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Profitable Grüße

Eine Science Fiction-Kurzgeschichte von Margret Schwekendiek

Mein stolzes Raumschiff flog nach der, sicherlich obligatorischen, Begrüßung eines Fremdrassigen durch die lange Schleuse. Ein Schott aus molekularverdichtetem Stahl öffnete sich, und dahinter wurden die Andockplätze sichtbar, in dem jetzt schon zwölf Schiffe lagen.
Ich wusste, dass noch mindestens 20 Schiffe im Umkreis von rund zehn Lichtjahren im Anflug waren. Also konnte ich davon ausgehen, dass auf dieser Handelsstation mitten im All die Abfertigung relativ zügig vorangehen würde, ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Würde auch ich schnell vorankommen?
Wenig später war mein Schiff, die stolze XICANA, von den stählernen Halteklauen umgeben, und ich konnte die Zentrale verlassen, um im Kontor meine Fracht anzumelden und einen Käufer zu finden.
Im Kontor hatte ich eigentlich nur Roboter erwartet, aber dieses Volk, das sich Menschen nennt, scheint mir etwas merkwürdig zu sein. Nicht nur, dass sie ausgesprochen seltsam aussehen, so ganz ohne Fell, mit nackter Haut wie ein frisch Geschlüpftes, sie versuchen ihre Nacktheit auch noch mit lächerlichen Stofffetzen zu verbergen, die in ihrer Farbe und Zusammenstellung unseren Augen wehtun.
Nun, wir sind ein tolerantes Volk, das seit vielen Jahren die Raumfahrt betreibt, wir haben gelernt, mit den Unzulänglichkeiten anderer Völker zu leben und darüber hinwegzusehen.
Trotzdem war ich überrascht, hier im Kontor jetzt Terraner vorzufinden, welche sich um die Fracht und den Zoll kümmerten.
Ich ging zu einem hin, der gerade ganz den Eindruck machte, als habe er die ganze Zeit nur auf mich gewartet. Ich grinste ihn nach Art meines Volkes an, besonders darauf achtend, dass die nadelspitzen Zähne aufleuchteten und ich so einen besonders guten Eindruck auf ihn machte. Er starrte mich an, erwiderte meine Freundlichkeit aber nicht. Nun gut, das konnte ich verstehen – wer hätte je einen Terraner mit so schönen Zähnen gesehen, wie sie bei meinem Volk üblich waren?
Um dennoch den guten Eindruck zu verstärken, spreizte ich also auch noch mein Fell, bis die spitzen Dornfortsätze sich zeigten. Ich war voll und ganz davon überzeugt, mich von meiner besten Seite zu zeigen, immerhin wollte ich hier gute und schnelle Geschäfte machen.
»Mein Name ist Xix von Xiva-Korta III, und mein Schiff hat alle Laderäume voll mit den besten Xila-Früchten«, erklärte ich und hörte gleich darauf, wie das Übersetzungsmodul meine klangvollen Laute in die seltsam krächzende Sprache der Menschen umwandelte.
»Kenne ich nicht«, kam die unhöfliche Antwort. »Und Waffen im Fell sind an Bord dieser Station auch nicht erlaubt. Nennen Sie die Koordinaten Ihres Systems, damit wir es in unsere Daten umrechnen. Vielleicht können wir dann feststellen, was sich hinter Ihrer merkwürdigen Fracht verbirgt, und ob es überhaupt Handelsware für diese Station ist.«
Keine Manieren, diese Terraner, wirklich nicht. Wenn er schon nichts wußte, durfte er es nicht zeigen, das setzte ihn in eine schlechte Position für den Handel.
Aber ich wollte nun einmal Handel treiben, und daher blieb ich höflich.
»Xila-Früchte sind unsere wertvollsten Güter«, erklärte ich würdevoll und lächelte noch immer.
»Das kann schon sein. Aber ich brauche die Koordinaten Ihrer Heimatwelt.«
Ich seufzte, und der Terraner wich erschreckt zurück. »Ich will wirklich nur profitablen Handel treiben«, versuchte ich es noch einmal. »Und den dafür fälligen Zoll werde ich gern entrichten. Aber ich brauche einen Händler, der meine Xila-Früchte aufkauft. Willst du das also bitte jetzt registrieren, Terraner, damit ich weitermachen kann?«
»Ich brauche erst ...«
»Die Koordinaten meiner Heimatwelt. Ja, ich glaube, ich verstehe. Bekomme ich dann im Gegenzug diejenigen der Erde? Vielleicht kann ich ja dann direkt Handel aufnehmen ...«
»Nein!«, sagte er mit einer Lautstärke, die mir deutlich machte, dass er sich jetzt doch gut amüsierte. Aber warum dann dieses Ratespiel, wenn er doch Freude an mir hatte?
»Handel ist mein Leben«, sagte ich fröhlich in gleicher Lautstärke, und der Mensch schlug sich die oberen Extremitäten an den Kopf. Dann drückte er einen Knopf, und wenig später kam ein weiterer Terraner herein. Wie ich hellsichtig erkannte, war es ein Weibchen. Ich hoffte, sie würde ebensoviel Freude verbreiten, aber nicht ganz so schwierig sein.
Die beiden Terraner konferierten, wobei sie ihre Übersetzungsmodule ausschalteten. Ich hörte nur die seltsamen Laute, die sie als Sprache bezeichneten, mit dem unmöglichen Klangrhythmus. Aber ich verstand natürlich, dass dieses Gespräch nicht für mich bestimmt war.
Leider schien mit dem Auftauchen des Weibchens die gute Laune verflogen zu sein. Dann endlich wandte sie sich an mich, mit dem kläglichen Versuch freundlich zu sein. Ihre Zähne waren eigentlich eine Beleidigung, aber ich erkannte dennoch die Bemühung an.
»Von wo kommen Sie?«
Ich wiederholte meine Identifizierung und wies darauf hin, dass es Zeit wurde, meine Früchte zu verkaufen. Xila-Früchte sind schließlich nur begrenzt haltbar.
Sie machte den schwachen Versuch zu seufzen, das mussten die Terraner eindeutig noch verbessern, jedes Kleinkind auf unserem Planeten brachte es besser zustande.
»Ich kann Ihre Ware nicht klassifizieren, daher kann ich auch keinen Zoll festlegen oder Sie an einen Händler verweisen«, sagte das Weibchen.
Ich strahlte sie entzückt an, endlich ging es voran, selten hatte ich einen besseren Auftakt gehört, um den Handel zu eröffnen.
»Ich wäre bereit, dich mit einem Prozent zu beteiligen«, machte ich meinerseits ein lächerliches Angebot. Jetzt hatte auch sie Spaß, denn sie erhob die Stimme.
»Ich lasse mich doch nicht von Ihnen bestechen«, kam die laute und erfreute Antwort.
Endlich verstanden wir uns.
»Bei zwei Prozent hätte ich noch immer einen kleinen Profit«, erklärte ich ebenso laut.
Das Weibchen wechselte die Farbe ihres nackten, unbedeckten Gesichts. »Ich sagte schon, dass ich mich nicht bestechen lasse. Wenn Sie nicht sofort zu den Formalitäten zurückkehren, werde ich meinen Vorgesetzten rufen.«
Einfach köstlich! Diese Art des Feilschens war mir neu, aber ich ging darauf ein, weil es Spaß machte.
»Wenn du es wünschst und es bei euch so üblich ist, hole ich dann auch gern meinen Maschinisten. Vier Prozent?«, bot ich an.
Ein Blick auf meinen Chronographen belehrte mich, dass es an der Zeit war, zu einem Abschluss zu kommen, bevor die Xila-Früchte ...
Plötzlich stand ein Maurianer neben mir. Ich mag dieses Volk nicht, sie haben überhaupt keinen Stil und sind zum Handeln eindeutig zu dumm. Aber ich hatte nicht mehr viel Zeit.
Das Weibchen machte große Augen, als wir uns leider mit wenigen Worten einig wurden, und der Maurianer übernahm sogar den fälligen Zoll, ohne zu murren.
Wir gingen in mein Schiff, und ich gab ihm eine Probe der Früchte, wobei ich nur ein klein wenig mogelte.
Die Fracht wurde umgeladen, trotz meiner Zeitnot verabschiedete ich mich von den Terranern. Gute Handelspartner, wahrhaftig, wenn sie noch ein wenig üben. Eilig verließ ich dann das Kontor. Und doch erreichte mich noch der Funkspruch des Maurianers – so ein Pech.
»Wenn ich dich das nächste Mal in die Finger kriege, Xix, wirst du bezahlen. Du hast mich betrogen. Die Früchte waren schon überreif. Mein Schiff – mein ganzes, schönes Schiff.« Er gab seltsame Laute von sich, die ich jedoch nicht einordnen konnte. Aber im Hintergrund der Zentrale konnte ich natürlich die Brut der Xul-Fladen sehen, die aus den Früchten geschlüpft waren und jetzt das Schiff bevölkerten.
Na ja, bei allen fließenden Göttern – was hatte der Maurianer eigentlich erwartet, nach einer Reise von mehr als hundert Lichtjahren konnten die Xila-Früchte nicht mehr ganz frisch gewesen sein, die kosmische Strahlung förderte nun einmal das Wachstum der Fladen. Warum machte er jetzt so ein Theater?
Aber immerhin hatte ich mein Geld. Und beim nächsten Mal würde ich doch besser gleich mit den Terranern abschließen. Die freuten sich wenigstens.

ENDE

Copyright © 2010 by Margret Schwekendiek

 

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