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Stories

Der Wahnsinn geht weiter

Eine wahre Geschichte von Reni Dammrich

Haben Sie schon mal den Spruch gehört: »Wenn es dem Bettelmann schlecht geht, dann verliert er das Brot aus dem Sack?« Nun – manchmal hat der Bettelmann bald keinen Sack mehr, aus dem er etwas verlieren könnte.

Wie immer flog ich etwa sechs Uhr dreißig beim Wachschutz ein, um den Schlüssel zu holen, und wie immer stellte ich das Auto gleich neben dem Pförtnerhäuschen ab. Kurzer Schwatz mit dem Diensthabenden und dann ab ins Auto, um auf den Parkplatz zu fahren. Also Zündschlüssel rein und ab dafür. Denkste! Zündschlüssel rein ging ja noch, ab mit »ab dafür« war nicht viel. Der Schlüssel saß wie Ochse im Zündschloss und ließ sich nicht einen Millimeter drehen. Hm! Wie jetzt? Lenkradschloss eingerastet? Nicht wirklich – es ging buchstäblich nichts mehr. Sch …! Also raus aus der Möhre, hin zum Wachschutz und um eine Telefonverbindung zur nächsten Werkstatt bitten. Na gut, der Meister versprach mir, für sieben Uhr einen Mechaniker zum Auto zu schicken. Also flugs den Firmenschlüssel greifen und aufschließen, den Kollegen Bescheid geben und schnell wieder zum Auto zurück laufen – zweimal quer durchs Gewerbegebiet. Kurz darauf erschien auch schon der rettende Engel. Dachte ich. Es gab nicht viel zu retten, das Auto musste huckepack in die Werkstatt. Schöner Mist! Zündschloss komplett hinüber. Als nach vier Tagen das Auto noch immer nicht fertig war, wurde ich unruhig. Der Ärger kam knüppeldick. Auch die Platine, die die Lenkradsperre und den ganzen Kram steuert, hatte sich verabschiedet. Nach genau einer Woche und einer fetten Rechnung konnte ich den Straßenhobel wieder in Empfang nehmen. Endlich wieder fahren! Schließlich hat man die zwei Beine zum Bremsen und Gasgeben und nicht zum Laufen, besonders, wenn sie so kurz sind wie meine. Außerdem war es gerade wieder empfindlich kalt geworden und ohne Auto ist man ja beinahe überall im Nachteil. Besonders wenn es um Transportfragen geht. Also packte mein Mann am Sonntag das ganze Altpapier ins Auto, damit ich gleich am Montag zur Annahmestelle fahren konnte. Gekonnt hätte – wenn ich gekonnt hätte. Schon am Montagmorgen, als wir den Arbeitsweg antreten wollten, wollte das Auto nicht mehr. Batterie tot – ohne Vorwarnung. Also zum Bus rennen und gerade noch pünktlich zur Arbeit kommen. Ich. Mein Mann hat ein paar Kilometer weiter von der Endhaltestelle aus zu laufen. Nach der Arbeit Batterie kaufen und zwei Kilometer nach Hause schleppen. Motorhaube auf und Halterungen lösen. Mann, träume weiter! Nix lösen. Außer Rost auf der Schraube, hatte die Stelle, an der die Batteriehalterung sitzt, so eine geniale Bauweise, dass man gar nicht oder nur mit einem überlangen dreizehner Steckschlüssel rankommt. Also noch einen Tag mit dem Bus in die Firma fahren und warten, bis der Gatte einen brauchbaren Schlüssel gebastelt hatte. Dann flutschte die Sache und mit der neuen Batterie fuhr die Kutsche wieder. Aber noch war nicht das letzte Wort gesprochen. Am Freitag der gleichen Woche verabschiedete sich der Motor des Heckscheibenwischers in aller Stille. Jetzt weiß ich endlich, warum die Zeitschrift »Erlebnis Auto« heißt …
(Und außerdem ist es blöd, wenn am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig ist.)

© Reni Dammrich

 

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