gewünschte Schublade gesteckt werde. Dabei sind viele Faktoren wie zum Beispiel Erscheinungsbild (Kleidung, Statur), Körpersprache (Haltung, Gang, Mimik, Gestik) oder Sprache (Wortwahl, Sprechweise) maßgebend. Solche Äußerlichkeiten entscheiden darüber, ob mir mein Gegenüber seine Gunst schenkt. Ich zeige Profil, habe den Mut, auch mal anderer Meinung als mein Gesprächspartner zu sein, selbst auf die Gefahr hin, verdutzt angeschaut zu werden. Gerade dieser Aspekt ist für mich ein Signal, dass ich seine Aufmerksamkeit geweckt und somit den Grundstein einer echten Kommunikation gelegt habe.

Auf einen Faktor möchte ich eingehen – das Erscheinungsbild. Die Frage, ob Kleider Leute machen, beantworten Experten eindeutig mit JA. Durch die Wahl meiner Kleidung auf den Buchmessen signalisiere ich meinem Gesprächspartner mein persönliches Ich. Mit dem von mir gewählten Outfit versetze ich mein Gegenüber in die Lage, diese Signale dechiffrieren zu können. Es bietet ihm die Möglichkeit, sich erste optische Informationen über Alter, Einstellung zur Thematik, wirtschaftliche Verhältnisse ... einzuholen.

Für mich ist ein sauberes und gepflegtes Erscheinungsbild während der Buchmessen eine Selbstverständlichkeit. Mit ungeputzten Schuhen, ungebügelter Kleidung, fehlenden Knöpfen, einem Hemd, auf dem man die Speisekarte des letzten Kneipenbesuches nachvollziehen kann, oder sogar mit Schlammspritzern an den Hosenbeinen sollte man seinen Gesprächspartnern nicht gegenübertreten. Auch bei verquollenen Augen nach durchzechter Nacht bei After Work Partys oder Ähnlichem sei es angeraten, sich lieber auszuschlafen und seine Termine besser auf den Nachmittag zu legen.
Wer das Outfit passend zu seiner Persönlichkeit auswählt und dabei seinen eigenen Stil gefunden hat, vermittelt Glaubhaftigkeit, Kompetenz und strahlt Persönlichkeit aus.

Fazit:
Das Sprichwort Der erste Eindruck zählt! ist aktueller denn je. Was unsere Großeltern unter guten Manieren verstehen, ist heute im Business und damit auch bei den Buchmessen gefragt. Wer für seinen kommerziellen oder nichtkommerziellen Auftritt das Optimum erreichen möchte, muss im Ganzen überzeugen. Wer mit fachlichem und persönlichem Wissen auftrumpfen will, sollte sich auch Gedanken über sein äußerliches Erscheinungsbild machen. Denn gut gekleidet wirkt man ehrlicher und seriöser.
Für den ersten Eindruck wird es keine zweite Chance geben.

Copyright © 2011 by Wolfgang Brandt

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