Januar 2011
Alltag und Wahnsinn
Alle Jahre wieder besinnt man sich zum Jahresende oder eben am Jahresanfang auf die zurückliegenden 12 Monate. 1 Jahr, 12 Monate, 52 Wochen, 365 Tage, 8760 Stunden, 525600 Minuten, 31536000 Sekunden.
Eine lange Zeit, in der viel passieren kann. Und in der auch viel passiert, jedoch bleiben nicht alle Dinge im Gedächtnis haften, besonders die alltäglichen nicht. Und doch ist es der Alltag, in dem wir die meiste Zeit verbringen. Über besonders schöne, lustige aber auch schlimme und traurige Dinge berichten wir mehrmals in der Woche auf dem Geisterspiegel. So lassen wir unsere Leser teilhaben an Events, welche wir besuchen, an Interviews, die wir führen aber auch an News, die eben nicht immer erfreulich sind.
Nun wurde ich in diesem Jahr besonders oft gefragt, wie wir das alles eigentlich schaffen. Schließlich ist der Geisterspiegel nach wie vor ein reines Hobbyprojekt und wird ausschließlich in der Freizeit gepflegt. Und da bin ich auch schon in den letzten Wochen des Jahres angelangt. Von Januar bis September ist alles ganz einfach. Da hat der Arbeitstag tatsächlich nur 7,5 Stunden, der Urlaub fällt in diese Zeit und einige Feiertage, die einem manchmal sogar ein verlängertes Wochenende bescheren.
Doch dann beginnt der alljährliche Wahnsinn – das Weihnachtsgeschäft. Was das bedeutet, weiß jeder, der im letzten Quartal und dabei besonders im letzten Monat des Jahres Einkäufe tätigte oder wie ich im Einzelhandel arbeitet. Ganz plötzlich kommt die Zeit der Geschenke. Erst Nikolaus, der unterdessen in einigen Familien zu einer Vorpremiere des Heiligabends verkommen zu sein scheint, wenn ich sehe, was da schon an Geschenken gekauft wird, und dann der Tag der großen Gaben schlechthin, der 24. Dezember.
Und ich sag euch was, wenn der Weihnachtsmann nach diesem Weihnachtsfest nicht mindestens einen Bandscheibenvorfall erlitten hat, dann ist ihm mit Sicherheit der Sack geplatzt, so voll, wie der gewesen sein muss. Und dabei möchte ich gar nicht wissen, wie es seinen Helfern in den hübschen gelb-roten Jacken mit dem wunderschönen Aufdruck DHL ergangen ist, die sogar noch mit einem Tag Verspätung Geschenke ausliefern mussten.
Tja, doch was wurde da denn nun eigentlich alles verschenkt?
Dazu gibt es auf www.finanzen.net ein Ranking und auf Platz 1 steht dort … BÜCHER. Gefolgt von Gutscheinen/Geld und Kleidung und auf Platz 6 DVDs/CDs. Muss ich mich dann wundern, dass ein Arbeitstag im Weihnachtsgeschäft eben nicht nach 7,5 Stunden vorbei sein kann?
Ich für meinen Teil finde es höchst erfreulich, dass gerade Bücher das Top-Geschenk sind. Denn sie sind eines der Hauptthemen unserer Homepage. Auf meinem Gabentisch lagen übrigens gleich zwei Bücher und eine DVD-Box. Damit passe ich doch als Beschenkte ziemlich gut in dieses Ranking. 
Interessant wäre es zu wissen, welche Bücher und DVDs/CDs nun die Liste anführen. Auch dazu wird es Statistiken geben, die ich aber hier nicht anführen möchte, denn für uns Phantasten sind diese doch weitestgehend belanglos. Wir wissen doch immer ganz genau, was wir lesen und sehen/hören wollen. Auf eine CD möchte ich aber doch hinweisen, die viel gekauft wurde und bei der ich mir nicht sicher bin, ob sie überall tatsächlich Gefallen fand. Unheilig besingt darauf ein Frohes Fest. Für alle, die Heiligabend auf einem Friedhof gefeiert haben, die richtige Musik. Und natürlich für Weihnachtshasser wie mich. Aber im besinnlichen Kreis der Familie? Das könnte unter Umständen bei einigen Leuten schief gegangen sein.
Nun bin ich doch bei beliebten Geschenken und dabei sehr froh, Autorennamen wie Markus Heitz, Wolfgang Hohlbein, Frank Schätzing, Andreas Franz oder Dan Brown nennen zu können. Das ist nur eine subjektive Auswahl meinerseits, aber doch bezeichnend dafür, dass die Genre vom Geisterspiegel weit vorn lagen. Dazu Filme wie »Die Säulen der Erde« und »Eclipse« und Musik von Hurts und Unheilig, ja, dafür sind die Bescherungshelfer bestimmt gern am 25.12. nochmal ausgerückt.
Und nun ist für das Jahr 2010 der ganze Trubel vorbei und wir warten gespannt, was das Jahr 2011 für uns bereithält.
9 Monate Alltag, in denen wieder einiges passieren wird, was sich alljährlich wiederholt. Die Leipziger Buchmesse, diverse Cons (in diesem Jahr haben wir Premiere auf dem DortCon und das gleich mit einem eigenen Panel), Urlaub, das 2. Mittelhessen-Treff Phantastik für Fans und Kreative usw. Doch dazu hoffen wir natürlich auch in diesem Jahr wieder auf nicht Alljährliches, auf Besonderes und Spezielles. Etwas, das passiert, bevor der alljährliche Weihnachtswahn wieder von meiner Freizeit Besitz ergreift und mich am Jahresende dazu zwingt, zugeben zu müssen, dass ich nicht alles erreicht und umgesetzt habe, was ich mir vorgenommen hatte. Aber dazu muss ich zu meiner Verteidigung auch sagen, dass mir meine Tätigkeit im Buchhandel genauso viel Spaß macht wie mein Hobby, und deshalb ist es in meinen Augen nicht so schlimm, wenn ich nicht alle Bücher gelesen und rezensiert habe, wenn die 15 Fragen eine kleine Winterpause machen oder einige Autoren, die an mich herangetreten sind, noch auf Artikel und Interviews warten.
Als Herausgeberin des Geisterspiegels schaue ich optimistisch in das neue Jahr und bin gespannt, was es für uns bereithält.
Copyright © 2011 by Anke Brandt