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Werwolf Eine Horror-Kurzgecshichte von Sabrina Kowsky
Er hatte den breitkrempigen Hut tief in die Stirn gezogen, den Kragen seines Mantels aufgestellt, ging mit gesenktem Kopf und weit ausholenden Schritten dahin. Sein Atem eilte in kleinen, rauchgrauen Wölkchen an ihm vorbei. Die Kälte brannte auf seiner Haut, doch er schenkte dem keine Beachtung. Rasch drängte er sich an den vereinzelten Spaziergängern vorbei und jedes Mal hielt er die Luft an, senkte den Kopf noch ein Stück tiefer. Plötzlich stieß er gegen etwas und, im Reflex, blickte er hoch. Im selben Augenblick, in welchem er hochsah, riss er die Augen schreckgeweitet auf und er wollte sich sofort abwenden, doch er konnte es nicht. Er schob die dicken Ärmel zurück und warf einen hektischen Blick auf die Uhr. Er hatte nicht mehr viel Zeit. Vielleicht war es diesmal anders, aber er glaubte es nicht. Er setzte seinen Weg fort. Hätte er es ihr sagen sollen?, fragte er sich, doch sofort verwarf er diesen Gedanken wieder. Es gab keine Möglichkeit. Er wusste es nur zu gut. Als er die Wohnungstüre aufschloss, fühlte er bereits das Zittern seiner Lenden, das flackernde Brennen auf seiner Haut. Eilig warf er sie zu, verriegelte sie von innen, mit all den Schlössern, welche er angebracht hatte. Natürlich war es zwecklos, aber so fühlte er sich weniger hilflos. Er entledigte sich seiner Kleidung, warf sie achtlos zu Boden, bis er völlig entblößt da stand. Ein letzter Blick auf die Uhr. Es war Zeit. Seine Knie wackelten fürchterlich, winzige Schweißtropfen perlten über seine Schläfen, mit beiden Händen stützte er sich an den Wänden ab, tastete sich bebend vorwärts. Obwohl das Haus stockdunkel war und lediglich der flackernde, grelle Schein der Straßenlaterne durch die Ritzen der Bretter an den vernagelten Fenstern hereinfloss, hatte er keine Probleme sich zu orientieren. Dumpf pochte das Blut, hämmerte drängend gegen seinen Schädel. Nur seinem eisernen Willen war es zu verdanken, dass er überhaupt die Kellertüre hinter sich schließen konnte und es schaffte, die knarrenden Treppen hinabzuwanken. Doch auf den letzten Stufen versagten seine Knie und er stürzte. Hart kam er auf dem Betonboden auf, die Luft wurde aus seinen Lungen gepresst und für einen Moment hüllte ihn gnädige Schwärze ein. Als er die Augen flatternd wieder öffnete, zuckte sein ganzer Körper, wand sich in wilden Krämpfen. Er wimmerte, bettelte um eine weitere Ohnmacht, bis er verschwommen den Käfig vor sich wahrnahm. Erkenntnis blitzte in seinen Augen auf, dann wandelte sie sich in nackte Panik. Den Kopf erhoben, sein Ziel fixierend, robbte er nach vorne, wand seinen nutzlosen Leib hin und her und Zentimeter um Zentimeter kam er ihm näher. Fest presste er die Lippen aufeinander, unterdrückte das dunkle Grollen in ihm, welches sich einen Weg nach außen suchte. Er war noch nicht soweit. Er musste, musste dorthinein! Schnuppernd folgte er der unsichtbaren Spur. Seine langen Krallen klickten hell auf dem harten Asphalt unter ihm. Licht vermied er, suchte die Schatten. Fest konzentriert ließ er sich von seinem animalischen Trieb leiten. Es dauerte nicht lange, bis er gefunden hatte, was er suchte. Der wohlgeformte Schemen hinter den Vorhängen bewegte sich sachte zu den Klängen der Musik, welche gegen das dünne Glas des Fensters brandete, sich, nur für ihn hörbar, in der Luft verlor. Der heftige Regen saugte sich oberflächlich in sein Fell, feine Tropfen hingen an dessen Spitzen, perlten hinab und kamen mit leisem Platschen auf dem Boden auf. Er streckte den Kopf, die Nasenlöcher weiteten sich, tief sog er diesen Duft in sich ein. Flieder, Rosen - seine Lefzen zuckten. Die dunkelgelben Augen fixierten ihre Silhouette. Seine Muskeln spannten sich, fest schoben sich die Krallen in den Boden. Copyright © 2010 by Sabrina Kowsky
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