Sie sind hier: Startseite - Download/Archiv - Das Archiv - Leitartikel: "Alle Jahre wieder die gleiche Prozedur …"


Der Leitartikel

Dezember 2008

Alle Jahre wieder die gleiche Prozedur …

Oder: Weihnachten kommt ja so urplötzlich

von Wolfgang Brandt

Wenn die ersten Lebkuchenherzen und Schokoladenweihnachtsmänner in den Regalen auftauchen, dann weiß jeder: Die Adventszeit nähert sich mit großen Schritten. Der Einzelhandel erinnert uns ja immer früher mit Weihnachtsdekoration in den Schaufenstern und Auslagen. Also genügend Zeit, um sich auf das alljährliche Weihnachtsfest langfristig vorzubereiten. Doch viele meiner Mitmenschen scheinen dies noch nicht so richtig aufgenommen zu haben. Hektik und Stress sind bei ihnen angesagt.

Jeder Mensch wird mit Stress konfrontiert. Stress ist eine natürliche Reaktion des Körpers auf Spannung, Druck oder Veränderung. Wohl dosiert kann Stress das Leben interessanter und weniger langweilig erscheinen lassen. Jedoch kann sich zu viel Stress negativ auf das persönliche Wohlergehen auswirken.
Wir leben in einer postindustriellen Welt, in der Hektik und Stress immer mehr zunehmen. In manchen Situationen scheint es, dass das Gestresstsein fast schon zum guten Ton gehört. Immer wieder hört man bei seinen Mitmenschen, wie gestresst sie doch sind. Und das betrifft nicht nur Manager, sondern auch Hausfrauen, Schüler, Sportler, selbst Rentner. Stress hat sich mittlerweile zu einer modernen Seuche entwickelt.
Abhängig von unserem Gefühls- und Gesundheitszustand können unter anderem Überlastungen und zusätzliche Aufgaben, Ärger im Beruf und in der Familie, andauernde Leistungsforderungen, zu hohe eigene Ansprüche und zu hohe Erwartungen von außen, Eile und Zeitdruck Stressauslöser sein.
Einige Stresssymptome können medizinische Gründe haben. Sehr oft sind es aber Reaktionen des menschlichen Körpers auf ein ungenügendes Stressmanagement.

Und wie sieht es mit dem Weihnachtsstress aus? Man möchte für seine Lieben ein perfektes und harmonisches Weihnachtsfest organisieren. Und schon bei diesem Gedanken fällt der Weihnachtsmann vom Rentierschlitten. Gerade dieses Streben nach Harmonie und Glückseligkeit führt automatisch zu Enttäuschung und sentimentaler Gefühlslage. Denn das Zeitfenster für die vielen Weihnachtsvorbereitungen, welches uns der Kalender gibt, ist sehr klein. Weihnachten ist Stress in Potenz: Plätzchen backen, Weihnachtsdekoration inklusive die Suche nach einem perfekten Weihnachtsbaum, Nikolaus, die Feiern im Kindergarten, Schule, Arbeitsstelle, Verein, Einkaufen in überfüllten Geschäften, extra gespartes Geld für überteuerte Geschenke ausgeben, Geschenke verpacken, Weihnachtskarten schreiben, quängelnde Kinder bis hin zum stundenlangen Vorbereiten des Festtagsmenüs. Immer mit der Ausrede, dass Weihnachten ja ein ganz besonderes Fest sei und man sich mal was Gutes gönnen möchte. Für gerade mal 3 Tage des Jahres nimmt man den ganzen Stress auf sich und steckt seine Mitmenschen auch noch damit an.

Wie harmonisch und vor allem planmäßig muss es in den Familien der vielen Verkäuferinnen und Verkäufer des Einzelhandels zugehen? Ist es gerade die Berufsgruppe, die von ihren Arbeitgebern rechtzeitig vor Beginn des großen Run mit Urlaubssperre belegt werden und bis zum 24. Dezember ihrem Job nachgehen sowie nach Weihnachten für die großen Umtauschaktionen offene Ohren haben müssen. Denn der Kunde ist König! Und das soll er auch bleiben.
Oft höre ich in vielen Geschäften, warum dies oder jenes nicht vorrätig sei. Letzte Woche lag es doch noch im Regal! Diesen Mitmenschen sei gesagt: Es gibt auch noch andere Käufer, die gerade dieses Produkt ihren Lieben zu Weihnachten auf den Gabentisch legen möchten. Und manchmal ist die Nachfrage größer als vom Produzenten erwartet. Doch in dieser Situation ist die Verkäuferin/der Verkäufer nicht die Person, an der man seinen aufgestauten Frust ablegen kann. Auch sie sind nur Menschen und gewillt, eine Lösung zu finden. Doch dabei muss der Frustrierte mithelfen. Das Verkaufspersonal kann wirklich nicht wissen, wo die Interessen der zu Beschenkenden liegen. Mein Rat in solch einer Situation: Eine sachliche Kommunikation bewirkt manchmal Wunder!

Wie kann man den Weihnachtsstress in den Griff bekommen?

Einige nützliche Tipps meinerseits:

  • Finde die innere Einstellung!

Überlege genau, wie ein gelungenes Weihnachtsfest aussehen sollte. Schraube deine überhöhten Erwartungen auf ein realistisches Maß herunter. Nimm dir Zeit, um dich mit den Erwartungen deiner Lieben auszutauschen. Sprich mit ihnen offen, wie man das Weihnachtsfest begehen will. Finde bei Unstimmigkeiten Kompromisse und breche auch mal mit lieb gewordenen Traditionen. Denn nur mit deiner inneren Einstellung schaffst du notwendige Voraussetzungen für ein besinnliches und harmonisches Weihnachtsfest.

  • Verteile die Aufgaben!

Binde, soweit es möglich ist, deine Familie in die Weihnachtsvorbereitungen ein. Wenn sich alle daran beteiligen, liegt der Faktor »Weihnachtsstimmung« weitaus höher, als wenn du alles allein bewältigst.

  • Veranstalte keine Grundreinigung der kompletten Wohnung!

Verschiebe deinen Großreinemachaktion auf den Anfang des Neuen Jahres. Denn bei einem echten Weihnachtsbaum fallen die Nadeln, bei der am letzten Tag des Jahres stattfindenden Party in deiner Wohnung geht garantiert der Punk ab.

  • Stelle dein Leistungsdenken ab!

Übernimm auf keinen Fall das Leistungsdenken im Alltag auf die Weihnachtsfeiertage. Viele Firmen haben zwischen den Jahren Betriebsferien. Du bist zu Hause und nicht auf Arbeit. Und denke daran: Das Fest muss nicht perfekt sein. Priorität haben Familie und Freunde.
Wenn du aber alles 100%ig machen willst, lasse dir so schnell wie möglich einen Kuraufenthalt verschreiben. Da hast du dann Zeit, über meine Zeilen nachzudenken.

  • Plane deine Weihnachtseinkäufe nicht erst am 24. Dezember!

Menschenmassen, Gedränge und Warteschlagen sind markante Zeichen in der Adventszeit und treiben Blutdruck und Stress in Schwindel erregende Höhen. Tätige deine Einkäufe nicht zu Zeitpunkten, an denen deine Mitmenschen auch unterwegs sind. Natürlich ist dies von Stadt zu Stadt, von Region zu Region unterschiedlich. Was nicht unbedingt notwendig ist, lässt sich auch nachträglich erledigen.

  • Achte lieber auf Qualität als auf Quantität!

Kaufen! Kaufen! Kaufen! Ich muss die Anzahl der Geschenke vom Vorjahr übertreffen. Auf Teufel komm raus!
Schon manche Eltern haben ihre Kinder unter all dem Geschenkpapier gesucht.
Das muss nicht sein. Denn kleine Geschenke erhalten die Freundschaft. Und mit Verstand ausgewählte Geschenke bereiten mehr Freude.
Höre schon im Vorfeld in Gesprächen mit deinen Lieben genau hin, was auf ihrem Wunschzettel stehen könnte. So kannst du weit vor der Adventszeit das Begehrte kaufen und ersparst dir damit einen Teil deiner Weihnachtseinkäufe.

  • Plane während der Feiertage Rückzugsmöglichkeiten ein!

Die Familie muss nicht an den 3 Weihnachtstagen alles gemeinsam machen. Räume Möglichkeiten ein, wo sich deine Lieben auch mal zurückziehen können, sei es zum Lesen, zum Musikhören oder auch einfach um Ruhe zu genießen.

  • Versuche dich nicht am Festtagsessen als 5-Sterne-Koch!

Weihnachten hat immer etwas mit gutem Essen zu tun. Was zubereitet wird, soll hier keine Erwähnung finden. Dazu sind die Geschmäcker und Traditionen zu unterschiedlich. Doch sollten Gerichte auf den Tisch kommen, die für alle ein Genuss sind, und das »Küchenteam« nicht zeitraubend strapaziert wird. Ich bevorzuge am Heiligen Abend Raclette.

Nun werde ich mich an meine Adventsvorbereitungen machen. Denn viel Zeit bleibt mir nicht mehr. Und auf meinem Wunschzettel steht ganz oben ein PÄCKCHEN ZEIT. Die werde ich für das nächste Jahr bestimmt brauchen.

In diesem Sinne wünsche ich allen eine besinnliche und vor allem stressfreie Adventszeit.

© Wolfgang Brandt

 

© by 2008
nach oben Zurück Optimiert für 1024x768 Pixel
im IE & Mozilla Firefox