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Lyrik

Drachen haben Mundgeruch

Was nicht in Büchern steht geschrieben,
was nicht von Barden wird besungen,
wird nun von mir, da ich durchtrieben,
ans grelle Tageslicht geschwungen.

In alten Tagen war ich Jäger,
ging oft und gern auf Drachen los.
Mit den Jahren wurd' ich träger,
da's mir stank, das Jägerlos.

Nicht bildlich ist dies Wort gesprochen,
nein, ich meine es auch so.
Wer Drachenatem je gerochen,
ist über jeden Schnupfen froh.

Drachen, das ist nun bewiesen,
stinken aus dem Maul wie Jauche.
Darum wird auch braun die Wiese,
wenn Drachen nah am Grase fauchen.

Wer die Weisheit eines Drachen
mit eig'nen Ohren hören mag,
hält sich besser fern vom Rachen,
sonst grüßt am Ende nur der Sarg.

Gefressen werden, diese Gnade,
mag geringstes Übel sein.
Auch verbrennen wär' nicht schade,
doch erstinken ist gemein.

Ist die Rüstung noch so magisch,
das Schwert durchwirkt von Zauberkunst,
es endet jeder Recke tragisch,
der atmet fiesen Drachendunst.

Und wer es überleben sollte,
dem steht es ins Gesicht geschrieben:
Der Drache, den ich töten wollte,
hat den Geruchssinn mir vertrieben.

Seht ihr einen Drachen kommen,
bedeckt rasch eure Nasen.
Hat er die Jungfrau mitgenommen,
seid ihr sicher vor den Gasen.

Schickt nicht arme Rittersleut',
die haben andere Sorgen.
Lasst dem Drachen seine Freud',
dann riecht ihr auch noch morgen.

Will er die Ernte, sei es drum,
solange er nur schweigt.
Der Drachenatem haut euch um,
bis dass der Magen streikt.

Schenkt ihm euer Hab und Gut,
lasst ihn nur nicht reden.
Glaubt mir, es gefriert das Blut.
Der Gestank vernichtet jeden.

Ich habe die Lektion gelernt,
rieche nur mehr den Gestank.
Leb' von Drachen weit entfernt.
Drachenatem macht euch krank.

Copyright © 2010 by Sven Später

 

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