
Lyrik


Vor dem Spiegel: Heißer Schrecken
fuhr in Schienbein, Steiß und Becken
und in alle andren Knochen,
die vor Jahren sich verkrochen
hinter einer Schwabbelmasse.
„Gott! Wie ich mein Aussehen hasse!“
War statt zierlich und adrett
fett!
Pizza, Pasta, Sahnesoßen,
ließen wachsen Bauch und Hosen,
waren Schuld, dass selbst im Sitzen
ich beschäftigt war mit Schwitzen
und es hier in diesem Zimmer
roch wie'n Iltisbau (und schlimmer).
Also sagt‘ ich zum Genuss:
Schluss!
Täglich hieß es: Joggen, schwimmen,
und dazwischen Züge klimmen,
Cross-Trainer und Fahrrad strampeln.
Äpfel, Birnen, Musen pampeln,
Paprika und Möhrchen knabbern,
literweise Wasser schlabbern.
Und dann endlich, Gott sei Dank:
Schlank!
Um mein Neu-Gewicht zu halten
und nicht heimzukehrn zum alten,
war es nötig, mich zu quälen!
Fitness stärken, Muskeln stählen,
Situps, Crunches, Seilchen hüpfen,
kräftig am Expander züpfen.
Bizeps, Trizeps, links wie rechts.
Ächz!
Und das hieß – ganz richtig! - schwitzen
untern Armen, in den Ritzen.
Obwohl Body schön gebuild is‘,
stank ich immer noch wie’n Iltis.
Wurd gemieden auf den Straßen,
trat in Futterstreit mit Hasen.
Das sollte ein Leben sein?
Nein!
Also hab ich doch gesündigt
und im Fitness-Club gekündigt.
Gleich darauf warf ich mit Wonne
meine Waage in die Tonne
und hab mir mit Reinstgewissen
ein paar Dickmanns eingeschmissen.
Scheiß doch auf den Pfunde-Kampf!
Mampf!
© Olsen 2006
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