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Engeltod 4 - Dark
Eine Horror-Kurzgeschichte
von EINsamer wANDERER
Manche Wesen leben so tief in der Dunkelheit, dass sich noch nicht einmal der Tod zu ihnen traut. Eine dieser Kreaturen war Azrael. Doch es gab noch andere.
Das Licht im Waggon des fahrenden Zuges gab den plaudernden Gästen Wärme und schützte sie vor der draußen herrschenden und kalten Dunkelheit der Nacht. Vorhänge aus teuren Stoff zierten die dunklen Fenster. Exotische Pflanzen standen in den Ecken. Alle haben sich in Schale geworfen, es war so eine Wohltätigkeitsveranstaltung, in der es letztendlich nur darum ging, mit Reichtum anzugeben oder einfach nur das teure Buffet zu plündern. Sie waren alle gleich mit ihren Designerklamotten und teuren Schmuck. Sie wurden von schnellen Kellnern mit dem teuersten Champagner verwöhnt.
Leise dudelte klassische Musik im Hintergrund. Niemand störte sich am gelegentlichen Ruckeln. In ein paar Minuten würde der Zug den Bahnhof erreichen.
Ein 18-jähriger Junge, der sich selbst Dark nannte, bediente sich am Buffet, als gäbe es keinen Morgen mehr. Eine schwarze Stoffjacke unterschied ihn von den anderen Gästen. Auf den Rücken der Jacke waren weiße Tribale, die so angeordnet waren, dass sie einen Wolf ergaben. Er trug wie immer die Stoffkapuze auf den Kopf, die seine Straßenköter farbigen Haare verbargen. Eine einfache Bluejeans sowie schwarze Turnschuhe vervollständigten sein Outfit. Seine dunkelgrünen Augen jagten über das Buffet, auf der Suche nach Nahrhaften und sättigendem Essen. Dunkle Augenringe, von Nächten voller Albträumen, umrandeten seine Augen und gaben ihnen etwas Düsteres. Seine linke Hand steckte wie üblich in der Jackentasche, während er immer nur seine rechte Hand ausstreckte, um am Buffet zugreifen zu können.
Einer der Veranstalter, der einen teuren weißen Anzug anhatte, war auf den Jungen aufmerksam geworden. Im Schlepptau hatte er zwei bedrohliche Muskelprotze im weniger teuren Anzug, mit denen er ihn entfernen wollte.
»Verzeihen, Sie. Würden Sie bitte Ihre Einladung vorweisen?«
Dark drehte sich zu dem weißen Lackaffen um. Ihn beeindruckten die Schränke nicht, die er dabei hatte. Gerade wollte er die drei Männer auffordern, sich zu verziehen. Als die Tür zum Waggon laut aufgemacht wurde.
Grölend und schreiend gingen ein Dutzend Männer und Frauen in den Waggon. Durch ihre schwarze Kleidung konnte man meinen, dass es sich um eine Gruppe randalierender Gruftis handelte. Sieht nach Vampiren aus.
»Ich hasse Vampire«, sagte eine abgrundtiefe, dunkle Stimme in Darks Kopf.
Niemand außer Dark konnte den Dämon hören, der von ihm Besitz ergriffen hat. Er hatte ihn einfach Baal getauft, da der Dämon sich nicht vorgestellt hatte und auch seinen Namen nicht preisgeben wollte.
»Sieht doch jeder, dass das Vampire sind«, entgegnete Dark telepathisch.
Diese Art der Kommunikation hatte zweierlei Vorteile. Erstens, sie ging schneller, als man Laute bilden konnte und zweitens, sie konnte nicht abgehört werden.
»Ich wette, die haben seit Tagen nichts zu sich genommen, und nun sind diese Insekten im Blutrausch, weil sie wieder auf den Geschmack gekommen sind«, sagte der Dämon hämisch. Dark war zum selben Schluss gekommen. Fängt ein Vampir nach längerer Zeit wieder mit den Trinken an, verfällt er in einen Rausch. In diesen Zustand würden sie alle im Waggon umbringen. Hoffentlich auch mich, dachte Dark.
»Dummkopf«, schalt ihn Baal, »diese niederen Kreaturen können dir nichts anhaben.«
Die Vampire begannen nun alles zu töten, was nicht schnell genug davonlaufen konnte. Sie bissen in Hälse und Pulsadern, um an das kostbare Blut zu kommen. Einige von ihnen hatten sich da weniger im Griff, denn sie zerfetzten ihre Opfer mit bloßen Händen.
Schon nach wenigen Augenblicken stank es im Zugwaggon wie in einen Schlachthaus und war nicht weit davon entfernt, so auszusehen. Die Pflanzen waren umgekippt, die Vorhänge waren zerrissen worden, als einige Menschen versuchten, an ihnen hochzuklettern. Eine Kellnerin in Darks Alter stand wie in Trance da.
»Das ist der Schock«, kommentierte der Dämon beiläufig.
Einer der Vampire war auf sie aufmerksam geworden und stürzte sich auf sie. Als er seine Zähne in der Kehle des Mädchens versenken wollte, trafen sie ins Leere.
Dark hatte sich schneller als der Vampir bewegt, das Mädchen weggezerrt und sie somit vor dem Zerfleischen gerettet. Dark stand gelassen neben den Vampir, die Hände in den Jackentaschen.
»Jetzt schlachten wir Vampire ab«, hörte er Baal vorfreudig sagen.
Der Vampir verzehrte das Gesicht vor Wut. Er packte Dark mit einer Hand an der Kehle und hob ihn hoch. »Wie kannst du es wagen, dich zwischen einen ehrenwerten Vampir von der Eliteeinheit und seiner Beute zu stellen!«
»Oh, sogar eine Eliteeinheit«, frohlockte der Dämon, seine Stimme triefte vor Hass und Vorfreude.
Dark holte seine rechte Hand hervor und umschlang mit ihr den Unterarm des Vampirs. »Gib mir etwas von deiner Kraft, Baal«, sagte er telepathisch zum Dämon.
»Bitte, so wird dir gegeben, was du begehrst«, leierte er fröhlich runter.
Dark spürte, wie eiskalte Dunkelheit durch seine Adern jagte. Seine Augen wurden glühend rot und seine Adern traten schwarz hervor. Er drückte seine recht Hand zu. Der Arm des Vampirs wurde pulverisiert, als hätte jemand seine Knochen in die Luft gejagt. Als Dark auf den Boden aufkam, enthauptete er den Untoten mit seiner rechten Handkante. Die Ränder wurden von der Verderbtheit der Hand schwarz gefärbt. Als der Kopf auf den Boden aufkam, rollte er zu Füßen eines weiteren Vampirs, der gerade Blut aus einem Menschenkopf trank. Er schaute erst auf den Kopf, dann auf Dark, der wieder die Hände in den Jackentaschen hatte. »Hey Leute, da ist jemand, der sich wehren kann«, schrie er und zeigte auf den stummen Dark. Jetzt realisierte die Gruppe, dass es einen ebenwürdigen Gegner gab. Sie zogen ihre Waffen und feuerten auf den Jungen. Jeder Schuss traf. Dark machte keine Anstalten sich zu bewegen, als er auf den Boden aufschlug, entspannten sich die Untoten, einer gab den Jungen sogar einen Tritt. Als sie sicher waren, dass er tot war, fingen sie an zu lachen.
Darks Augen glühten noch intensiver vor Wut. Der Junge schlug mit einer schnellen Bewegung der Handkante das Bein, welches ihn getreten hatte, ab. Die entsetzten Vampire sahen, wie sich die Wunden des Jungen durch die Verderbtheit des Dämons schwarz färbten, nur um anschließend zu verheilen. Als sich die Löcher in der Kleidung geschlossen hatten, stürzte Dark sich wie ein wahnsinniges Raubtier auf die Vampire. Er riss ihnen Gliedmaßen und Herzen aus und enthauptete sie, bis allein der schiere Blutverlust sie tötete. Während er eine ganze Eliteeinheit mit der rechten Hand besiegte, floss das Blut von seiner Kleidung, als wenn es sich weigern würde, bei ihm haften zu bleiben. Nachdem alle Monster außer Dark tot waren, normalisierte sich sein Zustand. Seine Augen wurden wieder dunkelgrün und seine Adern waren nicht mehr schwarz, nur ein Hauch Kälte blieb in seinen Knochen zurück. Die Musik dudelte weiter leise im Hintergrund und gab der Szene etwas Unheimliches. Im Waggon waren überall Leichenteile, einige zuckten noch. Jedes Gesicht zeigte Furcht oder unerträgliche Quallen.
»So viele Designerklamotten ruiniert«, sagte der Dämon übertrieben mitleidig. Dark ignorierte wie immer die Kommentare von Baal. Er sah wie sich das Mädchen, welches er gerettet hatte, angsterfüllt und wimmernd in der Ecke hockte. Der Zug hielt an und Dark stieg schweigend aus, ohne sie noch eines weiteren Blickes zu würdigen. Die Hände in den Jackentaschen musterte er den Bahnhof. Selbst zu dieser Zeit gab es ein geschäftiges Treiben. Menschen stiegen in die Züge ein und aus, über Lautsprecher wurden Ankündigungen gemacht. Die ersten Gaffer gingen zu dem Waggon, aus dem er gerade ausgestiegen war. Sie versuchten herauszufinden, was darin passiert war, aber durch das Blut an den Fenstern konnte man nichts Genaues sehen. Dark wusste, dass jeder hier ein Mensch war, also niemand, der ihm auch nur im Ansatz gefährlich werden konnte. Er richtete seinen Blick gen Himmel und fragte sich, ob der Gegner, der in dieser Stadt lauerte, ihn endlich von seinen leiden erlösen würde.
»Tot? Alle tot?«, fragte Vladimir entsetzt.
»J ... ja«, stammelte der Mann. »Es war der Monsterschlächter. Aber, wir haben endlich einen Zeugen gefunden. Eine junge Kellnerin hat ihn gesehen. Sie wurde bereits verhört und dabei konnten wir aus ihrer Aussage ein Phantombild erstellen. Eine Fahndung ist bereits im Gange. Wir werden versuchen, seine Identität über den Polizeicomputer herauszufinden.«
»Mir ist aufgefallen, dass Sie mir nicht erzählt haben, was genau mit der Einheit passiert ist.« »Nun ... ja«, kam es zögerlich aus der Lautsprechanlage. »Die Einheit hat offensichtlich die Kontrolle verloren. Sie haben Menschen in einem Speisewaggon angegriffen. Dabei ist wohl der Monsterschlächter aufgetaucht. Das ist alles, was wir bis jetzt wissen. Außerdem haben wir wie befohlen das Gefängnis von Azrael unter die Lupe genommen. Es stank bestialisch und überall war Blut ... aber keine Leichen, wir suchen nun wie verrückt nach ihnen.« »Danke«, sagte Vladimir resigniert.
Mark hat während des Gesprächs die Ohren gespitzt und sich im Büro des Vampirs genauer umgesehen. Der Ausblick wäre atemberaubend gewesen, wären da nicht die getönten Scheiben, die bei Tage kaum Licht reinließen und in der Nacht kaum Aufschluss über die nähere Umgebung gaben.
Ein teurer roter Teppich lag wie eine Zunge zwischen Tür und dem Bürotisch. Der Boden war aus normalen Steinplatten gefertigt. Zwischen den Pfeilern standen Ritterstatuen, sie schauten auf Mark herab und versuchten, ihn mit ihren Blicken zu durchbohren. Das Zeichen auf ihren Helmen kannte Mark nicht, aber er vermutete, dass es sich dabei um ein Vampirzeichen handelte. Ein Bild, ein Sonnenaufgang am Meer, war das Einzige, was die Wände zierte. Mark konnte das Gefühl nicht loswerden, dass es mit den Bild mehr auf sich hatte. Anscheinend vermisst dieser Vladimir wirklich die Sonne, erkannte Mark.
»Das Spiel scheint wieder von vorne los zugehen, die Opfer von Azrael beginnen, wieder auf Erden zu wandeln. Und ihr habt eine tolle Eliteeinheit da, um ihn aufzuhalten«, spottete Lucy. »Besiegt von einem einzigen Kerl.«
»Der Monsterschlächter ist kein einfacher Mann«, erwiderte Vladimir düster. »Seine Vorliebe für starke und zahlenmäßig überlegene Gegner ist mit der von Azrael zu vergleichen. Keiner der beiden hat je einen Kampf verloren.«
»Azrael hat schon mal einen Kampf verloren«, gab Lucy zu bedenken. »Und es werden noch weitere folgen.«
»Mag schon sein. Aber zurück zum Thema. Also, überlässt du uns Azrael oder muss ich dich mit Gewalt überzeugen? Ja oder nein?«
»Er gehört euch«, lenkte Lucy ein, seltsam einsichtig, »zumindest vorerst. Sollte ich aber den Eindruck bekommen, dass ihr mit der Situation nicht fertig werdet ...« Sie ließ den Rest des Satzes unvollendet im Raum stehen, als sie auf den Absatz kehrt machte und zum Fahrstuhl lief. ,,Komm, Mark«, rief sie herrisch.
Mark hörte auf, das Gemälde anzustarren und folgte ihr. Erst als sie vor den Gebäude waren, hielt Lucy kurz an. »Mark, willst du mir beim Retten dieser Scheißwelt helfen? Das ist deine letzte Chance, um auszusteigen.«
Mark ließ sich alles durch den Kopf gehen. Das konnte sein großer Durchbruch sein. Allerdings konnte er auch leicht abkratzen. Ach was, dachte er sich, wer nicht wagt, der nicht gewinnt. »Ich mach‘s.«
»Willkommen im Team,« antwortete Lucy erfreut. «Du sammelst Informationen und ich kill den Typen. Aber zuerst brauche ich eine heiße Dusche, die mir dieser Blutsauger Vladimir nicht gegönnt hat.«
Die beiden machten sich wieder auf zum Apartment.
Die Sonne ging auf und vertrieb mit ihren warmen Strahlen die dunkle Nacht. Aber der Sonnenaufgang, so schön er war, konnte Marks Gedanken nicht von den bösen Dingen in diese Stadt ablenken. So langsam begannen die Zahnräder des Schicksals zu malen. Für Engel, Menschen, Vampire, Dämonen und andere Wesen.
Fortsetzung folgt ...
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