Stories
Das Ding unter meinem Bett
Eine Grusel-Kurzgeschichte von Marc Hartkamp
Hallo, mein Name ist Joline. Ich möchte Ihnen etwas erzählen. Wir sollen uns als Hausaufgabe in den Ferien eine Geschichte ausdenken und sie aufschreiben. Ich brauche mir aber keine Geschichte auszudenken. Ich schreibe jetzt über dieses Ding unter meinem Bett. Ja ich weiß, so etwas gibt es nicht, werden Sie jetzt sagen. Das haben mir meine Eltern auch gesagt. Doch als ich vor einiger Zeit mit meiner Cousine Celine darüber geredet habe, meinte sie, sie hätte dieses Ding auch schon einmal gehört. Bei ihr kam das Flüstern aber aus dem Schrank und nicht wie bei mir unter dem Bett.
Einmal hatte ich keine Lust, mein Zimmer aufzuräumen und habe die Stofftiere einfach unter das Bett geschoben. In dieser Nacht konnte ich kaum schlafen. Ständig hörte ich Geräusche unter dem Bett. Als ich dann morgens aufwachte, lag mein Lieblingsstofftier mitten im Zimmer. Ihm fehlte ein Arm. Der lag in einer Ecke des Zimmers. Seitdem lasse ich kein Spielzeug mehr unter dem Bett liegen. Oma hat den Arm übrigens wieder angenäht.
Dieses Ding, wie ich es nenne, es hat nämlich keinen Namen, gibt es wirklich. Ich habe schon nachts mit ihm gesprochen. Ich kann es jedoch schlecht verstehen, weil es so komisch lispelt und schmatzt, wenn es flüstert. Als ob es den Mund voll Wasser hat oder so ähnlich. Ich habe es auch gefragt, was es denn von mir will. Es sagte, es sei einsam und brauche jemanden zum Spielen. Es lud mich ein, unter das Bett zu kommen, aber das werde ich wohl nicht tun. Ich traue diesem Ding nicht. In manchen Nächten bleibt es jedoch still unter meinem Bett. Dann sagt es nichts. Dann versucht es, mich mit Gerüchen zu locken. Einmal roch es nach Apfelkuchen, den ich so gern mag. Es roch genau so lecker wie bei meiner Oma in der Küche, wenn sie Apfelkuchen backt. Ich zog die Bettdecke über meinen Kopf und schlief dann irgendwann ein.
In einer Nacht sprach es mit der Stimme von Sid aus dem Film Ice Age, den ich so sehr liebe. Ich solle doch bitte zu ihm kommen und mit ihm spielen, ich würde es nicht bereuen. Doch ich blieb wieder hart und widerstand dem Drang, zu ihm zu kriechen.
Nein, ich werde nicht zu ihm unter das Bett kriechen, da kann es machen, was es will. Letzte Nacht wisperte es, es habe eine Überraschung für mich dort unten. Woher wusste es nur von dieser Puppe, die ich mir so sehr wünsche? Vielleicht ist dieses Ding nicht böse, wie ich es bisher glaubte? Ich zweifle schon fast daran. Doch mit wem soll ich darüber reden?
Es wird mich niemals in Ruhe lassen. Nie wird es aufhören, mich zu locken. Ich muss etwas dagegen tun, um endlich ruhig schlafen zu können. Wenn es nachher wieder anfängt, mich zu bedrängen, werde ich aufstehen, zu ihm gehen und schreien, es soll endlich verschwinden. Es soll wissen, dass ich es ernst meine. Dann wird bestimmt alles wieder gut ...
Copyright © 2011 by Marc Hartkamp
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